"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." - Wilhelm von Humboldt
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Montag, 15. April 2019

Wegen Trunksucht des Pfarrers - Kirchenbücher unvollständig & vernichtet

Im Jahr 1435 wies der Konstanzer Bischof Friedrich III. von Zollern an, dass Kirchenbücher zu führen seien. Allerdings hielt sich kaum eine Kirche an diese Anweisung. 
Der am 11. November 1563 beim Konzil in Trient verordnete Erlass ordnete an, dass von nun an Eheregister und im diesem Zusammenhang auch Taufbücher geführt werden müssen. 1614 im „Rituale Romanum“ wurden erste Schritte zur Führung von Sterbebüchern festgelegt, allerdings ohne verpflichtenden Charakter für die Kirchen.
In den Gebieten wo die Reformation (zwischen 1517 und 1648) zur Spaltung der Kirchen führte, wurden seit Beginn Kirchenbücher geführt. In den anderen Gebieten dauerte es zum Teil noch etwa 50 Jahre bis jede Kirche Tauf-, Trau- und Sterbebücher führte. Leider gingen jedoch viele der bis dahin geführten Bücher während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) verloren,  sodass es in einer Vielzahl von Kirchen erst ab Ende des Krieges kontinuierliche Aufzeichnungen gibt.
Die Franzosen brannten 1693 die Stadt Marbach nieder, dabei gingen alle Kirchenbücher verloren. Auch im benachbarten Murr fielen in diesem Sommer die Kirchenbücher in die Hände der Franzosen, während in Pleidelsheim, wo die Franzosen lagerten, die Kirchenbücher unversehrt blieben. In Pleidelsheim beginnt das Kirchenbuch im Jahre 1581 zur Freude der Ahnenforscher. 
Auch in Steinheim gelangten 1693 die Bücher in die Hände der Franzosen, die sie zerrissen und auf einen Misthaufen warfen. Der Pfarrer war mit seiner Familie Richtung Schwäbisch Hall geflüchtet, ein zurückgebliebener Bürger hat das Buch wieder zusammengesetzt. Das Kirchenbuch hat gelitten, einige Seiten sind kaum lesbar und es ist vermerkt: 'Dem Leser oder denen, so hieran gelegen dienet zur Nachricht, daß aus diesem Ehebuch 6 Blätter durch die Franzosen sind ausgerissen, und verloren worden. Gleichwohl aber aus dem Proclamationsbüchlein , so noch in meinem s.h. Schweinestall gefunden worden, so viel finden können daß proclamiert und folglich copuliert sind worden.' - Bereits1634 zogen feindliche Truppen durch Steinheim und legten Feuer in der Kirche, die bis dahin geführten Bücher sind dem Brand zum Opfer gefallen.
Der Geburtstag von Katharina Rait aus Poppenweiler konnte nur in etwa ermittelt werden, im Sterbebuch wurde an ihrem Todestag 28. August 1717 vermerkt: '72 Jahre weniger 4 Wochen', weil die Geburtsjahre 1642 1646 im Mischbuch der damals zuständigen Pfarrei Oßweil fehlen. 
Und der Todeseintrag meiner Vorfahrin Margarethe Seitz (*1608) wurde überhaupt nicht vorgenommen, denn 'Ehe- und Totenbuch Asperg wurden von 1646-60 wegen Trunksucht des Pfarrers nicht geführt'.


Asperg anno 1682
aus dem Forstlagerbuch von Andreas Kieser


.  M  .

Großbottwar - Herzog Carl Eugen und die Bäckerei Weigle

Es schlug fast wie eine Bombe ein, als zu Jahresbeginn die Schließung der Bäckerei Weigle in Großbottwar angekündigt wurde. Der Familienbetrieb ließ nach mehr als 300 Jahren den Backofen ausgehen. Auf der Webseite der Weigles stand "seit 1715 Ihr Bäcker Weigle".
Familie Weigle ließ die Besucher ihrer Webseite einen Blick in die Familienchronik werfen. Der schwäbische Sonnenkönig, Tyrann, Verschwender und Modernisierer Herzog Carl Eugen (1728 - 1793) war Kunde in der Bäckerei Weigle wenn er auf die Jagd zum Sternwald (heute: Kälbling) ging.
So ist überliefert, dass Johann Carl Weigle am 5. Dezember 1752 um 6 Uhr morgens vor der Treibjagd im "Schäferhölzle" zwei Dutzend Äpfel-, Speck- und dicke Salzkuchen den hohen Herrschaften liefern musste.


Großbottwar anno 1686
aus dem Forstlagerbuch von Andreas Kieser

Der "Beck" Johann Georg Weigle (1741 - 1793), Enkel des Firmengründers Jacob Weigle, heiratete im Jahr 1763 die ebenfalls aus Großbottwar stammende Anna Maria Laitenberger (1742 - 1812).
Anna Marias Eltern, Johann Jacob Laitenberger und Margarethe Acker, sind meine 6-fachen Urgroßeltern. Johann Jacob war in jungen Jahren Grenadier im württembergischen Leib-Grenadier-Bataillon, später Weingärtner und Viertelsmeister in Großbottwar.
Viertelsmeister waren Helfer der Exekutive und Judikative. Es waren angesehene, gewählte Persönlichkeiten, die über lokale Orts- und Bürgerkenntnisse verfügten, um in Stadt- oder Landvierteln Aufgaben wie die Unterstützung bei Wahlen oder polizeiliche Aufgaben übernahmen.


.  M  .



Herrschaftlicher Weingärtner auf Wildeck


Burg Wildeck anno 1686
aus dem Forstlagerbuch Andreas Kieser

Burg Wildeck ist eine Spornburg oberhalb von Abstatt am Rande der Löwensteiner Berge. Die Burg wurde vermutlich im hohen Mittelalter von den Herren von Heinriet erbaut und kam 1492 an Ludwig, Stammvater der dritten Linie der Grafen von Löwenstein, die dort nachweislich schon im 16.Jahrhundert Weinbau betrieben haben. 1933 kam die Burg mit den umgebenden Weinbergen an den württembergischen Staat. Seit 1940 befindet sich in der vielfach umgebauten Burg ein Versuchsgut der Weinbauschule in Weinsberg, die dort die Sorten Samtrot und Dornfelder züchtet.

Obwohl ich nur 15 Kilometer von der Burg entfernt wohne, kenne ich sie nur aus der Ferne. Ich fahre westlich und östlich an der Burg vorbei, doch gestern machte ich mich auf den Weg über Beilstein und weiter über die kleinen Landstraßen nach Söhlbach und Helfenberg an den Fuß der Burg. Zwischen Weinbergen machte ich mich auf dem Privatweg zu Fuß auf zur Burg. Herrliche Blicke gehen über die Weinberge und Felder bis zur Burgruine Helfenberg und zu den bewaldeten Löwensteiner Bergen. Man meint, in eine längst vergessene Welt einzutauchen, aber der Blick nach Westen bringt einen in die Realität zurück, denn dort entstand das große Firmengelände Robert Bosch GmbH Chassis Systems Control und Bosch Engineering GmbH: High Tech und das hohe Mittelalter dicht beisammen.

