"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." - Wilhelm von Humboldt
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Samstag, 24. November 2018

Georg Friedrich Zundel - Clara Zetkin - Paula Bosch

Meist beginnt eine Recherche ganz 'harmlos' mit Geburtsort, Geburtsdatum, Heirat und Todestag. Hinzu kommt der Beruf und eventuell ein Amt innerhalb der Gemeinde und vielleicht gibt es noch Auswanderer innerhalb der Familie, das war es dann meist auch schon.
Man kann aber auch ganz unbeabsichtigt bei der Frauenrechtlerin Clara Zetkin und Paula Bosch, Tochter von Robert Bosch, und Lenin "landen".
Über die Auswanderung des Ehepaares Zundel-Arnold nach Nordamerika habe ich bereits berichtet. Vorfahre des Auswanderers Johann Friedrich Arnold ist der Murrer Ochsenwirt Hans Leonhard Pfuderer, mein 6-facher Urgroßvater

Die Familie Zundel, die Vorfahren seiner Ehefrau, hat ihre Wurzeln in der Schweiz. "Alt" Hans (Johannes) Zundel kam nach dem 30-jährigen Krieg und vor 1666 aus Sargans (Sankt Gallen, Schweiz) nach Wiernsheim im Heckengau. Er war Zimmermann und später Zunftmeister des Maulbronner Zimmerhandwerks. Nach der Herkunft dieser Einwandererfamilie wurde eine Wiernsheimer Straße in "Schweizer Straße" benannt. Der älteste namentlich bekannte Zundel ist Nicolaus, anno 1501 in Sargans geboren. 

Das Leben Georg Friedrich Zundels (*1875 Iptingen), Sohn des Wiernsheimer Löwenwirts und Bierbrauers, der mit 14 Jahren sein Elternhaus verließ und nie wieder betrat, ist sehr außergewöhnlich. Nach einer Malerlehre in Pforzheim war er Dekorationsmaler in Frankfurt, studierte Kunst in Frankfurt und Stuttgart. Zundel war in den Jahren des Studiums mit sozialistischen Ideen in Kontakt gekommen. Er lernte die in Stuttgart als Redakteurin der SPD-Frauenzeitung Die Gleichheit arbeitende sozialistische Politikerin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin kennen. Er heiratete 1899 die achtzehn Jahre ältere Clara und lebte mit ihr von 1903 bis zur Scheidung 1926 in einem Landhaus in Sillenbuch (Stuttgart), das zu einem beliebten Aufenthaltsort für internationale Führer sozialistischer Organisationen wurde. Auch Lenin machte dort 1907 Station.

Nach der Scheidung von Clara Zetkin heiratete er 1927 Paula Bosch, die er schon gemalt hatte, als sie noch ein Kind gewesen war. Mit ihr zog er auf den von Robert Bosch für seine Töchter gebauten Berghof bei Tübingen, wo er sich neben der künstlerischen Tätigkeit auch der bäuerlichen Arbeit zuwandte.
Aus der Ehe mit Paula Bosch ging als einziges Kind der Sohn Georg Zundel hervor. Friedrich Georg Zundel erhielt ein Ehrengrab auf dem Tübinger Stadtfriedhof.


Paula Zundel-Bosch in der Tübinger Kunsthalle - 1972

Paula Zundel-Bosch und ihre Schwester Margarete Fischer-Bosch stifteten 1971 die Kunsthalle Tübingen, um eine dauerhafte Bleibe für Zundels Werke zu schaffen. Für die Verdienste um die Stadt Tübingen wurde Paula Zundel, wie auch ihre Mutter Anna Bosch, zur Ehrenbürgerin der Stadt Tübingen ernannt.


---->  Georg Friedrich Zundel   <----


.  M  .


Dienstag, 18. September 2018

Urach - Herberge 'Zum Goldenen Kreuz'

Einer meiner Lieblingsplätze im Südwesten ist das Café vom Beckabeck auf dem Uracher Marktplatz. Bei einer Sommertour auf die Schwäbische Alb gehört das Frühstück beim Beckabeck einfach dazu bevor die Fahrt auf die Albhochfläche geht. Der Uracher Marktplatz mit den mittelalterlichen Fachwerkhäusern ist einer der schönsten Marktplätze in Süddeutschland.
Und wenn auf dem Marktplatz beim Open-Air-Gottesdienst das uralte Lied von Paul Gerhard "Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser lieben Sommerszeit ..." erklingt, kann ein Sonntag nicht perfekter sein.
Am Marktplatz befindet sich auch das Alte Oberamt, das in der Mitte des 15. Jahrhunderts erbaut wurde. 1568 wurde das Gebäude zur Herberge "Zum Goldenen Kreuz". Von 1812 bis 1938 hatte das Gebäude die Funktion des Oberamts.


Gasthaus "Zum Goldenen Kreuz" und später Oberamt Urach

Anno 1619 ist mein Vorfahre Johannes Spring, Fuggerscher Präfekt auf Burg Stettenfels und späterer Pfarrer in Oberstenfeld und Murr, in Urach geboren. Conrad Spring (1503 - 1583), Urgroßvater von Johannes Spring, ist Metzger und Gastgeber (Wirt) "Zum Goldenen Kreuz" gewesen: 'Er hat Haus und Herberge neben dem Kantengießer Eberhard Hüttenschmied'. - Zudem war er Armenpfleger, Ratsherr, Gerichtsverwandter und Hauptmann des ersten Stadtfähnleins (= Bürger der Stadt).
Dass ein familiärer Bezug zur ehemaligen Herberge "Zum Goldenen Kreuz" am Uracher Marktplatz besteht weiß ich erst seit heute. - Künftig wird das Albfrühstück beim Beckabeck mit Blick auf das Haus meiner Vorfahren noch viel besser munden.


