"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." - Wilhelm von Humboldt
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Samstag, 11. Juli 2020

Fahr mal hin - Eberbach am Neckar

Wir bleiben wegen den Corona-Reise-Einschränkungen diesen Sommer im Ländle und erkunden unser Bundesland Baden-Württemberg. Genießen unterwegs die ess- und trinkbaren "Schätze" unseres Landes. Mit Registrierung und "gesetzlichem" Abstand zu andern Gästen löscht ein kühles Bier oder ein Gläschen Wein in einer Gartenwirtschaft den Durst.


Kenner trinken Württemberger
Samtrot Rosé, ein "Schätzchen" von den Hessigheimer Felsengärten

Die Sommertour begann bereits in Eberbach am Neckar. Das Städtchen wurde mit seiner Viktoria-
Torte weltberühmt. Anno 1958 rollte die Begum Aga Khan im Rolls Royce am Neckar entlang zum
damaligen Kurhaus. Sie schrieb sich auch in das Goldene Buch ein. Die dreifache Olympiasiegerin im Skirennlauf, Katja Seizinger, ist in Eberbach aufgewachsen.



Café Victoria in Eberbach

In den vergangenen Jahrhunderten verließen viele Eberbacher ihre Heimat und wanderten nach Nordamerika aus. Der berühmteste Auswanderer ist der Bäckermeister Konrad Beisel, dessen Familie heute noch eine Bäckerei mit Blick auf den Neckar betreibt.
Conrad Beissel, wie er sich später nannte, wanderte 1720 nach Pennsylvania aus und gründete im gelobten Land der religiösen Toleranz das Kloster Ephrata. Auf der History-Seite von Eberbach finde ich zu meiner Überraschung den Enkel meines 9-fachen Urgroßvaters Jacob Weiser (*um 1625), Schultheiß in Großaspach:
"Der Württemberger Conrad Weiser (1696-1760) kam schon als Jugendlicher nach Pennsylvania und wuchs eine Zeit lang beim Stamm der Mohawk aus dem Volk der Irokesen auf. Später war er Farmer, Soldat, Dolmetscher und geschätzter Diplomat in indianischen Angelegenheiten. In den Jahren 1735 bis 1743 lebte er als Bruder Enoch unter den Hausleuten in Ephrata."

Eberbacher Auswanderer gründeten zur Zeit des Eisenbahnbaus die Stadt Hebron in North Dakota. Sie warben in ihrer Heimat erfolgreich für das 'gelobte Land' an der kanadischen Grenze. Es folgten u.a. die Familien Krauth und Conrath.


der Eberbacher Eber auf dem Brotlaib der Bäckerei Beisel

Die Krauths und die Conraths waren der eigentliche Anlass nach Eberbach zu fahren und dort das Stadtarchiv zu besuchen. Der Uhrmacher Leonhard Krauth (1805 Eberbach - 1880 Sindelfingen) wird mich weiterhin beschäftigen. Zeitgleich macht sich ein Schriftsteller aus New York mit der Familie Conrath ans Werk. Für das Geschichtsblatt 2021 der Stadt Eberbach werden wir zwei Beiträge über die Familie Leonhard Krauth und über den Künstler Ted Conrath und seine Vorfahren schreiben. 


.  M  .


Samstag, 4. Januar 2020

Johannes 'John' Zundel - ein Komponist aus Schwaben

Was hat die Hochzeit von Prinz William mit Kate Middleton und dem 1815 geborenen Sohn eines armen Landschulmeisters aus dem Schwabenland zu tun?
Aus Kentucky kam eine Email eines Zundel-Nachfahren, dass er nach unendlich langer Suche seine Vorfahren väterlicherseits in Hessen gefunden hat. Seine Zunder-Arnold-Vorfahren mütterlicherseits aus Hochdorf/Enz und Heilbronn, die nach Indiana ausgewandert waren, sind mit Nachfahren meiner Vorfahren verbandelt.

Der kurze Blick in seinen ergänzten Stammbaum wurde zu einer interessanten Recherche, die etwas mehr Zeit in Anspruch nahm. Zeit die sich gelohnt hat. Wer kann schon von sich sagen, dass die Queen, die Familie Windsor, die Spencers, die Middletons, Sir Elton John und ein Teil des europäischen Hochadels in der Westminster Abbey ein Lied sangen, dessen Melodie der 4-fache Urgroßonkel komponiert hat?

"No! My 4th great uncle! So cool! Thank You!" kam von Lonnie aus Kentucky als er die Neuigkeiten las. In diesem Moment weiß er noch nicht, dass das Lied Love Divine, all Loves excelling eines von vier Liedern war, das anläßlich der Hochzeit von Kate & William gesungen wurde und sein Verwandter John Zundel komponiert hat. Aber er liest diesen Blog!



Johannes Zundel, im Jahre 1815 als Sohn des Schulmeisters Christoph Heinrich Zundel und seiner zweiten Ehefrau Heinrika Blankenhorn in dem schwäbischen Dorf Hochdorf an der Enz, das später durch den Fund eines Keltengrabes bekannt wurde, geboren.
Ein Multitalent mit eigener Wikipedia-Seite: Organist, Komponist und Pädagoge. Er studierte Orgelbau bei dem berühmten Orgelbauer Walcker in Ludwigsburg, reiste 1840 nach St.Petersburg
um ein Konzert auf einer Walcker-Orgel in der Lutherischen Kirche St. Peter und St. Paul zu geben. Es war das erste Orgelkonzert, das jemals auf russischem Boden gegeben wurde.
Zundel wurde Organist an der St.-Annen-Kirche in Sankt Petersburg und Kapellmeister der kaiserlichen Leibgarde. Er blieb sieben Jahre in St. Petersburg.


1815 - Johannes 'John' Zundel - 1882

In der Absicht, Orgelkonzerte zu geben, emigrierte Zundel 1847 in die USA. Da er keine geeigneten Instrumente für Konzerte fand, ließ er sich als Kirchenorganist nieder. Er war zunächst 1848 bei Reverend Farnley in der Unitarian Church in Brooklyn beschäftigt und wurde dann 1850 von Henry Ward Beecher als Musikdirektor und Organist für die Brooklyn's Plymouth Church engagiert. Zundel blieb insgesamt 28 Jahre in der Plymouth Church.
Unterbrochen wurde der Aufenthalt in den USA bei der Geburt seines Sohnes Johannes Alexander 1955, der in Stuttgart zur Welt kam. Seine Ehefrau Theresia, eine hervorragende Pianistin, verstarb 1856 in Stuttgart an Schwindsucht. Im Mai 1957 heiratete John die von einem Göppinger Papierfabrikanten geschiedene Frau, Maria Elisabeth Sapper, geboren 1819 in Heidenheim.
Im Oktober 1858 fuhr die Familie mit dem Dampfschiff Borussia von Hamburg nach New York.
Die Zundel-Kinder verheiraten sich in den USA, während Johannes im Alter von 62 Jahren nach Deutschland zurückkam, er verbrachte seinen Ruhestand in Stuttgart-Bad Cannstatt. Am 21. Mai 1882 ist Johannes 'John' Zundel in Kirchheim unter Teck verstorben und wurde dort begraben. Im Sterbebuch wurde 'Professor für Musik' vermerkt.