Einst war mein 7-facher Urgroßvater Georg Feik, geboren um 1690, herrschaftlicher Weingärtner zu Wildeck. So wurde es im Ehebuch von Abstatt eingetragen als seine Tochter Catharina 1741 den Witwer und Gerichtsverwandten Johannes Rörich geheiratet hat. – Die Herkunft der Familie Feik ist unklar, da die Einträge in den Kirchenbüchern nicht genau entziffert werden können. Möglicherweise stammt sie aus Sulzbach bei Murrhardt, naheliegend ist aber auch das Dorf Sülzbach in der Nähe von Wildeck. Fest steht aber, dass er auf Burg Wildeck als Weingärtner gearbeitet hat.




Noch ist es kalt, aber an den Reben sprießen bereits die ersten Knospen und noch ist es ein langer Weg bis die diesjährige Weinernte in Flaschen abgefüllt ist. Aber ich mache mich jetzt auf die Suche nach einer Flasche Wein aus den Weinbergen von Burg Wildeck wo vor 300 Jahren mein Vorfahre Georg Feik in den Weinbergen gearbeitet hat.


.  M  .


Donnerstag, 13. September 2018

Pleidelsheim 1693 - Hans Jacob Hoffmann

Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688 - 1697) lagerte das große französische Heer im Sommer 1693 etwa 5 Wochen bei Großbottwar, Steinheim und Pleidelsheim. Ganz Pleidelsheim suchte sein Heil in der Flucht und hat sich nach den Angaben des Kirchenbuches erst am 7. September "wieder zur Kirch" nach Haus begeben. Die Not war groß, die Häuser waren zerstört, die Feinde hatten alles Eßbare geplündert oder vernichtet. Die große Hungersnot ließ in den Dörfern ganze Geschlechter aussterben.

Mein 8-facher Urgroßvater Hans Jacob Hoffmann (*um 1642 in Annaberg, Sachsen) blieb, wie dem Kirchenbuch zu entnehmen ist, mit seiner Familie in Pleidelsheim. Im September 1693 ist er, seine zweite Ehefrau Anna Schuler (*um 1658 in Sargans, Schweiz) und sein Sohn Johann Conrad (*1691 Pleidelsheim) innerhalb von 8 Tagen verstorben.
Der Pleidelsheimer Pfarrer erachtete es offensichtlich für wichtig, nicht nur den Todestag und das Alter des Verstorbenen zu vermerken, durch seinen Eintrag im Totenregister wissen wir heute, 325 Jahre nach dem Todestag von Hans Jacob, dass er ein "ungetreuer Unterthan und böser Bürger" gewesen ist:
Jacob Hoffmann, der unter den Franzosen geblieben, ein ungetreuer Unterthan und böser Bürger ist bald hernach gestorben 28. Sept. alt 51 Jahr - 

Was ist für den Pfarrer ein ungetreuer Untertan und böser Bürger? War Hans Jacob kein emsiger Kirchgänger und/oder hat er als Untertan gegen Unrecht und Unterdrückung rebelliert? 
Die Lebensumstände prägen den Menschen. Hans Jacob ist während des 30-jährigen Krieges in Sachsen geboren. Sachsen, damals Kur-Sachsen, wurde von Schlachten, Feldzügen und marodierenden Soldaten, aber auch von Hunger und Pest in einem Ausmaß zerstört, das heute kaum noch vorstellbar erscheint. In welchem Alter Hans Jacob nach Württemberg kam ist nicht mehr festzustellen. Er wird erstmals 1663 genannt. Am 17. Februar 1663 heiratete Hans Jacob die in Pleidelsheim lebende Anna Barbara Schaaf, Witwe des Alexander Franz.
Trotz allem muss ich schmunzeln. Hans Jacob ist nur ein ganz ganz kleiner Teil von mir, er war mir beim lesen des Kirchenbuches sofort sympathisch. Ich bin keine Kirchgängerin, betrachte das Tun der Kirchen sehr kritisch und ich würde mich auch nicht für eine treue Untertanin eignen. - Freiheit ist das höchste Gut der Menschen !

.  M  .


Pleidelsheim anno 1686
Forstlagerbuch Andreas Kieser


Donnerstag, 26. Juli 2018

Melchior Fuchs - Stadtbrand Marbach 1693

Als sich während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688 - 1697) französische Truppen Ende Juli 1693 der Stadt Marbach näherten, flüchteten viele Bewohner. Die Franzosen rückten in die unverteidigte Stadt ein, plünderten, misshandelten und ermordeten die nicht geflohenen Bewohner. Die Stadt wurde an mehreren Stellen angezündet und brannte nahezu vollständig ab. Die Alexanderkirche und wenige, meist außerhalb der Stadtmauern gelegene Gebäude überstanden die Zerstörung.


anno 1686 - Marbach vor dem Stadtbrand
Forstlagerbuch Andreas Kieser

Besonders tragisch sind die Todesumstände von Melchior Fuchs, Bruder meines Vorfahren Hippolyt "Pältin" Fuchs (1623 - 1694), der von seiner Familie bereits auf den Wagen gesetzt worden war, aber wieder "davon heruntergetan und zurückgelassen" wurde.
Möglicherweise wegen seines Alters, möglicherweise war Melchior Fuchs schwer erkrankt. Damals ging eine Seuche, "die Kopfkrankheit" um, welche die Erkrankten derart schwächte, dass sie wochenlang ans Bett gefesselt waren und nicht einmal "den Kopf heben konnten". Einige Marbacher starben an der Seuche.
Die Hoffnung, der Feind werde den zurückgelassenen Kranken nichts tun, erfüllte sich nicht. Sie wurden teilweise grausam mißhandelt. Als am Abend des 28. Juli 1693 die Stadt brannte, versuchte Melchior Fuchs, aus dem Haus auf die Gasse zu kommen. Die zurückgekehrten Bürger fanden seine Leiche in der Strohgasse liegend, beim geistlichen Verwaltungskeller und den Häusern - besser gesagt, den Ruinen der Häuser - von Johann Christoph Hemminger und Johann Kodweiß. Melchior Fuchs war verbrannt.
Einige der Geflohenen kehrten nicht wieder zurück, von den übrigen erlebten etliche den darauffolgenden Winter nicht, da neben den Häusern auch die Vorräte vernichtet worden waren. Auch Hippolyt "Pältin" Fuchs starb an den Strapazen der Flucht und dem Hungerwinter. Nach 1.478 Einwohnern im Jahr 1692 wurden 1695 in Marbach nur noch 609 gezählt.



