"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." - Wilhelm von Humboldt
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Sonntag, 11. November 2018

Waffenstillstand - 11. November 1918 - 12 Uhr deutscher Zeit

Mit einer historischen Geste haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron der Opfer des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren gedacht. Merkel bedankte sich bei Macron für die Einladung nach Compiègne an die Stätte des Waffenstillstands von 1918. Es sei das erste Mal seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland, dass ein Bundeskanzler mit dem französischen Präsidenten an diesem Ort gewesen sei, sagte sie am Samstagabend in Paris. Das sei eine „symbolische Geste“. „Insofern ist dieser Tag nicht nur Mahnung, sondern er ist auch Ansporn.“

Am Morgen des 11. November 1918 zwischen 5:12 Uhr und 5:20 Uhr französischer Zeit unterzeichneten beide Delegationen den Waffenstillstand von Compiègne.
Der Waffenstillstand trat um 11 Uhr französischer Zeit in Kraft (12 Uhr deutscher Zeit) und war zunächst auf 36 Tage begrenzt, beendete jedoch faktisch den Krieg.

In dem verheerenden Krieg von 1914 und 1918 starben fast neun Millionen Soldaten und mehr als sechs Millionen Zivilisten.


Poppies - die Mohnblume wurde nach dem 1. Weltkrieg im englischsprachigen Raum zu einem Symbol für das Gedenken an die gefallenen Soldaten


Heute sei der Wille da, „alles zu tun, um eine friedlichere Ordnung auf der Welt zu schaffen“, sagte Merkel.
Macron verteidigte seinen Vorstoß, zum Schutz vor Russland eine europäische Armee aufzubauen....
Zum Schutze vor Russland? Wurde Russland nicht von Napoleon und von den Deutschen angegriffen? Die amerikanische Hetze wirkt...

Mein Großvater wird seit 25. Juni 1944 in der Nähe von Minsk vermisst, im 2. Weltkrieg kamen 27.000.000 Millionen Russen ums Leben. Und der Westen baut eine europäische Armee zum Schutz vor Russland auf? Die Politik lässt keine Gelegenheit aus, die Russen wieder als Feindbild darzustellen. Hat die Politik wirklich nichts begriffen? 


Ein Bäcker aus Novosibirsk lernte in Frankreich Baguettes und Croissants backen und eröffnete in Sibirien eine Bäckerei mit einem kleinen Café. Natalja, die Freundin meiner Tochter, kauft sich dort jeden Tag ein Croissant, obwohl die Eltern sagen, dass das Croissant viel zu teuer ist. Sie gönnt sich aber weiterhin täglich "ihr" Croissant. Das Croissant erinnert sie jeden Tag an den vergangenen Sommer in Berlin, an ihren ersten Aufenthalt in Deutschland, wo sie zum ersten Mal ein Croissant gegessen hat. Vor ein paar Tagen bedankte sie sich bei ihrem Croissant-Bäcker dafür, dass er jeden Tag für sie ein Croissant backt. 

Natalja und meine Tochter skypen jeden Sonntag. Natalja spricht deutsch und meine Tochter russisch. Sie notieren sich die Fehler ihrer Gesprächspartnerin und am Ende der Skype-Stunde besprechen sie ihre Notizen. Eine deutsch-russische Freundschaft zwischen zwei jungen Frauen wie sie besser kaum sein kann. Sie wollen, wie andere junge Menschen, friedlich auf unserem Planeten leben. Diesem grenzüberschreitenden Wunsch stellen sich wiederum machtgeile Männer in den Weg, es geht um Machtgelüste, um Bodenschätze, um Rüstungsindustrie, um Geld, um viel Geld ... man trifft sich an historischen Stätten, umarmt sich, gedenkt den Millionen gefallener Soldaten und rüstet gleichzeitig wieder auf, weiß offensichtlich nicht, wonach sich die Jugend in ihren Ländern sehnt. 
Das französische Croissant hat für die Jugend offensichtlich Symbolcharakter. Für mich gehört ein Croissant seit meinem ersten Aufenthalt vor gut 40 Jahren in Paris zu jedem Frühstück in Frankreich. Der Duft eines Croissants bedeutet für mich Freiheit und Erinnerungen an unendlich viele Reisen nach Paris. Butter und Erdbeermarmelade sind die Krönung eines Croissants. Längst hat das Croissant die Grenzen überschritten, aber es geht nichts über ein Croissant eines französischen Bäckers. Natalja wünsche ich, dass sie eines Tages in einem französischen Café vor einem Croissant und einer Tasse Milchkaffee sitzen kann - zusammen mit ihrer deutschen Freundin wäre die Krönung meines Wunsches!




.  M  .

Dienstag, 30. Oktober 2018

1918 - Geht denn der schreckliche Krieg nicht bald aus - 2018

Einhundert Jahre sind seit Ende des Ersten Weltkriegs vergangen. Bei Kriegsausbruch 1914 glaubten viele, das "Abenteuer" Krieg werde nach wenigen Wochen mit einem schnellen Sieg enden. Entsprechend groß war die Begeisterung, die aber bald blankem Entsetzen wich.