.  M  .


Dienstag, 8. Mai 2018

Steinheim - das Lämmle & die Lovestory

Das Lämmle vom Gasthaus Lamm in Steinheim stand einst auf einer "Nase" an der Fassade des Gasthauses und ist vor etwa 55 Jahren verschwunden. Nach einem Beitrag zur Heimatkunde über Gasthäuser in Steinheim aus dem Jahr 2011 soll es in einem Marbacher Garten sein.


das Lamm vom Gasthaus Lamm

Vor ein paar Wochen ist das alte Lämmle in Marbach "entlaufen" und hat bei mir eine neue Heimat gefunden. Aber wie kommt das Steinheimer Lämmle in einen Marbacher Garten?
Die kleine Traude, Jahrgang 1928, kam mit ihrem Vater, dem Marbacher Sattler Oscar Hammer, per Fahrrad oft durch Steinheim und sie erfreute sich immer wieder an dem Anblick des Lämmle am Gasthaus Lamm gegenüber dem Rathaus. Vater Oscar musste vor dem Gasthaus anhalten, damit seine Traude bei jeder Fahrradtour "ihr Lämmle" bewundern konnte.

Inzwischen erwachsen geworden und jung verheiratet, kam Traude nach Steinheim und ihr geliebtes Lämmle stand nicht mehr auf seinem Platz. Sie war enttäuscht, das Lämmle aus Kindertagen nicht mehr anzutreffen. Ihrem jungen Ehemann Walter tat seine junge Frau so leid, dass er am Gasthaus klingelte um sich nach dem Verbleib des Wirtshausschildes zu erkundigen.
Eine Frau kam ans Fenster und rief herunter "mir hend gschlossa." - "Wo ist das Lämmle", wollte Traude wissen. Die alte Dame ging mit Traude und Walter in den rückwärtigen Stall und dort stand das Lämmle in einem Futtertrog. Die Freude über das Wiedersehen war riesengroß. Da der Gasthausbetrieb eingestellt war, aber immer wieder hungrige und durstige Leute im Gasthaus einkehren wollten und an der Haustüre klingelten, wurde das Lämmle entfernt. Walter erwarb das Lämmle und es fand bei ihm und Traude ein neues Zuhause.

Im Jahre 1966 wurde das Gasthaus Lamm wieder eröffnet, das alte Wirtshausschild war aber unauffindbar, ein neues Lämmle wurde am Gasthaus angebracht. Als wir 1967 die Konfirmation meines Bruders im Lammsaal feierten wusste ich noch nichts vom verschwundenen Lämmle. Einige Jahre später sah ich das Lämmle im Garten bei Traude und Walter. Die Künstlerin hatte ihr Leben lang Freude an ihrem Steinheimer Lämmle das jahrzehntelang über den Gartenteich hinweg in ihr Wohnzimmer blickte. Wir waren immer wieder fasziniert wenn Traude ganz theatralisch über die Sonntagsausflüge mit ihrem Vater und von ihrer Enttäuschung über das fehlende Lämmle erzählte, wie sie mit der früheren Lammwirtin in den Stall ging und wie sie sich freute als sie das Lämmle im Futtertrog entdeckte. Noch größer war ihre Freude als sie das Lämmle mit nach Hause nehmen durfte. 

In Steinheim wusste man, dass das alte Lämmle vom Lamm in einem Marbacher Garten steht. Aber wo genau wusste zum Glück niemand. Ich behielt dieses Geheimnis samt der „Lovestory“ für mich um zu verhindern, dass man Traude das Lämmle abschwätzte.
Im Oktober letzten Jahres ist Traude im Alter von 89 Jahren verstorben, bis zu ihrem Todestag waren sie und das Lämmle unzertrennlich, ihr geliebtes Lämmle aus Steinheim war über 50 Jahre lang immer in ihrer Nähe.


die Restauration beginnt

Das Lämmle hat einige Blessuren, das alte Bodenbrett muss ersetzt werden, die Muttern an den rostigen Schrauben sind nicht mehr zu öffnen, ein Huf ist beschädigt und die Beulen müssen aus dem Blech gezogen werden.


die Hufe werden restauriert



Der goldfarbene Anstrich sollte entfernt und das Lämmle vergoldet werden. Unter der Goldfarbe kam jetzt ein roter Anstrich hervor. War das Lämmle nicht golden sondern rot? Können sich alte Steinheimer noch an das Lämmle erinnern? Ich machte mich auf die Suche während das Lämmle auf dem Weg in eine Dorfschmiede war um an den Hufen  repariert zu werden. Zwei Steinheimer, Mitte 70, können sich noch gut an das Lämmle erinnern. Rot? Nein, rot war es nicht, eher grünlich-grau. Grünlich-grau? Vermutlich durch die Oxydation des Kupferkörpers. Einer der Informanten wohnte als Bub über der Gaststätte, seine Großeltern waren damals die Wirtsleute im Lamm, der Opa starb 1960, die Oma im Jahr 1964. Es war wohl seine Oma von der Traude das Lämmle bekommen hat.
Er erinnerte sich auch, dass immer mal wieder Post mit der Anschrift "Zum goldenen Lamm in Steinheim" ins Haus kam. Also war das Lämmle doch vergoldet!

Das Gasthaus Lamm hat seit 1598 eine Herbergskonzession. Wie alt das Wirtshausschild ist, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen. Es gibt noch eine etwa 200 Jahre alte Chronik in Privatbesitz. Die Recherche und Restauration geht also weiter.



