"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." - Wilhelm von Humboldt
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Freitag, 4. September 2020

Elly Heuss-Knapp & Valentin Halbmayer

Elisabeth Eleonore Anna Justine Knapp (1881 Straßburg - 1952 Bonn), bekannter unter dem Namen Elly Heuss-Knapp, war die Ehefrau von Theodor Heuss, dem ersten Bundespräsidenten (1949 - 1959) der Bundesrepublik Deutschland.

Elly Knapp legte 1899 ihr Lehrerinnenexamen ab, studierte Volkswirtschaft, hielt politische Vorträge und revolutionierte die Radiowerbung. Sie wurde 1946 Mitglied des Landtages von Baden-Württemberg und sie war Gründerin des Deutschen Müttergenesungswerkes.
Und das in einer Zeit als Frauen in Deutschland kein Wahlrecht hatten und es Frauen auch nicht erlaubt war ohne Zustimmung des Ehemannes arbeiten zu gehen oder ein Bankkonto zu eröffnen. Erst nach 1969 wurde eine verheiratete Frau als geschäftsfähig angesehen. 


Elly Knapp anno 1904

Mit Elly Heuss-Knapp habe ich nicht nur denselben Geburtstag, wir haben auch gemeinsame Vorfahren. Ihr 6-facher Urgroßvater Carl Valentin Halbmayer (* um 1606 † 1672) ist mein 8-facher Urgroßvater. Er war Stadthauptmann (-kapitän) und Wirt "Zum Schwarzen Bären" in Stuttgart. Geboren sind die älteren Kinder in Unterschwandorf bei Calw.



.  M  .





Montag, 15. April 2019

Wegen Trunksucht des Pfarrers - Kirchenbücher unvollständig & vernichtet

Im Jahr 1435 wies der Konstanzer Bischof Friedrich III. von Zollern an, dass Kirchenbücher zu führen seien. Allerdings hielt sich kaum eine Kirche an diese Anweisung. 
Der am 11. November 1563 beim Konzil in Trient verordnete Erlass ordnete an, dass von nun an Eheregister und im diesem Zusammenhang auch Taufbücher geführt werden müssen. 1614 im „Rituale Romanum“ wurden erste Schritte zur Führung von Sterbebüchern festgelegt, allerdings ohne verpflichtenden Charakter für die Kirchen.
In den Gebieten wo die Reformation (zwischen 1517 und 1648) zur Spaltung der Kirchen führte, wurden seit Beginn Kirchenbücher geführt. In den anderen Gebieten dauerte es zum Teil noch etwa 50 Jahre bis jede Kirche Tauf-, Trau- und Sterbebücher führte. Leider gingen jedoch viele der bis dahin geführten Bücher während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) verloren,  sodass es in einer Vielzahl von Kirchen erst ab Ende des Krieges kontinuierliche Aufzeichnungen gibt.
Die Franzosen brannten 1693 die Stadt Marbach nieder, dabei gingen alle Kirchenbücher verloren. Auch im benachbarten Murr fielen in diesem Sommer die Kirchenbücher in die Hände der Franzosen, während in Pleidelsheim, wo die Franzosen lagerten, die Kirchenbücher unversehrt blieben. In Pleidelsheim beginnt das Kirchenbuch im Jahre 1581 zur Freude der Ahnenforscher. 
Auch in Steinheim gelangten 1693 die Bücher in die Hände der Franzosen, die sie zerrissen und auf einen Misthaufen warfen. Der Pfarrer war mit seiner Familie Richtung Schwäbisch Hall geflüchtet, ein zurückgebliebener Bürger hat das Buch wieder zusammengesetzt. Das Kirchenbuch hat gelitten, einige Seiten sind kaum lesbar und es ist vermerkt: 'Dem Leser oder denen, so hieran gelegen dienet zur Nachricht, daß aus diesem Ehebuch 6 Blätter durch die Franzosen sind ausgerissen, und verloren worden. Gleichwohl aber aus dem Proclamationsbüchlein , so noch in meinem s.h. Schweinestall gefunden worden, so viel finden können daß proclamiert und folglich copuliert sind worden.' - Bereits1634 zogen feindliche Truppen durch Steinheim und legten Feuer in der Kirche, die bis dahin geführten Bücher sind dem Brand zum Opfer gefallen.
Der Geburtstag von Katharina Rait aus Poppenweiler konnte nur in etwa ermittelt werden, im Sterbebuch wurde an ihrem Todestag 28. August 1717 vermerkt: '72 Jahre weniger 4 Wochen', weil die Geburtsjahre 1642 1646 im Mischbuch der damals zuständigen Pfarrei Oßweil fehlen. 
Und der Todeseintrag meiner Vorfahrin Margarethe Seitz (*1608) wurde überhaupt nicht vorgenommen, denn 'Ehe- und Totenbuch Asperg wurden von 1646-60 wegen Trunksucht des Pfarrers nicht geführt'.


Asperg anno 1682
aus dem Forstlagerbuch von Andreas Kieser


.  M  .

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Von Hugenbeckenreute über Murr nach Buffalo

Hugenbeckenreute? Bis vor 10 Tagen noch nie gehört. Dabei war ich der Meinung, dass ich die Dörfer im  Schwäbischen Wald kenne, zumindest dem Namen nach.


Heute war ich also in Hugenbeckenreute und in Kirchenkirnberg zu dessen Pfarrei Hugenbeckenreute gehört. Unter dem großen Viadukt hindurch ging es weiter zur Laufenmühle, vorbei an rauschenden Wasserfällen, dann von der Landstraße rechts ab den schmalen Weg hinauf in den Weiler Steinbach ganz nah am Viadukt über das die Schwäbische Waldbahn fährt. Weiter ins Tal hinab nach Klaffenbach und weiter zur evangelischen Kirche nach Rudersberg. In diesem Teil des Schwäbischen Waldes scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, um so krasser war es wieder in meine dicht besiedelte Heimat zu kommen.


Pfarrhaus in Kirchenkirnberg

Zu Hugenbeckenreute: Vor 10 Tagen kam eine Message aus USA wegen Maria Magdalena Blank, geboren 1826 in Murr, die in meinem Online-Stammbaum steht, aber nicht zu meinen Vorfahren gehört. Und so machte ich mich auf die Spurensuche.


