"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." - Wilhelm von Humboldt

Montag, 12. September 2016

LAITENBERGER - ein familiengeschichtliche Erzählung

Haben Sie die Namen Laiterberg, Leitersperger, Laitterberger und Laitenberger in Ihrem Stammbaum? Dann finden Sie in dieser umfangreichen familiengeschichtlichen Erzählung, einschließich Familienwappen, Informationen über Ihre Vorfahren: www.fa-am.de
Es geht in dieser Erzählung um die Herren von Laiterberg in Oberschwaben (13. Jahrhundert), das Patriziergeschlecht der Leitersperger in Straßburg (14. bis 16. Jahrhundert), die Laitterberger auf der Schwäbischen Alb (16. Jahrhundert), die Laitenberger in Kirchheim/Teck (16. bis 18. Jahrhundert), in Laichingen (17. Jahrhundert) und auf dem Schlossgut Liebenstein im Württembergischen Unterland (17. und 18. Jahrhundert).

Meine Vorfahren gehören zu den Laitterberger auf der Schwäbischen Alb, deren Namen bei der Musterung 1607 in Laichingen auf Laittenberger und später auf Laitenberger geändert wurde. Ende des 17. Jahrhunderts kamen die Laitenberger nach Großbottwar und Schloss Liebenstein (Neckarwestheim). Dieser Familienname hat sich in unserer Region bis heute gehalten.

Die Geschichte meiner Vorfahren beginnt mit Jerg Laitterberger, Bauer in Ennahofen auf der Schwäbischen Alb. 1582 wird er als "Inhaber" eines der Herrschaft gehörenden Gnaden- oder Fallguts genannt. Ennahofen gehörte zuvor zu einem Lehen der Herren von Freyberg. Als der letzte Freyberg starb fiel das Lehen 1581 an den Lehensherrn, den Herzog von Württemberg, zurück, der das Dorf Ennahofen sofort in lutherisch-evangelischem Sinne reformierte. Das Gut gehörte zu den größeren der 24 Anwesen des Dorfes. Das Wohnhaus mit Scheune, Hofraite (Hofraum) und Baumgarten stand direkt an der Dorfstraße, die Äcker und Wiesen lagen weit über die Markung verstreut.


Grenzsteinzeuge Ennahofen

Johann Georg (*1647 Laichingen), der Ur-Urenkel des Ennahofener Laitterberger verheiratete sich nach Suppingen, um 1683 siedelte die Familie auf die Domäne Krebsstein oberhalb von Gutenberg im Lenninger Tal, über.

 
Blick von Krebsstein nach Gutenberg im Lenninger Tal

 
Blick von Krebsstein zur Gutenberger Höhle
 
 
 

Montag, 5. September 2016

Prozess wegen "Fensterlns" - Dorfgericht Laichingen

Vor dem Laichinger Dorfgericht fand 1670 ein Prozess gegen meinen 9-fachen Urgroßvater Johann Georg Laitenberger (1647 Laichingen - 1705 Metterzimmern), den späteren Herrschaftlichen Schlossguts-Bestandsmeier auf Schloss Liebenstein, wegen "Fensterlns" statt.


Die Gegenpartei forderte eine saftige finanzielle Wiedergutmachung. Man vermutete trotz der üblichen schwäbischen Geheimhaltung bei der Familie Geld. Johann Georg, der vor dem Gericht in Begleitung seines allseits geschätzten Vaters erschien, gab die ihm vorgeworfene Tat zu, zeigte die erwartete Reue und konnte durch sein bescheidenes Auftreten in der Verhandlung und die diskret bleibende Andeutung, dass das "leichtfertige Zusammenschlupfen" nicht ganz gegen den Willen der "Betroffenen" erfolgte, das Gericht milde stimmen.
Die Gegenpartei musste sich schließlich statt der geforderten 50 mit 6 Talern Wiedergutmachung begnügen.

Nach dem Protokoll der Verhandlung war Johann Georg am 7. Oktober 1670 in Laichingen nachts zwischen zwei und drei Uhr in das Schlafzimmer einer gewissen Anna eingestiegen. Die Verhandlung nimmt zum Teil kömödienhafte Züge an. Ein halbes Jahr später heiratet Johann Georg in Suppingen eine andere Anna.

Donnerstag, 1. September 2016

Der Schneider von Ulm

Zu meinen Vorfahren gehören zwei Schneider von Ulm: Jacob Hubele (*Harburg, Landkreis Donau-Ries +1653 Ulm) und Jacob Müller (*Pfreimd, Bayern +1618 Ulm).
'Der Schneider von Ulm' ist bei uns in Württemberg ein bekannter Begriff, zumindest hörte man früher immer wieder den Spottvers: "Dr Schneider von Ulm hots fliega probiert, do hot en dr Deifl en'd Donau neigführt."