Donnerstag, 8. März 2018

Oberstenfeld 1768 - Aufnahme in das Bürgerrecht

Mein 5-facher Urgroßvater Johann Jacob Kayser, geboren 1748 als Sohn des Handelsmannes und Lebküchners Johann Gottlieb Kayser aus Beilstein, verliebte sich in Rosina Magdalena Zagelmayer aus Oberstenfeld. Mit 20 Jahren zog es ihn bereits nach Oberstenfeld und die beiden beschlossen einen Hausstand zu gründen, doch so einfach war das damals nicht mit dem Zuzug in einen anderen Ort.


Oberstenfeld anno 1686 - Forstlagerbuch von Andreas Kieser


Der Vater musste helfen und vor dem 14-köpfigen "Ehrsamen Gericht" erscheinen. Im Bürgerannahmebuch von Oberstenfeld wurde vermerkt:
"Actum den 15. August 1768 coram pleno Judicio (öffentlich vor dem Gericht)
Herr Handelsmann Johann Gottlieb Kayser von Beilstein erscheint dato vor einem erbettenen Ehrsamen Gericht dahier und proponieret (bringt vor) in mehreren welcher Gestallten er mit Gott entschlossen seye, seinen Sohn Jacob Friderich, welcher der Handlung beflißen seye, in dem hiesigen Marktflecken zu etablieren. Zu dem Ende er bereits bey S. mo. pro venia aetatis (beim Herzog wegen des Alters) unterthänigst supplicando (ersuchend) eingekommen und gegen erlegter gewohnlicher Tax gebühr die gnädige Dispension (Erlaubnis) hierzu erhalten habe mit dem ferneren weiteren geziemenden ansinnen, ermelt (erwähnten) seinen Sohn in den hiesigen numerum civium genaigtist zu rezipieren (als Bürger anzunehmen).
Da nun hiesigen Orts bekannt, daß der junge Kayser keiner Leibes Servitut unterworffen und sonsten bey deß Herrn Kaysers gesuch kein Impedimentum legale (rechtliches Hindernis) obwaltet, übrigens der hiesige starcke Marcktflecken eines Kauff- und Handels-Manns ohnumgänglich benöthigte ist. So wurde in plena sessione judicialiter resolvieret (in der Sitzung beschlossen) daß der Junge Jacob Friderich Kayser in Rücksicht seiner bißherig guten Conduite (Führung) und ohntadelhaften prädicats, auch in ansehung seines Herrn Vaters besitzenden feinen Vermögens gegen erlegung der sonst dahier gewohnlichen Burger Gelds gebühr mit 12 Gulden in das allhiesige Burger und Unterthanenrecht hiermit auf und angenommen seyn solle."

- dieser Text entspricht nicht der derzeit gültigen Rechtschreibung -

Es folgten 14 Unterschriften von Schultheiß, Gericht und Rat. Der Handelsmann Kodweiß, dessen Vater schon rund 30 Jahre vorher als Krämer von Marbach hierhergezogen war, fügt allerdings seinem Namen hinzu "mit Vorbehalt". Er befürchtete Konkurrenz.
Zwölf Gulden fürs Bürgerrecht, das ist nicht gerade wenig: der altgediente Schulmeister Halt hat - freilich neben seinen Naturalien und freier Wohnung - ein Monatsgehalt von 20 Gulden. Doch der Einstand wird bezahlt, die Jungen heiraten ein halbes Jahr später und werden von dem neuen Stiftsprediger Magister Bahnmayer getraut. Er wird später alle Kayser-Kinder taufen.

Es ist nicht üppig, was beide an Heiratsgut mitbringen, doch ist in der Beibringungs-Inventur beim Mann vermerkt: "Zur Einrichtung eines Ladens" und "an Kaufmanns Waaren empfing er von seinem HE. Vatter ..." Die Frau bringt einiges an Grundstücken mit und "1/3 an 4/5 und 3/5 an der Helftin von einem gewölbten Keller." - Nun stehen beide auf eigenen Beinen und müssen sich umtun. 

(aus dem Buch: Oberstenfeld in Geschichte und Geschichten Band I)



Freitag, 12. Januar 2018

Wanted - gesucht wird ....

Liebe Leser, ich brauche Ihre Hilfe !

Der Stammbaum der Familie Trautwein aus Steinheim enthält einige Ungereimtheiten. Eventuell können Sie mir dabei helfen mehr über "Ulrich Trautwein Vaihinger von Schöntal" zu erfahren und ihn zeitlich richtig einzuordnen.
Sein Vater soll Bürgermeister Ulrich Trutwin gewesen sein, der 1529 verstorben ist. Schöntal liegt bei Backnang. Dieser Ulrich taucht in mehreren Online-Stammbäumen mit verschiedenen Schreibweisen (Vayhinger, Veyhinger, Vohinger, Vöhinger) auf.
Geburts- und Todestag sind unterschiedlich geschätzt. Seine Ehefrau hieß Margarethe Lorcher, Tochter des Georg Lorcher, Schultheiß und Vogt in Großbottwar.
Verschiedene Ereignisse aus dem Leben von Ulrich Trautwein Vaihinger zu Schöntal habe ich gesammelt, passen aber zeitlich nicht zusammen:

1508 - am 8. Mai 1508 wurde der Schäferhof zu Fürstenhof (Großaspach) von Herzog Ulrich dem Kanzleischreiber Trautwein Vaihinger (Vohinger) und seinen Erben zu Lehen gegeben
1516 - vom Stift Backnang erwarb der damalige Amtmann 1516 einen Hof in Unter-Schönthal (Backnang) um eine Jahresgült von 3 Pfund 7 Schilling und 8 Heller
1516 - Amtmann und Sekretär bei Herzog Ulrich
1524 - Erwerb des Warthofs (meine Vorfahren Schuster besaßen den benachbarten Hetzelhof)
1525 - nach der Zerstörung des Warthofs im Jahre 1525 wohnte Trautwein Vaihinger in seinem Bottwarer Haus (Großbottwar) und klagte von dort aus noch 1533 vergebens auf Schadenersatz gegen die vermeintlichen Übeltäter, die den Warthof plünderten und in Brand steckten


Großbottwar anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser


1534 - nachdem Vaihinger sich dann von Herzog Ulrich "wegen Untreue und Überschuldung verantworten sollte, setzte er sich ins Ausland ab
1536 - geht es in einem Schriftstück (Staatsarchiv Stuttgart) um das Schuldenwesen von Trautwein Vaihinger
1547 - Stadtschreiber Ulrich Vayhinger habe, seit er etwa 1547 im Amt war, sehr penibel Buch über die Finanzierung des Rathauses geführt. Das geht aus dem 200 Seiten starken in Schweinsleder gebundenen "Elsa-Buch" hervor (Heilbronner Stimme 2006)
1552 - in einer Urkunde (Staatsarchiv) verpflichtet sich Ulrich Vayhinger, Stadtschreiber zu Bottwar, für seine drei Viertel Weingarten ........ statt des bisherigen sechsten Teils einen jährlichen Urbarzins von 30 Schilling an die Predikatur zu Bottwar zu zahlen

Es kann sich um Vater und Sohn handeln, der 1547 genannte Stadtschreiber soll kinderlos gewesen sein, sein Vater soll aus Murrhardt stammen. Die gesammelten Daten passen leider nicht zusammen.