Klaffenbach anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser

Maria Magdalena heiratete 1852 den aus Klaffenbach stammenden Zimmermann Jakob Mayle. Sein Vater Johann Georg ist 1791 in Steinbach geboren, mehr als 100 Jahre bevor dort das Viadukt über den Strümpfelbach gebaut wurde. Die Mutter von Jakob, Salome Frank, ist 1794 in 'Hugenb......' bei Kirchenkirnberg geboren. Den Geburtsort konnte ich im Familienregister nicht lesen, selbst raten blieb ohne Erfolg. Hier konnte nur der Wanderwalter (wanderwalter.de) weiterhelfen, denn dort ist jede Mühle, jeder Bach und auch jeder Weiler zu finden. Und tatsächlich fand ich auf einer Waldlichtung ein Gehöft mit dem Namen 'Hugenbeckenreute'.


Hugenbeckenreute auf einer Lichtung im Schwäbischen Wald

Im Staatsarchiv Ludwigsburg gibt es eine topographische Karte aus dem Jahr 1831 mit dem Wohnplatz 'Hugenbeckenreute', der damals aus 2 Gebäuden bestand und 1764 erstmals erwähnt wurde. Drumherum ist der Eulenwald und der Sandwald.
In der Beschreibung des Oberamts Gaildorf aus dem Jahr 1852 wird der Wohnplatz auch genannt: Hugenbeckenreute auch 'Drehershof' genannt, auf einem Hügel, ein ganz kleines vor etwa 80 Jahren angelegtes Gut, 10 Einwohner.

Huckenbeckenreute ist also in den waldreichen Bergen, wo sich, wie wir aus dem Flachland sagen: "Fuchs und Hase gute Nacht sagen." - Wie muss es dort vor 200 Jahren gewesen sein? Dichter Wald, wenig Felder, unbefestigte Straßen und die Waldbahn gab es noch nicht. Und trotzdem fand Salome, Tochter eines Bauern aus Hugenbeckenreute, in diesem dünn besiedelten Gebiet ihren Ehemann aus dem Weiler Steinbach.


Steinbach vor dem Viadukt der Schwäbischen Waldbahn


uralte Scheune in Steinbach

Man kann vermuten, dass der junge Zimmermann bei Holzfällarbeiten von Steinbach am Strümpfelbach nach Hugenbeckenreute hinauf gekommen ist. Seinen Sohn Jakob, ebenfalls Zimmermann von Beruf, zog es weiter weg nach Murr im Oberamt Marbach.
Die Handwerker gingen nach Abschluss der Lehrzeit auf Wanderschaft. "Auf der Walz" konnten die Gesellen neue Arbeitspraktiken, fremde Orte, Regionen und Länder kennenlernen und Lebenserfahrung sammeln. Und so mancher Handwerkergeselle hat sich "auf der Walz" verliebt. So könnte es auch bei Jakob Mayle (*1822) und Maria Magdalena Blank (*1826) gewesen sein. - Drei ihrer vier Kinder verließen den Heimatort Murr und wanderten nach Nordamerika aus. Die Nachfahren der ausgewanderten Tochter Magdalena Friederike (*1855), die wenige Wochen nach dem frühen Tod ihres Vaters geboren ist, leben heute in Buffalo.


Johanneskirche in Ruderberg
zu dessen Pfarrei auch die Einwohner von Steinbach gehörten



Dienstag, 11. Juli 2017

Pfleiderer vom Degenhof

Pfleiderer, ein uralter schwäbischer Familienname. Hat man im Schwabenland keinen Pfleiderer in der Familie und auch keinen Nachbarn der Pfleiderer heißt, so kennt man wenigstens das Komiker-Duo Häberle & Pfleiderer alias Willy Reichert und Oscar Heiler.
Willy Reichert war der Pfleiderer, ein knitzer (schlauer) Schwabe, der oft das letzte Wort hatte. Häberle wurde von Oscar Heiler gespielt, eine Figur, die sich vornehmer gibt und meist versucht, Pfleiderer zu belehren. Themen waren schwäbische Charaktere, Philosophie im Allgemeinen, menschliche Schwächen, Schicksale und Landestypisches. Schwaben der älteren Generation haben noch das "jaa jaa - soo soo - jaa jaa ..." der beiden Komiker in den Ohren.
Die Häuser der Schwaben sind mit Pfleiderer-Ziegel aus Winnenden gedeckt und in jedem Häusle wird mit Fischer-Dübeln gschafft, denn Firmengründer Artur Fischer ist ebenfalls einer der vielen Tausend Pfleiderer-Nachfahren.
Der Schriftsteller, Dichter, Maler und Nobelpreisträger Hermann Hesse ist, wie auch der Dichter Friedrich Schiller, ein Nachfahre der Pfleiderers von der Ostalb. - Der älteste namentlich bekannte Pfleiderer (Pfleuderer) ist mein 12-facher Urgroßvater Sixt, geboren 1519 in Rauental ("in der Reute") bei Aalen, 1561 wurde er "entleibt".

Um 1575 kam sein Sohn Georg als Schäfer und Meier auf den Hof "zum Tegen" bei Hertmannsweiler (Winnenden). Der Schafhof, heute Scheurenrain 3, war seit dem Mittelalter in württembergischem Besitz und ist vermutlich das erste Wohngebäude des Ortes. Das historische Stammhaus der Pfleiderer steht unter Denkmalschutz, der Bauzustand lässt leider zu wünschen übrig.


Degenhof anno 1686
Forstlagerbuch Andreas Kieser

Ein Schäfer mit 11.000 Nachkommen schrieb der Reutlinger Generalanzeiger zum Familientreffen des Pfleidererverbandes im vergangenen Jahr.
Am Sonntag, 1. Oktober 2017, findet das nächste Familientreffen in Münsingen statt. "Wir freuen uns auf ein Wiedersehen" und auch bisher noch unbekannte Verwandte sind eingeladen.




