"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." - Wilhelm von Humboldt
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Freitag, 1. Januar 2021

Karl Pfizer - Was wäre wenn ... ?

Am 22. März 1824 wurde Karl Pfizer als fünftes Kind einer gut situierten bürgerlichen Familie in Ludwigsburg im Gebäude Schloßstraße/Wilhelmstraße geboren. Sein Vater war Konditormeister und Kolonialwarenhändler. Pfizer machte eine kaufmännische Ausbildung und erlernte zusätzlich als Apothekerlehrling den Beruf eines Feinchemikers. Pfizer hatte sich einen Teil seines Erbes ausbezahlen lassen und zugleich einen Kredit über 5000 Gulden bei seinem Vater aufgenommen. Dann begab er sich zusammen mit seinem Cousin Karl Erhardt, einem gelernten Konditor, 1848 auf die sechswöchige Reise nach Amerika. - Die beiden Auswanderer gründeten 1949 in Williamsburg, Brooklyn den Pharmakonzern Pfizer. 



Chas. Pfizer & Co. in Brooklyn, New York


170 Jahre später steckt die ganze Welt in einer lebensbedrohlichen Krise, die eine wirtschaftliche Krise nach sich ziehen wird. 

„Science will win“ - die Wissenschaft wird die Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus stoppen – davon ist der Pfizerkonzern überzeugt: "Seit März arbeiten wir deshalb mit dem Unternehmen BioNTech an der Entwicklung eines mRNA-Impfstoffs." Seit dem 21. Dezember ist dieser Impfstoff in der EU zugelassen. Mit den Impfungen wurde begonnen. 

Die Meldung über die hohe Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs der deutschen Firma Biontech und des amerikanischen Pharmakonzerns Pfizer hat die Welt regelrecht euphorisiert. 


Was wäre wenn es diese mutigen Auswanderer aus Württemberg in die Neue Welt nicht gegeben hätte? Was wäre wenn die vielen kreativen, neugierigen und ehrgeizigen jungen Menschen das Risiko der Überfahrt auf übervollen Segelschiffen nicht auf sich genommen hätten? Zuhause, wo der größte Teil der Bevölkerung in Elend und Armut lebte, hätten sie nie diese Möglichkeiten gehabt die ihnen die Neue Welt geboten hat. - Danke für euren Mut!


Das Geburtshaus von Karl Pfizer wurde vor vielen Jahren durch einen Neubau ersetzt. Seit Jahrzehnten fahre ich auf meinem Weg in die Innenstadt von Ludwigsburg an dem Eckhaus vorbei. Wenn die Verkehrsampel dort rot zeigte warf ich hin und wieder einen Blick nach rechts auf das Haus, wusste aber bisher nicht, dass hier der Gründer des US-Pharmakonzerns Pfizer geboren ist. Pfizer gehört heute zu den größten Arzneimittelherstellern der Welt.



Alles Gute für das neue Jahr

und bleibt gesund!



.  M  .

Freitag, 4. September 2020

Elly Heuss-Knapp & Valentin Halbmayer

Elisabeth Eleonore Anna Justine Knapp (1881 Straßburg - 1952 Bonn), bekannter unter dem Namen Elly Heuss-Knapp, war die Ehefrau von Theodor Heuss, dem ersten Bundespräsidenten (1949 - 1959) der Bundesrepublik Deutschland.

Elly Knapp legte 1899 ihr Lehrerinnenexamen ab, studierte Volkswirtschaft, hielt politische Vorträge und revolutionierte die Radiowerbung. Sie wurde 1946 Mitglied des Landtages von Baden-Württemberg und sie war Gründerin des Deutschen Müttergenesungswerkes.
Und das in einer Zeit als Frauen in Deutschland kein Wahlrecht hatten und es Frauen auch nicht erlaubt war ohne Zustimmung des Ehemannes arbeiten zu gehen oder ein Bankkonto zu eröffnen. Erst nach 1969 wurde eine verheiratete Frau als geschäftsfähig angesehen. 


Elly Knapp anno 1904

Mit Elly Heuss-Knapp habe ich nicht nur denselben Geburtstag, wir haben auch gemeinsame Vorfahren. Ihr 6-facher Urgroßvater Carl Valentin Halbmayer (* um 1606 † 1672) ist mein 8-facher Urgroßvater. Er war Stadthauptmann (-kapitän) und Wirt "Zum Schwarzen Bären" in Stuttgart. Geboren sind die älteren Kinder in Unterschwandorf bei Calw.



.  M  .





Samstag, 11. Juli 2020

Fahr mal hin - Eberbach am Neckar

Wir bleiben wegen den Corona-Reise-Einschränkungen diesen Sommer im Ländle und erkunden unser Bundesland Baden-Württemberg. Genießen unterwegs die ess- und trinkbaren "Schätze" unseres Landes. Mit Registrierung und "gesetzlichem" Abstand zu andern Gästen löscht ein kühles Bier oder ein Gläschen Wein in einer Gartenwirtschaft den Durst.


Kenner trinken Württemberger
Samtrot Rosé, ein "Schätzchen" von den Hessigheimer Felsengärten

Die Sommertour begann bereits in Eberbach am Neckar. Das Städtchen wurde mit seiner Viktoria-
Torte weltberühmt. Anno 1958 rollte die Begum Aga Khan im Rolls Royce am Neckar entlang zum
damaligen Kurhaus. Sie schrieb sich auch in das Goldene Buch ein. Die dreifache Olympiasiegerin im Skirennlauf, Katja Seizinger, ist in Eberbach aufgewachsen.



Café Victoria in Eberbach

In den vergangenen Jahrhunderten verließen viele Eberbacher ihre Heimat und wanderten nach Nordamerika aus. Der berühmteste Auswanderer ist der Bäckermeister Konrad Beisel, dessen Familie heute noch eine Bäckerei mit Blick auf den Neckar betreibt.
Conrad Beissel, wie er sich später nannte, wanderte 1720 nach Pennsylvania aus und gründete im gelobten Land der religiösen Toleranz das Kloster Ephrata. Auf der History-Seite von Eberbach finde ich zu meiner Überraschung den Enkel meines 9-fachen Urgroßvaters Jacob Weiser (*um 1625), Schultheiß in Großaspach:
"Der Württemberger Conrad Weiser (1696-1760) kam schon als Jugendlicher nach Pennsylvania und wuchs eine Zeit lang beim Stamm der Mohawk aus dem Volk der Irokesen auf. Später war er Farmer, Soldat, Dolmetscher und geschätzter Diplomat in indianischen Angelegenheiten. In den Jahren 1735 bis 1743 lebte er als Bruder Enoch unter den Hausleuten in Ephrata."