Das Stadtarchiv Marbach zeigt in seiner Ausstellung die Kriegsbegeisterung, die zu einem übersteigerten Patriotismus führte, der das Empfinden vieler Menschen erfasste, aber auch die moderne technische Kriegsführung, die schließlich viele Menschenleben kostete. Weitere Themen sind Verpflegung, Hygiene, medizinische Versorgung der Verwundeten und schließlich das Kriegsende und die Heimkehr der oftmals dauerhaft an Leib und Seele gekennzeichneten Soldaten.

Daneben werden auch die Ereignisse vor Ort in Marbach und Rielingshausen, nicht zuletzt anhand von Einzelschicksalen, beleuchtet. In der Ausstellung sind zahlreiche Fotos, Postkarten und Schriftstücke sowie Uniformen, Kopfbedeckungen, Ausrüstungsgegenstände, Urkunden, Orden, Grabenkunst, Literatur, Spielzeug und Reservistenandenken zu sehen.

Elastolinsoldaten - Kraftradmelder 

Wir beteiligen uns an der Ausstellung mit einer Leihgabe von 15 besonderen Elastolinsoldaten, hergestellt bei der Firma O. & M. Hausser in Ludwigsburg.

Die Ausstellung ist vom 15. November 2018 bis 28. Februar 2019 in der Volksbank Marbach zu sehen. 
Öffnungszeiten: 
Mo 9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr
Di  9 bis 12 Uhr
Do 9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr
Fr 14 bis 17 Uhr


.  M .


Sonntag, 3. Juni 2018

Jede Generation bewundert die Urgroßväter - Quo vadis, Europa?

Aus einem Zitat des englischen Schriftstellers William Somerset Maugham: "....jede Generation bewundert die Urgroßväter."
Zwei meiner Urgroßväter kämpften im 1. Weltkrieg in Frankreich, die beiden anderen Urgroßväter waren wohl zu alt um für das Kaiserreich in den Krieg zu ziehen. Heute vor 100 Jahren wurde mein Urgroßvater Gottlob Andreas Albrecht nach einer Verwundung bei Brimont (Reims) in das Lazarett nach Aschersleben, Sachsen-Anhalt, verlegt. Mitte Dezember wurde er nach Hause entlassen. An der sehr langen Aufenthaltsdauer sieht man, dass es eine schwere Verwundung gewesen sein muss.
Ein Granatsplitter zerfetzte sein rechtes Bein, nach der Amputation blieb nur ein Stumpf übrig, eine Holzprothese wurde angepasst und er lernte wieder gehen. Nach seiner Genesung hatte er für seine 5-köpfige Familie zu sorgen. Der 2. Weltkrieg machte fünf seiner Enkel zu Halbwaisen und zwei Enkel zu Vollwaisen, die Sorge um die nächste Generation ging weiter. 30 Jahre lang arbeitete er mit seiner schweren Kriegsverletzung auf seinen Feldern und Wiesen, im Weinberg und im Viehstall um die große Familie durchzubringen. Bewundernswert!


"Returning to the Trenches"

Morgen fahre ich in die Südvogesen auf den Hartmannsweilerkopf. Die Elsässer nennen den Hartmannswillerkopf "Menschenfresser" oder auch "Berg des Todes". Der Berg war Schauplatz blutiger Kämpfe im 1. Weltkrieg, schätzungsweise 25.000 bis 30.000 deutsche und französische Soldaten fielen in den Schützengräben auf dieser 956 Meter hoch gelegenen Bergkuppe.

Soldatenfriedhöfe und Gedenkstätten aus beiden Weltkriegen sollen zum Frieden mahnen. Und während ich diese Zeilen schreibe marschieren amerikanische Truppen mit schwerem Kriegsgerät Richtung Russland um in Osteuropa bis zum Beginn der Fußballweltmeisterschaft ein meiner Meinung nach provokatives Manöver abzuhalten. Europa ist nicht mehr was es einst war, es droht zu zerfallen. Anschläge, Angriffe auf unsere Polizei, Morde, Vergewaltigungen und Überfälle nehmen seit 2015 drastisch zu. Wir brauchen inzwischen auch in kleinen Kommunen private Sicherheitsdienste. - Quo vadis, Europa?




Samstag, 31. Dezember 2016

DJT fight for a better world

Mit dem letzten Sonnenuntergang des Jahres 2016 über meiner schwäbischen Heimat geht ein weiteres Bloggerjahr zu Ende. Ein Jahr das bei der Ahnenforschung immer wieder Überraschungen parat hatte. Ein Jahr in dem ich zum zweiten Mal dem französischen Staatspräsidenten und der deutschen Bundeskanzlerin begegnet bin. 'Small talks' mit Francois Hollande und Angela Merkel, mit Menschen die Geschichte 'schreiben',  wer kann das schon von sich erzählen?!
Die Reise nach Verdun und Romagne-sous-Montfaucon war das Highlight in diesem Jahr. Dort, wo sich vor 100 Jahren französische und deutsche Soldaten an der Front gegenüberstanden, spielte das deutsche Heeresmusikkorps aus Ulm die Totensignale "Aux Morts" und "Ich hatte einen Kameraden", sowie die französische Nationalhymne und die deutsche Nationalhymne. Beeindruckt hat mich an diesem Tag ein Amerikaner, der nach Verdun gereist war, um am Grab seines gefallenen Großvaters einen Blumenkranz niederzulegen.
Die europäische Einheit war aber noch nie so in Gefahr wie in diesem Jahr. Die politische Landschaft hat sich verändert, auch in den Vereinigten Staaten. Wir haben Verwandte und Freunde in Übersee, wir haben aber auch in den letzten Jahren Freundschaften mit Russen geschlossen. Ein Land das für mich im Alter meiner Tochter unerreichbar war. Darum freut es mich um so mehr, dass meine Tochter die russische Sprache erlernt hat, in Moskau studiert und in Sibirien gearbeitet hat.
An Weihnachten 1943 war mein Großvater als deutscher Soldat in Russland. An Weihnachten 2016 besuchten uns russische Freunde meiner Tochter aus Moskau. - What a change !

