"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." - Wilhelm von Humboldt
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Freitag, 12. Januar 2018

Wanted - gesucht wird ....

Liebe Leser, ich brauche Ihre Hilfe !

Der Stammbaum der Familie Trautwein aus Steinheim enthält einige Ungereimtheiten. Eventuell können Sie mir dabei helfen mehr über "Ulrich Trautwein Vaihinger von Schöntal" zu erfahren und ihn zeitlich richtig einzuordnen.
Sein Vater soll Bürgermeister Ulrich Trutwin gewesen sein, der 1529 verstorben ist. Schöntal liegt bei Backnang. Dieser Ulrich taucht in mehreren Online-Stammbäumen mit verschiedenen Schreibweisen (Vayhinger, Veyhinger, Vohinger, Vöhinger) auf.
Geburts- und Todestag sind unterschiedlich geschätzt. Seine Ehefrau hieß Margarethe Lorcher, Tochter des Georg Lorcher, Schultheiß und Vogt in Großbottwar.
Verschiedene Ereignisse aus dem Leben von Ulrich Trautwein Vaihinger zu Schöntal habe ich gesammelt, passen aber zeitlich nicht zusammen:

1508 - am 8. Mai 1508 wurde der Schäferhof zu Fürstenhof (Großaspach) von Herzog Ulrich dem Kanzleischreiber Trautwein Vaihinger (Vohinger) und seinen Erben zu Lehen gegeben
1516 - vom Stift Backnang erwarb der damalige Amtmann 1516 einen Hof in Unter-Schönthal (Backnang) um eine Jahresgült von 3 Pfund 7 Schilling und 8 Heller
1516 - Amtmann und Sekretär bei Herzog Ulrich
1524 - Erwerb des Warthofs (meine Vorfahren Schuster besaßen den benachbarten Hetzelhof)
1525 - nach der Zerstörung des Warthofs im Jahre 1525 wohnte Trautwein Vaihinger in seinem Bottwarer Haus (Großbottwar) und klagte von dort aus noch 1533 vergebens auf Schadenersatz gegen die vermeintlichen Übeltäter, die den Warthof plünderten und in Brand steckten


Großbottwar anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser


1534 - nachdem Vaihinger sich dann von Herzog Ulrich "wegen Untreue und Überschuldung verantworten sollte, setzte er sich ins Ausland ab
1536 - geht es in einem Schriftstück (Staatsarchiv Stuttgart) um das Schuldenwesen von Trautwein Vaihinger
1547 - Stadtschreiber Ulrich Vayhinger habe, seit er etwa 1547 im Amt war, sehr penibel Buch über die Finanzierung des Rathauses geführt. Das geht aus dem 200 Seiten starken in Schweinsleder gebundenen "Elsa-Buch" hervor (Heilbronner Stimme 2006)
1552 - in einer Urkunde (Staatsarchiv) verpflichtet sich Ulrich Vayhinger, Stadtschreiber zu Bottwar, für seine drei Viertel Weingarten ........ statt des bisherigen sechsten Teils einen jährlichen Urbarzins von 30 Schilling an die Predikatur zu Bottwar zu zahlen

Es kann sich um Vater und Sohn handeln, der 1547 genannte Stadtschreiber soll kinderlos gewesen sein, sein Vater soll aus Murrhardt stammen. Die gesammelten Daten passen leider nicht zusammen.

Für jede Information bin ich dankbar, Ihre Informationen können Sie gerne als Kommentar unter diesen Beitrag schreibe.


Montag, 6. Juni 2016

Romagne-sous-Montfaucon & Verdun

Mit vielen neuen Bildern im Kopf zurück aus Verdun. - Der erste Tag begann mit einer Gedenkfeier auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Romagne-sous-Montfaucon. Bei Clermont-en-Argonne verließen wir die Autoroute, fuhren 30 km über schmale Landstraßen durch eine liebliche Landschaft und abgelegene Dörfer, um uns herum Felder, Täler und Wälder, wo unsere Vorfahren während des 1.Weltkriegs gekämpft haben.