Eberbacher Auswanderer gründeten zur Zeit des Eisenbahnbaus die Stadt Hebron in North Dakota. Sie warben in ihrer Heimat erfolgreich für das 'gelobte Land' an der kanadischen Grenze. Es folgten u.a. die Familien Krauth und Conrath.


der Eberbacher Eber auf dem Brotlaib der Bäckerei Beisel

Die Krauths und die Conraths waren der eigentliche Anlass nach Eberbach zu fahren und dort das Stadtarchiv zu besuchen. Der Uhrmacher Leonhard Krauth (1805 Eberbach - 1880 Sindelfingen) wird mich weiterhin beschäftigen. Zeitgleich macht sich ein Schriftsteller aus New York mit der Familie Conrath ans Werk. Für das Geschichtsblatt 2021 der Stadt Eberbach werden wir zwei Beiträge über die Familie Leonhard Krauth und über den Künstler Ted Conrath und seine Vorfahren schreiben. 


.  M  .


Mittwoch, 1. Juli 2020

Medizin der Schwaben - Eau de Vie

der liebe Gott 
hat nicht gewollt
dass edles Obst
verderben sollt
drum hat er uns
um gut zu leben
den Schnaps als
Medizin
gegeben


Und genau deshalb lassen wir, wie viele Generationen im Schwabenland zuvor, das edle Obst nicht verderben. Vater und Onkel die wir hätten fragen können sind verstorben, so mussten wir uns selbst mit der Materie beschäftigen und experimentieren. Was aus den edlen Äpfeln wurde, kann sich durchaus sehen bzw. trinken lassen. 



eine große Apfelernte kündigt sich an ... 


Ein alter Stuttgarter Schwob nannte die Hochprozentigen "eingefangener Sonnenschein", eine doch sehr positive Umschreibung des eher negativen besetzten Wortes 'Schnaps'. Schnaps wird eher mit Alkoholiker anstatt mit Genuss in Verbindung gebracht. Der Franzose nennt den eingefangenen Sonnenschein 'Eau de Vie', wörtlich übersetzt: Lebenswasser. Rein sprachlich hört sich auch das 'Feuerwasser' aus der Wildwestliteratur weitaus besser an als das ordinäre Wort 'Schnaps'. 


.  M  . 



Dienstag, 16. Juli 2019

Wir schweigen nicht, denn damit hätten seine Mörder ihr Ziel erreicht

Der Tod meines Schwiegeropas jährt sich heute zum 79. Mal. Es war kein natürlicher Tod obwohl in seiner Sterbeurkunde vermerkt ist: verstorben an 'Herzschlag'.
Und nicht nur der Todesort Hartheim bei Linz (Oberdonau) wurde gefälscht, auch der Todestag, der 29. Juli 1940 und 'in der Wohnung verstorben' ist mehr als makaber.
Adolf N. wurde am 16. Juli 1940 in Grafeneck von den Nationalsozialisten grausam ermordet: vergast und verbrannt. An diesem Sommertag wurden auf der Schwäbischen Alb weitere 74 Männer aus der Heilanstalt Weinsberg ermordet. Auch an den folgenden Tagen, Wochen und Monaten ging das systematische Morden weiter. Im Jahr 1940 wurden in Grafeneck 10.654 Menschen in den Tod geschickt.

Wo war eigentlich der "liebe Gott", wo die Kirchenfürsten? Diese Frage kommt zwangsläufig wenn man sich mit der T4-Aktion beschäftigt. Und wo waren die Ärzte, die eigentlich der Menschlichkeit verpflichtet sind?
Angehörige haben ihre behinderten Kinder oder andere Familienangehörige in gutem Glauben kirchlichen Einrichtungen anvertraut und wussten nicht, wie dort vielfach über diese Menschen gedacht wird.
Die Geistlichkeit und der Nationalsozialismus ist ein dunkles Kapitel deutscher Kirchengeschichte. Nur wenige Pfarrer, Diakone und Bischöfe besaßen den Mut und die Einsicht, von der Kanzel gegen das Regime zu predigen. Nur wenige wehrten sich gegen das Programm zur "Vernichtung lebensunwerten Lebens". Und nur wenige kritisierten später den Massenmord an den Juden.
Und Ärzte, die eigentlich der Menschlichkeit verpflichtet waren, stellten sich mit der Euthanasie in den Dienst eines menschenverachtenden und menschenvernichtenden Tötungsprogramms. Es waren Ärzte, die in Grafeneck den Gashahn aufgedreht haben. Die Landesärztekammer hat zu Beginn des Jahres 2018 in Grafeneck einen Gedenktag abgehalten. Auf einer Tafel bekennen sie sich zur Schuld der Ärzte an den Verbrechen. Die Landesärztekammer hat sich zuvor nicht dazu geäußert.

Die Ermordung wehrloser Menschen lässt sich in keiner Weise mit dem hippokratischen Eid verbinden. Dennoch waren diese Ärzte nicht der Ansicht, Unrecht zu tun. Die Nazis sahen alle Menschen, die auf den ersten Blick keine sinnvolle Tätigkeit verrichten konnten als "nutzlose Esser" und sie sprachen von "unwertem Leben". Der "Gnadentod" wurde im Sinne von Heilung interpretiert. Die wenigsten Ärzte haben später Reue gezeigt.


Auch zum 79. Todestag fahren wir nach Grafeneck und wir werden auch weiterhin nicht schweigen, denn damit hätten die Mörder ihr Ziel "das Vergessen der Vernichtung  ist Teil der Vernichtung selbst", erreicht.


.  M  .