Donnerstag, 8. März 2018

Oberstenfeld 1914 - Ende der Ära Kayser

Die Ära der aus Möckmühl stammenden Handelsleute Kayser in Oberstenfeld begann 1769 mit meinem 5-fachen Urgroßvater Johann Jacob Kayser und endete 1914 mit dem Tod seines Urenkels Karl Otto Kayser (*1844).
Karl Otto Kayser betrieb das Handelshaus Kayser in vierter Generation "außen im Dorf neben der Beilsteiner Landstraße, vornen auf die Creutz straßen stoßend". Das Haus wurde 1794 um 900 Gulden erworben. Die "Creutz straße" ist die heutige Lichtenberger Straße, zu der erworbenen Baulichkeit gehörte damals noch ein Kuhstall, ein Schweinestall und ein Waschhäusle dazu. Das sind die Vorgängerbauten der jetzigen Seniorenbegnungsstätte und Bücherei. Ein Hofplatz und ein Garten schlossen sich an.


Ortsbücherei und Seniorenbegegnungsstätte Oberstenfeld
war einst das Handelshaus Kayser auf die "Creutz straße" stoßend

Auch die nach dem Handelshausgründer folgenden Generationen hatten einen guten Ruf in Oberstenfeld. Johann Gottlieb Balthasar (1770 - 1816) wird mit erst 26 Jahren Ratsverwandter. Seine Ehefrau Johanna Friederike, Tochter des Ochsenwirts und Schultheißen Johann Friedrich Ziegler bringt Beträchtliches als Heiratsgut mit. So kann das junge Paar dringende Reparaturen an den Gebäuden durchführen lassen und das ganze Anwesen auf die Bedürfnisse eines Handelshauses umrüsten.
Von den sechs Kindern die Johanna Friederike zur Welt bringt, kommen drei ins Erwachsenenalter. Der Stammhalter trägt wieder die Leitnamen der Familie, er heißt Johann Gottlieb und ist am 4. April 1798 geboren, am Geburtstag des glücklichen Vaters. Doch der Vater kann sich nicht mehr allzulange am Familie, Haus und Erfolg freuen. 1816 stirbt er im Alter von 46 Jahren. Der Sohn, der das Geschäft übernehmen soll, ist erst 18 Jahre alt. 
Er bringt zum Glück schon einige Erfahrung im Beruf des Kaufmanns mit, als er nach dem Tod des Vaters so plötzlich in die Verantwortung gestellt wird. Mit Willen und Tatkraft zeigt er sich der großen Aufgabe gewachsen. Er heiratet die Beilsteiner Ochsenwirtstochter Luisa Friederike Cast. Bei der Hochzeit 1826 ist sie knapp 19 Jahre alt und auch sie bringt ein beträchtliches Heiratsgut ins Haus Kayser. Der Stammhalter heißt auch wieder Johann Gottlieb (*1827). Die Mutter stirbt überraschend am 12. Januar 1835 an Nervenfieber. Für den Vater ein schwerer Schlag, er kann sich lange nicht entschließen wieder zu heiraten.  Er stürzt sich in die Arbeit und wird 1839 zum Schultheißen ernannt. Acht Jahre nach dem Tod seiner Ehefrau heiratet Johann Gottlieb wieder, eine Müllerstochter aus Söhnstetten im Oberamt Heidenheim. Am 10. August 1844 wird Otto Karl geboren. Der Älteste aus der ersten Ehe scheint sich zuhause nicht mehr wohlzufühlen. Im Alter von 18 Jahren rückt er aus nach Amerika. Der Vater wartet vergeblich auf die Heimkehr des Sohnes. Johann Gottlieb junior, die Hoffnung für die Zukunft des Handelshauses wird er nicht mehr wiedersehen. Wenige Wochen später stirbt seine zweite Frau, er ist mit dem 1-jährigen Otto und der 14-jährigen Charlotte allein, doch das Geschäft geht unverändert weiter. Mit 22 Jahren wird die Tochter Diakonisse und verlässt das Elternhaus. Am 1. Februar 1866 stirbt Johann Gottlieb Kayser, der weit über das Bottwartal hinaus bekannt geworden ist. Sein Tod wird selbst im Stuttgarter Staatsanzeiger und im "Schwäbischen Merkur" bekanntgegeben. 
Nach dem Tod des Vaters melden sich die beiden Ältesten aus den USA wegen ihrem Erbe. Friederike Charlotte war mit dem evangelisch lutherischen Prediger Ludwig Ebert aus Minnesota verheiratet. Der Sohn lebte und arbeitete als Kunstmaler in New Jersey. Doch das Heimweh zieht ihn später wieder in die alte Heimat. Er wohnte bei seiner Tante Sophia Magdalena in Oberstenfeld, sie war zuvor als Herrnhuter Schwester in Kuba und Nordamerika. 