Das Programm für die Gedenkveranstaltung für die Opfer des Ersten Weltkrieges anlässlich des 100.Jahrestages der Schlacht um Verdun in Romagne-sous-Montfaucon war sehr vielfältig. Beteiligt waren das Heeresmusikkorps Ulm, das Blasorchester Rilchingen-Hanweiler, die Sängerin Patricia Hammond, eine deutsche Pfadfindergruppe, Pastorin Wiebke Kellermann mit einer Schülergruppe aus Ratzeburg und Markus Meckel, Präsident vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.


Die deutschen Pfadfinder lasen aus Feldpostbriefen der Wandervogelkameraden Erich Krems, Hans Koch und Peter Kollwitz, Sohn der berühmten Künstlerin Käthe Kollwitz. Erich Krems kämpfte und fiel bei Verdun, Peter Kollwitz ruht in Vladslo, Flandern. Hans Koch überlebte und wurde 97 Jahre alt.


Aus dem Bericht des französischen Soldaten Louis Corti: Bin ich der einzige in meinem Loch der noch lebt? Vor meinem geistigen Auge zieht meine Familie vorbei, die ich zuhause zurückgelassen habe und vielleicht nie wieder sehen werde. Ich erblicke meine Liebsten, mein verschlafenes Dorf, meine Kinder, und ich sage zu mir selbst, dass alle Träume, die wir gemeinsam gehabt haben, niemals Wirklichkeit werden, dass wir uns niemals wiedersehen werden..... und eine furchtbare Angst durchdringt mich bis ins Mark.

Aus der Rede von Markus Meckel: Erich von Falkenhayn, General der Infanterie und Chef der 2. Obersten Heeresleitung, beschrieb die deutsche Strategie dieser Schlacht in seinen Memoiren: Die französische Armee sollte sich bei Verdun "verbluten". Für dieses Ziel war man bereit  auch die eigene Jugend zu opfern.
Heute tragen wir die Überreste des deutschen Soldaten Hans A.W. Winkelmann aus Ratzeburg zu Grabe. Er starb vermutlich am 20. August 1917 - seine Überreste wurden im März 2014 bei Forstarbeiten gefunden. Gemeinsam mit seinem Bruder Karl, der vermutlich bereits im Mai 1916 in einem Feldlazarett bei Verdun gestorben war, gehören sie zu den über 140 Kriegstoten des kleinen schleswig-holsteinischen Städtchens Ratzeburg.

Nach der Beisetzung des gefallenen deutschen Soldaten und dem Lied "Ich bete an die Macht der Liebe" wurden Kränze niedergelegt. Den Totensignalen "Aux Morts" und "Ich hatte einen Kameraden" folgte eine Schweigeminute, dann spielte das Heeresmusikkorps Ulm  die Nationalhymne der Republik Frankreich und die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland. Der Petersburger Marsch beendete die 2-stündige und sehr eindrucksvolle Gedenkfeier.



Anschließend lud der deutsche Botschafter in Frankreich, Nikolaus Meyer-Landrut, zu einem Empfang mit Imbiss in den kleinen Festsaal des Dorfes Romagne-sous-Montfaucon ein.



Unsere Soldatenfriedhöfe sind äußerst bescheiden, wir haben ja auch beide Weltkriege verloren. Aber auch die Franzosen haben keinen Pomp auf ihren Soldatenfriedhöfen. Ganz anders die Amerikaner. Verwenden wir ein Kreuz oder einen Stein für zwei Soldaten, so hat jeder bestattete amerikanische Soldat ein Marmorkreuz bzw. einen Davidstern. Der amerikanische Soldatenfriedhof in Romagne-sous-Montfaucon hat eine atemberaubende Dimension von 52 Hektar. Akkurat gepflegte Grünflächen, perfekt geschnittene alte Bäume rahmen die Kapelle und die Gräber von 14.246 Soldaten, die mehrheitlich während der Maas-Argonnen-Offensive gefallen waren, ein. Es handelt sich um den größten amerikanischen Soldatenfriedhof in Europa, sowohl was die Fläche als auch die Gräberzahl betrifft.