Mittwoch, 15. Mai 2019

Meier auf dem Einsiedel

Das Gut Einsiedel blickt auf eine lange württembergische Geschichte zurück. Graf Eberhard im Bart ließ im Jahr 1482 auf dem Einsiedel ein dreistöckiges Jagdschloss er­richten. Für die Brüder vom Gemeinsamen Leben, eine geistliche Gemeinschaft, gründete er das Stift St. Peter, in dem er nach seinem Tod 1496 beigesetzt wurde. Beide Gebäude, Stift und Jagdschloss, brannten ab. Her­zog Johann Friedrich ließ das Schloss teilweise wiederherstellen, so dass heute nur noch ein kleiner Rest des Schlösschens von Graf Eberhard erhalten ist. Die zum Schloss gehörende  Domäne wurde bis 1795 samt dem Gestüt Einsiedel vom Staat in Eigenregie bewirt­schaftet. Seit 1795 war sie verpachtet.
Stift St. Peter auf dem Einsiedler im Schönbuch bei Tübingen war ein Kloster


König Wilhelm I. von Württemberg kaufte das Gut Einsiedel im Jahr 1823 vom Staat und ließ es von der Hofdomänenkammer - als Behörde für die Verwaltung des Vermögens der Herrscherfamilie - verwalten. Ein Jahrhundert lang, von 1913 bis 2012, war die Domäne an die Firma Süddeutsche Zucker AG verpachtet, die großflächig Zuckerrüben anbaute.
Zum 1. Januar 2013 endete das Pachtverhältnis mit der Firma Südzucker AG. Die Hofkammer des Hauses Württemberg nahm den Einsiedel zurück und übertrug die Bewirtschaftung dem Gutsverwalter auf dem Betrieb Tiergarten. Seither bilden die beiden Betriebe Tiergarten und Einsiedel zusammen eine wirtschaftliche Einheit.

Der gesamte vom Tiergarten aus bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt ca. 1.030 Hektar. Der Gutsbetrieb Tiergarten mit etwa 730 Hektar Fläche liegt im Landkreis Ravensburg im Bereich der Gemeinden Ebersbach - Altshausen / Aulendorf und Ravensburg. Die Domäne Einsiedel mit knapp 300 Hektar Fläche liegt im Landkreis Tübingen, Gemeinde Kirchentellinsfurt. (Quelle: Hofkammer des Hauses Württemberg)

Meine Vorfahren aus Kirchentellinsfurt, Johannes Beck (1580 - 1630) und sein Schwiegersohn Martin Walker (1608 - 1662) waren Meier auf dem Einsiedel. - Meier ist Titel und Beruf eines mittelalterlichen Verwaltungsbeamten.


.  M  .


Sonntag, 3. Februar 2019

BUGA 2019 - Heilbronn - 75 Jahre nach dem Bombenangriff

Kamen wir auf die Stadt Heilbronn zu sprechen, war bei unseren Großeltern, Eltern und meiner Schwiegermutter sofort der verheerende Bombenangriff auf die Stadt im Unterland präsent.
Am 4. Dezember 1944 warf die britische Royal Air Force 1.200.000 Kilogramm Bombenmaterial über Heilbronn ab: laut der britischen Bomber Command of Summary Operations waren das 246.055 Spreng-, Leucht-, Blitzlicht-, Stabbrand-, Markierungs- und Mehrzwecksprengbomben.
Von den 14.000 Häusern der Stadt waren über 5.000 total zerstört.


die Innenstadt nach dem verheerenden Bombenangriff, links der Turm der Kiliankirche

"Je weiter man zurückblicken kann, desto weiter wird man vorausschauen", sagte einst Winston Churchill. Das Zurückschauen auf den 4. Dezember 1944 in Heilbronn hat viele Dimensionen und eine Gewissheit: Dieser Tag war das Nine-eleven der Stadt, er war ihre Auslöschen, es gibt kein vergleichbares Ereignis in ihrer Geschichte, das ihm an historischer Wucht und Bedeutung gleichkommt, nicht einmal die Pest von 1626, als Heilbronn etwa genauso viele Einwohner hatte, wie am 4. Dezember starben.
Meine Familie lebte 25 Kilometer südlich der Stadt und alle erinnerten sich an den in der Nacht taghell erleuchteten Himmel und an das Rot über der brennenden Stadt. Ein Augenzeuge aus meinem Dorf, damals 17 Jahre alt, war in dieser Nacht bei Verwandten am Heilbronner Südbahnhof zu Besuch. Mit Tränen in den Augen erzählte er mir vom Morgen danach als sie in die Innenstadt gingen. Entsetzliche Bilder die er nie vergessen konnte: Geruch von verbranntem Menschenfleisch, verbrannte Leichen am Straßenrand liegend, aber auch 'haufenweise' übereinander,  die nur noch etwa 40 bis 50 Zentimeter groß waren. - Das Haus für Stadtgeschichte zeigt einen Film über diesen verheerenden Bombenangriff auf die Stadt die damals als eine der schönsten Städte in Deutschland galt.
Die Narben sind heute noch in der Innenstadt sichtbar. Straßen mit einzelnen historischen Häusern die den Bombenangriff überlebten oder wieder aufgebaut werden konnten, wechseln sich mit nach dem Krieg erstellten Zweckbauten ab.
Erst seit einigen Jahren hat man den Eindruck, dass der wahre Wiederaufbau von Heilbronn erst jetzt stattfindet und das meiste zuvor nur eine Notlösung war.

Zu einem modernen Heilbronn trägt auch die Bundesgartenschau bei, die am 17. April 2019 von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet wird: 173 Tage Garten, Blumen, viel Natur entlang des alten Neckars und zeitgenössische Kunst - ein Wandel von einer Industriebrache  zum Landschaftspark und neuen Stadtquartier Neckarbogen. Die Sammlung Würth präsentiert sich mit internationalen Künstlern wie Niki de Saint-Phalle und Heinrich Brummack.


Zwerg Karl aus dem 3D-Drucker wirbt vor dem Heilbronner Rathaus für die BUGA



.  M  .


Donnerstag, 31. Januar 2019

Geschichtsort HOTEL SILBER - Stuttgart

Im Jahr 2011 beschloss die grün-rote Landesregierung das Hotel Silber in der Stuttgarter Dorotheenstraße zu erhalten. Die fast 60 Jahre zuvor Regierenden der Christlich Demokratischen Union hätten das historische Gebäude anläßlich der Bebauungsplanung des Dorotheenquartiers am liebsten in die Luft gejagt. Ein unrühmliches Gebäude aus unserer dunklen Geschichte wäre verschwunden und heute stünde auf dem teuren Baugrund der Stuttgarter Innenstadt ein weiterer
Luxuseinkaufstempel den die Menschheit nicht wirklich braucht.

Anno 1873 erwirbt Heinrich Silber das Gasthaus "Zum bayrischen Hof" und erweitert es, die Oberpostdirektion zog 1919 ein, ab 1928 erfolgte die Nutzung durch das Polizeipräsidium und die Politische Polizei, ab 1933 war es die Zentrale der Politischen Polizei - 1936 umbenannt in Geheime Staatspolizei. Bei einem Luftangriff 1944 wurde das Gebäude teilweise zerstört. Nach Kriegsende hatte die Stuttgarter Kriminalpolizei dort ihren Sitz, später das Innenministerium und das Integrationsministerium.
Planungen zum Bauprojekt Dorotheenquartier sahen also den Abriss vor. Die hartnäckige Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber setzte sich für den Erhalt ein, daraufhin erfolgte 2011 der Beschluss zum Erhalt. Im November des vergangenen Jahres erfolgte die Eröffnung des Hotel Silber als Ort historisch-politischer Bildung und Zweigmuseum des Hauses der Geschichte.