Montag, 1. Mai 2017

Schozach - Weingut Graf von Bentzel-Sturmfeder

Traumhaftes Cabrio-Frühlingswetter stellte sich zum Tag der offenen Weingüter ein. Mein Ziel war das Weingut Graf von Bentzel-Sturmfeder in Schozach.


Eingang zum Weingut Graf von Bentzel-Sturmfeder

Am Tag der offenen Weingüter habe ich mich für dieses Weingut mit der interessanten und uralten Familiengeschichte der Sturmfeder entschieden, auf deren Untertanen man bei der Ahnenforschung immer wieder trifft. - Der aus Jagsthausen stammende Bildweber Simon Breuninger war laut Taufeintrag seiner Tochter Margarethe im Jahr 1762 "von sturmfederischer Schultheiß". Die Schultheißentochter Margarethe heiratete mit nicht ganz 18 Jahren Johann Wolfgang Friedrich Möbius, den Ochsenwirt aus Kaltenwesten (Neckarwestheim). Seine Mutter Maria Elisabetha ist die Tochter des Murrer Ochsenwirts Hans Leonhard Pfuderer, der mein 6-facher Urgroßvater ist.


Schozach im Heilbronner Land
im Spiegel die 1960 erbaute evangelische Leonhardskirche
zuvor gingen die Schozacher in die Bartholomäuskirche in Ilsfeld

Am Tor zum alten Felsenkeller traf ich den sympathischen Weingutbesitzer Kilian Graf von Bentzel-Sturmfeder. Seine Einladung zu einer Weinprobe nahm ich nicht an, für einen ungeübten Weintrinker ist eine Weinprobe um 11 Uhr doch noch zu früh. Der Sturmfedersche Keller verströmt den typischen Geruch alter Weinkeller, in dem seit Jahrhunderten die edlen Tropfen ausgebaut und gelagert werden. Die großen alten Weinfässer mussten zum Glück noch nicht den modernen weniger Behaglichkeit verströmenden glänzenden Stahltanks weichen.


anno 1396 erhielt der Ritter Friedrich Sturmfeder
von Graf Eberhard von Württemberg wegen seiner treuen Dienste
ein Stück Land im Schozacher Holz als Lehen

Ein Weinkeller wie ich ihn liebe und seit Kindertagen kenne: gewölbtes Mauerwerk an dessen Wänden sich feuchte Luft niederschlägt, vermischt mit dem Geruch nach Holz, dem Duft und den Aromen jahrhundertealter Weinlagerung gepaart mit der Faszination der mächtigen Eichenholzfässer.


der 2015-er Spätburgunder wird im Barriquefass ausgebaut

Schon wegen meiner Vorfahren hat es mir der Roséwein "Ritter Georg" und der Tresterbrand "Foltertrunk" beim Einkauf besonders angetan. Auch auf den edlen Flaschenetiketten ist das Familienwappen mit den beiden mittelalterlichen Streitäxten.
Die sturmfederschen Weine, Sekte und Destillate können auch online erworben werden.


in und um die Gebäude trifft man immer wieder
 auf die mittelalterliche Streitaxt


stolz trägt das Weingut das Wappen mit den Streitäxten, 
die im Mittelalter Sturmfedern  genannt wurden


Zeit, Geduld, Sorgfalt und Tradition
geprägt von Respekt gegenüber Natur und Umwelt.
- Philosophie des Hauses Sturmfeder -


Zum Familienbetrieb Bentzel-Sturmfeder-Horneck gehört auch das benachbarte Gästehaus und das Schloss Thurn mit Erlebnispark in Heroldsbach im bayrischen Oberfranken.



Montag, 17. April 2017

Ochsenwirte in Murr & Neckarwestheim

Am 11. Mai 1745 haben Johann Conrad Möbius (*1721 Kaltenwesten) und Maria Elisabetha Pfuderer (*1724 Murr) in der Peterskirche in Murr den Bund fürs Leben geschlossen. Das Ehepaar Möbius-Pfuderer lebte in Kaltenwesten (wurde 1884 in Neckarwestheim umbenannt).
Nach Kaltenwesten zu heiraten war vor rund 270 Jahren doch etwas außergewöhnlich, da man ja meist im Flecken oder in einem der Nachbardörfer seinen Ehepartner fand. Von Murr bis Kaltenwesten sind es zwar nur rund sechzehn Kilometer, aber damals nur auf unwirtlichen Wegen zu erreichen.
Wie, fragte ich mich, hat die Tochter des Murrer Ochsenwirts und Metzgers Johann Leonhard Pfuderer ihren im abgelegenen Kaltenwesten lebenden Ehemann "gefunden". - Das Kirchenbuch war des Rätsels Lösung, denn der Vater des Bräutigams, Johann Friedrich Möbius, war ebenfalls Ochsenwirt. Johann Conrad war Metzger und hat die väterliche Gastwirtschaft und Metzgerei  übernommen. Das sieht doch sehr nach arrangierter Ehe der beiden Väter aus. Leonhard Pfuderer lag wohl viel daran seine Kinder gut zu verheiraten.

Heute machte ich mich auf den Weg nach Neckarwestheim mit der Frage: gibt es dort noch das Gasthaus Ochsen?


Wirtshausschild vom Ochsen in Neckarwestheim

Den Ochsen an der Ecke Hauptstraße / Kirschstraße gibt es also noch, das alte etwas unansehnliche Gebäude beherbergt heute eine Sportsbar. Das weit ausladende Wirtshausschild ist noch sehr gut erhalten.


Nachbarhaus, das 1603 erbaut wurde



Turm der Gregoriuskirche

Die Gregoriuskirche, in der Johann Conrad Möbius anno 1721 getauft wurde, wurde im Jahr 1275 erstmals erwähnt. Von dem mittelalterlichen Bau ist nur noch der gotische Turm mit den Wasserspeiern erhalten. 1844 wurde unter Drehung des Längsschiffes die heutige Kirche erstellt.


Mittwoch, 12. April 2017

Post aus Old Louisville Kentucky, USA

Im Jahr 1831 sind Johann Friedrich Arnold und seine Ehefrau Christina Philippina Zundel von Neckarwestheim über Frankreich nach Indiana, USA ausgewandert. 
John Friedrich ist der Ur-Urenkel vom Murrer Ochsenwirt Hans Leonhard Pfuderer (1687 Bartenbach - 1763 Murr).


