"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." - Wilhelm von Humboldt
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Samstag, 24. November 2018

Georg Friedrich Zundel - Clara Zetkin - Paula Bosch

Meist beginnt eine Recherche ganz 'harmlos' mit Geburtsort, Geburtsdatum, Heirat und Todestag. Hinzu kommt der Beruf und eventuell ein Amt innerhalb der Gemeinde und vielleicht gibt es noch Auswanderer innerhalb der Familie, das war es dann meist auch schon.
Man kann aber auch ganz unbeabsichtigt bei der Frauenrechtlerin Clara Zetkin und Paula Bosch, Tochter von Robert Bosch, und Lenin "landen".
Über die Auswanderung des Ehepaares Zundel-Arnold nach Nordamerika habe ich bereits berichtet. Vorfahre des Auswanderers Johann Friedrich Arnold ist der Murrer Ochsenwirt Hans Leonhard Pfuderer, mein 6-facher Urgroßvater

Die Familie Zundel, die Vorfahren seiner Ehefrau, hat ihre Wurzeln in der Schweiz. "Alt" Hans (Johannes) Zundel kam nach dem 30-jährigen Krieg und vor 1666 aus Sargans (Sankt Gallen, Schweiz) nach Wiernsheim im Heckengau. Er war Zimmermann und später Zunftmeister des Maulbronner Zimmerhandwerks. Nach der Herkunft dieser Einwandererfamilie wurde eine Wiernsheimer Straße in "Schweizer Straße" benannt. Der älteste namentlich bekannte Zundel ist Nicolaus, anno 1501 in Sargans geboren. 

Das Leben Georg Friedrich Zundels (*1875 Iptingen), Sohn des Wiernsheimer Löwenwirts und Bierbrauers, der mit 14 Jahren sein Elternhaus verließ und nie wieder betrat, ist sehr außergewöhnlich. Nach einer Malerlehre in Pforzheim war er Dekorationsmaler in Frankfurt, studierte Kunst in Frankfurt und Stuttgart. Zundel war in den Jahren des Studiums mit sozialistischen Ideen in Kontakt gekommen. Er lernte die in Stuttgart als Redakteurin der SPD-Frauenzeitung Die Gleichheit arbeitende sozialistische Politikerin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin kennen. Er heiratete 1899 die achtzehn Jahre ältere Clara und lebte mit ihr von 1903 bis zur Scheidung 1926 in einem Landhaus in Sillenbuch (Stuttgart), das zu einem beliebten Aufenthaltsort für internationale Führer sozialistischer Organisationen wurde. Auch Lenin machte dort 1907 Station.

Nach der Scheidung von Clara Zetkin heiratete er 1927 Paula Bosch, die er schon gemalt hatte, als sie noch ein Kind gewesen war. Mit ihr zog er auf den von Robert Bosch für seine Töchter gebauten Berghof bei Tübingen, wo er sich neben der künstlerischen Tätigkeit auch der bäuerlichen Arbeit zuwandte.
Aus der Ehe mit Paula Bosch ging als einziges Kind der Sohn Georg Zundel hervor. Friedrich Georg Zundel erhielt ein Ehrengrab auf dem Tübinger Stadtfriedhof.


Paula Zundel-Bosch in der Tübinger Kunsthalle - 1972

Paula Zundel-Bosch und ihre Schwester Margarete Fischer-Bosch stifteten 1971 die Kunsthalle Tübingen, um eine dauerhafte Bleibe für Zundels Werke zu schaffen. Für die Verdienste um die Stadt Tübingen wurde Paula Zundel, wie auch ihre Mutter Anna Bosch, zur Ehrenbürgerin der Stadt Tübingen ernannt.


---->  Georg Friedrich Zundel   <----


.  M  .