Im Hauptquartier für den deutschen Südwesten hat die Gestapo bei ihren Verhören politische Gegner erniedrigt und gefoltert, vier Personen ermordet und den Abtransport tausender Menschen in die Konzentrations- und Vernichtungslager organisiert. In dem unscheinbaren Verwaltungsbau fand tödliche Büroarbeit statt.
Wer sich in der Ausstellung mit der Vergangenheit auseinandersetzt wird wachsamer gegenüber ersten Signalen von menschenfeindlichem und totalitärem Gedankengut. Oder - wie der Stuttgarter Oberbürgermeister bei der Eröffnung betonte: Die Erinnerung kann verhindern, dass Verbrechen sich wiederholen.

Mein Großvater wurde 1943 von der Gestapo zum Verhör in das Hotel Silber abgeholt, verbrachte dort zwei oder drei Nächte. Es war mir deshalb ein Bedürfnis, das Haus zu besuchen, in dem er die schwärzesten Tage und Nächte erlebte.



.... ich begebe ich mich in den weiß getünchten Keller. Dort unten ist es ganz still, eine kleine Maueröffnung gibt den Blick frei auf eine von drei Zellen in denen die Festgenommenen auf das erste Verhör warten: rohe Wände und Gitter vor den Kellerfenstern. Ich bin allein im Keller, ich schließe meine Augen, die Sinne konzentrieren sich auf die Stille mitten in der Großstadt und den modrigen Geruch der immer stärker wird, Bilder meines Opas ziehen vorüber, der modrige Geruch wird noch stärker und ich sehe immer noch Bilder meines Opas und ich frage: welche Qualen hast du hier erlitten.... hättest du bei deinem Arbeitgeber damals anders reagiert, wenn du gewusst hättest was dir in diesem Keller widerfährt und du anschließend an die Front geschickt wirst, obwohl du aus gesundheitlichen Gründen zurückgestellt gewesen bist .... mir läuft es eiskalt über den Rücken.... fünfzig Jahre nach seinem Tod bin ich ihm hier ganz nahe.... hätte ich einen Wunsch frei, würde ich mir wünschen, dass wir uns über diese schwarzen Tage und Nächte unterhalten könnten... !
Ich bin stolz auf dich. Stolz darauf, dass du Rückgrat gezeigt hast. Du hast dich nie verbiegen lassen, auch dann nicht als der frühere Ortsgruppenleiter im Dorf "Persilscheine" unterschreiben ließ um bei der Entnazifizierung eine mildere Strafe zu bekommen. Das Studium seiner Verfahrensakte der Spruchkammer im Landesarchiv war sehr aufschlussreich, unglaublich wer sich in unserem Dorf als "Wendehals" hervortat.... der 'Herr Ortsgruppenleiter' hätte künftig ja wieder das Sagen haben können und man wollte nicht auf der falschen Seite sein.... 

Einen Tag nach meinem Museumsbesuch und 6,5 Wochen nach der Eröffnung wurde der 10.000ste Gast  im Hotel Silber begrüßt.




.  M  .

Samstag, 24. November 2018

Georg Friedrich Zundel - Clara Zetkin - Paula Bosch

Meist beginnt eine Recherche ganz 'harmlos' mit Geburtsort, Geburtsdatum, Heirat und Todestag. Hinzu kommt der Beruf und eventuell ein Amt innerhalb der Gemeinde und vielleicht gibt es noch Auswanderer innerhalb der Familie, das war es dann meist auch schon.
Man kann aber auch ganz unbeabsichtigt bei der Frauenrechtlerin Clara Zetkin und Paula Bosch, Tochter von Robert Bosch, und Lenin "landen".
Über die Auswanderung des Ehepaares Zundel-Arnold nach Nordamerika habe ich bereits berichtet. Vorfahre des Auswanderers Johann Friedrich Arnold ist der Murrer Ochsenwirt Hans Leonhard Pfuderer, mein 6-facher Urgroßvater

Die Familie Zundel, die Vorfahren seiner Ehefrau, hat ihre Wurzeln in der Schweiz. "Alt" Hans (Johannes) Zundel kam nach dem 30-jährigen Krieg und vor 1666 aus Sargans (Sankt Gallen, Schweiz) nach Wiernsheim im Heckengau. Er war Zimmermann und später Zunftmeister des Maulbronner Zimmerhandwerks. Nach der Herkunft dieser Einwandererfamilie wurde eine Wiernsheimer Straße in "Schweizer Straße" benannt. Der älteste namentlich bekannte Zundel ist Nicolaus, anno 1501 in Sargans geboren. 

Das Leben Georg Friedrich Zundels (*1875 Iptingen), Sohn des Wiernsheimer Löwenwirts und Bierbrauers, der mit 14 Jahren sein Elternhaus verließ und nie wieder betrat, ist sehr außergewöhnlich. Nach einer Malerlehre in Pforzheim war er Dekorationsmaler in Frankfurt, studierte Kunst in Frankfurt und Stuttgart. Zundel war in den Jahren des Studiums mit sozialistischen Ideen in Kontakt gekommen. Er lernte die in Stuttgart als Redakteurin der SPD-Frauenzeitung Die Gleichheit arbeitende sozialistische Politikerin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin kennen. Er heiratete 1899 die achtzehn Jahre ältere Clara und lebte mit ihr von 1903 bis zur Scheidung 1926 in einem Landhaus in Sillenbuch (Stuttgart), das zu einem beliebten Aufenthaltsort für internationale Führer sozialistischer Organisationen wurde. Auch Lenin machte dort 1907 Station.

Nach der Scheidung von Clara Zetkin heiratete er 1927 Paula Bosch, die er schon gemalt hatte, als sie noch ein Kind gewesen war. Mit ihr zog er auf den von Robert Bosch für seine Töchter gebauten Berghof bei Tübingen, wo er sich neben der künstlerischen Tätigkeit auch der bäuerlichen Arbeit zuwandte.
Aus der Ehe mit Paula Bosch ging als einziges Kind der Sohn Georg Zundel hervor. Friedrich Georg Zundel erhielt ein Ehrengrab auf dem Tübinger Stadtfriedhof.