Starke Regenfälle hinderten uns an der Besichtigung des Montfaucon American Monument. Auf der massiven dorischen Säule von über 50 Metern thront eine Statue, die die Freiheit symbolisiert. Sie befindet sich gegenüber der Frontlinie des 1. US-Corps zu Beginn der Offensive am 26. September 1918. Vom Turm lässt sich ein weiter Teil des Maas-Argonnen-Schlachtfelds überblicken.

Aufgrund der hohen Sicherheitsvorkehrungen waren die Straßen zu den ehemaligen Schlachtfeldern um Douaumont und Fort Vaux bereits am Tag vor dem Besuch der deutschen Bundeskanzlerin und des französischen Präsidenten gesperrt. Die französische Armee und die Polizei hatten auch bereits in der Innenstadt von Verdun Straßen und Plätze gesperrt. Nach den Anschlägen von Paris gilt in Frankreich nach wie vor der Ausnahmezustand.

Am nächsten Vormittag wurde die Polizeipräsenz deutlich erhöht. Eine Videowand des TV-Senders France 2 übertrug live den Besuch von Angela Merkel und Francois Hollande auf dem deutschen Soldatenfriedhof Consenvoye, nördlich von Verdun. Auch den Besuch im Rathaus von Verdun und den Eintrag ins Goldene Buch der Stadt konnten wir live verfolgen. Die Zahl der Sicherheitskräfte nahm nochmals zu und Schlauchboote der Polizei patrouillierten auf der Maas. Die Kanzlerin, der Präsident, die deutsche Verteidigungsministerin und der Bürgermeister von Verdun, begleitet von Kindern, unzähligen Sicherheitskräften und Fotografen hatten das Rathaus verlassen und gingen zu Fuß auf der gegenüberliegenden gesperrten Uferpromenade Quai de la République zur Kranzniederlegung an das Denkmal für die Kinder von Verdun  die für Frankreich starben.


"Angela-Angela-Rufe" der Französinnen ließen die Kanzlerin auf dem Weg zum Denkmal innehalten, sie ging mit dem französischen Präsidenten und den Kindern ans Ufer der Maas und winkte über den breiten Fluss zu uns herüber. Ich hatte die Kanzlerin und den Präsidenten vor Jahren in Deutschland aus nächster Nähe erlebt: small talk und Auge in Auge. Heute hielten sie deutlich Abstand zum Volk. Durch den Ausnahmezustand haben sich Sicherheitsvorkehrungen für Kanzlerin und Präsident sichtbar verändert.


Nach der Kranzniederlegung setzten sie ihren Weg auf die Brücke fort, dort stiegen weiße Luftballons in den Himmel und die Staatslimousine wartete bereits auf unserer Seite zur Weiterfahrt nach Douaumont. Plötzlich kam Hektik bei den Sicherheitsleuten auf, Hollande stieg nicht in die wartende Limousine, er lief, gefolgt von der Kanzlerin, auf die Bürger hinter dem Absperrgitter zu. Sicherheit hin oder her, er schüttelte den wartenden Menschen die Hand, wechselte hier und da ein Wort, auch unsere Kanzlerin genoss sichtlich den Kontakt zu den Franzosen und uns wenigen Deutschen, ein weiteres Mal "shake hands" mit Angela Merkel und Francois Hollande. Fazit meiner Tochter: "Angie ist ja richtig nett". Politik ist Politik und wird von vielen Menschen und Einflüssen bestimmt, aber so von Mensch zu Mensch ist sie sympathisch.


Als wir zu unserer Wochenendtour nach Frankreich starteten haben wir nicht eine Sekunde daran gedacht, dem deutschen Botschafter, der deutschen Bundeskanzlerin und dem französischen Präsidenten zu begegnen.

UN GRAND JOUR
Ich denke der Urgroßvater wäre stolz auf uns, wenigstens eine Familie seiner 14 Urenkel nimmt Anteil an seinem Schicksal, das sein Leben im Frühjahr 1918 physisch und psychisch so sehr verändert hat.