.  M  .


Montag, 13. Mai 2019

1866 - Steinheim, Ohio und wieder zurück - 2019

Im Jahr 1866 machte sich der 18-jährige Küfer Gottlieb Krautter aus Steinheim auf den Weg nach Nordamerika. Wie schon viele Steinheimer zuvor suchte er sein Glück in der Neuen Welt. Ein Teil der Auswanderer hielt schriftlichen Kontakt zu den Eltern und Geschwistern in der Heimat. Von anderen Auswanderern hat man nie wieder etwas gehört.
Und in dieser Woche, einhundertdreiundfünfzig Jahre nach Gottliebs Auswanderung, begibt sich seine Urenkelin von Ohio aus auf die Spuren ihrer Vorfahren nach Steinheim.
Seit 10 Jahren beschäftigt sie sich mit ihren Ahnen und suchte immer wieder nach Verwandtschaft, aber bisher leider ohne Ergebnis. Wenige Tage vor dem Abflug nach Deutschland kam der "Durchbruch" ganz unerwartet, denn alles sprach dafür, dass es mit der von ihr ausgekundschafteten Steinheimer Familie doch keine verwandtschaftlichen Beziehungen geben soll.
Da ich meinen Online-Stammbaum mit allem was so passt "füttere", also nicht nur mit meinen Vorfahren, war ich der Rettungsanker. Anhand von Familienregistern und der Hilfe meiner Mutter, die sich noch an die alten Familien in Steinheim erinnern kann, landete ich den Volltreffer. Einen? Nein, denn nicht nur die ausgekundschaftete Familie ist mir ihr verwandt, ich habe noch eine Familie gefunden, die von Wilhelm, dem Zwillingsbruder des Auswanderers abstammt.
Um so größer ist die Freude von Gottliebs Urenkelin. Sie reist nach Steinheim um den Ort zu besuchen wo Gottlieb seine Jugend zugebracht hat und jetzt werden ihre Erwartungen mehr als übertroffen. Zwei Steinheimer Familien bereiten sich auf ihren Besuch vor.
Bevor sie eintrifft, gehe ich noch in die Staatsarchive nach Ludwigsburg und Stuttgart um die Dokumente der Auswanderungen zu kopieren. Sie hat noch einen weiteren Auswanderer aus Rielingshausen im Stammbaum, der bereits 1832 mit seiner Familie und einem stattlichen Vermögen von 1.700 Gulden ausgewandert ist.


Gottlieb hat das Küferhandwerk gelernt und reiste 1866 mit einem Vermögen von 200 Gulden nach Hamburg. Er steht auf der Passagierliste des Schiffes Alemannia, mit dem er am 21. Juli 1866 in New York ankam.
Seine erste Ehefrau Mary Ann stammt ebenfalls aus Steinheim, ihr Großvater Johann Gottfried Baad wanderte mit seiner zweiten Ehefrau und seinen fünf Kindern aus der ersten Ehe 1846 aus, die Familie ließ sich in Coshocton County, Ohio nieder. Für einen Totengräber hatte er ein erstaunlich großes Vermögen von 6.700 Gulden, ein sehr guter Start für den Aufbau einer neuen Existenz in der Neuen Welt.

.  M  .


Montag, 2. Juli 2018

Familie Bauer aus Steinheim - Auswanderung

Johann Jacob Bauer (1838-1917), Kind einer zwölfköpfigen Familie aus Steinheim, wanderte mit seiner Frau Katharina Barbara Albrecht (1841-1924) und vier Kindern im Alter von 14, 12, 9 und 3 Jahren nach Amerika aus. Sie erreichten ihr Zielland Kansas vermutlich nicht mehr mit einem der großen Trecks, sondern schon mit der Eisenbahn. Sie ließen sich in einem Landstrich nieder, der einstmals Indianervölkern den Kiowa, Cheyenne oder Ponca gehörte. Riesige Büffelherden zogen noch durch das Land und Dodge City wurde zur Cowboy-Stadt, die u. a. von den Revolverhelden Wyatt Earp und Doc Holliday besucht wurde. In Clay County konnte die Familie 320 acre Land erwerben (ca. 15 ha, 1 acre entspricht ca. 4047m2). Sein Sohn Wilhelm Jacob Bauer übernahm das Land nach dem Tod des Vaters und konnte weitere vier Farmflächen mit je 160 acres hinzukaufen. Unter äußerst schwierigen Bedingungen – sehr kalte Winter, heiße, trockene Sommer mit vielen Tornados – machten sie das Land urbar und wurden sesshaft. - Viele derer, die es ebenfalls versucht hatten, Schätzungen liegen bei 60%, mussten ihre hoffnungsvollen Pläne aufgeben.




Katharina Barbara und Johann Jacob Bauer 


Samstag, 25. November 2017

Nordamerika - German Bier & German Wurst

Wenn ich die Erfolgsgeschichten der Auswanderer lese, denke ich 'was Württemberg durch die Auswanderung an fleißigen und kreativen Menschen verloren hat'. Andererseits, hätten es die jungen Auswanderer, Söhne von Bauern, Weingärtnern oder einfachen Handwerkern damals in den beengten Verhältnissen im Königreich Württemberg so weit gebracht? Ich meine nein. - Sie haben ihre Heimat nie vergessen und, wie die beiden jungen Auswanderer aus Benningen und Kleiningersheim, ihren wirtschaftlichen Erfolg oftmals mit ihren Heimatgemeinden geteilt.

Von Benningen am Neckar wanderte 1870 über Nacht der junge Gottlieb Storz aus. Aus ärmlichen Verhältnissen kommend, arbeitete sich der Küfer zum Millionär hoch. Im Alter von 32 Jahren wurde er Besitzer einer Brauerei in Omaha. Storz galt als "giant in the brewing world", ein 'Riese in der Brauwelt'.
Er war in schweren Zeiten der Wohltäter für seine alte Heimatgemeinde, 1922 wurde er zum Benninger Ehrenbürger ernannt.