Dienstag, 11. Juli 2017

Pfleiderer vom Degenhof

Pfleiderer, ein uralter schwäbischer Familienname. Hat man im Schwabenland keinen Pfleiderer in der Familie und auch keinen Nachbarn der Pfleiderer heißt, so kennt man wenigstens das Komiker-Duo Häberle & Pfleiderer alias Willy Reichert und Oscar Heiler.
Willy Reichert war der Pfleiderer, ein knitzer (schlauer) Schwabe, der oft das letzte Wort hatte. Häberle wurde von Oscar Heiler gespielt, eine Figur, die sich vornehmer gibt und meist versucht, Pfleiderer zu belehren. Themen waren schwäbische Charaktere, Philosophie im Allgemeinen, menschliche Schwächen, Schicksale und Landestypisches. Schwaben der älteren Generation haben noch das "jaa jaa - soo soo - jaa jaa ..." der beiden Komiker in den Ohren.
Die Häuser der Schwaben sind mit Pfleiderer-Ziegel aus Winnenden gedeckt und in jedem Häusle wird mit Fischer-Dübeln gschafft, denn Firmengründer Artur Fischer ist ebenfalls einer der vielen Tausend Pfleiderer-Nachfahren.
Der Schriftsteller, Dichter, Maler und Nobelpreisträger Hermann Hesse ist, wie auch der Dichter Friedrich Schiller, ein Nachfahre der Pfleiderers von der Ostalb. - Der älteste namentlich bekannte Pfleiderer (Pfleuderer) ist mein 12-facher Urgroßvater Sixt, geboren 1519 in Rauental ("in der Reute") bei Aalen, 1561 wurde er "entleibt".

Um 1575 kam sein Sohn Georg als Schäfer und Meier auf den Hof "zum Tegen" bei Hertmannsweiler (Winnenden). Der Schafhof, heute Scheurenrain 3, war seit dem Mittelalter in württembergischem Besitz und ist vermutlich das erste Wohngebäude des Ortes. Das historische Stammhaus der Pfleiderer steht unter Denkmalschutz, der Bauzustand lässt leider zu wünschen übrig.


Degenhof anno 1686
Forstlagerbuch Andreas Kieser

Ein Schäfer mit 11.000 Nachkommen schrieb der Reutlinger Generalanzeiger zum Familientreffen des Pfleidererverbandes im vergangenen Jahr.
Am Sonntag, 1. Oktober 2017, findet das nächste Familientreffen in Münsingen statt. "Wir freuen uns auf ein Wiedersehen" und auch bisher noch unbekannte Verwandte sind eingeladen.




Mittwoch, 28. Juni 2017

"Zum roten Ochsen" in Bad Herrenalb

Das Posthotel ist die älteste Beherbungsstätte in Bad Herrenalb außerhalb der Klostermauern und hieß einmal "Herberge vor dem Tor". Später nannte man die Herberge "Gasthaus zum roten Ochsen", später dann "Klosterschänke". Das Gebäude wurde 1898 um einen Hotelbau erweitert und "Mönch's Posthotel" genannt. Das imposante Wirtshausschild aus dem Jahr 1780 ist heute noch erhalten.

Johann Jacob Benckiser, geboren um 1640, war einst Gastgeber (Wirt) "Zum roten Ochsen" in Herrenalb. Johann Jacob ist mein 8-facher Urgroßvater. Seine Tochter Anna Rosina heiratete 1698 Johann Georg Hartmann (* um 1670), den Marbacher Metzgerzunftmeister, Hardtrichter und Gerichtsverwandten. Die gemeinsame Tochter Christina Catharina (1701 - 1754) heiratete im Alter von 18 Jahren den verwitweten und 14 Jahre älteren Ochsenwirt Hans Leonhard Pfuderer aus Murr.
Auch über größere Entfernungen hinweg funktionierte damals die Heiratspolitik der wohlhabenden Metzger und Gastwirte.


Posthotel vor etwa 100 Jahren

Das Hotel wurde 1939 beschlagnahmt, diente als Lazarett für deutsche Soldaten und später als Kaserne französischer Besatzungstruppen, zuletzt als Unterkunft für Verschleppte. Erst 1952 wurde das völlig heruntergekommene Haus freigegeben.
Werner Mönch wagte den Neuanfang und führte das Hotel samt Gasthaus zu ungeahnter Blüte. Von 1965 bis 1993 war die "Klosterschänke" mit einem Michelin-Stern dekoriert. 
Vor einigen Jahren erwarb eine sibirische Investorengruppe das Traditionshaus in Bad Herrenalb. Die Wiedereröffnung konnte bisher noch nicht erfolgen, es gibt wohl aufgrund der Sanktionen Schwierigkeiten mit dem Geldtransfer von Russland nach Deutschland. 



anno 1663 - Facebook 2017

Vor einigen Tagen wurde dieses alte Gedicht von Mönchs Posthotel auf Facebook gepostet. Ein Schild mit diesem Gedicht hing 1663 in der Gaststätte, also ungefähr zu der Zeit als mein Vorfahre Gastgeber im "Roten Ochsen" gewesen ist.