Louisville, Kentucky anno 1876

In USA ist es weit verbreitet, dass die Nachfahren der Auswanderer nach ihren europäischen Wurzeln suchen. Auch Lonnie aus Old Louisville, ein Nachfahre der Neckarwestheimer Auswanderer, sucht seit vielen Jahren nach seinen Vorfahren in Good Old Germany.
Dass er bei der Suche auf meinen Online-Stammbaum traf und mir geschrieben hat war ein Glückstreffer, dadurch kann er seinen Stammbaum um einige Vorfahren ergänzen, zurück bis 1516 in die Hankertsmühle zu Leonhard Klenk.

Welcome in the family, Lonnie !

Dienstag, 31. Januar 2017

Aus alt wird neu - Murr 1791 & 2017

Schon viel zu lange wartete das alte Haus von Amtmann Carl Pfuderer (1765 - 1845) an der Orstdurchfahrt in Murr auf einen Käufer. In den letzten Wochen "tat" sich aber etwas in und um das Haus herum.
Auf dem Kopfstein an der Hindenburgstraße steht die Jahreszahl 1817, deshalb ging ich davon aus, dass dieses Haus im Jahre 1817 gebaut wurde. Doch bei der heutigen Besichtigung sah ich über einem Seiteneingang einen weiteren Stein aus dem Jahre 1791. - Wegen einer uralten Säule soll das Haus unter Denkmalschutz stehen. Zum Glück gibt es den Denkmalschutz, denn sonst wäre auch dieses Haus, wie so viele alte Häuser zuvor, aus dem Ortsbild verschwunden.


Kopfstein an der Hindenburgstraße

angenommenes Baujahr 1791 - aber wer ist DL ?

denkmalgeschützte Holzsäulen links und rechts des Fensters


Fundamente wurden unterfangen und alte Holzdecken gestützt


unter mehreren Tapetenschichten kam diese Wandmalerei hervor


auch hier steckt unter der Tapetenschicht eine alte Bemalung



ob dieses alte Blumenmuster erhalten bleibt ?


so sieht es hinter dem Putz im Wohnzimmer aus


die Fensterläden werden ebenfalls restauriert

Noch kann man nicht erkennen was wo in den entstehenden Wohnungen sein wird, es sieht noch ganz "wild" auf der Baustelle aus aber bis Juli soll das Haus bezugsfertig sein. Ich wüsste nicht wo ich bei der Restaurierung zuerst anfangen soll, denn rundum besteht Renovierungsbedarf. "Wir schaffen uns von unten nach oben", so der Bauleiter. Ich werde den Baufortschritt verfolgen ...




Samstag, 26. November 2016

1619 - Pfarrer Johannes Spring - 1700

Der am 16. April 1619 in Urach geborene Pfarrer Johannes Spring ist mein 9-facher Urgroßvater. Er ist der Sohn des Uracher Amtspflegers Johann Adam Spring und seiner aus Münsingen stammenden Ehefrau Margarete Neuffer.
Johannes hat in Tübingen studiert, war Fuggerscher Präfekt in Stettenfels, Pfarrer in Oberstenfeld und von 1657 bis Georgii 1700 Pfarrer in Murr. Vier Monate nach Beginn seines Ruhestandes verstarb er am 27. August 1700 in Steinheim an der Murr.

 
Gedenktafel für Pfarrer Johannes Spring
Evangelische Martinskirche in Steinheim an der Murr
 
Ich wurde in der Martinskirche getauft, ging dort zur Kinderkirche und wurde auch in dieser Kirche konfirmiert. Seit Jahrzehnten komme ich an der Martinskirche vorbei und habe nie von dieser Gedenktafel Notiz genommen. Am vergangenen Volkstrauertag fotografierte ich die Gedenktafel für die gefallenen und vermissten Soldaten des 1. Weltkrieges neben dem Kirchenportal. Ohne zu wissen wer dieser Johannes Spring ist, habe ich auch diese Gedenktafel auf der Nordseite der Kirche fotografiert.
Per Zufall, wie so oft bei der Ahnenforschung, kam ich erst vor einigen Tagen zu der Familie Spring, die auch Vorfahren des Schriftstellers Hermann Hesse sind.
 
 


Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben - ist eine Zeile aus dem Gedicht 'Stufen' von Hermann Hesse.

 
Herman Hesse
Schriftsteller - Dichter - Maler
* 2. Juli  1877 in Calw, Königreich Württemberg
+9. August 1962 in Montagnola, Kanton Tessin, Schweiz
 
Hans David Ziegler (1640 Güglingen - 1693 Oberstenfeld), Stiftsküfer, Wirt und Schultheiß aus Oberstenfeld und Sibylla Catharina (ca. 1652 Oberstenfeld - 1717 Oberstenfeld), Tochter des Pfarrers Johannes Spring (1619 Urach - 1700 Steinheim), sind meine 8-fachen Urgroßeltern und zugleich die 5-fachen Urgroßeltern des württembergischen Schriftstellers Hermann Hesse.
Sibylla Catharinas Vater hat in Tübingen Theologie studiert, war Fuggerscher Präfekt in Stettenfels und Pfarrer in den Kirchengemeinden Oberstenfeld und Murr.
 
Zu unseren gemeinsamen Vorfahren gehört auch die große und berühmte Pfarrfamilie Zeller die bis zu Konrad Zeller, geboren um 1500 in Martinszell im Allgäu, zurückverfolgt werden kann.
 