Der 1909 in Kleiningersheim geborene Karl Ehmer wurde zum "Wurstkönig von New York", seine Handelskette mit Wurst und Fleisch reichte bis nach Florida. Der Entschluss des Metzgers nach Amerika zu gehen, wurde in Kleiningersheim mehr als nur zur Kenntnis genommen. Zum Abschied spielte der Musikverein im Gasthaus "Rössle". Am 29. August 1930 ging Karl Ehmer in Hamburg an Bord des Schiffes "Hamburg" mit dem Ziel New York.


Ehmer-Wurst ist auch heute noch in den USA gefragt. Im Angebot sind All Beef Frankfurters, Bauernwurst, Chicken Bratwurst, Chicken Apple Sausage, Farmers Liverwurst, German Bratwurst, Gelbwurst, Leberkäse, Landjäger, Long Wieners, Blutwurst ... 

Per Testament vermachte Karl Ehmer nach seinem Tod 1998 seiner Heimatgemeinde eine Million Deutsche Mark, zweckgebunden für ein Pflegeheim, das seinen Namen trägt.



Mittwoch, 18. Oktober 2017

Von Hugenbeckenreute über Murr nach Buffalo

Hugenbeckenreute? Bis vor 10 Tagen noch nie gehört. Dabei war ich der Meinung, dass ich die Dörfer im  Schwäbischen Wald kenne, zumindest dem Namen nach.


Heute war ich also in Hugenbeckenreute und in Kirchenkirnberg zu dessen Pfarrei Hugenbeckenreute gehört. Unter dem großen Viadukt hindurch ging es weiter zur Laufenmühle, vorbei an rauschenden Wasserfällen, dann von der Landstraße rechts ab den schmalen Weg hinauf in den Weiler Steinbach ganz nah am Viadukt über das die Schwäbische Waldbahn fährt. Weiter ins Tal hinab nach Klaffenbach und weiter zur evangelischen Kirche nach Rudersberg. In diesem Teil des Schwäbischen Waldes scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, um so krasser war es wieder in meine dicht besiedelte Heimat zu kommen.


Pfarrhaus in Kirchenkirnberg

Zu Hugenbeckenreute: Vor 10 Tagen kam eine Message aus USA wegen Maria Magdalena Blank, geboren 1826 in Murr, die in meinem Online-Stammbaum steht, aber nicht zu meinen Vorfahren gehört. Und so machte ich mich auf die Spurensuche.


Klaffenbach anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser

Maria Magdalena heiratete 1852 den aus Klaffenbach stammenden Zimmermann Jakob Mayle. Sein Vater Johann Georg ist 1791 in Steinbach geboren, mehr als 100 Jahre bevor dort das Viadukt über den Strümpfelbach gebaut wurde. Die Mutter von Jakob, Salome Frank, ist 1794 in 'Hugenb......' bei Kirchenkirnberg geboren. Den Geburtsort konnte ich im Familienregister nicht lesen, selbst raten blieb ohne Erfolg. Hier konnte nur der Wanderwalter (wanderwalter.de) weiterhelfen, denn dort ist jede Mühle, jeder Bach und auch jeder Weiler zu finden. Und tatsächlich fand ich auf einer Waldlichtung ein Gehöft mit dem Namen 'Hugenbeckenreute'.


Hugenbeckenreute auf einer Lichtung im Schwäbischen Wald

Im Staatsarchiv Ludwigsburg gibt es eine topographische Karte aus dem Jahr 1831 mit dem Wohnplatz 'Hugenbeckenreute', der damals aus 2 Gebäuden bestand und 1764 erstmals erwähnt wurde. Drumherum ist der Eulenwald und der Sandwald.
In der Beschreibung des Oberamts Gaildorf aus dem Jahr 1852 wird der Wohnplatz auch genannt: Hugenbeckenreute auch 'Drehershof' genannt, auf einem Hügel, ein ganz kleines vor etwa 80 Jahren angelegtes Gut, 10 Einwohner.

Huckenbeckenreute ist also in den waldreichen Bergen, wo sich, wie wir aus dem Flachland sagen: "Fuchs und Hase gute Nacht sagen." - Wie muss es dort vor 200 Jahren gewesen sein? Dichter Wald, wenig Felder, unbefestigte Straßen und die Waldbahn gab es noch nicht. Und trotzdem fand Salome, Tochter eines Bauern aus Hugenbeckenreute, in diesem dünn besiedelten Gebiet ihren Ehemann aus dem Weiler Steinbach.


Steinbach vor dem Viadukt der Schwäbischen Waldbahn


uralte Scheune in Steinbach

Man kann vermuten, dass der junge Zimmermann bei Holzfällarbeiten von Steinbach am Strümpfelbach nach Hugenbeckenreute hinauf gekommen ist. Seinen Sohn Jakob, ebenfalls Zimmermann von Beruf, zog es weiter weg nach Murr im Oberamt Marbach.
Die Handwerker gingen nach Abschluss der Lehrzeit auf Wanderschaft. "Auf der Walz" konnten die Gesellen neue Arbeitspraktiken, fremde Orte, Regionen und Länder kennenlernen und Lebenserfahrung sammeln. Und so mancher Handwerkergeselle hat sich "auf der Walz" verliebt. So könnte es auch bei Jakob Mayle (*1822) und Maria Magdalena Blank (*1826) gewesen sein. - Drei ihrer vier Kinder verließen den Heimatort Murr und wanderten nach Nordamerika aus. Die Nachfahren der ausgewanderten Tochter Magdalena Friederike (*1855), die wenige Wochen nach dem frühen Tod ihres Vaters geboren ist, leben heute in Buffalo.


Johanneskirche in Ruderberg
zu dessen Pfarrei auch die Einwohner von Steinbach gehörten



Samstag, 9. September 2017

Kommen-Gehen-Bleiben – 200 Jahre Migration in Württemberg

Die Ausstellung „Kommen-Gehen-Bleiben – 200 Jahre Migration in Württemberg“ ist vom 15. bis 24. September 2017 im Museum für Kloster- und Stadtgeschichte in Steinheim zu sehen.

Vor 200 Jahren begann die große Auswanderungswelle aus Württemberg. 
Der württembergische König Wilhelm I. ist im höchsten Maße beunruhigt. Immer mehr Menschen wollen sein Land verlassen und sich jenseits des Atlantiks in Amerika ansiedeln. Der Grund war der Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien im Jahr 1815. Ungeheure Mengen an Asche und Gestein wurden in die Stratosphäre geschleudert. Eine dunkle Wolke hat sich um Teile der Erde gelegt. Süddeutschland und die Schweiz waren betroffen. Jahre ohne Sommer folgten, es war dunkel, nass und kalt. Ernteausfälle und große Hungersnot waren die Folge. 
Die ersten großen Migrationsbewegungen begannen 1817. Auch Steinheimer Bürger sind damals nach Amerika ausgewandert. Und Zar Alexander lockte die Leute mit Land und Steuervergünstigungen nach Russland.
Die Bücher "Just a Country Boy from Kansas" und "Time's Shadow", geschrieben von Nachfahren der Steinheimer Auswandererfamilie Johann Jacob Bauer, dienten der Vorbereitung für die Ausstellung und werden in der Ausstellung zu sehen sein. Im neuesten  Wochenblatt "Steinheimer Nachrichten" wird über die Familie Bauer berichtet. Sie machten sich 1883 mit vier Kindern auf die Reise in die Neue Welt.