Paula Zundel-Bosch in der Tübinger Kunsthalle - 1972

Paula Zundel-Bosch und ihre Schwester Margarete Fischer-Bosch stifteten 1971 die Kunsthalle Tübingen, um eine dauerhafte Bleibe für Zundels Werke zu schaffen. Für die Verdienste um die Stadt Tübingen wurde Paula Zundel, wie auch ihre Mutter Anna Bosch, zur Ehrenbürgerin der Stadt Tübingen ernannt.


---->  Georg Friedrich Zundel   <----


.  M  .


Samstag, 19. Mai 2018

"Gerechtigkeit und Friede liebe ich" - Fünf Jahre 'Back to the Roots'

Vor genau 5 Jahren begann ich diesen Blog, der erste Beitrag war über die Hankertsmühle im Rottal bei Mainhardt im Schwäbischen Wald. Heute schreibe ich wieder über die Hankertsmühle, es ist mein 374. Beitrag auf diesem Blog. In diesen 5 Jahren kamen weitere Informationen über die Mühle meiner Vorfahren Klenk hinzu.
Und fast auf den Tag genau fand ich in der Südwest Presse einen Zeitungsartikel über die Hankertsmühle mit dem Titel: "Ein Hort der Erholung und des Grauens".
Und auch hier stellt man wieder fest, dass früher nicht alles besser war, wie wir oftmals unüberlegt vor uns hinsagen. Im Gegenteil, es waren grausame Zeiten. Die Unterlagen in den Archiven erzählen von Mord und Totschlag, Hunger, Krankheit und Not in der Mühle. - Nach der Schlacht bei Nördlingen im September 1634 verwüsteten herumziehende Soldatentruppen das Land, auch die Hankertsmühle wurde geplündert, dem Müller Lienhardt Klenk der "Schwedische Trank" gewaltsam eingeflößt. In einem Brief ist die Rede von "ain Korn Simri Wasser", das sind 22,153 Liter Flüssigkeit, vermutlich Jauche.
Lienhardt hat diese grausame Tortur nicht lange überlebt. Ob er direkt an den Folgen oder danach an Hunger oder Pest starb, die ebenfalls grassierte, ist nicht überliefert. Gott habe ihn schließlich und "etliche" seiner Kinder von ihren Qualen erlöst, heißt es in einem Brief von Jacob Wieland, der die Mühle 1640 zusammen mit seinem Schwiegervater Jacob Dietrich gekauft hat. Lienhardts Frau und zwei Kinder haben offenbar überlebt.


Zu den wenigen Überresten der Mühle gehört eine Sandsteinsäule mit der von den Wielands stammenden Inschrift: "Gerechtigkeit und Friede liebe ich".

Nicht weit entfernt von der Hankertsmühle verlief der Limes, die Außengrenze des Römischen Reiches mit einem Kleinkastell. In den nächsten Wochen liegt mein Fokus auf der Römerzeit. Die Recherchen beginnen nächste Woche mit "Salben und Düfte der Antike" am Limestor Dalkingen. Dieses einzigartige römische Triumphalmonument am Obergermanisch-Rätischen Limes zählt zu den eindrucksvollsten Ruinen. "Salben und Düfte der Antike" gehören zum Kinderprogramm des Limesmuseum Aalen und ist für mich Vorbereitung auf meine Betreuertätigkeit beim nächsten Sommerferienprogramm in Marbach/Neckar mit dem Thema "Zeitreise". Im Schwäbischen Wald und auf der Ostalb gibt es vielerlei Spuren der Römer: Grenzzäune, Wachttürme, Kastelle und Museen mit freigelegten Grundmauern denen ich bisher keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt habe.


Wachtturm bei Geißelhardt


Doppelt lebt, wer auch Vergangenes genießt.

- Marcus Valerius Martial, römischer Dichter - 



Dienstag, 3. April 2018

Württemberger Lederhose - Furchtlos und Treu

Rund um den Erdball herum kennt man sie: die Lederhos'n oder auch Krachlederne genannt. Man denkt dabei an Bayern und an Oktoberfeste. Und die Württemberger blickten mit etwas Neid auf die zünftigen Beinkleider der Bayern. 
Wir Württemberger haben jetzt unsere eigene Lederhos'n. Verziert mit dem alten Württemberger Wappen samt dem Wappenspruch der württembergischen Könige.







"Furchtlos und Treu"
Wappenspruch der württembergischen Könige






Sonntag, 25. Februar 2018

Omas & Opas Welt - Schulmuseum & Spielzeugmuseum

Was macht man an einem sonnigen aber eiskalten Wintersonntag? - Raus auf's Land! Aber zum x-ten mal die schon "abgelatschten" Wege wieder "ablatschen" oder wieder von der heute verwaisten "Platte", DEM Sommer-Motorradtreffpunkt, in das Heilbronner Land hinunterschauen ? - Nein! Oder nicht nur!
Also dann los hinter die Berge zu den sieben Zwe.... falsch, hinter die Löwensteiner Berge nach Weiler, einem Ortsteil von Obersulm. Im Jahre 1037 wurde Weiler zum ersten Mal erwähnt und war der Stammsitz der Freiherren von Weiler, einem alten württembergischen Adelsgeschlecht. In Weiler steht nicht nur das Schloss, eine Kirche und ein Backhaus, in Weiler ist auch das größte baden-württembergische Schul- und Spielzeugmuseum. Also back to the roots in Omas und Opas Welt.





Sonntag, 21. Januar 2018

Reinhold Würth und die Schutzmantelmadonna

Genau einen Tag nach dem letzten Post traf ich wieder auf die Schutzmantelmadonna von Hans Holbein dem Jüngeren. In einem Kiosk traf mein Blick den FOCUS mit der Titelstory "25 Jahre Focus" und dem Titelbild von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier samt einem groß aufgedruckten sensationellen und ins Auge springenden Preis von 1 Euro.
Im Jubiläums-FOCUS ist unter der Rubrik Kultur ein Interview mit Reinhold Würth: "Was ist es für ein Glück, die Schutzmantelmadonna zu besitzen, Herr Würth?" als Auftakt zu der neuen Serie "Deutschland, deine Kunstsammler".
Reinhold Würth (82) machte den 2-Mann-Betrieb seines Vaters zum Weltmarktführer. Die Kunstsammlung des Unternehmens zählt mit mehr als 17 000 Werken zu den größten Privatsammlungen Europas. Untergebracht ist sie in den 14 Museen des Unternehmers: dem Museum Würth in Künzelsau, der Kunsthalle Würth und der Johanniterkirche in Schwäbisch Hall und den Museen in der Schweiz, Spanien, Dänemark, Österreich, Frankreich, Norwegen, Italien und den Niederlanden. Für mich ist die Kunsthalle Würth und das Museum Würth mit den Wechselausstellungen seit vielen Jahren ein wichtiger Ort. Fast vor der Haustüre gibt es wertvolle alte, moderne und abwechslungsreiche Kunst, die sonst nur in Metropolen zu sehen ist. Bildungstechnisch sind die Museen für Kinder und Jugendliche hervorragend. Und ich werde den Tag nicht vergessen, wo meine Tochter fasziniert und ganz nah vor einem Gemälde von Claude Monet stand. - Würth macht's möglich und der Eintritt ist frei.