Barack Obama, der als Friedensnobelpreisträger gestartet war, hat die Hoffnungen der Amerikaner und der restlichen Welt nicht erfüllt, das Verhältnis zu Russland ist untragbar, um so ärgerlicher, dass die große Europäische Union kein Rückgrat zeigt und amerikahörig ist.

 DJ Trump: fight for a better world !
Ob DJT meinen Wunsch wohl erfüllen kann?




Sonnenuntergang an Silvester in den Kleinbottwarer Weinbergen


Das neue Ahnenforschungsjahr starte ich am 1. Januar mit der Besichtigung der Burg Lichtenberg in Oberstenfeld. Gleichzeitig stimmt sich mein Heimatdorf mit Glockengeläut auf ein Jahr ein, das für uns Protestanten eine ganz besondere Bedeutung hat: das Lutherjahr. Zahlreiche Veranstaltungen erinnern daran, dass Martin Luther im Jahr 1517 seine berühmten Thesen über den Ablasshandel veröffentlichte und damit die Reformation anstieß. Das Glockengeläut beginnt um 15.17 Uhr und wird 500 Sekunden lang dauern. - Das Lutherjahr beschert uns am 31. Oktober einen einmaligen Feiertag.




Montag, 3. Oktober 2016

1677 - Lorentz Matthäus Albrecht aus Kuchen - 1734

Am Nationalfeiertag begab ich mich auf die Spuren der Familie Albrecht aus Kuchen im Filstal, Kreis Göppingen. Lorentz Matthäus Albrecht, mein 6-facher Urgroßvater mütterlicherseits ist 1677 in Kuchen geboren. Sein Vater Jacob (1624 - 1693) war Gastgeber (Wirt) in Kuchen. Mit seinem Großvater Georg (1586 - 1626) beginnt (vorerst) die Linie Albrecht. Vater und Großvater sind in Kuchen geboren und auch dort verstorben. Die Linie der Großmutter Maria Ziegler lässt sich bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts zurückverfolgen.


Wappen der Gemeinde Kuchen - der Elefant erinnert an die Grafen von Helfenstein, ein altes schwäbisches Adelsgeschlecht, die auch den Elefanten in ihrem Wappen hatten, ihre Burg Helfenstein, eine Spornburg, liegt oberhalb der Nachbargemeinde Geislingen


Jakobuskirche, erbaut um 1220
die kleine Kirchenglocke von 1538 ist noch erhalten


Eingangsportal der Jakobuskirche


Kriegerdenkmal 1914 - 1918 an der Jakobuskirche

Vier junge Soldaten aus der Familie Albrecht sind im ersten Weltkrieg gefallen.
1914 - Johannes Albrecht *1887 +7.September bei Sommaisne (Argonnenwald südlich Verdun)
1915 - Jakob Albrecht *1883 +20.Januar in Stettin (Polen)
1915 - Daniel Albrecht *1894 +12. Mai bei der Lorettohöhe (zu Beginn der 7-wöchigen Schlacht bei Lens und Arras, Nordfrankreich)
1915 - Johannes Albrecht *1883 + 12.Juli in Mühlhausen (Elsass) 


Turmuhr und Wetterhahn der Jakobuskirche


Ochsenbrunnen aus dem Jahr 1762 ...


... mit dem doppelköpfigen Ulmer Reichsadler


Elefantenbrunnen neben dem Ochsenbrunnen

Im Alter von fast 22 Jahren heiratete Lorentz Matthäus im Mai 1699 in Marbach am Neckar Margaretha, eine Tochter der wohlhabenden Metzgersfamilie Fuchs aus Marbach. In dem Buch Geschichte der Stadt Marbach ist vermerkt, dass der aus Kuchen bei Geislingen stammende Marbacher Bürger und Metzger Lorentz Matthäus Albrecht 1720, für die bereits im 17. Jahrhundert mehrfach genannte Wirtschaft Ochsen, eine Erlaubnis als Schildwirtschaft erhielt.
Auch in seiner 2. Ehe blieb er dem Metzger- und Gastwirtsgewerbe treu. Er heiratete 1734 Anna Maria, die Witwe von Samuel Hartmann, Metzger und Gastgeber "Zum Rothen Löwen" in Balingen. Wenige Monate später starb Lorentz Matthäus und 1735 ehelichte seine Witwe Anna Maria den Gerichtsverwandten und Verwaltungskastenknecht Johann Georg Hampp.