Zum schwarzen Walde vorzeiten
Da zogen der Mönche zwei
Gar müde des vielen Psalmierens
Und der ewigen "Ochserei".

Und mit den beiden Mönchen
Da zog die Freude ins Land,
Sie gründeten Kloster und Schänke,
Zum "Ochsen" ward sie genannt.

Und wo die frommen Seelen
Gar fröhlich einst gehaust
Da wird auch jetzt noch fröhlich
Gezechet und geschmaust.





Friedrich Schiller - unsere Vorfahren vom Röhrachhof

E oder O oder U ? An einem einzigen Buchstabe kann es scheitern, dass man seine Ahnenliste nicht vergrößern kann. - Anna Magdalena MENZ, eine meiner 5-fachen Urgroßmütter ist um 1734 auf dem Röhrachhof bei Kleinaspach geboren. Egal wo ich suchte, ihren Vater konnte ich nicht finden. Sie hieß auch einmal MONZ(in) und wiederum fand ich keinen Vater. Im Totenregister von Murr steht, dass sie im Alter von 67 Jahren 2 Monaten und 26 Tagen verstorben ist. Im Kirchenbuch der zuständigen Pfarrei Rietenau fand ich daraufhin ihren Geburtstag am 11. November 1734, ihre Eltern sind Johannes MUNZ und Ehefrau Agnes Traub. Mit viel Ausdauer führt die Puzzelei doch zum Erfolg. Bei Sixt Pfleiderer - geboren um 1519 in Rauental bei Aalen und 1561 "entleibt" - endete die Suche.

Zunächst fand ich heraus, dass Friedrich Schillers Großmutter mütterlicherseits auch Munz heißt und vom Röhrachhof stammt. Wie man auf der Zeichnung von Andreas Kieser sieht, bestand der Hof damals nur aus wenigen Häusern, also ist es naheliegend, dass wir irgendwie zusammengehören. Der berühmte Friedrich Schiller, mit dem ich bisher nur den Geburtsort Marbach gemeinsam hatte, samt seinen Vorfahren, ist bei den Familiendaten der Martinszeller Familienstiftung zu finden. Volltreffer, auch meine Vorfahren Johannes Munz und Ehefrau Agnes Traub gehören zu diesen Familiendaten. Die Eltern von Johannes Munz, Johannes Munz und Anna Katharina Pfleiderer(1672 - 1734)  sind die Urgroßeltern des Dichters Friedrich Schiller und meine 7-fachen Urgroßeltern.


Röhrachhof anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser


Anna Katharina Pfleiderer stammt aus Oberschöntal bei Backnang. Ihr Vater Veit Pfleiderer, anno 1631 auf dem Ungeheuerhof geboren, war Schultheiß in Oberschöntal. Das Haus des Schultheißen Veit Pfleiderer ist das älteste Haus in Oberschöntal, stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.


Oberschöntal anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser



Friedrich Schiller
1759 Marbach - 1805 Weimar




Montag, 1. Mai 2017

Schozach - Weingut Graf von Bentzel-Sturmfeder

Traumhaftes Cabrio-Frühlingswetter stellte sich zum Tag der offenen Weingüter ein. Mein Ziel war das Weingut Graf von Bentzel-Sturmfeder in Schozach.


Eingang zum Weingut Graf von Bentzel-Sturmfeder

Am Tag der offenen Weingüter habe ich mich für dieses Weingut mit der interessanten und uralten Familiengeschichte der Sturmfeder entschieden, auf deren Untertanen man bei der Ahnenforschung immer wieder trifft. - Der aus Jagsthausen stammende Bildweber Simon Breuninger war laut Taufeintrag seiner Tochter Margarethe im Jahr 1762 "von sturmfederischer Schultheiß". Die Schultheißentochter Margarethe heiratete mit nicht ganz 18 Jahren Johann Wolfgang Friedrich Möbius, den Ochsenwirt aus Kaltenwesten (Neckarwestheim). Seine Mutter Maria Elisabetha ist die Tochter des Murrer Ochsenwirts Hans Leonhard Pfuderer, der mein 6-facher Urgroßvater ist.


