"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." - Wilhelm von Humboldt

Samstag, 24. Oktober 2015

Schultheiß in Steinheim

An der Spitze einer Gemeinde stand der Schultheiß. Seine Wahl erfolgte seit dem Mittelalter durch die Gemeinde. Der Schultheiß versah sein Amt unentgeltlich, erhielt aber sogenannte "Amts-Akzidentien", die aus Naturalien bestanden, aber auch eine gewisse Steuerfreiheit beinhalteten.
Die Schultheißen kamen meist aus wohlhabenden und bekannten Steinheimer Familien. Drei meiner Vorfahren übten dieses Amt aus:

Hans Trautwein wird in den Jahren 1600, 1603, 1610, 1614 und 1626 bis zu seiner Ermordung 1634 als Schultheiß genannt.
Andreas Zäh war von 1659 bis 1681 in diesem Amt tätig.


Christoph Heintzelmann ließ während seiner Amtszeit (1681-1688) das 1634 abgebrannte Rathaus am Marktplatz wieder aufbauen.

 
 
Das gesamte tägliche Leben wurde von der Gemeindeverwaltung überwacht und geregelt. Neben dem Schultheißen standen Gerichts- und Ratsverwandte, sie zählten zu den wichtigsten Honoratioren der Gemeinde. 1774 gehörten zwei Metzger, ein Kaufmann, der Adler- und der Lammwirt, sowie der Amtsbürgermeister diesem Gremium an. Er war ein Gemeindebediensteter , der eine feste Besoldung in Höhe von jährlich 15 Gulden erhielt. Außerordentliche Einkünfte hatte er aus der Verrichtung dienstlicher Aufgaben wie etwa die Überwachung der Felder und Weinberge, die Ausgabe von Holz an die Gemeindemitglieder. Im 18. Jahrhundert kamen hinzu: der Unterbürgermeister, der Gerichtsschreiber, der Heiligenpfleger (der u.a. für die Verteilung der Almosen zuständig war), der Vorratspfleger, der Mühlmeister, der Brotwäger, der Fleischschätzer, der Umgelder (der von allen in Steinheim ausgeschenkten Getränke fällige Abgaben einzog), der Unterkäufer (eine Art Makler), der Eicher (für das Eichen der Wein- und Bierfässer zuständig), der Untergänger (für das Verlegen der Zeugen unter die Grenzsteine und für Grenzstreitigkeiten zuständig), der Salz- und Pferchmeister, der Bau- und Feuerschauer, der Hochzeitsschauer, der Brunnenmeister, der Marktstandgeldeinzieher, der Feuerspritzeninspektor, der Heu- und Holzmesser, der Feld- und Waldschütz, die Hebamme (1774 sogar drei), der Weinbergschütz, der Fleckenschäfer, der Büttel, der Vieh- und Schweinehirt, der Nachtwächter und der Totengräber.
 
 
Die Verwaltungstätigkeit der Gemeinde wurde in Amts- und Gerichtsprotokollen festgehalten, die viele Bände füllen. 

 

Steinheim - Metallspende des deutschen Volkes

Als Metallspende des deutschen Volkes wurden Sammlungen von Rohstoffen und Einschmelzungen von Gegenständen aus Metall im Ersten und Zweiten Weltkrieg bezeichnet. 
Den Höhepunkt der Metallsammlungen bildete die reichsweite Erfassung und Demontage von bronzenen Kirchenglocken. Sie wurden auf den sogenannten Glockenfriedhof in Hamburg verbracht, dort eingeschmolzen und in ihre Grundbestandteile Kupfer und Zinn getrennt. Von den rund 90.000 im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten beschlagnahmten Glocken waren bei Kriegsende rund 15.000 noch nicht eingeschmolzen und konnten nach aufwändigen Identifizierungen weitestgehend wieder an ihre angestammten Plätze zurückkehren.