Karl Otto führte in vierter Generation ab 1866 das Handelshaus weiter. Auch er nimmt eine Gastwirtstochter zur Frau: Maria Luise Walz aus dem "Waldhorn" von Abstatt. Sie war eine gute Frau, die in Oberstenfeld viel Segen gestiftet hat. - Sie kam zehnmal ins Wochenbett, doch sind dem Ehepaar nur die Töchter Anna (1871-1942) und Clara (1873-1960) geblieben. Vom "alten Kayser" Otto sind über die Jahrzehnte manche Geschichten lebendig geblieben. Er traf sich regelmäßig mit seiner Männerrunde "Rauchclub Vesuv" im Gasthaus zum "Stern" neben dem "Ochsen". Otto Kayser hatte eine besonders schöne Tabakspfeife. Unterhalb des Mundstücks war das Bild seines stolzen Anwesens auf einen Porzellanring aufgemalt. Der Pfeifenkopf selbst zeigte Oberstenfeld mit Stiftskirche und Lichtenberg.
Im großen Salon in der Wohnung über den Geschäftsräumen trafen sich alljährlich an Weihnachten die Honoratioren des Dorfes, darunter die adeligen Damen aus dem Stift. Die beiden Töchter wachsen zu Damen heran, stets etwas distinguiert, mit Abstand. Einmal bemühte sich Kaufmann Pfannkuch um Clara. Der Name Pfannkuch wurde später durch seine große Ladenkette bekannt. Doch Vater Kayser widerstrebt es, seine Tochter einem Mann mit dem Namen Pfannkuch zu geben. Den Hinweis auf dessen Besitz tut er ab mit den Worten: "Was der an Vermögen hat, kann ich aus jedem Eck herauskratzen!" So werden aus den beiden Damen allmählich "alte Mädchen". - Mit Otto Karls Tod 1914, dem Tod seiner Frau im Jahre 1933 und dem Tod der Töchter geht die Geschichte einer Familie zu Ende, die für die Gemeinde Oberstenfeld und die gesamte Umgebung von Bedeutung war.


(aus dem Buch: Oberstenfeld in Geschichte und Geschichten Band I)





Mittwoch, 28. Juni 2017

"Zum roten Ochsen" in Bad Herrenalb

Das Posthotel ist die älteste Beherbungsstätte in Bad Herrenalb außerhalb der Klostermauern und hieß einmal "Herberge vor dem Tor". Später nannte man die Herberge "Gasthaus zum roten Ochsen", später dann "Klosterschänke". Das Gebäude wurde 1898 um einen Hotelbau erweitert und "Mönch's Posthotel" genannt. Das imposante Wirtshausschild aus dem Jahr 1780 ist heute noch erhalten.

Johann Jacob Benckiser, geboren um 1640, war einst Gastgeber (Wirt) "Zum roten Ochsen" in Herrenalb. Johann Jacob ist mein 8-facher Urgroßvater. Seine Tochter Anna Rosina heiratete 1698 Johann Georg Hartmann (* um 1670), den Marbacher Metzgerzunftmeister, Hardtrichter und Gerichtsverwandten. Die gemeinsame Tochter Christina Catharina (1701 - 1754) heiratete im Alter von 18 Jahren den verwitweten und 14 Jahre älteren Ochsenwirt Hans Leonhard Pfuderer aus Murr.
Auch über größere Entfernungen hinweg funktionierte damals die Heiratspolitik der wohlhabenden Metzger und Gastwirte.


Posthotel vor etwa 100 Jahren

Das Hotel wurde 1939 beschlagnahmt, diente als Lazarett für deutsche Soldaten und später als Kaserne französischer Besatzungstruppen, zuletzt als Unterkunft für Verschleppte. Erst 1952 wurde das völlig heruntergekommene Haus freigegeben.
Werner Mönch wagte den Neuanfang und führte das Hotel samt Gasthaus zu ungeahnter Blüte. Von 1965 bis 1993 war die "Klosterschänke" mit einem Michelin-Stern dekoriert. 
Vor einigen Jahren erwarb eine sibirische Investorengruppe das Traditionshaus in Bad Herrenalb. Die Wiedereröffnung konnte bisher noch nicht erfolgen, es gibt wohl aufgrund der Sanktionen Schwierigkeiten mit dem Geldtransfer von Russland nach Deutschland. 



anno 1663 - Facebook 2017

Vor einigen Tagen wurde dieses alte Gedicht von Mönchs Posthotel auf Facebook gepostet. Ein Schild mit diesem Gedicht hing 1663 in der Gaststätte, also ungefähr zu der Zeit als mein Vorfahre Gastgeber im "Roten Ochsen" gewesen ist.

Zum schwarzen Walde vorzeiten
Da zogen der Mönche zwei
Gar müde des vielen Psalmierens
Und der ewigen "Ochserei".

Und mit den beiden Mönchen
Da zog die Freude ins Land,
Sie gründeten Kloster und Schänke,
Zum "Ochsen" ward sie genannt.

Und wo die frommen Seelen
Gar fröhlich einst gehaust
Da wird auch jetzt noch fröhlich
Gezechet und geschmaust.





Sonntag, 11. Juni 2017

Metzger - Hirschwirt - Pfarrer - Zollverwalter

Die Vorfahren meiner Urgroßmutter Friederike Luise Rörich endeten mütterlicherseits bisher bei ihren Urgroßeltern, dem Kellereiküfer Johann Georg Eitel (*1741 Lomersheim) und Christina Dorothea Abele (*1748 Hessigheim).