Montag, 6. Juni 2016

Romagne-sous-Montfaucon & Verdun

Mit vielen neuen Bildern im Kopf zurück aus Verdun. - Der erste Tag begann mit einer Gedenkfeier auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Romagne-sous-Montfaucon. Bei Clermont-en-Argonne verließen wir die Autoroute, fuhren 30 km über schmale Landstraßen durch eine liebliche Landschaft und abgelegene Dörfer, um uns herum Felder, Täler und Wälder, wo unsere Vorfahren während des 1.Weltkriegs gekämpft haben.



Das Programm für die Gedenkveranstaltung für die Opfer des Ersten Weltkrieges anlässlich des 100.Jahrestages der Schlacht um Verdun in Romagne-sous-Montfaucon war sehr vielfältig. Beteiligt waren das Heeresmusikkorps Ulm, das Blasorchester Rilchingen-Hanweiler, die Sängerin Patricia Hammond, eine deutsche Pfadfindergruppe, Pastorin Wiebke Kellermann mit einer Schülergruppe aus Ratzeburg und Markus Meckel, Präsident vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.


Die deutschen Pfadfinder lasen aus Feldpostbriefen der Wandervogelkameraden Erich Krems, Hans Koch und Peter Kollwitz, Sohn der berühmten Künstlerin Käthe Kollwitz. Erich Krems kämpfte und fiel bei Verdun, Peter Kollwitz ruht in Vladslo, Flandern. Hans Koch überlebte und wurde 97 Jahre alt.


Aus dem Bericht des französischen Soldaten Louis Corti: Bin ich der einzige in meinem Loch der noch lebt? Vor meinem geistigen Auge zieht meine Familie vorbei, die ich zuhause zurückgelassen habe und vielleicht nie wieder sehen werde. Ich erblicke meine Liebsten, mein verschlafenes Dorf, meine Kinder, und ich sage zu mir selbst, dass alle Träume, die wir gemeinsam gehabt haben, niemals Wirklichkeit werden, dass wir uns niemals wiedersehen werden..... und eine furchtbare Angst durchdringt mich bis ins Mark.

Aus der Rede von Markus Meckel: Erich von Falkenhayn, General der Infanterie und Chef der 2. Obersten Heeresleitung, beschrieb die deutsche Strategie dieser Schlacht in seinen Memoiren: Die französische Armee sollte sich bei Verdun "verbluten". Für dieses Ziel war man bereit  auch die eigene Jugend zu opfern.
Heute tragen wir die Überreste des deutschen Soldaten Hans A.W. Winkelmann aus Ratzeburg zu Grabe. Er starb vermutlich am 20. August 1917 - seine Überreste wurden im März 2014 bei Forstarbeiten gefunden. Gemeinsam mit seinem Bruder Karl, der vermutlich bereits im Mai 1916 in einem Feldlazarett bei Verdun gestorben war, gehören sie zu den über 140 Kriegstoten des kleinen schleswig-holsteinischen Städtchens Ratzeburg.

Nach der Beisetzung des gefallenen deutschen Soldaten und dem Lied "Ich bete an die Macht der Liebe" wurden Kränze niedergelegt. Den Totensignalen "Aux Morts" und "Ich hatte einen Kameraden" folgte eine Schweigeminute, dann spielte das Heeresmusikkorps Ulm  die Nationalhymne der Republik Frankreich und die Nationalhymne der Bundesrepublik Deutschland. Der Petersburger Marsch beendete die 2-stündige und sehr eindrucksvolle Gedenkfeier.



Anschließend lud der deutsche Botschafter in Frankreich, Nikolaus Meyer-Landrut, zu einem Empfang mit Imbiss in den kleinen Festsaal des Dorfes Romagne-sous-Montfaucon ein.



Unsere Soldatenfriedhöfe sind äußerst bescheiden, wir haben ja auch beide Weltkriege verloren. Aber auch die Franzosen haben keinen Pomp auf ihren Soldatenfriedhöfen. Ganz anders die Amerikaner. Verwenden wir ein Kreuz oder einen Stein für zwei Soldaten, so hat jeder bestattete amerikanische Soldat ein Marmorkreuz bzw. einen Davidstern. Der amerikanische Soldatenfriedhof in Romagne-sous-Montfaucon hat eine atemberaubende Dimension von 52 Hektar. Akkurat gepflegte Grünflächen, perfekt geschnittene alte Bäume rahmen die Kapelle und die Gräber von 14.246 Soldaten, die mehrheitlich während der Maas-Argonnen-Offensive gefallen waren, ein. Es handelt sich um den größten amerikanischen Soldatenfriedhof in Europa, sowohl was die Fläche als auch die Gräberzahl betrifft.




Starke Regenfälle hinderten uns an der Besichtigung des Montfaucon American Monument. Auf der massiven dorischen Säule von über 50 Metern thront eine Statue, die die Freiheit symbolisiert. Sie befindet sich gegenüber der Frontlinie des 1. US-Corps zu Beginn der Offensive am 26. September 1918. Vom Turm lässt sich ein weiter Teil des Maas-Argonnen-Schlachtfelds überblicken.

