"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." - Wilhelm von Humboldt

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Victor Hugo - Vergangenheit ...

 
Die Vergangenheit ist ein Teil von uns selbst,
vielleicht sogar der Wesentlichste.


Was ist der Baum ohne seine Wurzel,
was ist der Fluss ohne seine Quelle ?
 
 
Victor Hugo  

Sonntag, 4. Oktober 2015

Steinheim - Klosterhofmeisterei

Das Kloster Mariental wurde 1255 in Steinheim gegründet. Mit dem Ableben der letzten Nonne um 1580 wurde das Kloster eingestellt. Das ehemalige Kloster wurde 1643 durch Feuer vernichtet. -
Im Jahre 1568 wurde über einem in den Felsen gehauenen Keller die 'Neue Klosterhofmeisterwohnung' gebaut, 1693 ist die Wohnung des Klosterhofmeisters abgebrannt und um 1700 durch Herzog Eberhard III. wieder aufgebaut.

 
Tor zum Felsenkeller

 
1568 - Kopfstein über dem Kellertor

 
Kellertor
 
Der Klosterhofmeister war der Verwaltungsbeamte eines Klosters. Die vom Hauptgut abgetrennten wirtschaftlich selbstständigen Wirtschaftshöfe wurden von Laienbrüdern bewirtschaftet. Zu den Aufgaben des Klosterhofmeisters gehörte die Aufsicht über die Klostergebäude und den zum Kloster gehörenden landwirtschaftlichen Betrieb.
 
 
Die Fratze (tier-mensch-ähnliches Wesen) als Schlussstein im Torbogen zum Hof der Klosterhofmeisterei. Die Fratzen in den Torbögen werden auch als "Könige" bezeichnet.
 
 
Durch dieses Tor blickt man in den ...

 
... idyllischen Hof der Klostermeierei.
 
Georg Friedrich Albrecht (1717 Marbach - 1784 Steinheim), mein 5-facher Urgroßvater, Bürger und Metzger, war laut Kirchenbuch einer der Klosterhofmeister oder "Clostermayer".
 
 
 


Donnerstag, 1. Oktober 2015

Hans Schweikert - "Teutscher Poet und Reimemacher"

Die Infotafel 22 beim Schaftor über den 1694 verstorbenen Steinheimer Minnesänger Johannes Schweikart habe ich bisher nicht besonders beachtet. Nach der Fototour durch Steinheim suchte ich in meinem Stammbaum nach Johannes Schweikart, doch leider ohne Erfolg.
Im Kirchenbuch fand ich den Eintrag über seinen Tod am 5. Februar 1694 samt dem Vermerk "Teutscher Poet und Reimemacher", dort wurde er mit dem Vornamen Hans eingetragen. Auch die Nachnamen wurden nicht übereinstimmend geschrieben. Bei der erneuten Suche im Stammbaum fand ich tatsächlich einen Hans Schweikert, geboren anno 1627 (vermutlich in Unterheinriet) und mit dem genannten Todestag.


Minnesänger mit Fiedel

Der Minnesänger, Poet und Reimemacher ist mein 8-facher Urgroßvater. Welche Steinheimer Schönheiten er wohl mit seinem Minnesang betörte?  Bisher wusste ich nur, dass er Weingärtner von Beruf war.
Dazu fällt mir Martin Luther ein, er soll gesagt haben: "Wer nicht liebt Wein, Weib, Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang.“

In einem Online-Stammbaum ist vermerkt: Er war Heiligenpfleger, Gerichtsverwandter und Reimemacher, "teutscherPoet". Seine Behausung war beim Schaftor hinten an der Ringmauer und er hatte 1694 ein Vermögen von 988 fl. (Gulden), außerdem "war ein redlicher aufrichtiger, ........Mann, guter Haushalter, getreu im Amt, Liebhaber Gottes Wort. Er wurde 67 Jahre alt.


Steinheim - Schaftor & Minnesänger

Kommt man aus östlicher Richtung in die Stadt Steinheim passiert man das Schaftor, das einst an der wichtigen Handelsstraße, der Salzstraße, nach Schwäbisch Hall lag. Errichtet wurde das Schaftor um 1300 unter König Adolf von Nassau und Kaiser Albrecht I. - Das Schaftor ist das einzige von einst vier Stadttoren, das heute noch erhalten ist.
 
  
linker Teil des Schaftors mit dem württembergischen Wappen und dem Wappen der Stadt Steinheim

 
rechter Teil des Stadttors, in Verlängerung ist noch ein Teil der Stadtmauer erhalten
 
 
drei übereinander liegende schwarze Hirschstangen, das Hauswappen Württembergs
 
Seit Ende des 12. Jahrhunderts führt das Hause Württemberg dieses Wappen. Als sich das Herrschaftsgebiet Württembergs nach und nach erweiterte und die Grafen zu Herzögen bzw. später zu Königen aufstiegen, wurde das württembergische Wappen um zusätzliche Felder erweitert, erstmals 1447 um die Barben (Fische) von Mömpelgard. Die als Stammwappen angesehenen Hirschstangen behielten jedoch bei allen Änderungen einen herausragenden Platz, selbst nach dem Ende der Monarchie. Im heutigen Wappen von Baden-Württemberg treten die Hirschstangen nur noch in der Schildkrone des großen Landeswappens auf, außerdem dient ein Hirsch als Schildhalter.
 

 
 
Im Haus beim Schaftor lebte einst der Minnesänger Johannes Schweikart. Er verstarb 1694, im Totenbuch wird er "Teutscher Poet und Reimemacher" genannt.
 