 


Samstag, 13. August 2016

Familie Hoffmann aus "Annaberg in Saxen"

"... ei verbibbsch..." meine Vorfahren Hoffmann kommen aus Annaberg in Sachsen. Hanss Jacob Hoffmann, mein 8-facher Urgroßvater hat am 17. Februar 1663 in Pleidelsheim Anna Barbara, Witwe des Alexander Franz geheiratet. Anna Barbara lebte zuvor in Pleidelsheim, denn dort wurden ihre Kinder aus erster Ehe geboren.
"Hanß Jacob Hofmann, Georg Hofmanns aus Annaberg in Saxen ehelicher Sohn und Barbara, Alexander Frantzens gewesenen Bürgers allhier nachgelassener Wittib - den 17. Februar 1663" so lautet der Eintrag im Pleidelsheimer Kirchenbuch "Mischbuch 1581 - 1723 Band 1".
Barbara hat 1653 in Murr Alexander Frantz, den Sohn des Erligheimer Schultheißen Jacob Frantz geheiratet. Ihr Vater ist Michel Schäfer von "Marppach" (Marbach).

In den umliegenden Gemeinden wurden im Jahr 1693 von den Franzosen Kirchenbücher vernichtet oder stark beschädigt (Steinheim). Es grenzt fast an ein Wunder, dass die Pleidelsheimer Kirchenbücher noch vorhanden sind, obwohl die feindlichen Truppen auch in Pleidelsheim ihr Lager aufgeschlagen hatten.

Ob Hanss Jacob in Pleidelshein geboren ist, ob er mit oder ohne Eltern hierher kam und welche Berufe die Hoffmanns ausübten ist nicht bekannt. Über den Grund für die "Auswanderung" in das 420 km südwestlich gelegene Pleidelsheim kann nur spekuliert werden. Anlass war wie bei vielen Zuwanderern in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutlich der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648). Denn Annaberg, einst durch den Abbau von Silber reich geworden, wurde von diesem verheerenden Krieg mehrfach betroffen.

350 Jahre nach der Heirat von Hanss Jacob leben wir noch immer in der Region, in der er damals eine neue Heimat fand. Sein Sohn Hanß Melchior (*1664 Pleidelsheim) verheiratete sich in das Nachbardorf Murr, die Nachfahren heirateten nach Rielingshausen, Steinheim und wieder zurück nach Murr.
"Ei verbibbsch", die Wurzeln breiten sich immer weiter aus, gestartet bin ich mit der Ahnenforschung als Schwobamädle, als echte Württembergerin. Getreu unserem Motto "furchtlos & treu" wage ich mich aber  auch nach "Annaberg in Saxen" :-)

Annaberg (heute Annaberg-Buchholz) im Erzgebirge scheint eine interessante Kleinstadt zu sein. Der berühmte Weihnachtsmarkt mit der weltberühmten Erzgebirgskunst, das Adam-Ries-Museum, das älteste Schmiedemuseum, die weltgrößte Privatsammlung erzgebirgischer Volkskunst und die St. Annenkirche, die größte spätgotische Hallenkirche in Sachsen, sind eine Reise in die Heimat meiner Vorfahren wert.... und "ei verbibbsch", ich übe schon sächsisch!


Annaberg-Buchholz mit der St. Annenkirche



Schwibbogen aus Annaberg


Montag, 18. Juli 2016

Und noch ein Pfarrer - David Müller aus Ulm

Die neu erworbenen Hefte über Ortsfremde in Kirchenbüchern aus Baden-Württemberg sind eine wahre Fundgrube.
Amtmann Carl Valentin Halbmayer, mein 7-facher Urgroßvater, kam mit seiner Familie 1695 aus Dettingen (Heidenheim) nach Murr, sie erwarben damals das Schlössle in der Mühlgasse. Bisher endete die Linie seiner Ehefrau Anna Regina Müller mit dem Namen ihres Vaters. Unter den Ortsfremden findet man Geburtsort und Geburtsdatum von Anna Regina und den Hinweis, dass ihr Vater David Pfarrer in Oberiflingen (Freudenstadt) gewesen ist. Anna Maria ist dort 1659 geboren. Ein weiteres Puzzleteilchen also und gleichzeitig die Verbindung zum Verzeichnis der Pfarrer aus dem Pfarrerbuch des Herzogtums Württemberg.


Grenzsteinzeuge Oberiflingen

David Müller ist 1623 in Ulm geboren. Sein Vater Jakob war Schneider von Beruf. In Tübingen und Straßburg studierte er Theologie, er war Pfarrer in Schömberg, Oberiflingen und Hermaringen. Seine Ehefrau Maria Nusser ist ebenfalls in Ulm geboren, ihr Vater Matthäus war Süßbäcker in Ulm.

Dienstag, 7. Juni 2016

Ofterdingen - Hanss Georg Haldenwang - Murr

Hanss Georg Haldenwang, mein 8-facher Urgroßvater, geboren 1649 in Ofterdingen bei Tübingen, hat um 1672 eine Anna Sophia aus Murr geheiratet. Hanss Georg hatte das Küferhandwerk gelernt, vermutlich führten ihn seine Wanderjahre nach Abschluss der Lehrzeit nach Murr. Oder wie man im Schwäbischen sagt: er war uff dr' Walz.
Der Ofterdinger Johann Georg Haldenwang schrieb über das Leben in seinem Heimatdorf  um 1840: So sprach der Vater öfters: ‚Wir müssen fort von hier, die Not lässt sich nicht mehr bewältigen‘. Wir hatten Freunde in Amerika, die hatten im Staat Ohio eine Farm gekauft und schrieben uns öfters, wie gut es ihnen gehe. ‚Dahin wollen wir auch ziehen‘, sprach der Vater, ‚da werdet wenigstens ihr, ihr Kinder, euch ein sorgenfreies Leben schaffen können‘. (…)
Amerika war für uns kein unbekanntes Land. Seit langen Jahren wandten sich schon aus unserem Orte viele Auswanderer hin, ohne je wieder zu kommen. (…) Alljährlich kaufte sich mancher Geselle das blaue Hemd, zog es zum Schutze über sein Gewand, gürtete es, nahm für immer Abschied von Vater und Mutter, wanderte hinunter nach Heilbronn, schiffte sich den Neckar und Rhein hinab und segelte nach Amerika. Es war ein ewiges Gehen und nicht mehr Kommen und doch waren alle Häuser voller Leute.