Aufgrund der hohen Sicherheitsvorkehrungen waren die Straßen zu den ehemaligen Schlachtfeldern um Douaumont und Fort Vaux bereits am Tag vor dem Besuch der deutschen Bundeskanzlerin und des französischen Präsidenten gesperrt. Die französische Armee und die Polizei hatten auch bereits in der Innenstadt von Verdun Straßen und Plätze gesperrt. Nach den Anschlägen von Paris gilt in Frankreich nach wie vor der Ausnahmezustand.

Am nächsten Vormittag wurde die Polizeipräsenz deutlich erhöht. Eine Videowand des TV-Senders France 2 übertrug live den Besuch von Angela Merkel und Francois Hollande auf dem deutschen Soldatenfriedhof Consenvoye, nördlich von Verdun. Auch den Besuch im Rathaus von Verdun und den Eintrag ins Goldene Buch der Stadt konnten wir live verfolgen. Die Zahl der Sicherheitskräfte nahm nochmals zu und Schlauchboote der Polizei patrouillierten auf der Maas. Die Kanzlerin, der Präsident, die deutsche Verteidigungsministerin und der Bürgermeister von Verdun, begleitet von Kindern, unzähligen Sicherheitskräften und Fotografen hatten das Rathaus verlassen und gingen zu Fuß auf der gegenüberliegenden gesperrten Uferpromenade Quai de la République zur Kranzniederlegung an das Denkmal für die Kinder von Verdun  die für Frankreich starben.


"Angela-Angela-Rufe" der Französinnen ließen die Kanzlerin auf dem Weg zum Denkmal innehalten, sie ging mit dem französischen Präsidenten und den Kindern ans Ufer der Maas und winkte über den breiten Fluss zu uns herüber. Ich hatte die Kanzlerin und den Präsidenten vor Jahren in Deutschland aus nächster Nähe erlebt: small talk und Auge in Auge. Heute hielten sie deutlich Abstand zum Volk. Durch den Ausnahmezustand haben sich Sicherheitsvorkehrungen für Kanzlerin und Präsident sichtbar verändert.


Nach der Kranzniederlegung setzten sie ihren Weg auf die Brücke fort, dort stiegen weiße Luftballons in den Himmel und die Staatslimousine wartete bereits auf unserer Seite zur Weiterfahrt nach Douaumont. Plötzlich kam Hektik bei den Sicherheitsleuten auf, Hollande stieg nicht in die wartende Limousine, er lief, gefolgt von der Kanzlerin, auf die Bürger hinter dem Absperrgitter zu. Sicherheit hin oder her, er schüttelte den wartenden Menschen die Hand, wechselte hier und da ein Wort, auch unsere Kanzlerin genoss sichtlich den Kontakt zu den Franzosen und uns wenigen Deutschen, ein weiteres Mal "shake hands" mit Angela Merkel und Francois Hollande. Fazit meiner Tochter: "Angie ist ja richtig nett". Politik ist Politik und wird von vielen Menschen und Einflüssen bestimmt, aber so von Mensch zu Mensch ist sie sympathisch.


Als wir zu unserer Wochenendtour nach Frankreich starteten haben wir nicht eine Sekunde daran gedacht, dem deutschen Botschafter, der deutschen Bundeskanzlerin und dem französischen Präsidenten zu begegnen.

UN GRAND JOUR
Ich denke der Urgroßvater wäre stolz auf uns, wenigstens eine Familie seiner 14 Urenkel nimmt Anteil an seinem Schicksal, das sein Leben im Frühjahr 1918 physisch und psychisch so sehr verändert hat.





Montag, 23. Mai 2016

Etterhof Hemmingen - Ausstellung 1. Weltkrieg

Auf dem Stuttgarter Flohmarkt lernte ich gestern einen Schüler kennen, er ist der Initiator einer Ausstellung über den 1. Weltkrieg und er war in Stuttgart auf der Suche nach weiteren Fundstücken für seine Ausstellung. Die Ausstellung in Hemmingen ist sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Am Anfang war ein Urlaub in Frankreich. Auf dem Rückweg aus Paris hielt die Familie Maisch in Verdun, wo vor fast genau 100 Jahren eine der verheerendsten Schlachten des Ersten Weltkriegs tobte. Steffen Maisch, damals noch ein Kind, war fasziniert, vor allem, weil zuhause ein Bild seines Urgroßvaters hing, der im Krieg gekämpft hatte. „Ich wusste fast nichts über ihn“, erzählt der 17-jäh­rige Berufsschüler – es war der Beginn einer fast schon detektivischen Arbeit, die ihren vorläufigen Höhepunkt in einer Ausstellung im Hemminger Etterhof findet, die sich um den Ersten Weltkrieg dreht.  ----> weiterlesen

Hier geht es zum Etterhof mit der Ausstellung 'Hemmingen und der Erste Weltkrieg' ----> weiterlesen


 
Ausstellungseröffnung im Etterhof Hemmingen



Freitag, 13. Mai 2016

Frankreich - 13. Mai 1918 morgens um halb elf in Brimont

Heute vor 98 Jahren um 10.30 Uhr wurde mein Urgroßvater Gottlob Albrecht in Brimont (nördlich von Reims) am rechten Unterschenkel von einem Granatsplitter getroffen. Bis auf einen kurzen Stumpf musste das Bein amputiert werden. Ab 2. Juni 1918 war mein Urgroßvater im Lazarett Aschersleben (Sachsen-Anhalt), am 12. Dezember 1918 wurde er nach Hause entlassen.
 