Lomersheim anno 1684 - Forstlagerbuch Andreas Kieser

"Sieben auf einen Streich" war das Ergebnis der "tapferen Sucherin". Johann Georg und Christina sind meine 4-fachen Urgroßeltern, um sieben Generationen wurde dieser Zweig verlängert und endet jetzt bei Johann Spindler (*um 1470 Schwäbisch Gmünd) und Margarethe Blum (*um 1480 Göppingen). Dazwischen liegen 4 Metzger-Generationen der Familie Eitel in Lomersheim und Mühlhausen an der Enz. Johann Georgs Vater war außerdem noch Hirschwirt in Lomersheim. Der Schwiegervater des Mühlhausener Metzgers Johann Friedrich Eitel (*1682), Johann Georg Eichner (*1623 Esslingen), studierte in Tübingen und Straßburg Theologie und war Pfarrer in Grömbach, Grünwettersbach, Nußbaum und Lomersheim. 
Aber ein Pfarrer kommt selten allein. Im Pfarrerbuch Herzogtum Württemberg bei Württembergische Kirchengeschichte online findet man nach fast 400 Jahren den Lebenslauf von Johann Georg und den Hinweis auf seinen Schwiegervater, den Pfarrer Johann Spindler (*um 1590 in Holzheim, Göppingen). Johann war Pfarrer in Dürrmenz und verstarb dort am 31. Oktober 1635: "1635 starb Johann Spindler, Pf. Dürrmenz, welcher bei diesen elenden Kriegswirren, hernach nach Bretten, postea auf Vaihingen entwichen und zwar sich endlich wieder zu seiner Pfarre begeben, wegen des von denen Soldaten eingenommenen großen Schreckens in Melancholiae verfallen und daran gestorben".


Dürrmenz anno 1682 - Forstlagerbuch Andreas Kieser

Sein Vater Matthias (*1560 Göppingen) war nach seinem Theologiestudium in Tübingen Pfarrer in Winterbach, Holzheim (Göppingen), Linz an der Donau und Wurmberg, wo er um 1599 verstorben ist. Petrus (Peter) Spindler, der Vater von Matthias ist ebenfalls in Göppingen geboren. Er war württembergischer Zollverwalter: "schon vor 1568 war er 'Wirtembergischer Tributaris' = Zollverwalter, d.h. Einnehmer der kaiserlichen, aber an Württemberg verpfändeten Zölle"

Erstaunlich ist immer wieder, dass zu den vielen Pfarrern, Metzgern und Gastwirten in meinem Stammbaum immer wieder Pfarrer, Metzger und Gastwirte hinzukommen.
Vor 40 Jahren weilte ich zu einem Seminar im 1566 erbauten Schloss in Mühlhausen ohne zu wissen, dass dort schon vor Jahrhunderten meine Vorfahren in dem 892 erstmals erwähnten Dorf an der Enz 
lebten.


Mühlhausen anno 1682 - Forstlagerbuch Andreas Kieser



Montag, 1. Mai 2017

Schozach - Weingut Graf von Bentzel-Sturmfeder

Traumhaftes Cabrio-Frühlingswetter stellte sich zum Tag der offenen Weingüter ein. Mein Ziel war das Weingut Graf von Bentzel-Sturmfeder in Schozach.


Eingang zum Weingut Graf von Bentzel-Sturmfeder

Am Tag der offenen Weingüter habe ich mich für dieses Weingut mit der interessanten und uralten Familiengeschichte der Sturmfeder entschieden, auf deren Untertanen man bei der Ahnenforschung immer wieder trifft. - Der aus Jagsthausen stammende Bildweber Simon Breuninger war laut Taufeintrag seiner Tochter Margarethe im Jahr 1762 "von sturmfederischer Schultheiß". Die Schultheißentochter Margarethe heiratete mit nicht ganz 18 Jahren Johann Wolfgang Friedrich Möbius, den Ochsenwirt aus Kaltenwesten (Neckarwestheim). Seine Mutter Maria Elisabetha ist die Tochter des Murrer Ochsenwirts Hans Leonhard Pfuderer, der mein 6-facher Urgroßvater ist.


Schozach im Heilbronner Land
im Spiegel die 1960 erbaute evangelische Leonhardskirche
zuvor gingen die Schozacher in die Bartholomäuskirche in Ilsfeld

Am Tor zum alten Felsenkeller traf ich den sympathischen Weingutbesitzer Kilian Graf von Bentzel-Sturmfeder. Seine Einladung zu einer Weinprobe nahm ich nicht an, für einen ungeübten Weintrinker ist eine Weinprobe um 11 Uhr doch noch zu früh. Der Sturmfedersche Keller verströmt den typischen Geruch alter Weinkeller, in dem seit Jahrhunderten die edlen Tropfen ausgebaut und gelagert werden. Die großen alten Weinfässer mussten zum Glück noch nicht den modernen weniger Behaglichkeit verströmenden glänzenden Stahltanks weichen.


anno 1396 erhielt der Ritter Friedrich Sturmfeder
von Graf Eberhard von Württemberg wegen seiner treuen Dienste
ein Stück Land im Schozacher Holz als Lehen

Ein Weinkeller wie ich ihn liebe und seit Kindertagen kenne: gewölbtes Mauerwerk an dessen Wänden sich feuchte Luft niederschlägt, vermischt mit dem Geruch nach Holz, dem Duft und den Aromen jahrhundertealter Weinlagerung gepaart mit der Faszination der mächtigen Eichenholzfässer.


der 2015-er Spätburgunder wird im Barriquefass ausgebaut

Schon wegen meiner Vorfahren hat es mir der Roséwein "Ritter Georg" und der Tresterbrand "Foltertrunk" beim Einkauf besonders angetan. Auch auf den edlen Flaschenetiketten ist das Familienwappen mit den beiden mittelalterlichen Streitäxten.
Die sturmfederschen Weine, Sekte und Destillate können auch online erworben werden.


in und um die Gebäude trifft man immer wieder
 auf die mittelalterliche Streitaxt


stolz trägt das Weingut das Wappen mit den Streitäxten, 
die im Mittelalter Sturmfedern  genannt wurden


Zeit, Geduld, Sorgfalt und Tradition
geprägt von Respekt gegenüber Natur und Umwelt.
- Philosophie des Hauses Sturmfeder -


Zum Familienbetrieb Bentzel-Sturmfeder-Horneck gehört auch das benachbarte Gästehaus und das Schloss Thurn mit Erlebnispark in Heroldsbach im bayrischen Oberfranken.