Für jede Information bin ich dankbar, Ihre Informationen können Sie gerne als Kommentar unter diesen Beitrag schreibe.


Mittwoch, 18. Oktober 2017

Von Hugenbeckenreute über Murr nach Buffalo

Hugenbeckenreute? Bis vor 10 Tagen noch nie gehört. Dabei war ich der Meinung, dass ich die Dörfer im  Schwäbischen Wald kenne, zumindest dem Namen nach.


Heute war ich also in Hugenbeckenreute und in Kirchenkirnberg zu dessen Pfarrei Hugenbeckenreute gehört. Unter dem großen Viadukt hindurch ging es weiter zur Laufenmühle, vorbei an rauschenden Wasserfällen, dann von der Landstraße rechts ab den schmalen Weg hinauf in den Weiler Steinbach ganz nah am Viadukt über das die Schwäbische Waldbahn fährt. Weiter ins Tal hinab nach Klaffenbach und weiter zur evangelischen Kirche nach Rudersberg. In diesem Teil des Schwäbischen Waldes scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, um so krasser war es wieder in meine dicht besiedelte Heimat zu kommen.


Pfarrhaus in Kirchenkirnberg

Zu Hugenbeckenreute: Vor 10 Tagen kam eine Message aus USA wegen Maria Magdalena Blank, geboren 1826 in Murr, die in meinem Online-Stammbaum steht, aber nicht zu meinen Vorfahren gehört. Und so machte ich mich auf die Spurensuche.


Klaffenbach anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser

Maria Magdalena heiratete 1852 den aus Klaffenbach stammenden Zimmermann Jakob Mayle. Sein Vater Johann Georg ist 1791 in Steinbach geboren, mehr als 100 Jahre bevor dort das Viadukt über den Strümpfelbach gebaut wurde. Die Mutter von Jakob, Salome Frank, ist 1794 in 'Hugenb......' bei Kirchenkirnberg geboren. Den Geburtsort konnte ich im Familienregister nicht lesen, selbst raten blieb ohne Erfolg. Hier konnte nur der Wanderwalter (wanderwalter.de) weiterhelfen, denn dort ist jede Mühle, jeder Bach und auch jeder Weiler zu finden. Und tatsächlich fand ich auf einer Waldlichtung ein Gehöft mit dem Namen 'Hugenbeckenreute'.


Hugenbeckenreute auf einer Lichtung im Schwäbischen Wald

Im Staatsarchiv Ludwigsburg gibt es eine topographische Karte aus dem Jahr 1831 mit dem Wohnplatz 'Hugenbeckenreute', der damals aus 2 Gebäuden bestand und 1764 erstmals erwähnt wurde. Drumherum ist der Eulenwald und der Sandwald.
In der Beschreibung des Oberamts Gaildorf aus dem Jahr 1852 wird der Wohnplatz auch genannt: Hugenbeckenreute auch 'Drehershof' genannt, auf einem Hügel, ein ganz kleines vor etwa 80 Jahren angelegtes Gut, 10 Einwohner.

Huckenbeckenreute ist also in den waldreichen Bergen, wo sich, wie wir aus dem Flachland sagen: "Fuchs und Hase gute Nacht sagen." - Wie muss es dort vor 200 Jahren gewesen sein? Dichter Wald, wenig Felder, unbefestigte Straßen und die Waldbahn gab es noch nicht. Und trotzdem fand Salome, Tochter eines Bauern aus Hugenbeckenreute, in diesem dünn besiedelten Gebiet ihren Ehemann aus dem Weiler Steinbach.


Steinbach vor dem Viadukt der Schwäbischen Waldbahn


uralte Scheune in Steinbach

Man kann vermuten, dass der junge Zimmermann bei Holzfällarbeiten von Steinbach am Strümpfelbach nach Hugenbeckenreute hinauf gekommen ist. Seinen Sohn Jakob, ebenfalls Zimmermann von Beruf, zog es weiter weg nach Murr im Oberamt Marbach.
Die Handwerker gingen nach Abschluss der Lehrzeit auf Wanderschaft. "Auf der Walz" konnten die Gesellen neue Arbeitspraktiken, fremde Orte, Regionen und Länder kennenlernen und Lebenserfahrung sammeln. Und so mancher Handwerkergeselle hat sich "auf der Walz" verliebt. So könnte es auch bei Jakob Mayle (*1822) und Maria Magdalena Blank (*1826) gewesen sein. - Drei ihrer vier Kinder verließen den Heimatort Murr und wanderten nach Nordamerika aus. Die Nachfahren der ausgewanderten Tochter Magdalena Friederike (*1855), die wenige Wochen nach dem frühen Tod ihres Vaters geboren ist, leben heute in Buffalo.


Johanneskirche in Ruderberg
zu dessen Pfarrei auch die Einwohner von Steinbach gehörten



Dienstag, 11. Juli 2017

Pfleiderer vom Degenhof

Pfleiderer, ein uralter schwäbischer Familienname. Hat man im Schwabenland keinen Pfleiderer in der Familie und auch keinen Nachbarn der Pfleiderer heißt, so kennt man wenigstens das Komiker-Duo Häberle & Pfleiderer alias Willy Reichert und Oscar Heiler.
Willy Reichert war der Pfleiderer, ein knitzer (schlauer) Schwabe, der oft das letzte Wort hatte. Häberle wurde von Oscar Heiler gespielt, eine Figur, die sich vornehmer gibt und meist versucht, Pfleiderer zu belehren. Themen waren schwäbische Charaktere, Philosophie im Allgemeinen, menschliche Schwächen, Schicksale und Landestypisches. Schwaben der älteren Generation haben noch das "jaa jaa - soo soo - jaa jaa ..." der beiden Komiker in den Ohren.
Die Häuser der Schwaben sind mit Pfleiderer-Ziegel aus Winnenden gedeckt und in jedem Häusle wird mit Fischer-Dübeln gschafft, denn Firmengründer Artur Fischer ist ebenfalls einer der vielen Tausend Pfleiderer-Nachfahren.
Der Schriftsteller, Dichter, Maler und Nobelpreisträger Hermann Hesse ist, wie auch der Dichter Friedrich Schiller, ein Nachfahre der Pfleiderers von der Ostalb. - Der älteste namentlich bekannte Pfleiderer (Pfleuderer) ist mein 12-facher Urgroßvater Sixt, geboren 1519 in Rauental ("in der Reute") bei Aalen, 1561 wurde er "entleibt".