Schozach im Heilbronner Land
im Spiegel die 1960 erbaute evangelische Leonhardskirche
zuvor gingen die Schozacher in die Bartholomäuskirche in Ilsfeld

Am Tor zum alten Felsenkeller traf ich den sympathischen Weingutbesitzer Kilian Graf von Bentzel-Sturmfeder. Seine Einladung zu einer Weinprobe nahm ich nicht an, für einen ungeübten Weintrinker ist eine Weinprobe um 11 Uhr doch noch zu früh. Der Sturmfedersche Keller verströmt den typischen Geruch alter Weinkeller, in dem seit Jahrhunderten die edlen Tropfen ausgebaut und gelagert werden. Die großen alten Weinfässer mussten zum Glück noch nicht den modernen weniger Behaglichkeit verströmenden glänzenden Stahltanks weichen.


anno 1396 erhielt der Ritter Friedrich Sturmfeder
von Graf Eberhard von Württemberg wegen seiner treuen Dienste
ein Stück Land im Schozacher Holz als Lehen

Ein Weinkeller wie ich ihn liebe und seit Kindertagen kenne: gewölbtes Mauerwerk an dessen Wänden sich feuchte Luft niederschlägt, vermischt mit dem Geruch nach Holz, dem Duft und den Aromen jahrhundertealter Weinlagerung gepaart mit der Faszination der mächtigen Eichenholzfässer.


der 2015-er Spätburgunder wird im Barriquefass ausgebaut

Schon wegen meiner Vorfahren hat es mir der Roséwein "Ritter Georg" und der Tresterbrand "Foltertrunk" beim Einkauf besonders angetan. Auch auf den edlen Flaschenetiketten ist das Familienwappen mit den beiden mittelalterlichen Streitäxten.
Die sturmfederschen Weine, Sekte und Destillate können auch online erworben werden.


in und um die Gebäude trifft man immer wieder
 auf die mittelalterliche Streitaxt


stolz trägt das Weingut das Wappen mit den Streitäxten, 
die im Mittelalter Sturmfedern  genannt wurden


Zeit, Geduld, Sorgfalt und Tradition
geprägt von Respekt gegenüber Natur und Umwelt.
- Philosophie des Hauses Sturmfeder -


Zum Familienbetrieb Bentzel-Sturmfeder-Horneck gehört auch das benachbarte Gästehaus und das Schloss Thurn mit Erlebnispark in Heroldsbach im bayrischen Oberfranken.



Montag, 17. April 2017

Ochsenwirte in Murr & Neckarwestheim

Am 11. Mai 1745 haben Johann Conrad Möbius (*1721 Kaltenwesten) und Maria Elisabetha Pfuderer (*1724 Murr) in der Peterskirche in Murr den Bund fürs Leben geschlossen. Das Ehepaar Möbius-Pfuderer lebte in Kaltenwesten (wurde 1884 in Neckarwestheim umbenannt).
Nach Kaltenwesten zu heiraten war vor rund 270 Jahren doch etwas außergewöhnlich, da man ja meist im Flecken oder in einem der Nachbardörfer seinen Ehepartner fand. Von Murr bis Kaltenwesten sind es zwar nur rund sechzehn Kilometer, aber damals nur auf unwirtlichen Wegen zu erreichen.
Wie, fragte ich mich, hat die Tochter des Murrer Ochsenwirts und Metzgers Johann Leonhard Pfuderer ihren im abgelegenen Kaltenwesten lebenden Ehemann "gefunden". - Das Kirchenbuch war des Rätsels Lösung, denn der Vater des Bräutigams, Johann Friedrich Möbius, war ebenfalls Ochsenwirt. Johann Conrad war Metzger und hat die väterliche Gastwirtschaft und Metzgerei  übernommen. Das sieht doch sehr nach arrangierter Ehe der beiden Väter aus. Leonhard Pfuderer lag wohl viel daran seine Kinder gut zu verheiraten.

Heute machte ich mich auf den Weg nach Neckarwestheim mit der Frage: gibt es dort noch das Gasthaus Ochsen?


Wirtshausschild vom Ochsen in Neckarwestheim

Den Ochsen an der Ecke Hauptstraße / Kirschstraße gibt es also noch, das alte etwas unansehnliche Gebäude beherbergt heute eine Sportsbar. Das weit ausladende Wirtshausschild ist noch sehr gut erhalten.