Diese Ausstellung ist ein "Muss" und ich freue mich auch auf den Besuch eines Ur-Ur-Enkels der Bauers. Auf ihn wartet eine "Überraschung"  wenn er sich auf die Spuren seiner Steinheimer Vorfahren begibt.



1910 - Katharina und  Johann Jacob Bauer auf ihrer Farm in Kansas 





Mittwoch, 12. April 2017

Post aus Old Louisville Kentucky, USA

Im Jahr 1831 sind Johann Friedrich Arnold und seine Ehefrau Christina Philippina Zundel von Neckarwestheim über Frankreich nach Indiana, USA ausgewandert. 
John Friedrich ist der Ur-Urenkel vom Murrer Ochsenwirt Hans Leonhard Pfuderer (1687 Bartenbach - 1763 Murr).


Louisville, Kentucky anno 1876

In USA ist es weit verbreitet, dass die Nachfahren der Auswanderer nach ihren europäischen Wurzeln suchen. Auch Lonnie aus Old Louisville, ein Nachfahre der Neckarwestheimer Auswanderer, sucht seit vielen Jahren nach seinen Vorfahren in Good Old Germany.
Dass er bei der Suche auf meinen Online-Stammbaum traf und mir geschrieben hat war ein Glückstreffer, dadurch kann er seinen Stammbaum um einige Vorfahren ergänzen, zurück bis 1516 in die Hankertsmühle zu Leonhard Klenk.

Welcome in the family, Lonnie !

Samstag, 31. Dezember 2016

DJT fight for a better world

Mit dem letzten Sonnenuntergang des Jahres 2016 über meiner schwäbischen Heimat geht ein weiteres Bloggerjahr zu Ende. Ein Jahr das bei der Ahnenforschung immer wieder Überraschungen parat hatte. Ein Jahr in dem ich zum zweiten Mal dem französischen Staatspräsidenten und der deutschen Bundeskanzlerin begegnet bin. 'Small talks' mit Francois Hollande und Angela Merkel, mit Menschen die Geschichte 'schreiben',  wer kann das schon von sich erzählen?!
Die Reise nach Verdun und Romagne-sous-Montfaucon war das Highlight in diesem Jahr. Dort, wo sich vor 100 Jahren französische und deutsche Soldaten an der Front gegenüberstanden, spielte das deutsche Heeresmusikkorps aus Ulm die Totensignale "Aux Morts" und "Ich hatte einen Kameraden", sowie die französische Nationalhymne und die deutsche Nationalhymne. Beeindruckt hat mich an diesem Tag ein Amerikaner, der nach Verdun gereist war, um am Grab seines gefallenen Großvaters einen Blumenkranz niederzulegen.
Die europäische Einheit war aber noch nie so in Gefahr wie in diesem Jahr. Die politische Landschaft hat sich verändert, auch in den Vereinigten Staaten. Wir haben Verwandte und Freunde in Übersee, wir haben aber auch in den letzten Jahren Freundschaften mit Russen geschlossen. Ein Land das für mich im Alter meiner Tochter unerreichbar war. Darum freut es mich um so mehr, dass meine Tochter die russische Sprache erlernt hat, in Moskau studiert und in Sibirien gearbeitet hat.
An Weihnachten 1943 war mein Großvater als deutscher Soldat in Russland. An Weihnachten 2016 besuchten uns russische Freunde meiner Tochter aus Moskau. - What a change !

Barack Obama, der als Friedensnobelpreisträger gestartet war, hat die Hoffnungen der Amerikaner und der restlichen Welt nicht erfüllt, das Verhältnis zu Russland ist untragbar, um so ärgerlicher, dass die große Europäische Union kein Rückgrat zeigt und amerikahörig ist.

 DJ Trump: fight for a better world !
Ob DJT meinen Wunsch wohl erfüllen kann?




Sonnenuntergang an Silvester in den Kleinbottwarer Weinbergen


Das neue Ahnenforschungsjahr starte ich am 1. Januar mit der Besichtigung der Burg Lichtenberg in Oberstenfeld. Gleichzeitig stimmt sich mein Heimatdorf mit Glockengeläut auf ein Jahr ein, das für uns Protestanten eine ganz besondere Bedeutung hat: das Lutherjahr. Zahlreiche Veranstaltungen erinnern daran, dass Martin Luther im Jahr 1517 seine berühmten Thesen über den Ablasshandel veröffentlichte und damit die Reformation anstieß. Das Glockengeläut beginnt um 15.17 Uhr und wird 500 Sekunden lang dauern. - Das Lutherjahr beschert uns am 31. Oktober einen einmaligen Feiertag.




Samstag, 23. Juli 2016

Familie Trefz vom Fürstenhof

Mein Vorfahre Daniel Trefz ist 1678 auf dem 1456 erstmals erwähnten Fürstenhof geboren. Der Weiler Fürstenhof gehört zur Gemeinde Großaspach im Landkreis Backnang. Ursprünglich nannte sich der Weiler Fürstenberg und im Jahre 1528 wird er Fürstenberg der Schaff Hoff genannt.

Wie aus der  Beschreibung des Oberamts Backnang/Kapitel B 9 hervorgeht, hat Daniels Vater 1675 den Fürstenhof zusammen mit zwei weiteren Bauern für 2.000 Gulden erworben:
'Fürstenhof, ein ansehnlicher Weiler, der 1/4 Stunde westlich von Groß-Aspach eine schöne freie Lage auf der Hochfläche zwischen dem Wüstenbach und dem Klöpferbachthal hat.
Der jetzige Weiler war ursprünglich nur ein Hof, welcher den Namen Fürstenberg führte. Derselbe war nach dem Lagerbuch von 1528 Württemberg mit aller Ober- und Herrlichkeit zugethan und gehörte in das Gericht zu Groß-Aspach, so daß der dortige württembergische Schultheiß allhier Gebot und Verbot hatte. Er wurde den 8. Mai 1508 von Herzog Ulrich dem Kanzleischreiber Trautwein Vaihinger zu Lehen gegeben, und kam den 18. Juli 1666 durch Kauf von des Syndikus Klöpfers zu Hall Erben für 1800 fl. an Herzog Eberhard III. von Württemberg, welcher ihn jedoch der Landschaft nicht inkorporirte, sondern zur fürstlichen Rentkammer schlug. Im Jahr 1675 wurde er wieder an Michael Läpple, Albrecht Traub und Jakob Trefz für 2000 fl. verkauft. Das Stift Backnang bezog 2/3, das Stift Oberstenfeld 1/3 des großen Frucht- und Weinzehentens'. - In  dieser Zeit ist die Kiesersche Forstkarte vom Fürstenhof entstanden. 