Um 1575 kam sein Sohn Georg als Schäfer und Meier auf den Hof "zum Tegen" bei Hertmannsweiler (Winnenden). Der Schafhof, heute Scheurenrain 3, war seit dem Mittelalter in württembergischem Besitz und ist vermutlich das erste Wohngebäude des Ortes. Das historische Stammhaus der Pfleiderer steht unter Denkmalschutz, der Bauzustand lässt leider zu wünschen übrig.


Degenhof anno 1686
Forstlagerbuch Andreas Kieser

Ein Schäfer mit 11.000 Nachkommen schrieb der Reutlinger Generalanzeiger zum Familientreffen des Pfleidererverbandes im vergangenen Jahr.
Am Sonntag, 1. Oktober 2017, findet das nächste Familientreffen in Münsingen statt. "Wir freuen uns auf ein Wiedersehen" und auch bisher noch unbekannte Verwandte sind eingeladen.




Mittwoch, 28. Juni 2017

Friedrich Schiller - unsere Vorfahren vom Röhrachhof

E oder O oder U ? An einem einzigen Buchstabe kann es scheitern, dass man seine Ahnenliste nicht vergrößern kann. - Anna Magdalena MENZ, eine meiner 5-fachen Urgroßmütter ist um 1734 auf dem Röhrachhof bei Kleinaspach geboren. Egal wo ich suchte, ihren Vater konnte ich nicht finden. Sie hieß auch einmal MONZ(in) und wiederum fand ich keinen Vater. Im Totenregister von Murr steht, dass sie im Alter von 67 Jahren 2 Monaten und 26 Tagen verstorben ist. Im Kirchenbuch der zuständigen Pfarrei Rietenau fand ich daraufhin ihren Geburtstag am 11. November 1734, ihre Eltern sind Johannes MUNZ und Ehefrau Agnes Traub. Mit viel Ausdauer führt die Puzzelei doch zum Erfolg. Bei Sixt Pfleiderer - geboren um 1519 in Rauental bei Aalen und 1561 "entleibt" - endete die Suche.

Zunächst fand ich heraus, dass Friedrich Schillers Großmutter mütterlicherseits auch Munz heißt und vom Röhrachhof stammt. Wie man auf der Zeichnung von Andreas Kieser sieht, bestand der Hof damals nur aus wenigen Häusern, also ist es naheliegend, dass wir irgendwie zusammengehören. Der berühmte Friedrich Schiller, mit dem ich bisher nur den Geburtsort Marbach gemeinsam hatte, samt seinen Vorfahren, ist bei den Familiendaten der Martinszeller Familienstiftung zu finden. Volltreffer, auch meine Vorfahren Johannes Munz und Ehefrau Agnes Traub gehören zu diesen Familiendaten. Die Eltern von Johannes Munz, Johannes Munz und Anna Katharina Pfleiderer(1672 - 1734)  sind die Urgroßeltern des Dichters Friedrich Schiller und meine 7-fachen Urgroßeltern.


Röhrachhof anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser


Anna Katharina Pfleiderer stammt aus Oberschöntal bei Backnang. Ihr Vater Veit Pfleiderer, anno 1631 auf dem Ungeheuerhof geboren, war Schultheiß in Oberschöntal. Das Haus des Schultheißen Veit Pfleiderer ist das älteste Haus in Oberschöntal, stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.


Oberschöntal anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser



Friedrich Schiller
1759 Marbach - 1805 Weimar




Sonntag, 11. Juni 2017

Metzger - Hirschwirt - Pfarrer - Zollverwalter

Die Vorfahren meiner Urgroßmutter Friederike Luise Rörich endeten mütterlicherseits bisher bei ihren Urgroßeltern, dem Kellereiküfer Johann Georg Eitel (*1741 Lomersheim) und Christina Dorothea Abele (*1748 Hessigheim).


Lomersheim anno 1684 - Forstlagerbuch Andreas Kieser

"Sieben auf einen Streich" war das Ergebnis der "tapferen Sucherin". Johann Georg und Christina sind meine 4-fachen Urgroßeltern, um sieben Generationen wurde dieser Zweig verlängert und endet jetzt bei Johann Spindler (*um 1470 Schwäbisch Gmünd) und Margarethe Blum (*um 1480 Göppingen). Dazwischen liegen 4 Metzger-Generationen der Familie Eitel in Lomersheim und Mühlhausen an der Enz. Johann Georgs Vater war außerdem noch Hirschwirt in Lomersheim. Der Schwiegervater des Mühlhausener Metzgers Johann Friedrich Eitel (*1682), Johann Georg Eichner (*1623 Esslingen), studierte in Tübingen und Straßburg Theologie und war Pfarrer in Grömbach, Grünwettersbach, Nußbaum und Lomersheim. 
Aber ein Pfarrer kommt selten allein. Im Pfarrerbuch Herzogtum Württemberg bei Württembergische Kirchengeschichte online findet man nach fast 400 Jahren den Lebenslauf von Johann Georg und den Hinweis auf seinen Schwiegervater, den Pfarrer Johann Spindler (*um 1590 in Holzheim, Göppingen). Johann war Pfarrer in Dürrmenz und verstarb dort am 31. Oktober 1635: "1635 starb Johann Spindler, Pf. Dürrmenz, welcher bei diesen elenden Kriegswirren, hernach nach Bretten, postea auf Vaihingen entwichen und zwar sich endlich wieder zu seiner Pfarre begeben, wegen des von denen Soldaten eingenommenen großen Schreckens in Melancholiae verfallen und daran gestorben".


Dürrmenz anno 1682 - Forstlagerbuch Andreas Kieser

Sein Vater Matthias (*1560 Göppingen) war nach seinem Theologiestudium in Tübingen Pfarrer in Winterbach, Holzheim (Göppingen), Linz an der Donau und Wurmberg, wo er um 1599 verstorben ist. Petrus (Peter) Spindler, der Vater von Matthias ist ebenfalls in Göppingen geboren. Er war württembergischer Zollverwalter: "schon vor 1568 war er 'Wirtembergischer Tributaris' = Zollverwalter, d.h. Einnehmer der kaiserlichen, aber an Württemberg verpfändeten Zölle"

Erstaunlich ist immer wieder, dass zu den vielen Pfarrern, Metzgern und Gastwirten in meinem Stammbaum immer wieder Pfarrer, Metzger und Gastwirte hinzukommen.
Vor 40 Jahren weilte ich zu einem Seminar im 1566 erbauten Schloss in Mühlhausen ohne zu wissen, dass dort schon vor Jahrhunderten meine Vorfahren in dem 892 erstmals erwähnten Dorf an der Enz 
lebten.