Nachbarhaus, das 1603 erbaut wurde



Turm der Gregoriuskirche

Die Gregoriuskirche, in der Johann Conrad Möbius anno 1721 getauft wurde, wurde im Jahr 1275 erstmals erwähnt. Von dem mittelalterlichen Bau ist nur noch der gotische Turm mit den Wasserspeiern erhalten. 1844 wurde unter Drehung des Längsschiffes die heutige Kirche erstellt.


Mittwoch, 12. April 2017

Post aus Old Louisville Kentucky, USA

Im Jahr 1831 sind Johann Friedrich Arnold und seine Ehefrau Christina Philippina Zundel von Neckarwestheim über Frankreich nach Indiana, USA ausgewandert. 
John Friedrich ist der Ur-Urenkel vom Murrer Ochsenwirt Hans Leonhard Pfuderer (1687 Bartenbach - 1763 Murr).


Louisville, Kentucky anno 1876

In USA ist es weit verbreitet, dass die Nachfahren der Auswanderer nach ihren europäischen Wurzeln suchen. Auch Lonnie aus Old Louisville, ein Nachfahre der Neckarwestheimer Auswanderer, sucht seit vielen Jahren nach seinen Vorfahren in Good Old Germany.
Dass er bei der Suche auf meinen Online-Stammbaum traf und mir geschrieben hat war ein Glückstreffer, dadurch kann er seinen Stammbaum um einige Vorfahren ergänzen, zurück bis 1516 in die Hankertsmühle zu Leonhard Klenk.

Welcome in the family, Lonnie !

Dienstag, 31. Januar 2017

Aus alt wird neu - Murr 1791 & 2017

Schon viel zu lange wartete das alte Haus von Amtmann Carl Pfuderer (1765 - 1845) an der Orstdurchfahrt in Murr auf einen Käufer. In den letzten Wochen "tat" sich aber etwas in und um das Haus herum.
Auf dem Kopfstein an der Hindenburgstraße steht die Jahreszahl 1817, deshalb ging ich davon aus, dass dieses Haus im Jahre 1817 gebaut wurde. Doch bei der heutigen Besichtigung sah ich über einem Seiteneingang einen weiteren Stein aus dem Jahre 1791. - Wegen einer uralten Säule soll das Haus unter Denkmalschutz stehen. Zum Glück gibt es den Denkmalschutz, denn sonst wäre auch dieses Haus, wie so viele alte Häuser zuvor, aus dem Ortsbild verschwunden.


Kopfstein an der Hindenburgstraße

angenommenes Baujahr 1791 - aber wer ist DL ?

denkmalgeschützte Holzsäulen links und rechts des Fensters


Fundamente wurden unterfangen und alte Holzdecken gestützt


unter mehreren Tapetenschichten kam diese Wandmalerei hervor


auch hier steckt unter der Tapetenschicht eine alte Bemalung



ob dieses alte Blumenmuster erhalten bleibt ?


so sieht es hinter dem Putz im Wohnzimmer aus


die Fensterläden werden ebenfalls restauriert

Noch kann man nicht erkennen was wo in den entstehenden Wohnungen sein wird, es sieht noch ganz "wild" auf der Baustelle aus aber bis Juli soll das Haus bezugsfertig sein. Ich wüsste nicht wo ich bei der Restaurierung zuerst anfangen soll, denn rundum besteht Renovierungsbedarf. "Wir schaffen uns von unten nach oben", so der Bauleiter. Ich werde den Baufortschritt verfolgen ...




Mittwoch, 11. Mai 2016

Omas reizende Nachtwäsche

Um 1500 breitete sich das Nachthemd von Italien über ganz Europa aus. Aus Leinen gefertigt, war das Nachthemd ein schmuckloses, knielanges, kragenloses und mit Halsschlitz und Knopfleiste ausgestattetes Unisex-Gewand. Die Nachthemden der Damen waren länger geschnitten als die der Männer.
Mit Beginn des 20. Jahrhunderts hatte das Nachthemd als reine Funktionskleidung für die Dame ausgedient. Mit dem Auftauchen der Chemiefaser und der avantgardistischen Mode entwickelte sich in den 20er Jahren das Damennachthemd aus Kunstseide zu einem erotischen Kleidungsstück mit dekorativen Spitzen, zarten Farben und einer weichen fließenden Schnittführung. Bis diese modernen Nachthemden den ländlichen Raum eroberten vergingen noch etliche Jahre.