Das ihm verliehene Verwundetenabzeichen in schwarz war sicherlich kein Trost, so wenig wie das zuvor verliehene Eiserne Kreuz II. Klasse (EK II). Während ich hier schreibe, stelle ich mir die Frage, wie viel Verwundetenabzeichen im 1.Weltkrieg wohl verliehen wurden?!
 
Laut seinen Enkeln hat er nie über den Krieg gesprochen, sie wissen auch nichts über die erfolgten Auszeichnungen. Sie wissen nur wie ihn der noch verbliebene Stumpf in der Beinprothese schmerzte, ganz besonders im Sommer nach einem langen Arbeitstag.
 
Zwei Verwandte, Karl (19 Jahre) und Heinrich (23 Jahre), werden seit November 1916 bei Sailly Saillisel und seit August 1918 bei Ville sur Ancre vermisst.  
 
Die Republik Frankreich lädt in Zusammenarbeit mit dem Volksbund am 29.Mai 2016 nach Verdun zu einer gemeinsamen Gedenkstunde am Mémorial de Fleury und dem Gebeinhaus ein.
 
 
 
Neben mir liegt gerade seine Taschenuhr mit der Gravur 'G. Albrecht Steinheim a/M' im Innendeckel samt der Uhrkette aus den Haaren meiner Urgroßmutter Luise Friederike Müller. - Ob mein Großvater seine Taschenuhr in seiner Uniform hatte als er im Sommer 1917 in den "Grande Guerre" nach Frankreich zog?
 
 

Montag, 2. Mai 2016

VERDUN 1916 - Eine Schlacht verändert die Welt

Vor einhundert Jahren begann mit dem deutschen Großangriff die Schlacht um die französische Festung VERDUN. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Realität der „Urschlacht des Jahrhunderts“ in verschiedensten Formen verarbeitet – in der Geschichtsschreibung und dokumentarischer Berichterstattung ebenso, wie in Literatur, Film und bildender Kunst.
Abhängig von Wissen und Erfahrung, politischen Ansichten und Zielgruppen kam es zu sehr unterschiedlichen Darstellungen des historischen Geschehens. Einhundert Jahre später stellt sich erneut die Frage nach dem historischen Erbe der Schlacht um Verdun. Markiert das Ereignis einen entscheidenden Wendepunkt für Europa oder gar darüber hinaus?
Die Erinnerung an „Verdun“ hat nicht nur für Deutsche und Franzosen bis heute große Bedeutung; ihr kommt großes Gewicht für das Bewusstsein Europas und seiner Nationen zu. Der Band geht dem historischen Ereignis von 1916 und seiner Wirkungsgeschichte nach. Er vereint neue historische Erkenntnisse, bisher vernachlässigte Aspekte Schlacht und sticht hervor durch den Facettenreichtum der Themen. Die Beiträge enthalten zahlreiche Abbildungen aus privaten Archiven, häufig in Farbe. Viele dieser Bilder wurden noch nie zuvor veröffentlicht.


VERDUN ist ein Ort historischer Symbolik: 843 unterzeichneten die Enkel Karls des Großen den Vertrag, der das Frankenreich unter Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen teilte - für manche Historiker der Beginn der Jahrhunderte währenden deutsch-französischen Auseinandersetzungen. Vor allem aber steht Verdun für die industrialisierten Menschen- und Materialschlachten, für Schrecken, Sinnlosigkeit und Unmenschlichkeit des Ersten Weltkriegs. Von Februar bis Dezember 1916 lieferten sich Deutsche und Franzosen dort eine der unerbittlichsten Schlachten mit rund einer halben Million Toten. Am 21. Februar 1916 startete die 5. Deutsche Armee den Angriff auf die französischen Stellungen. Ende des Jahres war sie wieder auf ihre Anfangsposition zurückgeworfen. Der mörderische Stellungskrieg um das Fort Douaumont machte den Ort zu einer „Knochenmühle"; unzählbare Verluste wurden in Kauf genommen, ohne militärisch tragfähige Ergebnisse zu erzielen. Millionen Granaten zerpflügten die Landschaft. In dem ehemaligen Kampfgebiet liegen heute 40 französische und 30 deutsche Soldatenfriedhöfe. Insgesamt 170.000 Gefallene sind dort begraben.

VERDUN 1984 - Draußen stehen deutsche und französische Soldaten nebeneinander abwechselnd Spalier. Vor der Treppe des Beinhauses ist ein Katafalk aufgestellt, umwickelt mit einer deutschen und einer französischen Fahne, rechts ein Ehrenkranz mit schwarz-rot-goldenem Band, links ein Ehrenkranz mit blau-weiß-rotem Band. Ein eisiger Wind bläst über die Gräber. Der Himmel ist grau-schwarz verhangen, Regengüsse begleiten die Zeremonie, der etwa 4.000 Menschen beiwohnen. Das Lied vom guten Kameraden und das Totensalut französischer Hornisten, wechselweise gespielt von der Kapelle des Bonner Wachbataillons und dem Musikcorps eines Infanterieregiments von Metz, sind gerade verklungen. Das Deutschlandlied und die Marseillaise werden intoniert. Spontan ergreift der Franzose die Hand des Deutschen. Minutenlang verharren Mitterrand und Kohl bis zum Verklingen der Nationalhymnen.