Baden-Württemberg ist das Land der Tüftler und Erfinder. Unter ihnen ist Albrecht Ludwig Berblinger (1770 - 1829) die tragische Figur. Der Schneider aus Ulm baute einen Hängegleiter, der tatsächlich fliegen konnte. Doch als er ihn dem König vorführen wollte, stürzte Berblinger ab und wurde zum Gespött.

 
1811 - der Kupferstich von Johannes Hans ist eine der wenigen
historischen Darstellungen von Berblingers Fluggerät 
  
Niemand weiß wie der Schneider Berblinger auf die Idee kam, das Fliegen zu probieren. Man kennt nur mögliche Vorbilder: die Brüder Montgolfier, deren Heißluftballon 1783 zur ersten bemannten Fahrt aufgestiegen ist. - Ein Jahr später baute Carl Friedrich Meerwein einen beweglichen Flugapparat mit beweglichen Schwingen, aber es gelang ihm nicht zu fliegen. - Jakob Degen kombinierte einen Schlagflügler mit einem Wasserstoffballon und stieg 1808 über dem Wiener Prater auf.
Berblinger wollte nicht fliegen wie ein Spatz, er baute einen halbstarren Hängegleiter, mit dem er den Gleitflug schaffen wollte. Augenzeugen berichteten von erfolgreichen Flügen am Michaelsberg hinter der Stadt.
In den Wirren des Napoleonischen Krieges wurde die einstige Reichsstadt Ulm dem König von Württemberg als Beute zugeteilt. Im Mai 1811 kam König Friedrich I. zum ersten Staatsbesuch nach Ulm, er war nicht sonderlich beliebt, sein Jähzorn war gefürchtet. Er wollte sein rückständiges Land mit aller Macht in den Fortschritt der neuen Zeit treiben. So fiel dem Schneider Berblinger die Heldenrolle zu: Er sollte seine Majestät mit einem Flug über die Donau beeindrucken.
Als Berblinger auf das Gerüst über der Adlerbastei stieg, war noch nicht einmal das Fahrrad erfunden. Die atemberaubenden Veränderungen des Lebens sollten erst in der Zukunft einsetzen: die zweirädrige Laufmaschine von Karl Drais (1825), in England dampfte die erste öffentliche Eisenbahn für Personen über die Schienen (1825) und 1891 flog Otto Lilienthal mit seinem Hängegleiter im Havelland.
Am 31. Mai des Jahres 1811 leistete sich Albrecht Ludwig Berblinger die größte Blamage. Vor aller Augen stürzte er ab. Die Sensation blieb aus, der Utopist lag in der Donau. Die württembergische Zensur kontrollierte die Berichterstattung, kaum eine historisch ernst zu nehmende Notiz kam in den Zeitungen. Die Kunde des Scheiterns verbreitete sich auf anderen Wegen, Karikaturen und Spottverse machten die Runde.
Der Flugpionier überlebte den Absturz, aber seine bürgerliche Existenz war ruiniert. In seinem Handwerk kam er nicht mehr auf die Füße. Seine Neigung zu Alkohol und Kartenspiel wurde aktenkundig. Am 28. Januar 1829 starb Albrecht Ludwig Berblinger an Abzehrung und wurde in einem Armengrab beerdigt.
1906 erschien der historische Roman "Der Schneider von Ulm" des Ingenieurs und Schriftstellers Max Eyth. Er entwirft ein neues Bild Berblingers. Aus dem Spinner und Fantasten macht er einen mutigen Pionier. 1952 erschien in einer Schweizer Zeitschrift für Luftfahrttechnik ein Aufsatz von Otto Schwarz. Er beschäftigte sich mit den thermischen Verhältnissen an der Adlerbastei. Er zeigte, dass der Zusammenfluss von Donau und Iller auch bei wärmstem Wetter stetigen Abwind zur Folge hat. Wegen der senkrechten Befestigungsmauer entwickelt sich Gegenwind nicht zum Aufwind, sondern zum Wirbelwind. Kurz gesagt: Berblinger war an einem denkbar schlechten Ort gestartet.
175 Jahre nach Berblingers Absturz gab es einen Flugwettbewerb zu Ehren des Pioniers am historischen Ort. Trotz Verwendung moderner Materialien für die möglichst originalgetreu gebauten Fluggeräte fielen 29 der 30 Starter in die Donau. Nur Holger Rochelt schaffte es über die Donau, bei der Landung kugelte er sich den Arm aus ....
 