Glockenfriedhof in Hamburg
 
In Steinheim wurden die Kirchenglocken am 26. Januar 1942 abgenommen. Vom Kirchturm wurden die große und die mittlere Glocke geholt. Die mittlere Glocke hatte oben einen Rebenkranz als Verzierung. Die Inschrift lautete:
 
Aus Kriegs- & Friedensnot
Errette uns, Lieber Gott
1920 gestiftet zum Andenken an Samuel Albrecht in Philadelphia 
 
Beide Glocken wurden von Gebrüder Bachert in Kochendorf gegossen. Außerdem wurde noch die kleine Bronzeglocke vom Rathaustürmchen entfernt, die vermutlich 1767 von dem Ludwigsburger Glockengießer Christian Ludwig Neubert gegossen wurde.
 Samuel Albrecht (*1828 in Steinheim) ist der Sohn meiner 4-fachen Urgroßeltern Georg Friedrich Albrecht und Regina Magdalena Straub. Samuel ist 1854 von Le Havre mit dem Schiff Edgar P. Stringer nach Nordamerika ausgewandert, er kam am 25. Oktober in New York an. 
Die englische Zeitung Northern Times meldete am 10. November 1854: The ship EDGAR P. STRINGER arrived on the 25th from Havre and had 23 deaths on the passage from cholera. - Für 23 Auswanderer war bereits auf dem Schiff die Fahrt in die "Neue Welt" zu Ende.


Laut den Volkszählungen war Samuel Albrecht Metzger und lebte in Philadelphia. Seinen Nachnamen hatte er "amerikanisiert" und wurde im Zensus 1890 mit "Samuel Allbright" registriert. Am 23. April 1909 ist er in Philadelphia verstorben und wurde dort am 27. April bestattet.

Wer diese Glocke für die Kirche seines Geburtsortes Steinheim gestiftet hat, konnte (noch) nicht in Erfahrung gebracht werden.



Dienstag, 20. Oktober 2015

Kloster Maulbronn - Brunnenhaus

 
von weitem schon hört man das Plätschern des Klosterbrunnens in dem kleinen Brunnenhaus, der seit gut 2 Jahren in den Geldbeuteln der Europäer steckt

 
 
 
Das 1147 gegründete Kloster Maulbronn vertritt Baden-Württemberg auf der Zwei-Euro-Münze. Das Motiv des Unesco-Weltkulturerbes wurde rund 30 Millionen Mal geprägt. 
Gestaltet hat die Prägung der Pforzheimer Künstler Eugen Ruhl. Seit 2006 kann jedes Bundesland, das den Vorsitz im Bundesrat führt, ein Motiv für eine 2-Euro-Münze bestimmen. Im vergangenen Jahr war es Bayern mit Schloss Neuschwanstein, 2014 folgt laut Bundesbank Niedersachsen mit der St. Michaeliskirche Hildesheim.
Das ehemalige Zisterzienserkloster in Maulbronn zählt zu den besterhaltenen Klosteranlagen nördlich der Alpen. Mit seiner mehr als zwei Jahrhunderte umfassenden Bauzeit präsentiert es alle Spielarten der Gotik. Es ist zudem ein Denkmal der Religionsgeschichte, wurde das Kloster doch in Folge der Reformation 1556 in eine evangelische Klosterschule umgewandelt.

Quelle: Heilbronner Stimme

 

Kloster Maulbronn - Deckenmalereien

Im Kloster und um das Kloster herum gibt es viele Fotomotive. In den Klostergebäuden sind es die einfachen Deckenmalereien im Kontrast zu dem eintönigen Sandstein der Wände.









Montag, 19. Oktober 2015

Kloster Maulbronn - Epitaph von Abt Melchior Volz

 
8. Seitenschiff der Klosterkirche Maulbronn mit dem ...

 
... Grabmal von Abt Melchior Volz

 
Epitaph (Grabinschrift) mit seinem Wappen

 
Wappen von Melchior Volz

 
lateinische Inschrift

 
Deckengemälde über dem Epitaph

 
Das Wappen von Melchior Volz enthält eine Weintraube. Vermutlich als Erinnerung an seinen Geburtsort Großbottwar im Weinbaugebiet Bottwartal.  
 