 
Fürstenhof anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser

Die Trefz haben heute nicht nur Nachfahren in unserer Region, sie sind auch nach Australien und Nordamerika ausgewandert. Sie haben Stammbäume bei ancestry mit diesem Wappen der Familie Trefz.



Dienstag, 7. Juni 2016

Ofterdingen - Hanss Georg Haldenwang - Murr

Hanss Georg Haldenwang, mein 8-facher Urgroßvater, geboren 1649 in Ofterdingen bei Tübingen, hat um 1672 eine Anna Sophia aus Murr geheiratet. Hanss Georg hatte das Küferhandwerk gelernt, vermutlich führten ihn seine Wanderjahre nach Abschluss der Lehrzeit nach Murr. Oder wie man im Schwäbischen sagt: er war uff dr' Walz.
Der Ofterdinger Johann Georg Haldenwang schrieb über das Leben in seinem Heimatdorf  um 1840: So sprach der Vater öfters: ‚Wir müssen fort von hier, die Not lässt sich nicht mehr bewältigen‘. Wir hatten Freunde in Amerika, die hatten im Staat Ohio eine Farm gekauft und schrieben uns öfters, wie gut es ihnen gehe. ‚Dahin wollen wir auch ziehen‘, sprach der Vater, ‚da werdet wenigstens ihr, ihr Kinder, euch ein sorgenfreies Leben schaffen können‘. (…)
Amerika war für uns kein unbekanntes Land. Seit langen Jahren wandten sich schon aus unserem Orte viele Auswanderer hin, ohne je wieder zu kommen. (…) Alljährlich kaufte sich mancher Geselle das blaue Hemd, zog es zum Schutze über sein Gewand, gürtete es, nahm für immer Abschied von Vater und Mutter, wanderte hinunter nach Heilbronn, schiffte sich den Neckar und Rhein hinab und segelte nach Amerika. Es war ein ewiges Gehen und nicht mehr Kommen und doch waren alle Häuser voller Leute.


Die Not dauerte schon sehr lange an in Ofterdingen, denn über Abraham Haldenwang (1643 - 1711), den Vetter meines Vorfahren Hanss Georg, findet man folgende Zeilen:

Sonntag Sexagesima 1687 ist der Kirchenkonvent wieder zusammen gekommen, da vorgebracht wurde:
Abraham Haldenwang und seine Schwieger (mutter) Ursula, Kasper Mayers selige Witwe, haben in ihrem Haus große Händel angefangen. Sind mit garstigen Worten ganz zornig aneinander geraten. Abraham H. soll zu seiner wohlverdienten Strafe ein Pfund Heller, die Schwieger Ursula aber 10 Schilling erlegen.

Anno 1696 in Feria Bartholomai ist verwilligt worden Abraham Haldenwangs Kindern, die neuen Katechismusbüchlein aus dem Heiligen zu bezahlen.

Actum, den 1.11.1696 muß Abraham 15 Schillinge Strafe zahlen, weil er an Simonis und Juda den ganzen Tag Kraut eingemacht hatte.
Er starb 1711 als ehrlicher, frommer, aber sehr armer und kraftloser Mann.

Dem hochfürstlichen, gnädigsten Befehl gemäß, zur Abstellung des Gassenbettelns, wird am 7.5.1713 eine Zusammenstellung der Hausarmen gemacht. Darunter ist Abraham H. Witwe Barbara (2. Ehefrau), 56 J., Witwe 2 Jahre lang, Schweizerin, hat keinen Taufschein. Kinder: Apollonia 13J., Barbara 10 J., beides Schulkinder. Vermögen: nichts. Vieh: Nichts als zwei Geißlein, nichts einzuschneiden. Arbeit: Zum Tagelöhnen nicht tüchtig, sucht mit spinnen und Bändel weben etwas zu verdienen, hilft die Gänse hüten. An Almosen erhält sie vom Kloster wöchentlich 6 Heller und vom Flecken 12 Kreuzer.



Samstag, 16. April 2016

Blumen für Romagne-sous-Montfaucon - Verdun 2016

Wie schon viele Jahre zuvor, haben wir Blumen für drei Gräber unbekannter Soldaten gespendet. Am 28. Mai 2016 werden im Rahmen einer Gedenkveranstaltung Gräber unbekannter Soldaten auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Romagne-sous-Montfaucon im Department Meuse (40 km nordwestlich von Verdun) damit geschmückt.
Auf diesem Friedhof ruhen 1.407 deutsche und 8 französische Soldaten aus dem 1.Weltkrieg. Die dort Ruhenden gehörten Truppenteilen an, deren Heimatgarnisonen in Schlesien, Sachsen, Württemberg, Bayern, Westpreußen, Pommern, Mecklenburg, im Rheinland und in Lothringen lagen.

Ein Soldatenfriedhof der USA, der Meuse-Argonne-Cemetery, liegt am ostwärtigen Ortsausgang von Romagne-sous-Montfaucon. Er ist mit 14 246 Toten aus den Kriegsjahren 1917 und 1918 die größte amerikanische Kriegsgräberstätte beider Weltkriege in Europa.

Die Gedenkveranstaltung 100 Jahre Schlacht um Verdun findet am folgenden Sonntag am Beinhaus Douaumont und am Mémorial de Fleury statt. Im Beinhaus werden die Gebeine von über 130.000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten aufbewahrt. Im Mémorial werden
2.000 Sammlerstücke, zahlreiche, zum Teil unveröffentlichte Fotos, französische und deutsche Zeugnisse sowie außergewöhnliche Ton- und Filmdokumente aufbewahrt, sie illustrieren das Leben der einfachen Soldaten, die von überall hierher gekommen waren.

Den bei der Schlacht um Verdun vor 100 Jahren gefallenen Soldaten gedenken am 29. Mai 2016 auch der französische Staatspräsident Francois Hollande und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.