Aus dem jahrelangen Ringen um den Erwerb der Himmelskönigin ging Milliardär Würth als Sieger hervor, über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, Kenner der Kunstszene schätzen 50.000.000 Euro plus X. Dabei ist zu bedenken, dass die Madonna auf der nationalen Liste der zu schützenden Kulturgüter steht, das heißt: mit Ausfuhrverbot belegt ist - und also dem internationalen Markt entzogen ist, auf dem dieses Schlüsselwerk der nordischen Renaissance einen wesentlichen höheren Preis erzielt hätte. Also ein Schnäppchen für den Kunstsammler aus Hohenlohe.


Schutzmantelmadonna in der Johanniterkirche
Meisterwerk von Hans Holbein dem Jüngeren,
der zwischen 1526 und 1528 neben der Jungfrau mit dem Kind
die Familie des Basler Bürgermeisters Jakob Meyer "zum Hasen"
dargestellt hat
146,5 cm x 102 cm

FOCUS: "Bitte beschreiben Sie das Glück, die Schutzmantelmadonna zu besitzen:"
Reinhold Würth: "Glück ist relativ. Was die Schutzmantelmadonna angeht: Da bin ich nicht sentimental. Mich beeindruckt mehr die Geschichte des Werkes. Holbein malte es, als in Basel die Reformation einzog, er keine Aufträge mehr bekam und fliehen musste. Zum Glück nahm er das Gemälde mit."

Wie schon im vorigen Beitrag erwähnt, hat mein Vorfahre Michel Erhart an der Ulmer Schule mit Hans Holbein dem Älteren zusammengearbeitet. Die beiden Familien lebten zeitweilig in Ulm. In Schwäbisch Hall treffen 500 Jahre später Holbein und Erhart wieder aufeinander. Von der Johanniterkirche aus gelangt man in wenigen Minuten zur Evangelischen Kirche St.Michael, die durch die Freilichtspiele auf der großen Treppe weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt ist. Dort über dem Altar ist das 1494 von Michel Erhart geschaffene Chorkruzifix, ein Hauptwerk der schwäbischen Gotik.




Freitag, 12. Januar 2018

Wanted - gesucht wird ....

Liebe Leser, ich brauche Ihre Hilfe !

Der Stammbaum der Familie Trautwein aus Steinheim enthält einige Ungereimtheiten. Eventuell können Sie mir dabei helfen mehr über "Ulrich Trautwein Vaihinger von Schöntal" zu erfahren und ihn zeitlich richtig einzuordnen.
Sein Vater soll Bürgermeister Ulrich Trutwin gewesen sein, der 1529 verstorben ist. Schöntal liegt bei Backnang. Dieser Ulrich taucht in mehreren Online-Stammbäumen mit verschiedenen Schreibweisen (Vayhinger, Veyhinger, Vohinger, Vöhinger) auf.
Geburts- und Todestag sind unterschiedlich geschätzt. Seine Ehefrau hieß Margarethe Lorcher, Tochter des Georg Lorcher, Schultheiß und Vogt in Großbottwar.
Verschiedene Ereignisse aus dem Leben von Ulrich Trautwein Vaihinger zu Schöntal habe ich gesammelt, passen aber zeitlich nicht zusammen:

1508 - am 8. Mai 1508 wurde der Schäferhof zu Fürstenhof (Großaspach) von Herzog Ulrich dem Kanzleischreiber Trautwein Vaihinger (Vohinger) und seinen Erben zu Lehen gegeben
1516 - vom Stift Backnang erwarb der damalige Amtmann 1516 einen Hof in Unter-Schönthal (Backnang) um eine Jahresgült von 3 Pfund 7 Schilling und 8 Heller
1516 - Amtmann und Sekretär bei Herzog Ulrich
1524 - Erwerb des Warthofs (meine Vorfahren Schuster besaßen den benachbarten Hetzelhof)
1525 - nach der Zerstörung des Warthofs im Jahre 1525 wohnte Trautwein Vaihinger in seinem Bottwarer Haus (Großbottwar) und klagte von dort aus noch 1533 vergebens auf Schadenersatz gegen die vermeintlichen Übeltäter, die den Warthof plünderten und in Brand steckten


Großbottwar anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser


1534 - nachdem Vaihinger sich dann von Herzog Ulrich "wegen Untreue und Überschuldung verantworten sollte, setzte er sich ins Ausland ab
1536 - geht es in einem Schriftstück (Staatsarchiv Stuttgart) um das Schuldenwesen von Trautwein Vaihinger
1547 - Stadtschreiber Ulrich Vayhinger habe, seit er etwa 1547 im Amt war, sehr penibel Buch über die Finanzierung des Rathauses geführt. Das geht aus dem 200 Seiten starken in Schweinsleder gebundenen "Elsa-Buch" hervor (Heilbronner Stimme 2006)
1552 - in einer Urkunde (Staatsarchiv) verpflichtet sich Ulrich Vayhinger, Stadtschreiber zu Bottwar, für seine drei Viertel Weingarten ........ statt des bisherigen sechsten Teils einen jährlichen Urbarzins von 30 Schilling an die Predikatur zu Bottwar zu zahlen

Es kann sich um Vater und Sohn handeln, der 1547 genannte Stadtschreiber soll kinderlos gewesen sein, sein Vater soll aus Murrhardt stammen. Die gesammelten Daten passen leider nicht zusammen.

Für jede Information bin ich dankbar, Ihre Informationen können Sie gerne als Kommentar unter diesen Beitrag schreibe.