Dienstag, 17. Mai 2016

Schulpflicht

Georg Christoph Heintzelmann (*1688 Steinheim), Enkel meines 9-fachen Urgroßvaters und Steinheimer Schultheißen Christoph Heintzelmann, ist am 10. August 1751 in Oberstenfeld verstorben. Laut Totenregister war Georg Christoph "Anwald, Bürgermeister, Wayßenrichter und Zunftmeister der Zieglerhandwerker" in Oberstenfeld. - Einer der wenigen Bürger also die damals lesen und schreiben konnten. Dabei ergibt sich die Frage wie stand es damals überhaupt mit dem Schulbesuch, der Schulpflicht und deren Umsetzung?

In der Reformation wurde die Forderung laut, allgemeine Schulen für Jungen und Mädchen einzurichten. Diese Forderung fand naturgemäß in den protestantischen Landesteilen Gehör, also in den meist evangelischen Reichsstädten und in den lutherischen Fürstentümern.
Besonders im Südwesten des Reiches war man, unter der Federführung der bedeutenden evangelischen Reichsstadt Straßburg, die bis zur Eroberung durch Frankreich (1681) zum Reich gehörte, besonders weit voraus. Unter Straßburger Einfluss führte das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken 1592 als erstes Territorium der Welt die allgemeine Schulpflicht für Mädchen und Knaben ein. Gesetzliche Bestimmungen zur Schulpflicht wurden dann in vielen protestantischen Fürstentümern eingeführt und finden sich in fast allen evangelischen Kirchenordnungen der Zeit. In Württemberg wurde bereits in der großen Kirchenordnung von 1559 eine Schulpflicht festgelegt. Diese betraf allerdings nur den männlichen Teil der Bevölkerung. Die allgemeine Schulpflicht wurde erst 1649 eingeführt.

 
Schulmuseum Worms-Pfeddersheim


In der Zeit der Aufklärung wurde die Entwicklung beschleunigt. In den katholisch gebliebenen Landesteilen Deutschlands verlief die Durchsetzung dieser Forderungen äußerst zäh. Obwohl im Kurfürstentum Bayern die allgemeine Schulpflicht 1771 verordnet wurde, konnte erst 1802 eine sechsjährige gesetzliche Unterrichtspflicht durchgesetzt werden.
Besonders in der Landbevölkerung stieß die Schulpflicht zunächst auf Widerstand. Die in kleinbäuerlichen Betrieben notwendige Arbeitskraft der Kinder wurde erheblich wichtiger als deren Schulbildung angesehen. So kam es z. B. in der Eifel mehrmals zu heftigen Protesten der Landbevölkerung gegen den Schulbesuch der Kinder.
Der Staat konnte bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts die gesetzlich geforderte Schulpflicht gar nicht durchsetzen, die Schulpflichtgesetze waren eher Absichtserklärungen. Der Staat verfügte auch nicht über ein flächendeckendes Schulsystem, das allen potentiellen Schülern einen ordnungsgemäßen Schulbesuch ermöglicht hätte. Es fehlten Schulgebäude, Lehrer und vor allem eine staatliche Kultusbürokratie.
Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde systematisch daran gearbeitet, schrittweise bessere Voraussetzungen zu schaffen. Seit 1919 schrieb die Weimarer Verfassung die allgemeine Schulpflich für ganz Deutschland fest, von 1938 bis 1945 galt das Reichsschulpflichtgesetz. Mit der Einführung des Grundgesetzes ging es in die Landesgesetzgebung über.

Wie stand es um die Qualifikation der Lehrer? Im Alter von 17 Jahren begann Hieronymus Bärlin in Steinheim den Dienst als Schulmeister, Mesner und Organist. Er übte diese Ämter 48 Jahre lang aus, war anschließend noch 3 Jahre Schultheiß in Steinheim. Mit 17 Jahren bereits Lehrer? Heute unvorstellbar! - Hieronymus ist der Sohn meiner 6-fachen Urgroßeltern Philipp Ludwig Bärlin und Anna Margaretha Vöckhelin.
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Samstag, 24. Oktober 2015