 
 Denkmal für Albrecht Ludwig Berblinger - Adlerbastei in Ulm  

Donnerstag, 18. August 2016

Heimat - Etzlenswenden

Etzlenswenden - der Weiler am Anstieg zu den Löwensteiner Bergen ist nicht nur für Nichschwaben ein Zungenbrecher, auch mancher Schwabe hat Schwierigkeiten das Wort auf Anhieb richtig auszusprechen.
Ich kutschierte bisher ohne STOP durch den Weiler, aber das "Kelterle" wollte ich heute mal nicht links liegen lassen.


Der Fachwerkbau mit Glockenturm, Versammlungsraum und Bushaltestelle wurde 1981 anstelle der alten Kelter errichtet, die dem Straßenbau zum Opfer fiel. Woher der Ortsname Etzlenswenden stammt wird den Besuchern des 1235 gegründeten Weilers auf einer der drei Tafeln erklärt.


'Esel wende dich' - es gab vermutlich vor lauter Berge und
dichtem Wald kein Durchkommen für Esel und Reiter
 
 

Drum seid dankbar
Weib un Männdle -
glücklich in deim Herzle drenn,
daß mir hier in unserm Ländle -
so a schöne Heimat henn!
 
Diesem Reim am Etzlenswender Kelterle kann man nur zustimmen. Das Naherholungsgebiet zwischen Wald, Wiesen, Feldern, Weinbergen, Obstbäumen, Fischteichen und Schafweiden abseits der hektischen Ballungsräume Stuttgart, Ludwigsburg und Heilbronn ist wirklich ein schönes Stück Heimat.



Samstag, 13. August 2016

Familie Hoffmann aus "Annaberg in Saxen"

"... ei verbibbsch..." meine Vorfahren Hoffmann kommen aus Annaberg in Sachsen. Hanss Jacob Hoffmann, mein 8-facher Urgroßvater hat am 17. Februar 1663 in Pleidelsheim Anna Barbara, Witwe des Alexander Franz geheiratet. Anna Barbara lebte zuvor in Pleidelsheim, denn dort wurden ihre Kinder aus erster Ehe geboren.
"Hanß Jacob Hofmann, Georg Hofmanns aus Annaberg in Saxen ehelicher Sohn und Barbara, Alexander Frantzens gewesenen Bürgers allhier nachgelassener Wittib - den 17. Februar 1663" so lautet der Eintrag im Pleidelsheimer Kirchenbuch "Mischbuch 1581 - 1723 Band 1".
Barbara hat 1653 in Murr Alexander Frantz, den Sohn des Erligheimer Schultheißen Jacob Frantz geheiratet. Ihr Vater ist Michel Schäfer von "Marppach" (Marbach).

In den umliegenden Gemeinden wurden im Jahr 1693 von den Franzosen Kirchenbücher vernichtet oder stark beschädigt (Steinheim). Es grenzt fast an ein Wunder, dass die Pleidelsheimer Kirchenbücher noch vorhanden sind, obwohl die feindlichen Truppen auch in Pleidelsheim ihr Lager aufgeschlagen hatten.

Ob Hanss Jacob in Pleidelshein geboren ist, ob er mit oder ohne Eltern hierher kam und welche Berufe die Hoffmanns ausübten ist nicht bekannt. Über den Grund für die "Auswanderung" in das 420 km südwestlich gelegene Pleidelsheim kann nur spekuliert werden. Anlass war wie bei vielen Zuwanderern in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts vermutlich der Dreißigjährige Krieg (1618 - 1648). Denn Annaberg, einst durch den Abbau von Silber reich geworden, wurde von diesem verheerenden Krieg mehrfach betroffen.

350 Jahre nach der Heirat von Hanss Jacob leben wir noch immer in der Region, in der er damals eine neue Heimat fand. Sein Sohn Hanß Melchior (*1664 Pleidelsheim) verheiratete sich in das Nachbardorf Murr, die Nachfahren heirateten nach Rielingshausen, Steinheim und wieder zurück nach Murr.
"Ei verbibbsch", die Wurzeln breiten sich immer weiter aus, gestartet bin ich mit der Ahnenforschung als Schwobamädle, als echte Württembergerin. Getreu unserem Motto "furchtlos & treu" wage ich mich aber  auch nach "Annaberg in Saxen" :-)

Annaberg (heute Annaberg-Buchholz) im Erzgebirge scheint eine interessante Kleinstadt zu sein. Der berühmte Weihnachtsmarkt mit der weltberühmten Erzgebirgskunst, das Adam-Ries-Museum, das älteste Schmiedemuseum, die weltgrößte Privatsammlung erzgebirgischer Volkskunst und die St. Annenkirche, die größte spätgotische Hallenkirche in Sachsen, sind eine Reise in die Heimat meiner Vorfahren wert.... und "ei verbibbsch", ich übe schon sächsisch!