Die Not dauerte schon sehr lange an in Ofterdingen, denn über Abraham Haldenwang (1643 - 1711), den Vetter meines Vorfahren Hanss Georg, findet man folgende Zeilen:

Sonntag Sexagesima 1687 ist der Kirchenkonvent wieder zusammen gekommen, da vorgebracht wurde:
Abraham Haldenwang und seine Schwieger (mutter) Ursula, Kasper Mayers selige Witwe, haben in ihrem Haus große Händel angefangen. Sind mit garstigen Worten ganz zornig aneinander geraten. Abraham H. soll zu seiner wohlverdienten Strafe ein Pfund Heller, die Schwieger Ursula aber 10 Schilling erlegen.

Anno 1696 in Feria Bartholomai ist verwilligt worden Abraham Haldenwangs Kindern, die neuen Katechismusbüchlein aus dem Heiligen zu bezahlen.

Actum, den 1.11.1696 muß Abraham 15 Schillinge Strafe zahlen, weil er an Simonis und Juda den ganzen Tag Kraut eingemacht hatte.
Er starb 1711 als ehrlicher, frommer, aber sehr armer und kraftloser Mann.

Dem hochfürstlichen, gnädigsten Befehl gemäß, zur Abstellung des Gassenbettelns, wird am 7.5.1713 eine Zusammenstellung der Hausarmen gemacht. Darunter ist Abraham H. Witwe Barbara (2. Ehefrau), 56 J., Witwe 2 Jahre lang, Schweizerin, hat keinen Taufschein. Kinder: Apollonia 13J., Barbara 10 J., beides Schulkinder. Vermögen: nichts. Vieh: Nichts als zwei Geißlein, nichts einzuschneiden. Arbeit: Zum Tagelöhnen nicht tüchtig, sucht mit spinnen und Bändel weben etwas zu verdienen, hilft die Gänse hüten. An Almosen erhält sie vom Kloster wöchentlich 6 Heller und vom Flecken 12 Kreuzer.



Mittwoch, 11. Mai 2016

Omas reizende Nachtwäsche

Um 1500 breitete sich das Nachthemd von Italien über ganz Europa aus. Aus Leinen gefertigt, war das Nachthemd ein schmuckloses, knielanges, kragenloses und mit Halsschlitz und Knopfleiste ausgestattetes Unisex-Gewand. Die Nachthemden der Damen waren länger geschnitten als die der Männer.
Mit Beginn des 20. Jahrhunderts hatte das Nachthemd als reine Funktionskleidung für die Dame ausgedient. Mit dem Auftauchen der Chemiefaser und der avantgardistischen Mode entwickelte sich in den 20er Jahren das Damennachthemd aus Kunstseide zu einem erotischen Kleidungsstück mit dekorativen Spitzen, zarten Farben und einer weichen fließenden Schnittführung. Bis diese modernen Nachthemden den ländlichen Raum eroberten vergingen noch etliche Jahre.

Diese weißen Leinennachthemden wurden von den jungen Mädchen oft selbst angefertigt. Die Nähte wurden mit kleinen Stichen von Hand genäht. Knopflöcher wurden geschnitten und umnäht, die Knöpfe dazu sind aus Schildpatt. Besonders schöne Hemden sind mit Hohlsäumen versehen und mit gehäkelten Armelrändern verziert.


handgefertigte Nähte


der einzigste Farbtupfer sind die Kreuzstich-Initialen 'B P' 


gehäkelte Ärmelränder


genähtes Knopfloch mit Schildpattknopf

Auf der Suche im Keller nach einem großen alten Leinenstoff kramte ich Omas Wäschekiste hervor. Rohleinen, Bettwäsche, Tischtücher, Servietten und diese weißen Nachthemden schlummern in der alten Wäschekiste. Diese Hemden sind knapp 100 Jahre alt und wurden von meiner Oma Berta P. genäht. - Ich fand den passenden Leinenstoff für ein Megaprojekt. Die "Wall" ist in Planung und Omas Leinen gehört dazu




Samstag, 30. April 2016

Rückkehr der geflüchteten Steinheimer - 1693

Nach dem das französische Heer im Sommer 1693 wieder abzog, war Ende August der Pfarrer und der größere Theil der Einwohner wieder nach Steinheim zurückgekehrt.
Aber wie trafen sie die Heimath wieder an! Sieben und dreißig Häuser meist solche, die im 30-jährigen Kriege verschont geblieben waren, waren gänzlich niedergebrannt, alle ausgeplündert, die meisten mit dem größten Muthwillen ruiniert, die Kirche, die zu einem Eselsstall gemacht worden war, abscheulich zugerichtet, die Fenster ausgeschlagen, die Thüren ausgehoben und verbrannt, die Kirchengefäße gestohlen, die Orgelpfeifen zerschnitten, die Kirchenbücher zerrissen, beschmutzt, versudelt und auf Düngerhaufen geworfen, aller Vorrath des Fleckens und Heiligen (Kirche) an Baumaterialien, Geräthschaften, Früchte und Wein verschwunden, und was die augenblickliche Noth noch am meisten erhöhte, der reiche, schon beinahe zeitige ErndtErtrag theils beim Fouragiren  abgemäht, theils von den Pferden in Boden getretten, theils auf dem Halm niedergebrannt. Eine menge fruchtbarer Bäume waren zu Wachtfeuern niedergehauen worden, ja sogar der Reben in den Weinbergen hatte man nicht geschont.
Zu all dem Elend kam noch eine durchs ganze Land verbreitete Theurung, wo der Scheffel  Kerner (Getreide) bis auf 22 fl (Gulden) stieg, und eine, auf so viel Elend, Mangel und unnatürliche Nahrungsmittel folgende, ansteckende 'hitzige Krankheit', an der im ganzen Lande in den 2 Jahren 1693 und 94, 37.635 Menschen und hier 138 starben, so daß - obgleich damals der Flecken drei Kirchhöfe hatte, diese doch nicht zureichten, sondern der am Schaf-Thor noch durch Ankauf erweitert werden mußte.