Schultheiß in Steinheim

An der Spitze einer Gemeinde stand der Schultheiß. Seine Wahl erfolgte seit dem Mittelalter durch die Gemeinde. Der Schultheiß versah sein Amt unentgeltlich, erhielt aber sogenannte "Amts-Akzidentien", die aus Naturalien bestanden, aber auch eine gewisse Steuerfreiheit beinhalteten.
Die Schultheißen kamen meist aus wohlhabenden und bekannten Steinheimer Familien. Drei meiner Vorfahren übten dieses Amt aus:

Hans Trautwein wird in den Jahren 1600, 1603, 1610, 1614 und 1626 bis zu seiner Ermordung 1634 als Schultheiß genannt.
Andreas Zäh war von 1659 bis 1681 in diesem Amt tätig.


Christoph Heintzelmann ließ während seiner Amtszeit (1681-1688) das 1634 abgebrannte Rathaus am Marktplatz wieder aufbauen.

 
 
Das gesamte tägliche Leben wurde von der Gemeindeverwaltung überwacht und geregelt. Neben dem Schultheißen standen Gerichts- und Ratsverwandte, sie zählten zu den wichtigsten Honoratioren der Gemeinde. 1774 gehörten zwei Metzger, ein Kaufmann, der Adler- und der Lammwirt, sowie der Amtsbürgermeister diesem Gremium an. Er war ein Gemeindebediensteter , der eine feste Besoldung in Höhe von jährlich 15 Gulden erhielt. Außerordentliche Einkünfte hatte er aus der Verrichtung dienstlicher Aufgaben wie etwa die Überwachung der Felder und Weinberge, die Ausgabe von Holz an die Gemeindemitglieder. Im 18. Jahrhundert kamen hinzu: der Unterbürgermeister, der Gerichtsschreiber, der Heiligenpfleger (der u.a. für die Verteilung der Almosen zuständig war), der Vorratspfleger, der Mühlmeister, der Brotwäger, der Fleischschätzer, der Umgelder (der von allen in Steinheim ausgeschenkten Getränke fällige Abgaben einzog), der Unterkäufer (eine Art Makler), der Eicher (für das Eichen der Wein- und Bierfässer zuständig), der Untergänger (für das Verlegen der Zeugen unter die Grenzsteine und für Grenzstreitigkeiten zuständig), der Salz- und Pferchmeister, der Bau- und Feuerschauer, der Hochzeitsschauer, der Brunnenmeister, der Marktstandgeldeinzieher, der Feuerspritzeninspektor, der Heu- und Holzmesser, der Feld- und Waldschütz, die Hebamme (1774 sogar drei), der Weinbergschütz, der Fleckenschäfer, der Büttel, der Vieh- und Schweinehirt, der Nachtwächter und der Totengräber.
 
 
Die Verwaltungstätigkeit der Gemeinde wurde in Amts- und Gerichtsprotokollen festgehalten, die viele Bände füllen. 

 

Sonntag, 14. Dezember 2014

Murrbrücke in Steinheim

Die Ursprünge der steinernen Bogenbrücke gehen auf das Jahr 1603 zurück. Damals ließ der umtriebige Schultheiß Hans Trautwein eine für diese Zeiten äußerst solide Brücke bauen, die durch immer wiederkehrende Hochwasser der Murr enorm großen Beanspruchungen ausgesetzt war, und zwar besonders im Winter, wenn öfter größere Eismassen gegen den Unter- und den Oberbau des Bauwerks geschoben wurden .



Ortsansicht aus den 1950ern - links der alte Brückenteil

Allein im Jahre 1795 gab es laut Chronik 19 Mal Hochwasseralarm an der Murr. Im folgenden kalten Winter 1796 waren die Eismassen der hochwasserführenden Murr so mächtig, dass die Hälfte der steinernen Murrbrücke durch den Eisgang weggerissen wurde. Eine vermeintlich kostengünstige Holzkonstruktion, die nach jedem Hochwasser hohe Reparaturkosten erforderte, wurde schließlich als Ersatz über die Murr geschlagen.
Außer bei Hochwasser sorgte dieser Flussübergang Ende des Zweiten Weltkriegs für Aufsehen. Am 20. April 1945, einen Tag bevor amerikanische Truppen in Steinheim einmarschierten, versuchte die deutsche Wehrmacht durch eine Sprengung der Murrbrücke noch einen Beitrag zum sogenannten Endsieg zu leisten. Anfang der fünfziger Jahre wurden die Reste der historischen Bogenbrücke, die auf der Nordseite erhalten geblieben sind, zum südlichen Ufer durch eine Betonbrücke ergänzt.