Mühlhausen anno 1682 - Forstlagerbuch Andreas Kieser



Freitag, 10. März 2017

Dannhof - Tannenhof - Ferrebergerhoff - Hintervöhrenberg

Dannhof, Tannenhof, Verherberg und Ferrebergerhoff sind die alten Namen für den Weiler Hintervöhrenberg bei Kleinaspach. Heute stehen dort nur wenige Häuser und Scheunen, vor 300 Jahren war es ein Einzelhof. Dass von dem Tannenhof Vorfahren stammen, weiß ich erst jetzt nach dem die Kirchenbücher des Dekanats Backnang online sind.
 

Ferrebergerhoff anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser
 
Der Wohnplatz Verherberg wurde 1357 erstmals erwähnt, als er mit Lichtenberg damals zu Württemberg kam. 1492 sind "bayd Verherberg", also Vorder- und Hintervöhrenberg, als Amtsorte von Kleinaspach genannt. Ursprünglich war es ein einzelner Hof, um 1700 auch Dannhof genannt. (leo-bw.de)
 
Hans Michael Klinger (*um 1683), mein 7-facher Urgroßvater, ist 1751 im Alter von 68 Jahren auf dem Tannenhof verstorben. Verheiratet war er mit Anna Barbara Roh (*1685) aus dem benachbarten Weiler Einöd. Ihr Vater Clauß war "Müller zu Einödt".

Durch die Einsicht der Kirchenbücher und Familienregister hat sich mein Stammbaum um viele Vorfahren meiner Ur-Urgroßmutte Maria Magdalena Schöffler (*1864) aus Einöd, die 1885 Ludwig Friedrich Bauer aus Steinheim geheiratet hat, vergrößert.

 
Maria Magdalene Bauer geb. Schöffler mit ihren Töchtern
und ihren Enkeln am Grab ihres Ehemannes Ludwig Friedrich.

 

 


Montag, 28. November 2016

Kloster Rechentshofen - 1240

Ein erfolgreiches Ahnenforschungs-Wochenende ließ meinen Stammbaum um sehr viele Vorfahren 'wachsen', dabei gab es auch wieder einige Überraschungen. Von der bereits erwähnten Familie Zeller, deren namentlich bekannten Vorfahren bis ins Jahr 1500 nach Martinszell im Allgäu gehen, zweigt eine Linie ab, die zu den Herren von Gaisberg und den Vorarlberger Grafen Montfort bis zu dem Gründerehepaar des Klosters Rechentshofen gehen.
Das Kloster Rechentshofen (Marienkron) wurde um 1240 von dem edelfreien Belrein von Eselsberg und seiner Frau Agnes von Bilversheim gegründet. Das Klosterleben im Nonnenkloster des Zisterzienserordens endete 1564 im Zuge der Reformation in Württemberg. Seit 1648 ist das ehemalige Kloster württembergische Domäne.
 
 
 
Kloster Rechentshofen - seit 1648 württembergische Domäne
aus dem Forstlagerbuch von Andreas Kieser anno 1684
 

Der Anlass für die Klostergründung dürfte die Sorge um das persönliche Seelenheil mit entsprechender Grablege und die Versorgung einer Eselsberg-Tochter den ohne männlichen Nachkommen gebliebenen Stifter zur Klostergründung bewogen haben. Belreins Tochter Berchtrad wurde denn auch Äbtissin des Klosters, das als Grablege ihrer Eltern und später auch der Familie ihrer mit Graf Konrad von Vaihingen verheirateten Schwester Agnes dienen sollte.
 
 

Samstag, 26. November 2016

1578 - Magister Ernestus Bloß - 1634

Ernst Bloß, geboren um 1578 in Hornberg (Schwarzwald) besuchte die Klosterschule in Bebenhausen. Das 1595 an der Universität Tübingen begonnene Theologiestudium schloss er 1598 mit der Magisterprüfung ab.

 
Closter Bebenhausen anno 1683
Forstlagerbuch Andreas Kieser

Im Kloster Adelberg war Ernst Bloß von 1600 bis 1604 Präzeptor und zugleich Pfarrer in Hundsholz, er wechselte zu den Pfarrstellen nach Oberurbach (1604), nach Beinstein (1611) und Steinheim an der Murr (1632).
Im Jahr 1634 brannten feindliche Truppen das Steinheimer Rathaus ab. Pfarrer Ernst Bloß und mein Vorfahre Bürgermeister Hans Trautwein, die sich schützend vor die Kirche stellten, wurden misshandelt und ermordet. In der Kirche wurde Feuer gelegt.

Im Landeskirchlichen Archiv findet man dazu diesen Eintrag:
Den 17. Sept 1634 ist M. Ernestus Bloß, Pfarrer zur Marck Steinheim, von den kayserlichen Soldaten hart geängstigt, doch endlich vom Feld heimgebracht worden. Man fand an seinem Hals ringsherum ein Zeichen, als wäre er an einem Strick gehangen gewesen, und er starb den 17. Sept. nachts um 11 Uhr aetatis 56 annorum."

Wer württembergische Pfarrer und Äbte zu seinen Vorfahren zählt, findet über sie umfangreiche Informationen bei Württembergische Kirchengeschichte online. 'WKGO' ist ein Projekt vom Archiv Zentralbibliothek der Landeskirche, vom Verein für württembergische Landesgeschichte und der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.



Montag, 26. September 2016

1625 - Hans Melchior Bauer - 1724

Ein fast unglaubliches Alter von 99 Jahren erreichte mein 9-facher Urgroßvater Hans Melchior Bauer aus Kurzach. Etwas ungläubig nahm ich das geschätzte Geburtsjahr 'um 1625' und den Todestag 8. Dezember 1724 aus einem fremden Stammbaum zur Kenntnis. Schreibfehler, Rechenfehler ....
Also suchte ich im Oberstenfelder Totenregister 1692 - 1785 nach dem Jahr MDCCXXIV. Auf Seite 22 ist eingetragen: am 8.Dez. starb Melchior Bauer, Innwohner zu Kurzach und wurde d. 10. Dez. zur Ruhe bestattet - at. 99. Jahr.
Seine Tochter Anna Catharina, meine 8-fache Urgroßmutter, verstarb 1772 in Kurzach im Alter von 80 Jahren, ihr Ehemann Hans Martin Spörle (*1657 Nassach) wurde 79 Jahre alt.

 
Kurzach anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser
 
Der Weiler Kurzach wurde 1524 unter Kurtzhardt erstmals erwähnt, er gehört heute zur Gemeinde Spiegelberg. Ende des 17. Jahrhunderts war Andreas Kieser auch in Kurzach tätig. Möglicherweise ist er Hans Melchior Bauer begegnet, denn Fremde kamen selten in den kleinen Weiler abseits der Handelsstraßen.
Für uns am unteren Ende des Bottwartales ist Kurzach dort, wo sich Fuchs und Hase auch heute noch in den Bergen "Gute Nacht" sagen !
 