Mit großer Sorgfalt hatte vor der Flucht Pfarrer Gottfried Pfaff mit dem Provisor Bayer erst nach dem 30-jährigen Krieg wieder angeschaffte 'Vasa sacra' in dem Gemäuer des Kirchthurms versteckt, aber die sinnreichen Franzosen bemerkten den vor die Oeffnung nur locker vorgeschobenen Stein und nahmen alles fort. Es waren 2 versilberte und vergoldete Nachtmahl-Kelche, eine silberbeschlagene HostienKapsel, 3 Altarkannen und 1 TaufPatine, auch 3 Chorhemden, zusammen mehr als 100 fl (Gulden) nach damalig wohlfeilem Anschlag werth, meist lauter fromme Stiftungen, was in die gottlosen Hände der Franzosen fiel.
Eines, und zwar das älteste Tauf-,  Todten- und Ehebuch, das mit einer Menge Notizen aus der Zeitgeschichte versehen ist, und aus welchem zum Theil diese Bemerkungen geschöpft sind, wurde erhalten. Zwar fanden es die Franzosen auch, zerrissen und bemalten es und warfen es dann auf einen Düngerhaufen (Misthaufen). Ein wackerer Bürger, Johannes Illg, sammelte die zerstreuten Blätter, hob sie sorgfältig auf und gab sie nach der Rückkehr dem Pfarrer zurück. Mit großer Mühe wurden die Blätter geordnet und zusammen gebunden, und noch heute sieht man die Sudeleien der Franzosen, die von dem damaligen Pfarrer jedesmal mit der Bemerkung 'petulantia Gallorum' ausgehoben, und die noch so schwarz sind, wie erst gestern geschrieben, während dem die Dinte des Pfarrers in der langen Zeit erbleichte. Die große Weimar'sche Bibel ist den Franzosen entgangen, da sie der Pfarrer im Taubenschlag versteckte und Holz vorgebeugt hatte. Beim Einzug der allirten Armee wurde die Bibel von einem Graf von der Lippe und seinem Feldprediger, nebst einem ganzen Sack voll anderer Bücher eingepackt und fortgenommen.

Krieg und Ungemach hatten die Herzen bei vielen verhärtet, und so sah man in diesen Zeiten des Jammers neben den Beispielen der Wohlthätigkeiten und Frömmigkeit, leider auch Beispiele großer Verdorbenheit und unmenschlicher Rohheit.
Leider lassen sich für die Züge der Wohlthätigkeit fast keine Namen und nur wenige Beispiele anführen. Häufig dagegen wurde in der damaligen Zeit, wie die alten Acten ausweisen, von unbekannter Hand dem Pfarrer Frucht (Getreide), oder Brod oder Geld zur Austheilung unter die Armen übergeben. Jacques Chastignieur, Herzoglicher Parforce-Jäger, der mit 80, um schweres Geld aus Frankreich für den Herzog erkauften Jagdhunden, im Kloster seinen Sitz hatte, zeichnete sich besonders durch solche Gaben der Mildthätigkeit aus, legirte nach seinem Tode (1703) 10 fl (Gulden) in das Almosen und ließ Kanzel und Altar neu kleiden. Überhaupt war er ein wackerer Waidmann, der von allem Übermuthe weit entfernt war.

Philipp Ulrich, der Sohn des in Orléans geborenen Jacques Chastignieur, heiratete 1707 die vom Murrer Schlössle stammende Maria Magdalena Halbmayer. Ihre Eltern, Carl Valentin Halbmayer und Anna Regina Müller, sind meine 7-fachen Urgroßeltern, die 1695 aus dem Raum Heidenheim zugezogen sind und das Murrer Schlössle erworben haben.

(Quelle: Geschichte und Topographie des Marktfleckens und ehemaligen Frauenklosters Steinheim an der Murr von M.F.A. Scholl, Pfarrer zu Steinheim - Druck 1826 / die Schreibweise entspricht nicht der gültigen deutschen Rechtschreibung).



Samstag, 19. März 2016

Was du ererbt von deinen Vätern ...

'Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen'Dieses Zitat stammt aus Goethes 'Faust'. In seinem zweiten großen Monolog spricht Faust angesichts des vom Vater hinterlassenen 'alt Geräte, das ich nicht gebraucht', diese berühmten Worte. Es sind Worte über die Aneignung überlieferter Dinge durch eigenen Einsatz, eigene Verdienste, Worte über die Möglichkeit, die der Mensch hat, sich ererbte Güter zu Eigen zu machen, indem er sie richtig nutzt. Die dem bekannten Zitat unmittelbar folgende Zeile, 'was man nicht nützt, ist eine schwere Last', ein gelegentlich auch allein zitiertes Wort, bringt die Weiterführung des Gedankens, dass nur wirklich Angeeignetes und Genutztes Nützliches bewirkt, das Ungenutzte hingegen nur zum überflüssigen Ballast werden kann.



Zu meinem Erbe gehören 23 alte Obstbäume, die dringend der Pflege bedurften. Das heißt radikaler Baumschnitt. Es gab Phasen wo ich am liebsten die Bäume über der Grasnarbe abgesägt hätte. Aber was würden Großväter und Urgroßväter dazu sagen? Sie brauchten mehr Kraft zum Bäume schneiden, zum mähen der Wiesen und zum ernten des Obstes. Sie fuhren mit oft störrischem Ochsen-, Kuh- oder Pferdegespann raus, schnitten in den frühen Morgenstunden das Gras mit der Sense, ernteten das Obst und trieben die Obstmühlen von Hand an. Der Most musste mit Eimern in die großen Eichenfässer im tiefen Keller gefüllt werden, die Ehefrauen gaben reichlich Wasser dazu, so dass das tägliche Getränk weniger Alkohol enthielt.

Wir brauchen also nicht klagen, denn der STIHL-Hochentaster schneidet die alten vermoosten Äste wie Butter. Das zerkleinern und aufsammeln der Äste ist etwas mühsam, dafür entschädigt die wärmende Frühlingssonne und der weite Blick über Murr und Steinheim bis zu den Burgen die schon seit Jahrhunderten über das Bottwartal wachen.