Schultheiß Hans Trautwein (1560 - 1634) ist mein 11-facher Urgroßvater.



Freitag, 8. August 2014

Ortsvorsteher - Schultheiß - Bürgermeister

Seit dem Mittelalter wurden die Ortsvorsteher als Schultheiß bezeichnet. Sie wurden vom Grafen oder vom Landesherrn eingesetzt. Wohl erst nach dem Dreißigjährigen Krieg (nach 1648) wurden sie durch Wahl bestimmt. Ihnen stand das Dorfgericht und der Rat zur Seite. Der Schultheiß war meist Angehöriger einer alteingesessenen Bauern- oder Handwerkerfamilie. Erst seit Ende des 19. Jahrhunderts wurden von auswärts Zugezogene, meist Verwaltungsleute, als Schultheißen bzw. seit 1940 als Bürgermeister gewählt.

In meinem Stammbaum stehen in den Stamm- und Nebenlinien sechs Murrer Schultheiße:

- nach 1719 Michel Schmid
- um 1750 - 1764 Thomas Ellmecker
- um 1775 Daniel Knorpp *)
- 1791 - ca. 1840 Carl Pfuderer
- 1840 - 1883 Adam Pfuderer
- 1883 - 1927 Carl Seidel

*) im Herzoglich-wirtembergischen Adreßbuch auf das Jahr 1790 wird Daniel Knorpp als Schultheiß von Murr genannt.



Grab von Amtmann Carl Pfuderer auf dem alten Friedhof Murr

Dienstag, 16. Juli 2013

Pulver - Zunder - Feuerstein

Was hat es nun aber auf sich mit dem Mordanschlag auf das Leben Seiner königlichen Majestät in dessen Zusammenhang die Verleihung der goldenen Verdienstmedaille an Carl Pfuderer und die Beförderung zum Amtmann erfolgte?

Der "Aufrichtige und wohlerfahrene Schweizer-Bote" berichtete unter der Rubrik Wirtemberg:

Die Stuttgarter Zeitungen enthalten nachstehendes Publikandum: 
 "Stuttgart. In der Nacht vom 7. auf den 8. Jän. ist in dem Jagdstande, welcher für Seine königliche Majestät unfern der Straße zwischen Murr und Pleidelsheim, Oberamts Marbach, zu der auf den 8. angeordneten Jagd errichtet worden war, dasjenige Brett, worauf Seine königliche Majestät während des Abschießens sich befunden haben würden, losgerissen, und unter dasselbe ein länglichter mit Pulver gefüllter Sack, 4 1/4 Pfund schwer, nebst einem Feuerstahl, einem Stück länglicht geschnittenen Zunder, einem Feuerstein und einem Päckchen Werg (Hanf/Leinenfasern) gelegt worden.
Da nun aus diesem Vorfalle ein Mordanschlag auf das Leben Seiner königlichen Majestät unverkennbar hervorgeht so wird demjenigen, welcher den Thäter oder dessen Mitgehülfen entdeckt, neben Verschweigung seines Namens eine Belohnnng von tausend Dukaten, und wenn derselbe selbst ein Mitschuldiger sein sollte, und den Frevler oder einen andern Mitschuldigen entdecken, auch sichere Anzeigen über das ganze mörderische Komplott angeben würde, neben obiger Belohnung und Verschweigung seines Namens, noch völlige Straflosigkeit hierdurch zugesichert. Überhaupt wird jedem welcher Anzeigen an die Hand geben wird, die zu Entdeckung der Verbrecher führen, eine angemessene Belohnung zu Theil werden."
Den 17. Januar I813. Königliches Staatsministerium. 

Im Oberamt Marbach hatte der "Dicke Friedrich" nicht nur ihm wohlgesonnene Untertanen.