Diese Kopie aus einem Buch, das die Wappen der Äbte enthält, erhielt ich in der Info-Stelle des Klosters. Die meisten Anfragen über die früheren Klostervorsteher betreffen dort meinen Vorfahren Abt "Melchior Voltz Botmarensis". 
  
 

Sonntag, 18. Oktober 2015

Abt - Klostervorsteher

Mein Urahn Melchior Volz war Abt im Kloster Maulbronn und ist dort in der Klosterkirche begraben.
Aber was ist ein Abt ? - Ein Abt war ursprünglich ein allgemeiner Ehrenname und ist seit dem 5./6. Jahrhundert den Vorstehern eines Klosters vorbehalten.
Im Zuge der Reformation behielten die evangelischen Äbte der reformierten Klöster zunächst die Amtsbezeichnung Abt bei. Im Laufe der Zeit setzten sich dann andere Bezeichnungen durch, so hießen die württembergischen Klostervorsteher bald nur noch Prälaten. Doch gibt es auch heute noch evangelische Konvente, deren Obere den Titel Abt bzw. Äbtissin tragen. Ein streng reguliertes Leben wie katholische Klöster führen diese Gemeinschaften jedoch nicht.

Auf dem Grabmal des Abtes Melchior Volz in der 8. südlichen Seitenkapelle der Klosterkirche Maulbronn findet sich die lateinische Inschrift, deren Übersetzung lautet wie folgt:
"Am  9. Dezember 1625 starb, fromm in dem Herrn, der berühmte Mann Herr Melchior Voltz, dieses Klosters würdigster Abt, der sich um den württembergischen Staat aufs beste verdient gemacht hat, im 63. Lebensalter, nachdem er den Schulen, den Kirchen und ebenso dem Vaterland viele Jahre lang mit höchstem Lob aufs treueste gedient hatte, dessen Gedächtnis in bestem Andenken sei. Seine Seele aber ist in der Hand Gottes und sein hier ruhender Leib wird einst ruhmvoll mit allen Heiligen auferstehen. Amen."

 


Freitag, 16. Oktober 2015

Kloster Maulbronn - Kloster Alpirsbach

Wer hätte gedacht, dass meine Wurzeln bis zu den Klöstern von Maulbronn und Alpirsbach gehen, dass zwei Äbte aus diesen Klöstern meine Vorfahren sind ... ?!
Melchior Volz (1562 Großbottwar - 1625 Maulbronn) ist nicht nur mein 11-facher Urgroßvater, er war auch Landtagsabgeordneter, Berater des Herzogs, Präzeptor in Bebenhausen, Diakon in Böblingen, Pfarrer in Wangen, Dekan in Blaubeuren, ab 1616 Abt in Anhausen und ab 1619 Abt im Kloster Maulbronn. Am 9.Dezember 1625 ist er in Maulbronn verstorben. Sein Grabmal ist in der Klosterkirche in Maulbronn, im 8. südlichen Seitenschiff.

 
Abt Melchior Volz
 
 
Kloster Maulbronn anno 1684
Forstlagerbuch von Andreas Kieser
 
  
Balthasar Elenheinz (1504 Stetten im Remstal - 1577 Alpirsbach), der Großvater seiner Ehefrau Barbara Elenheinz und mein 13-facher Urgroßvater, war der erste evangelische Abt im Kloster Alpirsbach.
Nach dem Studium in Tübingen war Balthasar Augustinerchorherr, schloss sich bald darauf der Reformation an und wurde 1553 evangelischer Pfarrer in Altdorf (Kreis Böblingen), 1549 Katechet in Holzgerlingen, 1556 Spezial (Dekan) in Böblingen und 1563 wurde er erster evangelischer Abt in Alpirsbach.
 
 
Kloster Alpirsbach