Ulrich Wickert in der FAZ: Später fragte ich Francois Mitterrand, wer von beiden die symbolische Geste initiiert habe. Mitterrand antwortete, er habe plötzlich das Bedürfnis gespürt, aus seiner Vereinsamung herauszutreten und mit einer Geste Helmut Kohl zu erreichen. Da habe er seine Hand ausgestreckt, und Kohl habe sie ergriffen. Helmut Kohl hat mir dies später bestätigt. Der deutsche Kanzler war erleichtert über die Geste Mitterrands. Mitterrand, der seine Gefühle stets für sich bewahrte, blickte trotz seiner Gebärde weiter in sich hinein, während Helmut Kohl in diesem beklemmenden Augenblick erleichtert zu dem Franzosen hinüberschaut, dankbar für diesen scheinbar kleinen Ausdruck von Menschlichkeit.

Hannes Wader, deutscher Sänger und Liedermacher, in seinem Lied "Es ist an der Zeit":

Und du hast ihnen alles gegeben:
Deine Kraft, Deine Jugend, Dein Leben.
 
 
 
Der kanadische Sänger John McDermott in "The green fields of France":
 
Oh how do you do, young Willy McBride,
do you mind if I sit here down by your graveside,
and rest for a while in the warm summer sun ...
 
 
 
 
 

Poppies gelten heute weltweit und vor allem in den englischsprachigen Ländern
als ein Symbol des Gedenkens an die zahl- und namenlosen Opfer von Krieg
und insbesondere an die in den beiden Weltkriegen gefallenen Soldaten. 
 
 


Samstag, 16. April 2016

Blumen für Romagne-sous-Montfaucon - Verdun 2016

Wie schon viele Jahre zuvor, haben wir Blumen für drei Gräber unbekannter Soldaten gespendet. Am 28. Mai 2016 werden im Rahmen einer Gedenkveranstaltung Gräber unbekannter Soldaten auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Romagne-sous-Montfaucon im Department Meuse (40 km nordwestlich von Verdun) damit geschmückt.
Auf diesem Friedhof ruhen 1.407 deutsche und 8 französische Soldaten aus dem 1.Weltkrieg. Die dort Ruhenden gehörten Truppenteilen an, deren Heimatgarnisonen in Schlesien, Sachsen, Württemberg, Bayern, Westpreußen, Pommern, Mecklenburg, im Rheinland und in Lothringen lagen.

Ein Soldatenfriedhof der USA, der Meuse-Argonne-Cemetery, liegt am ostwärtigen Ortsausgang von Romagne-sous-Montfaucon. Er ist mit 14 246 Toten aus den Kriegsjahren 1917 und 1918 die größte amerikanische Kriegsgräberstätte beider Weltkriege in Europa.

Die Gedenkveranstaltung 100 Jahre Schlacht um Verdun findet am folgenden Sonntag am Beinhaus Douaumont und am Mémorial de Fleury statt. Im Beinhaus werden die Gebeine von über 130.000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten aufbewahrt. Im Mémorial werden
2.000 Sammlerstücke, zahlreiche, zum Teil unveröffentlichte Fotos, französische und deutsche Zeugnisse sowie außergewöhnliche Ton- und Filmdokumente aufbewahrt, sie illustrieren das Leben der einfachen Soldaten, die von überall hierher gekommen waren.

Den bei der Schlacht um Verdun vor 100 Jahren gefallenen Soldaten gedenken am 29. Mai 2016 auch der französische Staatspräsident Francois Hollande und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.


Mémorial de Fleury


 Beinhaus und Soldatenfriedhof Douaumont
Zwei unserer Familienangehörigen sind im Alter von 20 und 23 Jahren im 1.Weltkrieg in Nordfrankreich gefallen und werden vermisst. Mein Urgroßvater wurde 1917 schwer verwundet, ihm wurde ein Bein amputiert. Mit seiner Tochter, also meiner Großmutter, war ich schon vor 38 Jahren in und um Verdun, wir haben das Beinhaus, den Bajonettgraben und die Festung Fort Vaux besucht. Ein für sie nicht einfacher Tag, denn sie hat den 2. Weltkrieg erlebt, in dem auch ihr Ehemann am 25. Juni 1944 in Russland gefallen ist und vermisst wird.
Wir haben weitaus mehr Abstand zum Grande Guerre 1914-1918 und zu den Ereignissen während des 2. Weltkrieges 1939-1945, aber wir besuchen die an unseren Reisewegen liegenden Soldatenfriedhöfe und spenden seit Jahren Blumen für Gräber unbekannter Soldaten, als sichtbares Zeichen dafür, dass sie in der Heimat nicht vergessen sind.

Freitag, 27. Februar 2015

Deutsche Verlustlisten 1. Weltkrieg - 4. Juli 1918

In den deutschen Verlustlisten des 1. Weltkrieges suchte ich nach meinem Urgroßvater Gottlob Albrecht, jedoch zunächst ohne Ergebnis. Die erneute Suche nach dem Wohnort Steinheim war ein Volltreffer. In der deutschen Verlustliste Seite 24.836 vom 4. Juli 1918 Rubrik "Württembergische Verlustliste 679" wird er mit dem Nachnamen "Ahlbrecht" genannt, deshalb war auch mein erster Versuch ohne Ergebnis.