Montag, 17. April 2017

Ochsenwirte in Murr & Neckarwestheim

Am 11. Mai 1745 haben Johann Conrad Möbius (*1721 Kaltenwesten) und Maria Elisabetha Pfuderer (*1724 Murr) in der Peterskirche in Murr den Bund fürs Leben geschlossen. Das Ehepaar Möbius-Pfuderer lebte in Kaltenwesten (wurde 1884 in Neckarwestheim umbenannt).
Nach Kaltenwesten zu heiraten war vor rund 270 Jahren doch etwas außergewöhnlich, da man ja meist im Flecken oder in einem der Nachbardörfer seinen Ehepartner fand. Von Murr bis Kaltenwesten sind es zwar nur rund sechzehn Kilometer, aber damals nur auf unwirtlichen Wegen zu erreichen.
Wie, fragte ich mich, hat die Tochter des Murrer Ochsenwirts und Metzgers Johann Leonhard Pfuderer ihren im abgelegenen Kaltenwesten lebenden Ehemann "gefunden". - Das Kirchenbuch war des Rätsels Lösung, denn der Vater des Bräutigams, Johann Friedrich Möbius, war ebenfalls Ochsenwirt. Johann Conrad war Metzger und hat die väterliche Gastwirtschaft und Metzgerei  übernommen. Das sieht doch sehr nach arrangierter Ehe der beiden Väter aus. Leonhard Pfuderer lag wohl viel daran seine Kinder gut zu verheiraten.

Heute machte ich mich auf den Weg nach Neckarwestheim mit der Frage: gibt es dort noch das Gasthaus Ochsen?


Wirtshausschild vom Ochsen in Neckarwestheim

Den Ochsen an der Ecke Hauptstraße / Kirschstraße gibt es also noch, das alte etwas unansehnliche Gebäude beherbergt heute eine Sportsbar. Das weit ausladende Wirtshausschild ist noch sehr gut erhalten.


Nachbarhaus, das 1603 erbaut wurde



Turm der Gregoriuskirche

Die Gregoriuskirche, in der Johann Conrad Möbius anno 1721 getauft wurde, wurde im Jahr 1275 erstmals erwähnt. Von dem mittelalterlichen Bau ist nur noch der gotische Turm mit den Wasserspeiern erhalten. 1844 wurde unter Drehung des Längsschiffes die heutige Kirche erstellt.


Montag, 3. Oktober 2016

Familie Ziegler vom Grünenberg

Lammbraten mit Bratkartoffeln und Jägerschnitzel mit Spätzle gab es zu Mittag auf dem Grünenberg, einem Weiler oberhalb von Gingen an der Fils, dort wo einst meine Vorfahren Ziegler lebten und in der nahegelegenen Lehmgrube arbeiteten. Mehrere Generationen arbeiteten auf dem Grünenberg als Ziegler, vermutlich wurde deshalb mit der flächendeckenden Einführung der Nachnamen im 15. Jahrhundert der Beruf einfach zum Familiennamen.

 
Wandmalerei im Landgasthof Grünenberg

 
idyllischer Bauerngarten in Grünenberg
 
 
Wanderweg zur früheren Lehmgrube und heutigem Amphibienschutzgebiet 'Turm'
 
 
Früher wurde an dieser Stelle in der tiefen wasserundurchlässigen Lehmschicht der Rohstoff für die ehemalige Ziegelei Grünenberg abgebaut.
 
 
 
 
Heute leben im Amphibienschutzgebiet Heidelibellen, Schillerfalter, Schwanzmeisen, Wespenspinnen, Ringelnattern, Frösche, Bergmolche, Wasserspinnen .....
 
Maria Ziegler, meine 8-fache Urgroßmutter und Ehefrau von Georg Albrecht aus Kuchen, ist um 1590 auf dem Grünenberg geboren. Die Ahnenliste der auf dem Grünenberg geborenen Ziegler geht noch 5 weitere Generationen zurück. Über Michael, Johannes, Michael, Veltin zu meinem 13-fachen Urgroßvater Bartholomä Ziegler, der um 1450 geboren ist.
 
Grünenberg gehört zu der an der Fils liegenden Pfarrgemeinde Gingen. Getauft wurden die Zieglers in der dortigen spätgotischen Johanneskirche. Die Freie Reichsstadt Ulm leitete in ihrem Gebiet – und damit auch in Gingen – 1531 die Reformation ein.
 
 
Johanneskirche Gingen an der Fils

 
Fenster der Johanneskirche
 
 
DCCCCLXXXIIII
Die Weiheinschrift über der Nordpforte vom 1. Februar 984 ist die älteste datierte Kircheninschrift Deutschlands (nach dionysischer Zeitrechnung).

 
 
Grabstein an der Außenmauer der Kirche
'Hier ruhen Margarethe und Marie Hagenmaier'
 




1677 - Lorentz Matthäus Albrecht aus Kuchen - 1734

Am Nationalfeiertag begab ich mich auf die Spuren der Familie Albrecht aus Kuchen im Filstal, Kreis Göppingen. Lorentz Matthäus Albrecht, mein 6-facher Urgroßvater mütterlicherseits ist 1677 in Kuchen geboren. Sein Vater Jacob (1624 - 1693) war Gastgeber (Wirt) in Kuchen. Mit seinem Großvater Georg (1586 - 1626) beginnt (vorerst) die Linie Albrecht. Vater und Großvater sind in Kuchen geboren und auch dort verstorben. Die Linie der Großmutter Maria Ziegler lässt sich bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen.