Blick nach Murr

Blick nach Steinheim

Berge und Burgen im Bottwartal

Abends ist man wirklich müde, spürt Muskeln die man bisher nicht kannte und man schläft mit dem Gedanken ein, wirklich etwas geleistet zu haben. Der Mühe Lohn muss bis zum Herbst warten, zuvor muss die Wiese aber noch zwei mal gemäht werden und man beobachtet die zu erwartende Ernte. Wie viel Äpfel wird es wohl im Herbst geben? Wir sammeln das Fallobst auf, bringen es zu der Sammelstelle eines Getränkekonzernes. Hoffen, dass die Ernte nicht zu groß ausfällt, denn dann gibt es Dumpingpreise. - Es ist kein lohnendes Geschäft, aber man ist mit der Natur verbunden, schützt mit dem Erhalt der Streuobstwiesen den immer weniger werdenden aber wichtigen Lebensraum für Insekten, Vögel, Hasen, Rehe und Greifvögel.


von Insekten auf einem Ast "gemalt"

Das Highlight des Herbstes ist seit einigen Jahren der Apfelsaft aus eigener Ernte. NATUR PUR, man weiß was man trinkt. Der naturtrübe Apfelsaft enthält weder Geschmacks- noch andere "Giftstoffe". Das Limit bei der mobilen Saftpresse für Privatverbraucher liegt bei 400 Kilogramm. Das ergibt rund 280 Liter und damit etwa 56 mal Apfelsaft Bag-in-Box. - Wir haben den bekannten Spruch "an apple a day keeps the doctor away" abgeändert in "a Glaserl a day...".  Und ein "Saftfässle" ist auch immer ein gesundes Geschenk, bei Kindern besonders beliebt.


Erntezeit - 5 Liter Bag-in-Box


homemade: Apfelgelee aus Streuobstwiesensaft

Die Vorfahren wären mit uns zufrieden, wir haben das Erbe also in Besitz genommen. Der Stamm eines morschen Birnbaums wurde nicht entsorgt, auf dem damit selbst gebauten Feierabendbänkle unter dem Apfelbaum gönnen wir uns ab und zu eine Pause.





Donnerstag, 17. März 2016

Peterskirche Murr - Glockenspende aus St. Louis

Der 1. Weltkrieg machte auch vor den Kirchen nicht Halt. Die Murrer durften auf Antrag die größte Glocke behalten: 'die große Glocke ist der Gemeinde besonders wert, und wir wären daher für ihre Befreiung von der Beschlagnahme durch Bestimmung zur Läuteglocke dankbar'. Das Königliche Oberamt hat dieser Bitte entsprochen. Die kleine und die mittlere Glocke wurden im Juli 1917 abgeliefert, aus Glocken wurden Kanonen .....

 
Peterskirche in Murr

Nach Kriegsende sollten neue Glocken beschafft werden. Aus Kostengründen entschieden sich die Murrer nur für die mittlere Glocke. Aber bald konnte die kleinere Glocke nachbestellt werden: 'durch Andeutungen ermuntert, richtete Pfarrer Kr. an nach Amerika ausgewanderte Verwandte der Familie J. die Bitte, im Gedenken an ihr Heimatdorf die Erfüllung des Wunsches nach einem vollständigen Geläute finanziell zu unterstützen. Der Bittbrief trägt das Datum 15. Jan 1921'. - Welcher Art diese Andeutungen waren ist nicht bekannt, vielleicht wurde der Gemeindepfarrer durch die Glockenspende für die benachbarte Kirche in Steinheim durch die nach Philadelphia ausgewanderte Familie Albrecht animiert.
Der Bittbrief hatte Erfolg, denn in St.Louis ging am 5. Febr. 1921 die Mitteilung ab, 'daß die Kirchengemeinde von Murr die beiden Kirchenglocken, die mit einem Kostenvoranschlag von 27.000 Mark berechnet sind, bestellen kann, da ich mich verbürge, daß das Geld binnen kurzer Zeit in Ihren Besitz gelangen wird'. - Im Spätherbst 1921 wurden die beiden Glocken feierlich eingeholt.

 
Turm der Peterskirche


Die mittlere Glocke B - 337 Kilogramm - trägt als Aufschrift:

Christian, Wilhelm u. August Jaudes
ihrem Geburtsort Murr zum Geschenk
Weihnachten 1921
Freude dieser Stadt bedeute - Friede sei ihr erst Geläute!
 
Die kleine Glocke D - 180 Kilogramm - trägt die Aufschrift:
 
Ehre sei Gott in der Höhe!
 
Am Christfest 1921 wurden sie im Festgottesdienst geweiht und wieder taten unsere Glocken ihren Dienst in Liebe zum Frieden. 20 Jahre lang .....
Schon im April 1940 mussten die Glocken wieder zur Abnahme gemeldet werden. Pfarrer R. bemühte sich in seiner Eingabe, die im 1.Weltkrieg zurückgestellte Glocke frei zu bekommen, da 'die zur Zurückstellung vorgesehene kleine Glocke für den 1,5 km langen Ort im Ton zu schwach ist'. - Dem Wunsch wurde nicht entsprochen. In einer Randbemerkung schreibt Pfarrer R. resigniert: 'Kleine bleibt'! Am 27. Januar 1942 wurde die große und mittlere Glocke abgenommen, wiederum wurden Glocken zu Kanonen .....
 
 
Eingang der Peterskirche
 
Fünf Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurden in der Glockengießerei Bachert in Heilbronn 2 Glocken bestellt. Der Glockensachverständige empfahl, die spätere Anschaffung einer 4. Glocke im Auge zu behalten. 'Der prächtige Kirchturm, der die ganze Gegend beherrscht, fordert ein einwandfrei disponiertes Vierer-Geläut, das seiner würdig ist'.
Es hat fast ein halbes Jahrhundert gedauert, bis die 4. Glocke in Auftrag gegeben wurde.  Durch eine großzügige Spende von Elise Pfuderer konnte das Vierer-Geläut endlich realisiert werden.

(Quelle: Geschichten vom Dorfbuchdoktor)

 
das alte Schulhaus gegenüber der Peterskirche
hier gingen die Brüder Jaudes zur Schule
 
Bei dieser Recherche stellte sich mir die Frage, ob es in St.Louis noch Nachfahren der spendablen Jaudes-Brüder gibt, die 1882 ausgewandert sind. Ja, es gibt in St.Louis heute noch Nachfahren von August Jaudes.