Mehrere hundert ehrenamtliche Datenerfasser des Vereins Computergenealogie haben die Verlustlisten des 1. Weltkrieges vollständig indiziert. Über 8,5 Millionen Datensätze wurden erschlossen und für die Personengeschichtsforschung nutzbar gemacht. - Die Listen enthalten auch Einträge zu Personen die verwundet wurden.




Württembergische Verlustliste 679:
Ahlbrecht, Gottlob - 24. 4. Steinheim, Marbach - schw. v.

Mein Urgroßvater Gottlob wurde am 24. April 1918 schwer verwundet. Aufgrund der schweren Verwundung wurde ein Teil seines Beines amputiert.

Drei Tage vorher endete das Leben von  Rittmeister Manfred von Richthofen. "Der rote Baron" wurde bei einem Verfolgungsflug über den Schlachtfeldern der Somme abgeschossen. Von Richthofen erzielte die höchste Zahl von Luftsiegen, die im ersten Weltkrieg von einem einzelnen Piloten erreicht wurde.

Der Deutsche Heeresbericht über den westlichen Kriegsschauplatz:
Auf den Schlachtfeldern an der Lys und an der Somme blieb die Gefechtstätigkeit auf örtliche Kampfhandlungen beschränkt. Nordöstlich von Bailleul erstürmten wir die Höhe von Vleugelhoek und nahmen hier Franzosen gefangen. Westlich von Bailleul wiesen wir englische Angriffe ab. Starke Vorstöße des Feindes nordwestlich von Bethune wurden in unseren Vorpostenlinien zum Scheitern gebracht. Vorfeldkämpfe an vielen Stellen der übrigen Front brachten Gefangene ein. Rittmeister Freiherr v. Richthofen ist von der Verfolgung eines Gegners über dem Schlachtfelde an der Somme nicht zurückgekehrt. Nach englischen Berichten ist er gefallen.


Die Fokker Dr.I war ein Dreidecker-Jagdflugzeug der Fokker Aeroplan GmbH, Schwerin. Das von der Fliegertruppe des Deutschen Heeres im Ersten Weltkrieg ab 1917 eingesetzte Flugzeug wurde insbesondere durch den erfolgreichsten Jagdflieger des Ersten Weltkrieges Manfred von Richthofen, der 19 seiner 80 Luftsiege in ganz oder teilweise rot gestrichenen Fokker-Dreideckern erzielte und auch in einer Dr.I den Tod fand.


Montag, 23. Februar 2015

Vor 100 Jahren - 22. Februar 1915

Frankreich - Kriegstagebuch vom 22. Februar 1915: schwerer deutscher Artilleriebeschuss der Kathedrale von Reims, das deutsche Heeres-Luftschiff LZ29 wirft in der vergangenen Nacht 1.000 Kilogramm Bomben  auf Calais.


Die Kathedrale von Reims, für die Franzosen die wichtigste Kirche der Nation, wurde von den deutschen Truppen als Symbol der nationalen Geschichte anvisiert und weitgehend zerstört. Die militärisch sinnlose Aktion sollte die Franzosen moralisch treffen und schwächen.


Seit sich der Beginn des 1. Weltkrieges im vergangenen Jahr zum 100. Male jährte wurde in den Zeitungen viel geschrieben und wurden Ausstellungen eröffnet. Aber auch Enkel und Urenkel der deutschen Soldaten, die an die Westfront nach Frankreich in den "Grande Guerre" geschickt wurden, beschäftigen sich mit dem 1. Weltkrieg. Weihnachten 1914 sollte Frankreich besiegt und die Soldaten wieder zuhause sein. Dieser Optimismus sollte nicht lange anhalten, der Krieg dauerte mehr als vier  Jahre und endete mit dem Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918.

Opas Krieg ist der Versuch, auf die "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" zurückzuschauen. Und zwar aus der Perspektive des Infanteristen Franz Mack aus Nürnberg. - So beginnt das Online-Projekt seines Enkels Christian, mit dem er die Feldpostkarten seines Großvaters, jeweils 100 Jahre nach dem sie verschickt wurden, veröffentlicht.

Bedauerlich, dass von meinem Urgroßvater Gottlob Albrecht keine Feldpost mehr vorhanden ist. Er kämpfte ebenfalls in Frankreich. Nach einer Verletzung wurde ihm ein Teil des Beines amputiert und er trug eine Holzprothese, die ihm, Erzählungen zufolge, bis an sein Lebensende immer wieder Schmerzen bereitete. Er erlebte und überlebte den 2. Weltkrieg, in dem seine drei Schwiegersöhne in Russland gefallen und vermisst sind. Seinen Enkeln ersetzte er den Vater, hatte Angst um Töchter und Enkelinnen als sich im Mai 1945 die amerikanischen Soldaten in seinem Bauernhaus einquartierten und ihr Feldküche in der Scheune aufbauten.



Urgroßvater Gottlob Albrecht

Eine Urenkelin und ich stellten übereinstimmend fest, dass wir doch einen recht attraktiven Urgroßvater haben ! - Wie der Engländer William Somerset Maugham schon sagte:  ".... jede Generation bewundert die Urgroßväter."