Annaberg-Buchholz mit der St. Annenkirche



Schwibbogen aus Annaberg


Mittwoch, 27. Juli 2016

Familie Stadelmann aus Rügland in Mittelfranken

Catharina Stadelmann, meine 6-fache Urgroßmutter ist 1681 in der mittelfränkischen Ortschaft Rügland geboren. Das Städtchen mit dem 1611 und 1714 erbauten Schloss liegt 15 Kilometer nördlich von Ansbach. Vor 1696 kam Catharina mit ihren Eltern Johannes und Barbara nach Murr. Johannes Stadelmann war von Beruf Hafner (Töpfer oder/und Ofenbauer), in seinem neuen Wohnort Murr war er als Gerichtsverwandter aktiv.
Catharina war in 1. Ehe mit Hans Caspar Rapp aus Murr verheiratet. Nach dessen Tod heiratete die 39-jährige Witwe Matthäus Hoffmann aus Murr, meinen 6-fachen Urgroßvater.



1611 - Schloss Rügland - 1714

Durchzüge, Einquartierungen, Abgaben und Plünderungen, sowie Hungersnöte und die Pest führen nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges zu einer Verödung von Rügland – nur ein Fünftel der Anwesen ist noch bewohnt. Ab 1650 lassen sich österreichische Exulanten (meist protestantische Glaubensflüchtlinge) in Rügland nieder, um 1664 machten sie mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus. 1680 erreicht Rügland in etwa wieder den Güterstand der Vorkriegszeit mit ca. 30 Anwesen.
Der Name Stadelmann ist in Österreich weit verbreitet, möglicherweise gehörten meine Stadelmann-Vorfahren zu den zugezogenen Exulanten aus Österreich. 



Samstag, 23. Juli 2016

Familie Trefz vom Fürstenhof

Mein Vorfahre Daniel Trefz ist 1678 auf dem 1456 erstmals erwähnten Fürstenhof geboren. Der Weiler Fürstenhof gehört zur Gemeinde Großaspach im Landkreis Backnang. Ursprünglich nannte sich der Weiler Fürstenberg und im Jahre 1528 wird er Fürstenberg der Schaff Hoff genannt.

Wie aus der  Beschreibung des Oberamts Backnang/Kapitel B 9 hervorgeht, hat Daniels Vater 1675 den Fürstenhof zusammen mit zwei weiteren Bauern für 2.000 Gulden erworben:
'Fürstenhof, ein ansehnlicher Weiler, der 1/4 Stunde westlich von Groß-Aspach eine schöne freie Lage auf der Hochfläche zwischen dem Wüstenbach und dem Klöpferbachthal hat.
Der jetzige Weiler war ursprünglich nur ein Hof, welcher den Namen Fürstenberg führte. Derselbe war nach dem Lagerbuch von 1528 Württemberg mit aller Ober- und Herrlichkeit zugethan und gehörte in das Gericht zu Groß-Aspach, so daß der dortige württembergische Schultheiß allhier Gebot und Verbot hatte. Er wurde den 8. Mai 1508 von Herzog Ulrich dem Kanzleischreiber Trautwein Vaihinger zu Lehen gegeben, und kam den 18. Juli 1666 durch Kauf von des Syndikus Klöpfers zu Hall Erben für 1800 fl. an Herzog Eberhard III. von Württemberg, welcher ihn jedoch der Landschaft nicht inkorporirte, sondern zur fürstlichen Rentkammer schlug. Im Jahr 1675 wurde er wieder an Michael Läpple, Albrecht Traub und Jakob Trefz für 2000 fl. verkauft. Das Stift Backnang bezog 2/3, das Stift Oberstenfeld 1/3 des großen Frucht- und Weinzehentens'. - In  dieser Zeit ist die Kiesersche Forstkarte vom Fürstenhof entstanden. 

 
Fürstenhof anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser

Die Trefz haben heute nicht nur Nachfahren in unserer Region, sie sind auch nach Australien und Nordamerika ausgewandert. Sie haben Stammbäume bei ancestry mit diesem Wappen der Familie Trefz.