Wappen der Gemeinde Kuchen - der Elefant erinnert an die Grafen von Helfenstein, ein altes schwäbisches Adelsgeschlecht, die auch den Elefanten in ihrem Wappen hatten, ihre Burg Helfenstein, eine Spornburg, liegt oberhalb der Nachbargemeinde Geislingen


Jakobuskirche, erbaut um 1220
die kleine Kirchenglocke von 1538 ist noch erhalten


Eingangsportal der Jakobuskirche


Kriegerdenkmal 1914 - 1918 an der Jakobuskirche

Vier junge Soldaten aus der Familie Albrecht sind im ersten Weltkrieg gefallen.
1914 - Johannes Albrecht *1887 +7.September bei Sommaisne (Argonnenwald südlich Verdun)
1915 - Jakob Albrecht *1883 +20.Januar in Stettin (Polen)
1915 - Daniel Albrecht *1894 +12. Mai bei der Lorettohöhe (zu Beginn der 7-wöchigen Schlacht bei Lens und Arras, Nordfrankreich)
1915 - Johannes Albrecht *1883 + 12.Juli in Mühlhausen (Elsass) 


Turmuhr und Wetterhahn der Jakobuskirche


Ochsenbrunnen aus dem Jahr 1762 ...


... mit dem doppelköpfigen Ulmer Reichsadler


Elefantenbrunnen neben dem Ochsenbrunnen

Im Alter von fast 22 Jahren heiratete Lorentz Matthäus im Mai 1699 in Marbach am Neckar Margaretha, eine Tochter der wohlhabenden Metzgersfamilie Fuchs aus Marbach. In dem Buch Geschichte der Stadt Marbach ist vermerkt, dass der aus Kuchen bei Geislingen stammende Marbacher Bürger und Metzger Lorentz Matthäus Albrecht 1720, für die bereits im 17. Jahrhundert mehrfach genannte Wirtschaft Ochsen, eine Erlaubnis als Schildwirtschaft erhielt.
Auch in seiner 2. Ehe blieb er dem Metzger- und Gastwirtsgewerbe treu. Er heiratete 1734 Anna Maria, die Witwe von Samuel Hartmann, Metzger und Gastgeber "Zum Rothen Löwen" in Balingen. Wenige Monate später starb Lorentz Matthäus und 1735 ehelichte seine Witwe Anna Maria den Gerichtsverwandten und Verwaltungskastenknecht Johann Georg Hampp.





Freitag, 23. September 2016

Kleinbottwar - Unteres Schloss & Mittelschloss

In dem schwäbischen Dorf Kleinbottwar gibt es nicht nur Burg Schaubeck (auch das Obere Schloss genannt) sondern auch das Untere Schloss und das Mittelschloss.
Mein 7-facher Urgroßvater Jerg Müller war Hauptmann und 'Hällischer Unterthan' im Unteren Schloss, sein Sohn Hans Georg war dort als Kutscher beschäftigt. Hans Georg Müller heiratete 1725 in Kleinbottwar Elisabetha Ladner. Ihr Vater Ludwig Ladner war Metzger von Beruf und 'Hirschwirth' in Kleinbottwar. Die Gaststätte Hirsch in Kleinbottwar gibt es heute noch und ist bekannt für extragroße Portionen.


Unteres Schloss

 
Amtshaus - Von Megizer von Velldorf nach dem 30-jährigen
Krieg als unteres Schloss erbaut, brannte es 1693
ab und wurde 1706 von Sebastian von Gaisberg
wieder aufgebaut. Später wurde es Amtshaus.
Geburtshaus des Theologen und Philosophen
Eduard von Zeller (1814 - 1908).

 
Kelter des Unteren Schlosses
 
 
Mittelschloss
Erbaut 1541 - 1543 von Hans Dietrich von Plieningen.
Im 30-jährigen Krieg abgebrannt.
1663 wurde es von Wolfgang Friedrich von Eltershofen
wieder aufgebaut und wechselte in der Folge mehrfach
den Beseitzer.
Bemerkenswert ist der große Schlosskeller.


Schlosskeller
 
Meine 7-fachen Urgroßväter Jerg Müller und Ludwig Ladner sind etwa um 1670/1680 geboren. In dieser Zeit entstanden auch die Bilder von Andreas Kieser für das Forstlagerbuch.
 
 
Kleinbottwar anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser

Die "Kieser‘schen Ortsansichten" sind sicherlich die am häufigsten reproduzierten Archivalien des Hauptstaatsarchivs Stuttgart: es gibt kaum eine lokalgeschichtliche Veröffentlichung, die sich nicht mit den bunten Bildern schmückt. Kein Wunder, sind es doch oft die frühesten bildlichen Ansichten der Städte, Dörfer und Weiler des Herzogtums Württemberg überhaupt.
Die 687 Ortsansichten stammen aus der Zeit 1681-1686 und illustrierten die Lagerbücher, in denen der Obristleutnant Andreas Kieser die Vermessung der württembergischen Forste neu niederlegte. Die Blätter befanden sich ursprünglich am Anfang der Bände und sind in der Regel in einzelne Felder (3 x 3, 4 x 3 oder auch 4 x 4) aufgeteilt, in denen die württembergischen Dörfer, Weiler, Einzelhöfe, Schlösser und Burgen und Klöster dargestellt werden. Die Städte bekamen etwas mehr Platz, einzelne werden sogar aus verschiedenen Himmelsrichtungen abgebildet. Vorlage für die Ansichten waren von den Feldmessern im Gelände aufgenommenen Skizzen. In den Lagerbüchern wurden die Ansichten mit Bleistift vorgezeichnet, dann mit Feder und Pinsel mit Aquarellfarben ausgeführt.