Mémorial de Fleury


 Beinhaus und Soldatenfriedhof Douaumont
Zwei unserer Familienangehörigen sind im Alter von 20 und 23 Jahren im 1.Weltkrieg in Nordfrankreich gefallen und werden vermisst. Mein Urgroßvater wurde 1917 schwer verwundet, ihm wurde ein Bein amputiert. Mit seiner Tochter, also meiner Großmutter, war ich schon vor 38 Jahren in und um Verdun, wir haben das Beinhaus, den Bajonettgraben und die Festung Fort Vaux besucht. Ein für sie nicht einfacher Tag, denn sie hat den 2. Weltkrieg erlebt, in dem auch ihr Ehemann am 25. Juni 1944 in Russland gefallen ist und vermisst wird.
Wir haben weitaus mehr Abstand zum Grande Guerre 1914-1918 und zu den Ereignissen während des 2. Weltkrieges 1939-1945, aber wir besuchen die an unseren Reisewegen liegenden Soldatenfriedhöfe und spenden seit Jahren Blumen für Gräber unbekannter Soldaten, als sichtbares Zeichen dafür, dass sie in der Heimat nicht vergessen sind.

Samstag, 9. April 2016

Wanted - Family Allbright from Philadelphia

Im Oktober 2015 habe ich hier über die Glockenspende für die Steinheimer Martinskirche aus Philadelphia geschrieben. - Heute starte ich hier den Versuch, Nachfahren meines 4-fachen Urgroßvaters Georg Friedrich Albrecht (*1785 Steinheim) zu finden, der 1854 nach dem Tod seiner Ehefrau nach Philadelphia ausgewandert ist.

 
Der Stadtplan von Philadelphia schachbrettartig angelegt - Ausschnitt aus dem Plan of the City and Environs of Philadelphia aus dem Jahr 1777.
 
Er verließ Deutschland zusammen mit seinem Sohn Samuel Friedrich (*1828). Zwei seiner Kinder sind einige Jahre zuvor in die "Neue Welt" ausgewandert. Sein Sohn Gottfried Albrecht (*1815 Steinheim) ist 1842 ausgewandert und 1860 in Bridgeton, New Jersey verstorben. Seine Tochter Regina Catharina (*1825 Steinheim) folgte ihm 1847 in die "Neue Welt". Die Albrechts waren Metzger von Beruf, wie schon Generationen vor ihnen. Sie stammen aus Kuchen bei Göppingen, kamen durch Heirat 1699 nach Marbach am Neckar und später nach Steinheim an der Murr.
Samuel war in erster Ehe mit Christiana verheiratet, 1858 ist die Tochter Carolina geboren. Im Jahr 1897 heiratete Samuel die 31 Jahre jüngere Philippina Betz, verwitwete Mohl. Philippinas Söhne Harry (*1888) und Berthold (*1891) haben laut Census den Namen ihres Stiefvaters angenommen, der sich inzwischen "Allbright" nannte. Im Jahr 1900 lebte die Familie Allbright in Philadelphia, 2038 N 2d.

Zum Glück ist der Sohn Ludwig Friedrich (1801 - 1881) mit seiner Familie in Steinheim geblieben, sonst gäbe es mich nicht .... !

Mittwoch, 30. März 2016

Die Seelenverkäufer im Neckartal - historischer Roman

 Die Stimme des Redners überschlug sich. Zu Hunderten drängten sie sich um ihn. Sie alle wollten den Neuländer hören, den Mann, der aus den neuen Ländern jenseits des großen Meeres kam, der von Amerika berichtete, von den ungeahnten Reichtümern, die sich dort jedem boten, der ein bisschen Mumm aufbrachte, von den Möglichkeiten hier wegzukommen, wo die Menschen Hunger litten und die Verzweiflung Tag für Tag weiter um sich griff. ....
"Wer hier ein armer Bauer ist, lebt drüben als reicher Gutsherr mit Wiesen, Weiden und Feldern, so weit das Auge reicht, fährt mit Pferd und Wagen über Land und freut sich an seinem Wohlstand. Wer hier ein elendes Leben führt als Handwerker ohne Aufträge, ohne Zukunft, der ist drüben ein angesehener Geschäftsmann und wohnt im eigenen Haus in der Stadt, kann sich vor gut bezahlter Arbeit kaum retten. Seine Frau, die hier kaum weiß, wie sie ihren Mann und ihre Kinder satt kriegen soll, ist drüben die gnädige Madame und kommandiert ihre Mägde. Wer hier schuftet und doch nichts verdient, der scheffelt drüben gute Dollars."
So ein Aufschneider! Georg betrachtete die Menge, die den Werber fast an die Stadtmauer drückte. Tausend Augen waren auf ihn gerichtet. Ein bisschen Hoffnung wollten sie sich erhaschen. Abgehärmte Gesichter, magere Gestalten, Frauen, die ihre Kinder an sich pressten, Männer mit müdem Rücken, aber leuchtenden Augen. Sie träumten von einem Leben ohne Not, Entbehrung und Erniedrigung. - Aus dem historischen Roman: 
 

Heilbronn, Mannheim 1817: Tausende Badener und Württemberger strömen zu den Landeplätzen am Neckar, um aus ihrer Heimat zu fliehen, die sie nicht mehr ernähren kann. Seelenverkäufer haben den Armutsflüchtlingen das Blaue vom Himmel versprochen, wenn sie auf ihr Angebot zur Auswanderung nach Amerika eingehen. Ihr Weg führt flussabwärts zu den Auswandererhäfen in den Niederlanden. Unter ihnen sind Barbara und Georg, die sich im Auswandererlager in Heilbronn kennengelernt haben. Beide geraten in das Netz  von skrupellosen Seelenverkäufern und Deutschenhändlern. Während Georg in Mannheim nach den Mördern seines Vaters sucht, der einer Schleuserbande auf die Schliche gekommen war, fährt Barbara mit ihrer Familie auf einem überfüllten Auswandererschiff von Amsterdam nach Philadelphia. Trotz getrennter Wege können sie ihre Liebe nicht vergessen. Gibt es ein Wiedersehen im Land ihrer Träume und Hoffnungen?

Donnerstag, 17. März 2016

Peterskirche Murr - Glockenspende aus St. Louis

Der 1. Weltkrieg machte auch vor den Kirchen nicht Halt. Die Murrer durften auf Antrag die größte Glocke behalten: 'die große Glocke ist der Gemeinde besonders wert, und wir wären daher für ihre Befreiung von der Beschlagnahme durch Bestimmung zur Läuteglocke dankbar'. Das Königliche Oberamt hat dieser Bitte entsprochen. Die kleine und die mittlere Glocke wurden im Juli 1917 abgeliefert, aus Glocken wurden Kanonen .....