 
 


Freitag, 23. September 2016

Kleinbottwar - Unteres Schloss & Mittelschloss

In dem schwäbischen Dorf Kleinbottwar gibt es nicht nur Burg Schaubeck (auch das Obere Schloss genannt) sondern auch das Untere Schloss und das Mittelschloss.
Mein 7-facher Urgroßvater Jerg Müller war Hauptmann und 'Hällischer Unterthan' im Unteren Schloss, sein Sohn Hans Georg war dort als Kutscher beschäftigt. Hans Georg Müller heiratete 1725 in Kleinbottwar Elisabetha Ladner. Ihr Vater Ludwig Ladner war Metzger von Beruf und 'Hirschwirth' in Kleinbottwar. Die Gaststätte Hirsch in Kleinbottwar gibt es heute noch und ist bekannt für extragroße Portionen.


Unteres Schloss

 
Amtshaus - Von Megizer von Velldorf nach dem 30-jährigen
Krieg als unteres Schloss erbaut, brannte es 1693
ab und wurde 1706 von Sebastian von Gaisberg
wieder aufgebaut. Später wurde es Amtshaus.
Geburtshaus des Theologen und Philosophen
Eduard von Zeller (1814 - 1908).

 
Kelter des Unteren Schlosses
 
 
Mittelschloss
Erbaut 1541 - 1543 von Hans Dietrich von Plieningen.
Im 30-jährigen Krieg abgebrannt.
1663 wurde es von Wolfgang Friedrich von Eltershofen
wieder aufgebaut und wechselte in der Folge mehrfach
den Beseitzer.
Bemerkenswert ist der große Schlosskeller.


Schlosskeller
 
Meine 7-fachen Urgroßväter Jerg Müller und Ludwig Ladner sind etwa um 1670/1680 geboren. In dieser Zeit entstanden auch die Bilder von Andreas Kieser für das Forstlagerbuch.
 
 
Kleinbottwar anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser

Die "Kieser‘schen Ortsansichten" sind sicherlich die am häufigsten reproduzierten Archivalien des Hauptstaatsarchivs Stuttgart: es gibt kaum eine lokalgeschichtliche Veröffentlichung, die sich nicht mit den bunten Bildern schmückt. Kein Wunder, sind es doch oft die frühesten bildlichen Ansichten der Städte, Dörfer und Weiler des Herzogtums Württemberg überhaupt.
Die 687 Ortsansichten stammen aus der Zeit 1681-1686 und illustrierten die Lagerbücher, in denen der Obristleutnant Andreas Kieser die Vermessung der württembergischen Forste neu niederlegte. Die Blätter befanden sich ursprünglich am Anfang der Bände und sind in der Regel in einzelne Felder (3 x 3, 4 x 3 oder auch 4 x 4) aufgeteilt, in denen die württembergischen Dörfer, Weiler, Einzelhöfe, Schlösser und Burgen und Klöster dargestellt werden. Die Städte bekamen etwas mehr Platz, einzelne werden sogar aus verschiedenen Himmelsrichtungen abgebildet. Vorlage für die Ansichten waren von den Feldmessern im Gelände aufgenommenen Skizzen. In den Lagerbüchern wurden die Ansichten mit Bleistift vorgezeichnet, dann mit Feder und Pinsel mit Aquarellfarben ausgeführt.



Dienstag, 13. September 2016

Burg Schaubeck - Besichtigung & Weinprobe

Ein magischer Ort ist fest in Männerhand titelte die Marbacher Zeitung 2014 zum 100. Jubiläum der Familie Adelmann auf Burg Schaubeck.
 

Für eine Gruppe der Schillervolkshochschule öffnete Michael Graf Adelmann seine Märchenwelt: Haus, Hof, Garten und Keller der über 700 Jahre alten Burg. - Nach einem Glas Muskattrollinger Sekt Rosé gab's Burggeschichte, Familiengeschichte und Adelsgeschichte.

Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1272, als die Ministerialen Bertold und Konrad von Schaubeck, badische Lehensleute und Marschälle von Besighein am Neckar, begannen, die Burg an einem Steilhang auf den Überresten eines römischen Landhauses zu errichten.
Der spätere Besitzer Dietrich von Plieningen baute ab 1480 die Burg zu einer Wohnanlage um. Bis 1642 entstand der Innenhof mit dem Fachwerk wie es heute noch zu sehen ist.

 
Fachwerk im Innenhof der Burg Schaubeck

 
Scha(u)beck anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser
 
Die Herren von Gaisberg fügten die barocke Bemalung an der Fassade hinzu. 1853 gelangte der Besitz an Felix Freiherr von Bruselle. Über seine Tochter Sophie gelangte die Burg in den Besitz der Grafen Adelmann.
 
 
Familienwappen Löwe von Schaubeck

 
ehemaliges Gefängnistor

 
Ritterrüstung mit Hellebarden
 
 
Mädchen im Park 
 
Das Highlight des Tages war für mich (für andere Besucher vielleicht eher der Wein ...) die Besichtigung von Privaträumen der Familie Adelmann. Als Kinder konnten wir auf Zehenspitzen nur über die hohen Steinmauern in den großen Park mit dem Spielhaus aus napoleonischer Zeit blicken, das Betreten der Burg war damals unvorstellbar.
 
 
17. Jahrhundert - Ausschnitt aus dem Kopfteil eines Gästebettes
 
Bis auf dieses Bild gibt es hier keine weiteren Fotos aus dem Inneren der Burg. Es war wirklich eine Besonderheit von Michael Graf Adelmann durch Privaträume der Burg Schaubeck geführt zu werden, deshalb sollte die Privatsphäre der Grafen von Adelmann auch respektiert werden.
 
Im Jahr 1297 wurde der Weinbau auf Schaubeck zum ersten Mal urkundlich erwähnt. - Die Jahresproduktion der edlen Tropfen wird in 120.000 Flaschen abgefüllt. Die roten Sorten überwiegen mit 70 Prozent, sie werden im großen Holzfass und in Barriquefässern ausgebaut. - Im romantischen Kaminraum probierten wir einen Brüssele - Merlot und Löwe von Schaubeck - Lemberger. Für die Weißweinproben wurden ein Brüssele - Grauburgunder und eine Weißweincuvée - Löwe von Schaubeck, eine Komposition aus Riesling, Weiß- und Grauburgunder serviert. Mein Favorit: Brüssele - Merlot !
 
Das komplette Weinangebot und weitere Informationen - einschließlich "Hofpfau Anton IV." - auf
 




Samstag, 23. Juli 2016

Familie Trefz vom Fürstenhof

Mein Vorfahre Daniel Trefz ist 1678 auf dem 1456 erstmals erwähnten Fürstenhof geboren. Der Weiler Fürstenhof gehört zur Gemeinde Großaspach im Landkreis Backnang. Ursprünglich nannte sich der Weiler Fürstenberg und im Jahre 1528 wird er Fürstenberg der Schaff Hoff genannt.