Sonntag, 17. Juli 2016

Grafeneck - Steingebronn - Ödenwaldstetten

Gestern jährte sich der Todestag von Adolf N. zum 76. Mal. Ein Anlass um nach Grafeneck zu fahren, an den Ort wo er und weitere 74 Männer am 16. Juli 1940 ermordet wurden. Viel Zeit ist seither vergangen, aber bis vor wenigen Jahren sprach man in Deutschland kaum über Euthanasiemorde und wir wissen erst seit gut 3 Jahren von dem Schicksal unseres Familienangehörigen. Ich habe über sein Leben recherchiert und ein Dreivierteljahrhundert nach der Ermordung noch viele Informationen gefunden.

 
 Gedenkstätte Grafeneck 


Im benachbarten Steingebronn ist 1702 mein Vorfahre Johann Conrad Ulmer geboren. Er wuchs dort im Pfarrhaus auf. Vater, Großvater und Urgroßvater waren Pfarrer, sie haben in Tübingen und Straßburg Theologie studiert. Seine Mutter stammt aus Ulm, ihre Eltern Hans Held und Rosina Löw haben 1631 in Ulm geheiratet. Hans Held war 'Schiffmann' von Beruf. - Johann Conrad lernte Schuhmacher und heiratete 1732 die Steinheimerin Dorothea Ruff, Tochter des Schultheißen Jacob Ruff. Johann Conrad war offensichtlich selbständiger Schuhmachermeister, denn er beschäftigte laut Kirchenregister der Ortsfremden mehrere Schuhknechte. Johann Conrad, zwei mal als 6-facher Urgroßvater im Stammbaum, hatte 10 Geschwister, sein älterer Bruder Anton (*1697) war ebenfalls Pfarrer. Württembergische Kirchengeschichte samt Daten von Pfarrern und Äbten gibt es bei der Evangelischen Kirche online. 


Evangelische Kirche in Steingebronn

Weiter ging's nach Ödenwaldstetten wo Johann Konrad Ulmer von 1719 bis zu seinem Tod 1733 seine zweite Pfarrstelle hatte. Vor Besichtigung der Kirche mit Pfarrhaus und angrenzendem Friedhof  stärkten wir uns in der Brauereigaststätte Lamm.


Evangelische Nikolauskirche und Pfarrhaus in Ödenwaldstetten

Die Kirche war geöffnet, so konnte ich den Altar fotografieren vor dem mein 7-facher Urgroßvater Johann Konrad Ulmer vor 300 Jahren das Wort Gottes verkündete.

 
Altar und Orgel der Nikolauskirche
 
Man verlässt die Schwäbische Alb nicht ohne regionale Produkte probiert und eingekauft zu haben. Früh morgens habe ich in Bad Urach beim Becka Bäck eingekauft: Brot, Brezeln und eine Flasche Albwhisky aus Owen. In der Hohensteiner Hofkäserei kam noch Albkäse und Büffelmozarelle hinzu. Der nächste Ausflug auf die Alb ist in Planung, dann geht es in das Lenninger Tal von wo die Vorfahren Laitenberger abstammen. In den 1690-ern kam die Familie nach Großbottwar und auf Schloss Liebenstein.

Freitag, 1. Juli 2016

Auf den Spuren der Ahnen - Sommer 2016

Die Reiseliste für dieses Jahr ist abwechslungsreich. Das am weitesten entfernte Ziel sind die Dörfer Egliswil und Seengen am Hallwiler See im schweizerischen Aargau. Von dort sind nach dem 30-jährigen Krieg die Häussermanns eingewandert. Auch Aldingen, der erste Wohnort der 'Hüsermanns' nach der Einwanderung ins Herzogtum Württemberg, steht auf der Liste.
Iptingen, Dürrmenz und wenn ich schon dort bin, besichtige ich auch die Waldenserdörfer Perouse, Pinache und das Waldensermuseum in Ötisheim.
Bei Gingen an der Fils, Kuchen samt der Gaststätte "Deutscher Kaiser" und der Weiler Grünenberg mit dem gleichnamigen Landgasthof kommt Freude auf. Gut, wenn Gastwirte zu den Vorfahren gehören!

 
Grünenberg anno dazumal

Bei den Gasthausbesuchen darf natürlich das Brezelzimmer des Goldenen Löwen in Marbach nicht fehlen. Mein 6-facher Urgroßvater Hans Leonhard Pfuderer kaufte das Gasthaus samt Backstube von Friedrich Schillers Großvater für seinen Sohn, den Bäcker Johann Ludwig.

Die Stadtführung 'Hexenverfolgung in Sindelfingen' wird ins Mittelalter zum vermutlich dunkelsten, traurigsten und deshalb auch spannendsten Kapitel der Sindelfinger Stadtgeschichte führen. Mindestens 17 Frauen wurden bei lebendigem Leibe verbrannt. - Eine der Frauen, deren Leben nach grausamen Folterungen auf dem Scheiterhaufen in Sindelfingen beendet wurde, war meine Vorfahrin Irmula Straub geborene Krauss. Nach einem durch Folter am 4. August 1615 erzwungenen Geständnis wurde Irmula zum Tode verurteilt und im September 1615  auf dem Goldberg hingerichtet.