Samstag, 6. Januar 2018

Die Kirche bleibt im Dorf - Lehrhof Steinheim

Der zu Steinheim gehörende Lehrhof, den meine Vorfahren Sprecher von Bernegg 1658 teilweise erworben haben, ist ein ruhiger abseits gelegener Weiler. In vergangenen Sommer war es plötzlich aus mit der Idylle, als die letzten 6 Staffeln der 30-teiligen Serie "Die Kirche bleibt im Dorf" gedreht wurden.  Eine Serie die angeblich niemand anschaut, aber doch kennen fast alle Schwaben die TV-Familien Rossbauer und Häberle. Die Zugereisten werden den derben schwäbischen Wortschatz ebensowenig verstehen wie der Film-Pfarrer Kai-Uwe Köster, der auch ein Zugereister ist.



Filmpfarrer Kai-Uwe Köster

Hollywoodmäßig stand ein blitzeblanker Airstream im Rohrbachtal, der als "Kantine" für die Filmleute diente. Zu Fuß ging ich die Hofstraße in den Weiler hinauf und wurde aber gleich von einem Aufpasser angehalten. Gewöhnlich schauen ja die Schauspieler "aus der Glotze" heraus in unsere gute Stube. Jetzt wollte ich die Gelegenheit nutzen um die Schauspieler an einem der Drehorte zu beobachten. - Ich sollte einfach aufpassen, dass ich nicht durch's Bild laufe, sonst muss bei der Sommerhitze die Szene nochmals gedreht werden. 



TV - Kantine 

Ich schlich mich an dem kleinen Feuerwehrhaus des Lehrhofs vorbei, das für Filmszenen eingerichtet war und schon sah ich Pfarrer Köster im Schatten einer Remise auf seinen nächsten Einsatz wartend. Auch sein blaues Moped stand schon bereit. Fotos sollte ich vor dem Filmstart bitte nicht veröffentlichen, so die Anweisung der Film-Crew. Pfarrer Köster schien in seiner schwarzen Kleidung bei der sommerlichen Hitze genervt zu sein, hatte aber doch 2 Minuten Zeit für Fotos. Ich schaute mich auf dem Film-Bauernhof kurz um, verließ aber bald wieder den Lehrhof um nicht ins Bild zu laufen und unnötig Arbeit zu machen.



in allen 30 Folgen war Pfarrer Köster mit seinem Schwalbe-Fatzgerle* unterwegs
* zu deutsch: Motorroller der Firma Schwalbe

Die Verhältnisse in Ober- und Unterrieslingen sind so unübersichtlich wie nie: Das Pfarrhaus quillt über vor Rossbauers und Häberles, der Pfarrer ist überfordert, Maria hat tatsächlich geheiratet und ist nun unglücklich in ihrer Ehe mit Heinz. Der hat Gottfried Häberle beim durchzechten Polterabend das halbe Schloss abgeluchst und zeigt jetzt sein wahres Gesicht: Er kommandiert, schikaniert, lässt die anderen für sich arbeiten oder will sie gleich ins Altersheim abschieben. Aber nichts vereint mehr als ein gemeinsamer Feind. Für die Rossbauers und die Häberles gibt es nur noch eins: Heinz muss weg! Final, wenn es nicht anders geht. Es werden Allianzen geschmiedet und ein verrückter Plan nach dem anderen entworfen: Der Pfarrer versucht das Schlimmste zu verhüten...  

An Weihnachten und zu Beginn des neuen Jahres saßen also wir Schwaben erwartungsvoll vor der "Glotze" um die letzten Staffeln mit den Häberles und Rossbauers nicht zu verpassen. - Alles gut, Pfarrer Kai-Uwe Köster verließ aber dennoch die chaotischen Schwaben die er immer noch nicht richtig verstehen konnte ... !



Mittwoch, 29. November 2017

Von der Alb raa auf den Stuttgarter Weihnachtsmarkt

Wir Schwaben können nicht nur Auto, also nicht nur Daimler und Porsche. Schwaben sind "Tüftele" (hochdeutsch: Tüftler). Das ist allgemein bekannt. Wer aber glaubt, dass Schwaben nur an Technik interessiert sind, der liegt falsch. Schwaben tüfteln genauso gern wenn es um Genuss geht. Und wenn sich gleich mehrere dieser "Tüftele" zusammentun, entsteht Einzigartiges.
Drei Genuss-Tüftler von der Schwäbischen Alb kamen diese Woche bei Nacht und Nebel mit ihrem gemeinsamen Projekt von der Alb raa (hochdeutsch: herunter). Der Schwertransporter mit einem "Flyingspace" der Firma SchwörerHaus aus Hohenstein nahm Kurs auf die Landeshauptstadt, stoppte genau vor dem Königsbau, mit Blick über den Stuttgarter Schloßplatz bis zum Neuen Schloß. Und bevor die Großstadt erwachte setzte der Schwerkran die aus heimischen Hölzern hergestellte Ladung ab. - Aber nach Weihnachtsmarkt sieht dieses moderne "Flyingspace", auf das ein weiteres "Flyingspace" gesetzt wurde, nicht gerade aus ... ?!


der Aromatresor entsteht vor dem Königsbau in Stuttgart

Aber um so mehr soll es in dem Aromatresor "Flyingspace" der Genuss-Tüftler nach Weihnachten duften. Dafür sorgen der neu erfundene Albstollen des BeckaBeck aus Römerstein und die Destillate und Süßweine der Manufaktur Jörg Geiger aus Schlat.


 Entwurf eines etwas anderen Weihnachtsmarktstandes

Die drei genannten schwäbischen Tüftler haben ihre Köpfe zusammengesteckt und etwas ganz Besonderes ausgetüftelt: einen eigenen Weihnachtsstollen für einen der schönsten Weihnachtsmärkte der Welt: den Albstollen für Stuttgart. Ein ganz besonderes Meisterstück mit original schwäbischem WiesenObst und den besten Zutaten, die unsere Heimat zu bieten hat. Gereift zu einem einzigartigen Genuss in einem speziell entwickelten Aroma-Tresor.


Video: Woher wir kommen

Für Johannes Schwörer, Heinrich Beck und Jörg Geiger war heute irgendwie schon Weihnachten und verständlich, dass die drei Älbler die Eröffnung des Stuttgarter Weihnachtsmarktes kaum erwarten konnten. Die Genuss-Tüftler & wir Schwaben freuen uns auf Ihren Besuch auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt. 

Mehr über 



Samstag, 25. November 2017

Nordamerika - German Bier & German Wurst

Wenn ich die Erfolgsgeschichten der Auswanderer lese, denke ich 'was Württemberg durch die Auswanderung an fleißigen und kreativen Menschen verloren hat'. Andererseits, hätten es die jungen Auswanderer, Söhne von Bauern, Weingärtnern oder einfachen Handwerkern damals in den beengten Verhältnissen im Königreich Württemberg so weit gebracht? Ich meine nein. - Sie haben ihre Heimat nie vergessen und, wie die beiden jungen Auswanderer aus Benningen und Kleiningersheim, ihren wirtschaftlichen Erfolg oftmals mit ihren Heimatgemeinden geteilt.