 
Peterskirche in Murr

Nach Kriegsende sollten neue Glocken beschafft werden. Aus Kostengründen entschieden sich die Murrer nur für die mittlere Glocke. Aber bald konnte die kleinere Glocke nachbestellt werden: 'durch Andeutungen ermuntert, richtete Pfarrer Kr. an nach Amerika ausgewanderte Verwandte der Familie J. die Bitte, im Gedenken an ihr Heimatdorf die Erfüllung des Wunsches nach einem vollständigen Geläute finanziell zu unterstützen. Der Bittbrief trägt das Datum 15. Jan 1921'. - Welcher Art diese Andeutungen waren ist nicht bekannt, vielleicht wurde der Gemeindepfarrer durch die Glockenspende für die benachbarte Kirche in Steinheim durch die nach Philadelphia ausgewanderte Familie Albrecht animiert.
Der Bittbrief hatte Erfolg, denn in St.Louis ging am 5. Febr. 1921 die Mitteilung ab, 'daß die Kirchengemeinde von Murr die beiden Kirchenglocken, die mit einem Kostenvoranschlag von 27.000 Mark berechnet sind, bestellen kann, da ich mich verbürge, daß das Geld binnen kurzer Zeit in Ihren Besitz gelangen wird'. - Im Spätherbst 1921 wurden die beiden Glocken feierlich eingeholt.

 
Turm der Peterskirche


Die mittlere Glocke B - 337 Kilogramm - trägt als Aufschrift:

Christian, Wilhelm u. August Jaudes
ihrem Geburtsort Murr zum Geschenk
Weihnachten 1921
Freude dieser Stadt bedeute - Friede sei ihr erst Geläute!
 
Die kleine Glocke D - 180 Kilogramm - trägt die Aufschrift:
 
Ehre sei Gott in der Höhe!
 
Am Christfest 1921 wurden sie im Festgottesdienst geweiht und wieder taten unsere Glocken ihren Dienst in Liebe zum Frieden. 20 Jahre lang .....
Schon im April 1940 mussten die Glocken wieder zur Abnahme gemeldet werden. Pfarrer R. bemühte sich in seiner Eingabe, die im 1.Weltkrieg zurückgestellte Glocke frei zu bekommen, da 'die zur Zurückstellung vorgesehene kleine Glocke für den 1,5 km langen Ort im Ton zu schwach ist'. - Dem Wunsch wurde nicht entsprochen. In einer Randbemerkung schreibt Pfarrer R. resigniert: 'Kleine bleibt'! Am 27. Januar 1942 wurde die große und mittlere Glocke abgenommen, wiederum wurden Glocken zu Kanonen .....
 
 
Eingang der Peterskirche
 
Fünf Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurden in der Glockengießerei Bachert in Heilbronn 2 Glocken bestellt. Der Glockensachverständige empfahl, die spätere Anschaffung einer 4. Glocke im Auge zu behalten. 'Der prächtige Kirchturm, der die ganze Gegend beherrscht, fordert ein einwandfrei disponiertes Vierer-Geläut, das seiner würdig ist'.
Es hat fast ein halbes Jahrhundert gedauert, bis die 4. Glocke in Auftrag gegeben wurde.  Durch eine großzügige Spende von Elise Pfuderer konnte das Vierer-Geläut endlich realisiert werden.

(Quelle: Geschichten vom Dorfbuchdoktor)

 
das alte Schulhaus gegenüber der Peterskirche
hier gingen die Brüder Jaudes zur Schule
 
Bei dieser Recherche stellte sich mir die Frage, ob es in St.Louis noch Nachfahren der spendablen Jaudes-Brüder gibt, die 1882 ausgewandert sind. Ja, es gibt in St.Louis heute noch Nachfahren von August Jaudes.  



Samstag, 6. Februar 2016

Auf der Suche nach Steinheimer Auswanderern

Die Suche nach offiziellen Informationen über Steinheimer Auswanderer war lange erfolglos. In der Datenbank der 'Auswanderung aus Süddeutschland' findet man Auswanderer aus den Nachbarorten Kleinbottwar, Murr, Erdmannhausen oder Höpfigheim, aber die Steinheimer waren verschwunden oder wurden vielleicht gar nicht registriert?!
Die Familien Körner, Bauer, Brändle, Trautwein, Hay und die Geschwister Reiff wurden aus unerklärlichen Gründen unter dem Herkunftsort Vaihingen an der Enz registriert. Es liegen also tatsächlich Unterlagen wie Anträge, Bewilligungen und Entlassungen aus dem württembergischen Staatsverband im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart.


Theodore Körner fuhr mit dem Schnelldampfer Kronprinz Wilhelm II. von Bremen aus in die Neue Welt, am 7. Dezember 1906 ging er in Hoboken, New York von Bord. Seine Eltern folgten 2 Jahre später. Die Familie Körner lebte im Staat Oklahoma.

 

 
 
Das Passagierschiff war 208 Meter lang, 20 Meter breit, hatte eine Maschinenleistung von 40.000 PS und war für 1.838 Passagiere zugelassen. 


Montag, 1. Februar 2016

SO HELP ME GOD - Declaration of Intention

"I am not an anarchist, I am not a polygamist nor a believer in the practice of polygamy and it is my attention in good faith to become a citizen of the United States of America and to permanently reside therein. SO HELP ME GOD". - So endet der Einbürgerungsantrag, unter den der Steinheimer Christian Gottlieb Körner am 15. März 1917 im District Court of Western District of Oklahoma (Amtsgericht), seine Unterschift setzte.

Mit dieser Erklärung kann man die Auswanderung der Familie Christian Gottlieb Körner verfolgen. Der Enkel meines 4-fachen Urgroßvaters Christian Körner fuhr mit seiner aus den Berglen (Rems-Murr-Kreis) stammenden Ehefrau Karoline auf dem Schiff 'Kronprinz Wilhelm I.' von Bremen aus in die Neue Welt. Am 23. März 1908 kamen sie in New York an. 1917 beantragte er im Alter von 65 Jahren die amerikanische Staatsbürgerschaft. Gottlieb hatte weiße Hautfarbe, einen dunklen Teint, war 1,78 m groß, 84 kg schwer, hatte schwarze Haare, graue Augen und keine besonderen Merkmale.


Antrag auf die amerikanische Staatsbürgerschaft

Über das Leben der Körner in Marshall, Logan County im Staat Oklahoma, an der Grenze zu Texas, ist nicht viel bekannt. Der gelernte Schlosser wurde in Amerika zum Farmer. Sein bereits 1906 ausgewanderter Sohn Theodore und dessen Ehefrau Emma B. Prollock, aus Hummelsweiler bei Schwäbisch Hall stammend, sind sehr früh verstorben. Die drei Kinder Lillian, Freda und Herman Theodore wuchsen bei den Großeltern mütterlicherseits auf.