Wie aus der  Beschreibung des Oberamts Backnang/Kapitel B 9 hervorgeht, hat Daniels Vater 1675 den Fürstenhof zusammen mit zwei weiteren Bauern für 2.000 Gulden erworben:
'Fürstenhof, ein ansehnlicher Weiler, der 1/4 Stunde westlich von Groß-Aspach eine schöne freie Lage auf der Hochfläche zwischen dem Wüstenbach und dem Klöpferbachthal hat.
Der jetzige Weiler war ursprünglich nur ein Hof, welcher den Namen Fürstenberg führte. Derselbe war nach dem Lagerbuch von 1528 Württemberg mit aller Ober- und Herrlichkeit zugethan und gehörte in das Gericht zu Groß-Aspach, so daß der dortige württembergische Schultheiß allhier Gebot und Verbot hatte. Er wurde den 8. Mai 1508 von Herzog Ulrich dem Kanzleischreiber Trautwein Vaihinger zu Lehen gegeben, und kam den 18. Juli 1666 durch Kauf von des Syndikus Klöpfers zu Hall Erben für 1800 fl. an Herzog Eberhard III. von Württemberg, welcher ihn jedoch der Landschaft nicht inkorporirte, sondern zur fürstlichen Rentkammer schlug. Im Jahr 1675 wurde er wieder an Michael Läpple, Albrecht Traub und Jakob Trefz für 2000 fl. verkauft. Das Stift Backnang bezog 2/3, das Stift Oberstenfeld 1/3 des großen Frucht- und Weinzehentens'. - In  dieser Zeit ist die Kiesersche Forstkarte vom Fürstenhof entstanden. 

 
Fürstenhof anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser

Die Trefz haben heute nicht nur Nachfahren in unserer Region, sie sind auch nach Australien und Nordamerika ausgewandert. Sie haben Stammbäume bei ancestry mit diesem Wappen der Familie Trefz.



Dienstag, 12. Juli 2016

Patin Johanna Elisabeth von Baden-Durlach

In Taufbüchern liest man immer wieder, dass die Herrschaft Ehrenpatenschaften für Kinder ihrer Untertanen übernommen haben. Johanna Elisabeth von Baden-Durlach, die Ehefrau des Herzogs Karl Eberhard von Württemberg ist die Patin von Johanna Elisabetha Laitenberger, geboren 1698 in Großbottwar. Sie war das 17. Kind meiner 9-fachen Urgroßeltern Johann Georg Laitenberger (1647 Laichingen - 1705 Metterzimmern) und Anna Keller (1652 Frickenhausen - 1736 Siglingen/Möckmühl)
Anna und Johanna Georg und stammen aus dem Raum Schopfloch auf der Schwäbischen Alb. Sie sind zwischen 1693 und 1696 von Suppingen und Gutenberg nach Großbottwar gezogen. Fünfzehn Kinder kamen in Suppingen (8) und Gutenberg (7) zur Welt, die beiden jüngsten Kinder wurden in Großbottwar geboren. Anna erreichte als Frau für die damalige Zeit ein erstaunlich hohes Alter von 84 Jahren. "17 Kinder, 72 Enkel und über 20 Urenkel" - so lautet ein späterer Eintrag im Kirchenbuch.
Johann Georg war Meier (Verwalter) auf Krebsstein bei Gutenberg im Lenningertal. Auch Andreas Kieser war zu jener Zeit in Krebsstein und zeichnete den 1459 erstmals erwähnten Weiler, bestehend aus 6 württembergischen Lehenhöfe, für das Forstlagerbuch.


Krebsstein anno 1683 aus dem Forstlagerbuch von Andreas Kieser
 
 
In den 1690ern war Johann Georg 'Herrschaftlicher Schlossgutsbestandsmaier" auf Schloss Liebenstein, heute im Landkreis Heilbronn, damals zum Kameralamt Großbottwar gehörend. Seine Nachfolge auf Schloss Liebenstein traten seine Söhne an, Johann Georg zog nach Metterzimmern und verstarb dort 1705 an Schwindsucht.
 

 Schloss Liebenstein anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser
 
 
Anna lebte danach bei ihrem jüngsten Sohn in Siglingen (Möckmühl) und verstarb dort nach einem arbeitsreichen Leben im Jahre 1736. Ihr Sohn Friedrich Carl war ehrsamer Bürger und Küfer in Siglingen und Zunft-Meister der Küfer.
 



Donnerstag, 26. Mai 2016

Winzilhusen - Wintzelhausen - Winzerhausen

Winzerhausen wurde 1247 erstmals als Winzilhusen erwähnt. 1726 erhielt Freiherr Johann Heinrich von Schütz den Ort von Herzog Eberhard Ludwig als Mannlehen (Mannlehen kann nur an einen wehrfähigen Mann, das heißt im Mannesstamm, vererbt werden). Auf die Familie Schütz geht der Ausbau des Ortes zu einem freiherrlichen Gut zurück. 1728 wurde das Schlössle als Herrensitz errichtet, 1730 die Kelter. Das Dorf zählte damals 700 Einwohner.
 
 
Winzerhausen anno 1685 - Forstlagerbuch Andreas Kieser
 
Der letzte Patronatsherr hieß Baron Adam Ludwig Heinrich von Schütz. Er lebte im Schlössle, hatte fünf Ehefrauen, die ihm alle im Kindbett wegstarben, nachdem sie insgesamt 23 Kinder zur Welt gebracht hatten. Nur sechs Kinder überlebten. Baron 'Louis' starb mit 78 Jahren 1830 in Winzerhausen und wurde dort beerdigt. - Bei der Suche nach meinem Vorfahren Hans Leonhardt Rau (1688 - 1733 Winzerhausen) fand ich im Familienregister von Winzerhausen den Eintrag von Baron 'Louis' und seinen 5 Ehefrauen.
 
Die Eltern von Baron Adam Ludwig Heinrich von Schütz (1752 - 1830), ehemaliger Grundherr in Winzerhausen und gewesener Kammerherr, sind Friedrich Heinrich Freiherr von Schütz, Herr zu Winzerhausen, Hohenstein und Pflummern und Charlotte Freiin von Vitzthum.
Seine erste Ehefrau Carolina Ernestina Charlotta Freyin von Varnbühler starb mit 28 Jahren. Julia Freyin von Zigesar wurde nur 33 Jahre alt. Die dritte Ehefrau Luisa Friederike Rath, deren Vater Bedienter bei Sr. Churfürstlichen Durchlaucht von Württemberg gewesen ist, starb 1804 nach sechsmonatiger Ehe wenige Tage nach der Geburt ihres ersten Kindes, das drei Tage später der Mutter in den Tod folgte. Die vierte und die fünfte Ehefrau waren Schwestern, Augusta Johanna Rosina Brauch und Charlotte Wilhelmine Heinrike Brauch, sie starben ebenfalls in jungen Jahren.