Diese weißen Leinennachthemden wurden von den jungen Mädchen oft selbst angefertigt. Die Nähte wurden mit kleinen Stichen von Hand genäht. Knopflöcher wurden geschnitten und umnäht, die Knöpfe dazu sind aus Schildpatt. Besonders schöne Hemden sind mit Hohlsäumen versehen und mit gehäkelten Armelrändern verziert.


handgefertigte Nähte


der einzigste Farbtupfer sind die Kreuzstich-Initialen 'B P' 


gehäkelte Ärmelränder


genähtes Knopfloch mit Schildpattknopf

Auf der Suche im Keller nach einem großen alten Leinenstoff kramte ich Omas Wäschekiste hervor. Rohleinen, Bettwäsche, Tischtücher, Servietten und diese weißen Nachthemden schlummern in der alten Wäschekiste. Diese Hemden sind knapp 100 Jahre alt und wurden von meiner Oma Berta P. genäht. - Ich fand den passenden Leinenstoff für ein Megaprojekt. Die "Wall" ist in Planung und Omas Leinen gehört dazu




Dienstag, 15. März 2016

Murr - Carl Pfuderer & Herzog Carl Eugen von Württemberg

Über den Amtmann Carl Pfuderer aus Murr, den Bruder meines 4-fachen Urgroßvaters Johann Wilhelm Pfuderer (1762 - 1802), gibt es hier schon einige Beiträge.

Carl Eugen von Württemberg (1728 - 1793)
Was hat jetzt aber Carl Eugen, der 12. Herzog von Württemberg mit dem Amtmann Carl Pfuderer zu tun? Das Taufregister von Murr sorgte für eine Überraschung. - Carl Eugen hat nicht nur am selben Tag Geburtstag, er ist auch der Ehrenpate von Carl Pfuderer. 
Im Taufregister aus dem Jahr 1765 ist unter der Rubrik "Gevattern" eingetragen:
'Zum Hohen Tauf Pathen wurde utgt. erbeten, Se. Herzogl. Durchlaucht, Karl Herzog zu Würtemberg exzel. und das aus der Ursach, weil dieser Sohn der siebte ist, welcher von dieser Frau, ohne ein Töchterlein dazwischen zu haben und zumahl an Serenißimus Ihrem Geburts-Tag gut gebohren worden'.
(Anm.: Serenissimus = Anrede eines regierenden Fürsten) 



Donnerstag, 28. Januar 2016

Heiraten in Murr und um Murr herum

Wenn innerhalb der Großfamilie geheiratet wird, wenn also der Vetter sein Bäsle heiratet oder zwei Brüder zwei Schwestern, oder wenn sie den Vetter ihrer Mutter heiratet oder oder ..... dann wird es schwierig dies in einem Stammbaum übersichtlich darzustellen. Diese Gemeinschaftsarbeit auf DIN A2 versucht das "Wirrwarr" aufzulösen.


Stammbaum der Familie Pfuderer


Bäcker Johann Ludwig Pfuderer wird 1756/57 Wirt im Goldenen Löwen in Marbach, dem Geburtshaus von  Elisabetha Dorothea Kodweiß, sie ist die Mutter von Friedrich Schiller - die frühere Backstube ist heute das "Brezelzimmer" im Goldenen Löwen


10 Ochsenwirte in 220 Jahren


von der Hankertsmühle im Rottal bis nach Murr an der Murr




Dienstag, 21. Juli 2015

Von Kaltenwesten / Neckarwestheim nach Indiana - 1831

Johann Friedrich Arnold (1804 - 1880) ist im Jahr 1831 mit seiner Ehefrau Christina Philippina Zundel (1808 - 1879) von Kaltenwesten (dem heutigen Neckarwestheim) nach Amerika ausgewandert. Das junge Paar heiratete im Jahr vor der Auswanderung. Jakob Friedrich war damals Soldat beim 6. Infanterie Regiment in Ludwigsburg und brauchte zur Heirat einen "Erlaubniß Schein zur Trauung". - Die Erlaubnis wurde ihm am 9. April 1830 vom Regiments-Commando der Garnison Ludwigsburg erteilt.  


Erlaubniß Schein zur Trauung - 1830


Das königlich württembergische Ober-Amt Besigheim stellte den Eheleuten Arnold einen Passierschein aus, mit dem sie frei und ungehindert von Kaltenwesten durch Frankreich nach Nordamerika reisen konnten. Bei Illingen verließen sie das Königreich, das Reisegeld betrug 500 Gulden.