Herman Theodore (*1913) mit seinen älteren Schwestern Lillian und Freda und ihrem Großvater John Prollock am Grab ihrer Eltern Theodore und Emma
 
  
Friedricke und Gottlieb wurden auf dem 'German Methodist
Episcopal Cemetery' in Marshall bestattet.
 
 Dieses Foto ist faszinierend, Herman Theodore (hier mit seinen Schwestern) hat sehr viel Ähnlichkeit mit meinem in Deutschland gelebten Großonkel Hermann. Herman & Hermann haben Christian Körner als gemeinsamen Ur-Urgroßvater.
 


Dienstag, 12. Januar 2016

1891 - Bennie Trautwein - 1916

 

 
A loved one dear from us is gone.
A voice we loved is stilled.
A place is vacant in our home.
Which never can be filled.
  
So lautet die Inschrift auf dem Grabstein, des im Alter von 25 Jahren an Typhus verstorbenen Benjamin Wilhelm Trautwein, von seiner Familie "Bennie" genannt.
Seine letzte Ruhe fand Bennie auf dem Brethren in Christ Cemetery in Green, Clay County, Kansas.
Bennie ist der Sohn von Jakob Friedrich Trautwein (1841 - 1896) und Friederike Rosine Hay (1847 - 1912). Die Familie Trautwein-Hay ist mit zwei kleinen Kindern 1882 von Steinheim nach Kansas ausgewandert. In Kansas kamen weitere 7 Kinder zur Welt, Bennie ist der Jüngste von 6 Brüdern.
 
 


Kansas - Familie Hay in May Day

Gut vier Jahrhunderte lebten die Familien Hay in Steinheim. Der älteste namentlich bekannte Hay ist Hans (1599 - 1670), er ist mein 9-facher Urgroßvater, von Beruf war er Seiler.
Ende des 20. Jahrhunderts sind in Steinheim noch Hays geboren, danach enden aber die Daten bei familysearch und aus Datenschutzgründen sind die neueren Kirchenbücher nicht online. Ich kann mich allerdings an keine Familie Hay in Steinheim erinnern.
Wie kann ein uralter Familienname nach vierhundert Jahren aus einer Kleinstadt verschwinden, wo doch Familien wie die Trautweins bis heute überlebt haben? Namen großer Familien sind durch Auswanderung und überwiegend weiblicher Nachfahren, wie bei den Albrechts aus Steinheim, ausgestorben.

Im County Riley in Kansas, genauer in May Day, fand ich die erste Spur der Hays. Bei der Volkszählung im Jahr 1900 wurde in May Day die Familie Jacob Wilhelm Hay registriert. Friederike Rosine Trautwein, Schwester von Jacob Wilhelm, zog es 1882 ebenfalls mit ihrer Familie in die Neue Welt.



Viel zu sehen gibt es in May Day heute nicht mehr, die alten Farmhäuser sind verlassen und wegen Altersschwäche teilweise zusammengebrochen. Eine kleine Farm kann in Kansas heute nicht mehr wirtschaftlich arbeiten. Spuren findet man auf Friedhöfen mit über 100 Jahre alten Grabsteinen, die in der Prärie an den Kreuzungen der Naturstraßen liegen. Auch Kirchen und die alten Einraumschulen, in der meist alle Jahrgänge zusammen unterrichtet wurden, sind längst verlassen.

 
Schule in May Day  
 
Jacob Wilhelm Hay (1852 - 1921) und seine Ehefrau Karoline Friederike geborene Hammer (1850 - 1906) wurden auf dem Zion Cemetery in Randolph, Riley County, Kansas bestattet.
 
 
Grabstein des Ehepaares Hay
 
Carl Wilhelm oder Charles William, wie sich der 1876 in Deutschland geborene Sohn von Jacob Wilhelm Hay später nannte, zog weiter in den Westen nach Colorado. Im Jahre 1905 heiratete er Helene Teresa Schuster (1886 - 1969). - Auf dem Riverside Cemetery in Fort Morgan steht der Grabstein von Charles W., seiner Ehefrau Helen T. und der Tochter Helen H. (1922 - 1927). 
 
 
 
Ob die Hays und Trautweins ihr Glück in der Neuen Welt gefunden haben, aus dem die früheren Siedler die Indianer vertrieben haben und ob sich ihre persönlichen Erwartungen und Träume erfüllt haben ist nicht überliefert.
 
Der gesamte Mittlere Westen der USA war jahrhundertelang der traditionelle Lebensraum der Plains-Indianer die auf den großen Ebenen zu Hause waren und deren Lebensgrundlage der Bison war. Ihr Siedlungsgebiet erstreckte sich über den ganzen Korridor von Kanada runter bis Texas.
 
 
 
 
 

Montag, 28. Dezember 2015

Johann Christian Ossmann & Dorothea Luise Storz

Von Schloss Hohenheim in die Prärie von Kansas verschlug es den 1841 in Untergruppenbach (Heilbronn) geborenen Johann Christian Ossmann zusammen mit seiner Ehefrau Dorothea Luise Storz (*1833) aus Steinheim und dem 1870 geborenen Sohn Carl Johann. Das Ehepaar Ossmann-Storz heiratete 1874 in Stuttgart-Birkach in der Nähe des Hohenheimer Schlosses wo Johann Christian als Kammerdiener beschäftigt war.
Nach der US-Volkszählung aus dem Jahre 1900 ist die Familie 1884 eingewandert, die Ossmanns lebten in Leavenworth wo Johann Christian als Gärtner gearbeitet hat.


Im Jahr 1903 ist Louise im Alter von 70 Jahren verstorben, Johann Christian erlebte noch wie seine Enkel Helen und Carl heranwuchsen. Sein Sohn Carl Johann lernte in St. Louis seine in Deutschland geborene Ehefrau Rosa Wurst kennen. Die Familie lebte in Concordia im County Cloud in Kansas.

Der Enkel Carl war über 60 Jahre als Architekt tätig. Er entwarf das Medical Center in Goodland, Altenheime, Boogarts Grocery Stores und das Fire Department 10 in Topeka. Carl züchtete mehr als 40 Jahre Angusrinder. Aus seinem Lebenslauf geht hervor, dass er während des Zweiten Weltkriegs bei der Marine gedient hat.


Carl G. Ossmanns Grabstein auf dem Mount Calvary Friedhof in Topeka
 
Auffallend ist, dass der Nachname nach der Einwanderung nicht amerikanisiert wurde, also die alte deutsche Schreibweise beibehalten wurde. C. William Ossmann, Richter im Shawnee County, Kansas und Urenkel der Auswanderer, hat heute noch die Namensendung "mann", an der sich seine deutsche Abstammung erkennen lässt.