Dienstag, 29. September 2015

Azzemanaswyler - Heidenhof

Der Heidenhof war im Besitz des Stifts Backnang. Er wird erstmals 1245 als "Azzemanaswyler" erwähnt. Im Lagerbuch erscheint der Ort 1393 als "Atzmannshofen".
Im Jahr 1453 erwirbt Württemberg die Güter des Stifts. Der Name "Atzmannshofen" wird 1462 letztmalig erwähnt. Im württembergischen Lagerbuch aus dem Jahr 1473 wird der Hof unter der Bezeichnung "Haydenhof" mit dem Inhaber Hans Kaiser aufgeführt.
Der Familienname Häussermann taucht erstmals am 27. November 1694 in Verbindung mit dem Heidenhof auf.
Johannes Häussermann (1670 Aldingen - 1738 Heidenhof) kam 1694 als Bauer auf den Heidenhof. Sein Vater Johannes (1647 Seengen, Schweiz - 1721 Wolfsölden) war seit 1693 Meier auf dem Steinächlehof, er kam als Einwanderer 1653/54 mit seinen Eltern und Geschwistern aus Egliswil (Schweiz) nach Aldingen. 
 

  
Heute leben noch immer Häussermann-Familien auf dem Heidenhof. Sie bewirtschaften die großen Bauernhöfe und verkaufen einen Teil ihrer Produkte (Gemüse, Salat, Obst) in ihren Hofläden. Einer der Hofläden ist auf dem 1856 von Michael Häussermann und seiner Ehefrau Christina erbauten Bauernhof.
Ich kam heute nicht nur mit Fotos nach Hause, der Einkaufskorb enthielt Äpfel, Birnen, Kartoffeln, Gurken, Tomaten und Nudeln.
 
 
Das Kopfstein des alten Wirtschaftsgebäudes auf dem Heidenhof trägt die Inschrift:
 
HGHM
CHM
1834
  
 

Donnerstag, 24. September 2015

Auswandererschiff Bark "Bohl Bohlen"

Das hölzerne Segelschiff  "Bohl Bohlen" wurde 1840 bei Hermann Heineken in Bremen gebaut. Es hatte eine Tragfähigkeit von ca. 300 BRT und stand unter dem Kommando von Kapitän Johann Mencke aus Vegesack, der bis 1852 Kapitän auf diesem Schiff blieb. Die "Bohl Bohlen" war ca. 29 Meter lang, 8 Meter breit und 4,6 Meter tief und versah den Atlantikdienst nach Nord- und Südamerika. 1851 wurde die "Bohl Bohlen" an eine andere Bremer Reederei verkauft und in "Metta" umbenannt. Seit 1853 segelte das Schiff unter Hamburger Flagge mit dem neuen Namen "Ludomille"; es wurde 1862 nach Schweden verkauft und in "Skane" umbenannt. Das Schicksal des Schiffes ist unbekannt.
Eine Bark (oder Barque) ist ein Segelschiffstyp mit mindestens drei Masten. Die Bark war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Hochseefrachtschiff weit verbreitet.
Am 11. Juni 1842 segelte die Bark Bohl Bohlen von Bremen nach Philadelphia, Pennsylvania. Die Fahrt über den Atlantik dauerte etwa 50 Tage.

 
An Bord der Bohl Bohlen war der Metzger Gottfried Albrecht (*1815) aus Steinheim. Gottfried ist der Bruder meines Ur-Ur-Urgroßvaters Ludwig Friedrich Albrecht (*1806).
Ob Gottfried in Amerika verheiratet war und Kinder hatte ist nicht bekannt. Ich fand jedoch in einem Stammbaum diese Notiz: "Gottfried zog nach New Jersey, Vereinigte Staaten von Amerika, und verwendete den Namen Frederick Albright. Er hatte den Spitznamen Fritz. Er war Metzger in der Stadt Bridgeton. Er starb am 21. Juli 1860 und ist dort begraben."
Laut "Find a Grave" wurde er auf dem "Old Broad Street Presbyterian Church Cemetery" in Bridgeton, Cumberland County, New Jersey begraben. Der Todestag von Frederick Albright ist dort der 22. Juni 1860. 
  


Sonntag, 20. September 2015

Ofenstein der Familie Sprecher - Lehrhof Steinheim

Die Familie Sprecher, die zu meinen Vorfahren gehört, kam 1658 aus der Schweiz auf den Lehrhof bei Steinheim. Die Nachfahren der Einwandererfamilie haben den Lehrhof längst wieder verlassen, ohne Spuren zu hinterlassen ging das jedoch nicht.

Im Museum für Kloster- und Stadtgeschichte steht dieser Ofenstein aus dem Wohnzimmer der Sprechers auf dem Lehrhof. Das Bauernhaus wurde wohl abgerissen und die brauchbaren Teile anderweitig verwendet. Denn dieser Stein befand sich völlig unscheinbar in der Mauer eines großen Backhauses auf dem Lehrhof. Der Heimatpfleger hat den Ofenstein dort entdeckt, ausgebaut und für das Museum restauriert.


17  C SP  43
die Pflugschar ist das Symbol für Rodung
 
Ein Ofenstein ist der Untersatz eines gusseisernen Kastenofens. Ofensteine waren vor allem im 18. Jahrhundert weit verbreitet und sind häufig mit Verzierungen geschmückt.
Die Ofensteine wurden häufig handwerklich verziert und oftmals auch bemalt. Die Verzierungen reichen von einfachen Datierungen und Handwerkerzeichen über allegorische Motive, Blumen- und Laubornamente, Zeichen von Berufsständen bis hin zu obrigkeitlichen Wappen für Öfen in Amtsstuben oder Adels- bzw. Allianzwappen für Öfen in Adelssitzen.