Von Benningen am Neckar wanderte 1870 über Nacht der junge Gottlieb Storz aus. Aus ärmlichen Verhältnissen kommend, arbeitete sich der Küfer zum Millionär hoch. Im Alter von 32 Jahren wurde er Besitzer einer Brauerei in Omaha. Storz galt als "giant in the brewing world", ein 'Riese in der Brauwelt'.
Er war in schweren Zeiten der Wohltäter für seine alte Heimatgemeinde, 1922 wurde er zum Benninger Ehrenbürger ernannt.



Der 1909 in Kleiningersheim geborene Karl Ehmer wurde zum "Wurstkönig von New York", seine Handelskette mit Wurst und Fleisch reichte bis nach Florida. Der Entschluss des Metzgers nach Amerika zu gehen, wurde in Kleiningersheim mehr als nur zur Kenntnis genommen. Zum Abschied spielte der Musikverein im Gasthaus "Rössle". Am 29. August 1930 ging Karl Ehmer in Hamburg an Bord des Schiffes "Hamburg" mit dem Ziel New York.


Ehmer-Wurst ist auch heute noch in den USA gefragt. Im Angebot sind All Beef Frankfurters, Bauernwurst, Chicken Bratwurst, Chicken Apple Sausage, Farmers Liverwurst, German Bratwurst, Gelbwurst, Leberkäse, Landjäger, Long Wieners, Blutwurst ... 

Per Testament vermachte Karl Ehmer nach seinem Tod 1998 seiner Heimatgemeinde eine Million Deutsche Mark, zweckgebunden für ein Pflegeheim, das seinen Namen trägt.



Freitag, 24. November 2017

Marbach - Rathmann & Rathmann

Der reiche Johann Sebastian Rathmann setzte sich und seinem Vater beim Bau seines Hauses Niklastorstraße 7 in Marbach ein Denkmal.
Sein Vater Johann Friedrich war von 1663 - 1688 Geistlicher Verwalter in Marbach. Er wurde 1624 in Göppingen als Sohn des königlichen Zollschreibers Bartholomäus Rathmann geboren und starb um Georgii 1688 in Marbach.
Die frei gewordene Stelle wurde an seinen Sohn Johann Sebastian vererbt, der nach dem Jurastudium Keller (Kellermeister) in Hoheneck gewesen war, er hatte die Stelle bis zu seinem Tod 1699 inne.


 Johann Sebastian Rathmann auf dem linken Konsolstein



Niklastorstraße 7 -  Baujahr 1699



Johann Friedrich Rathmann auf dem rechten Konsolstein




Sonntag, 12. November 2017

Michel Schmid - Nunnenmacher aus Ofterdingen

Michel Schmid, mein 11-facher Urgroßvater war von Beruf Nunnenmacher. Was heute der Tierarzt macht, besorgte im Mittelalter ein Handwerker. Im Mittelhochdeutschen ist "nunne" die Bezeichnung für einen kastrierten Eber.
Bis Michel Schmid aus Ofterdingen (Landkreis Tübingen), geboren um 1555, verlängerte sich ein Zweig meines Stammbaumes gleich um 6 Generationen - dank eines Ahnenforschers auf gedbas.de, der den Ofterdinger Bürgern bis ins Mittelalter auf der Spur ist.


Ofterdingen anno 1683 - Forstlagerbuch Andreas Kieser


Beim Schuhmacher Martin Hartmayer und seiner Ehefrau Regina Händlin, beide ohne weitere Daten, endete dieser Familienzweig bisher. Der Sohn Johann Jacob ist 1749 in Großbottwar geboren. Aus Regina Händlin wurde durch aufmerksames lesen des Großbottwarer Kirchenbuches Maria Rosina Händle. Das Eheregister blätterte ich ab 1749 rückwärts und kam ganz schnell auf die Heirat am 29. August 1747 von "Martin Hartmayer, Sebastian Hartmayers, Bürger und Metzger zu Ofterdingen lediger Sohn" und "Maria Rosina Händlerin, Georg Händles Bürger und Weingärtner allhier ledige Tochter".
Martin starb mit 51 Jahren einen Tag vor Heilig Abend 1772, seine Witwe heiratete 6 Monate später den Witwer Johann Michael Trefz, Bauer auf dem Weiler Fürstenhof, Gemeinde Großaspach.

Die weitere Suche nach der Familie Hartmayer und weiteren Vorfahren aus Ofterdingen bei gedbas.de war ein voller Erfolg, mein Stammbaum vergrößerte sich um 65 (!) Vorfahren. Der Einsender vermerkt noch: "Konnte ich aufgrund dieser Daten-Einstellungen anderen Familienforschern zusätzliche oder gar neue Informationen zu bestimmten Personen und/oder Familien ermöglichen, so freut es mich!" - Die Freude ist ganz meinerseits und ein "Herzliches Dankeschön" geht per E-Mail nach Zimmern ob Rottweil.



Samstag, 4. November 2017

Werner & Pfleiderer - Bakery Technologies

Jeder oder fast jeder Schwabe hat in seinem Stammbaum einen "Pfleiderer". Und wer bei uns keinen Pfleiderer in der Familie hat kam wenigstens in den Genuss einer Brezel deren Teig in einer Knetmaschine von W&P zubereitet wurde.
Weltbekannt wurde der Name Pfleiderer durch die schwäbische Firma Werner & Pfleiderer aus Cannstatt in Württemberg, gegründet 1880. W&P besitzt bereits 10 Jahre nach der Gründung Niederlassungen in London, Paris, Wien, Moskau und Saginaw (Michigan), USA.

Cannstatter Misch- Knet-Maschinen und Dampf-Backofen-Fabrik
Werner und Pfleiderer Cannstatt (Württbg.)
Berlin, Köln, Wien, Paris, London, Moskau, Saginaw USA
Patente in allen Ländern
145 höchste Auszeichnugen



Elftausendsiebenhundertundneunzehn Verwandte und 833 Fotos der Großfamilie (Stand 2. November 2017) enthält der Online-Stammbaum Pfleiderer, Felder and others: von A wie Abbott bis Z wie Zwink. Machen Sie sich auf die Suche nach Ihren Vorfahren. Viel Erfolg!