Passierschein mit Signalement (Personenbeschreibung)



Das württembergische Innenministerium, der Gesandte des Großherzogtum Badens und der Gesandte nahmen Kenntnis von der Auswanderung.


,
am 16. Mai 1831 waren Arnolds in Le Havre

In Le Havre begann die Fahrt über den Atlantik, am 11. Juli 1831 erreichten die schwäbischen Auswanderer New Orleans. Nach den amerikanischen Volkszählungen lebten die Arnolds später in Kentucky und dann in Indiana. Zwischen 1834 und 1847 kamen 5 Kinder zur Welt: Lewis, John, Mary, William und Carolina.
Christina Philippina "Phebe" verstarb 1879, wenige Monate später folgte ihr Ehemann nach, das Ehepaar wurde auf dem Rehoboth Cemetery in Laconia, Harrison County, Indiana, begraben.

      

Grabsteine von Phebe und John Arnold


Der Ur-Urgroßvater von Johann Friedrich Arnold, der Murrer Ochsenwirt und Hardtrichter Hans Leonhard Pfuderer (1687 Bartenbach - 1763 Murr), ist mein 6-facher Urgroßvater. 

Dazu passend, ein großer Artikel aus der ZEIT: Der große Aufbruch - Deutsche Massenmigration


Donnerstag, 25. Juni 2015

Facebook

https://www.facebook.com/pages/Familie-Pfuderer-Nachfahren-Descendants/1615937762016173?fref=ts

Familie Pfuderer, ein Zweig meines Stammbaumes, ist jetzt auf Facebook.


Samstag, 18. April 2015

Maria Katharina Motzer - Lehrhof Steinheim


Lehrhof anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser

Maria Katharina Motzer, meine 5-fache Urgroßmutter, ist am 17. November 1738 auf dem Lehrhof geboren. Ihr Vater Martin Motzer (1704 - 1782) ist ebenfalls auf diesem inzwischen zu Steinheim gehörenden Weiler geboren. Maria Katharina heiratete anno 1755 den Murrer Ochsenwirt Johannes Pfuderer (1730 - 1790). Ochsenwirt Pfuderer war auch Bauer, Gerichtsverwandter, Hardtrichter und Schultheiß in Murr. Das Ehepaar Motzer hatte 13 Kinder von denen nur fünf (4 Söhne und eine Tochter) das Erwachsenenalter erreichten. Die Söhne verheirateten sich in Murr, während die Tochter Maria Dorothea Elisabetha den Großingersheimer Jacob Friedrich Schiedt heiratete und mit ihrer Familie in Kleiningersheim lebte. 

Heute leben auf dem Lehrhof  keine Motzers mehr, aber gibt es auf dem Lehrhof noch Spuren der Familie Motzer? - Mit dieser Frage wandte ich mich an einen alten Landwirt vom Lehrhof, dessen Familie seit Generationen in diesem Weiler wohnt. Zusammen entdeckten wir uralte Spuren der Familie Motzer (Mozer) an einer Scheune und über einem Kellereingang. 


Der Holzbalken der 1794 erbauten Scheune ist beschriftet:

 

"Georig Melchior Mozer - Johana Mozerin 1794"

Georg Melchior Motzer (*27. Oktober 1755) ist Martins Sohn aus der 2. Ehe mit Anna Maria Busch (1722 - 1783).


Der Keller dieses Bauernhofes wurde 1745 erbaut.

Die im Schlußstein des Kellereinganges eingeschlagenen Initialen sind von (Hans) Martin Motzer und seiner 2. Ehefrau Anna Maria Motzer (geb. Busch). Er und seine 1. Ehefrau Christina Trefz sind meine 6-fachen Urgroßeltern.
Geht man aufmerksam durch den Lehrhof sieht man auch an weiteren alten Scheunen und über Kellereingängen die Initialen der früheren Besitzer, Zunftzeichen und die Jahreszahl der Erbauung und Renovierung.


   







Man kann den Lehrhof nicht verlassen ohne ein landwirtschaftliches Produkt probiert zu haben. Was passt am besten an einem kühlen Frühlingsabend? - Ein Gläschen Tresterbrand aus der Brennerei Blank, die bereits in vierter Generation hochwertige Destillate und Liköre herstellt.