"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." - Wilhelm von Humboldt

Mittwoch, 13. September 2017

Verwandt & Verheiratet

Stellen Sie sich vor: Sie heiraten, fangen irgendwann an Ahnenforschung zu betreiben, Sie sind inzwischen 27 Jahre verheiratet und beginnen mit der Suche nach den Ahnen Ihres Mannes, dann finden Sie bei seinen Ahnen einige Namen die Sie bereits in Ihrem eigenen Stammbaum haben ...
Unsere Ahnenlinien treffen sich bei Bartholomäus Daubenthaler, geboren 1624 in Böhmen und Magdalena Keller, geboren 1618 in Eutendorf, Landkreis Schwäbisch Hall. Bartholomäus und Magdalena sind unsere 8- bzw. 10-fachen Urgroßeltern.
In seinem Stammbaum gibt's auch Banzhaf und Pfleiderer. Da ja alle Pfleiderer in Württemberg vom Degenhof abstammen, sind wir gleich nochmals verwandt und haben damit gemeinsame Vorfahren mit berühmten Württemberger Dichtern, Denkern und Tüftlern: Friedrich Schiller, Hermann Hesse, Robert Bosch, Artur Fischer und Paul Pfleiderer von Werner & Pfleiderer Baker Technologies.
Geboren sind wir, wie auch der Dichter Friedrich Schiller, in Marbach am Neckar. - Na wenn das keine guten Voraussetzungen für eine lange und gute Ehe sind ...

Die Stadt Marbach mit Schillers Geburtshaus, dem Goldenen Löwen, dem Schiller-Nationalmuseum und dem Literaturmuseum der Moderne ist allemal einen Besuch wert.
Selbst Königin Elisabeth II. war anläßlich ihres Staatsbesuches 1965 in der Schillerstadt Marbach.



Schillerdenkmal und Schiller-Nationalmuseum







Samstag, 9. September 2017

Kommen-Gehen-Bleiben – 200 Jahre Migration in Württemberg

Die Ausstellung „Kommen-Gehen-Bleiben – 200 Jahre Migration in Württemberg“ ist vom 15. bis 24. September 2017 im Museum für Kloster- und Stadtgeschichte in Steinheim zu sehen.

Vor 200 Jahren begann die große Auswanderungswelle aus Württemberg. 
Der württembergische König Wilhelm I. ist im höchsten Maße beunruhigt. Immer mehr Menschen wollen sein Land verlassen und sich jenseits des Atlantiks in Amerika ansiedeln. Der Grund war der Ausbruch des Vulkans Tambora in Indonesien im Jahr 1815. Ungeheure Mengen an Asche und Gestein wurden in die Stratosphäre geschleudert. Eine dunkle Wolke hat sich um Teile der Erde gelegt. Süddeutschland und die Schweiz waren betroffen. Jahre ohne Sommer folgten, es war dunkel, nass und kalt. Ernteausfälle und große Hungersnot waren die Folge. 
Die ersten großen Migrationsbewegungen begannen 1817. Auch Steinheimer Bürger sind damals nach Amerika ausgewandert. Und Zar Alexander lockte die Leute mit Land und Steuervergünstigungen nach Russland.
Die Bücher "Just a Country Boy from Kansas" und "Time's Shadow", geschrieben von Nachfahren der Steinheimer Auswandererfamilie Johann Jacob Bauer, dienten der Vorbereitung für die Ausstellung und werden in der Ausstellung zu sehen sein. Im neuesten  Wochenblatt "Steinheimer Nachrichten" wird über die Familie Bauer berichtet. Sie machten sich 1883 mit vier Kindern auf die Reise in die Neue Welt.

Diese Ausstellung ist ein "Muss" und ich freue mich auch auf den Besuch eines Ur-Ur-Enkels der Bauers. Auf ihn wartet eine "Überraschung"  wenn er sich auf die Spuren seiner Steinheimer Vorfahren begibt.



1910 - Katharina und  Johann Jacob Bauer auf ihrer Farm in Kansas 





Samstag, 15. Juli 2017

1940 - Grafeneck - 2017

Morgen ist der 77. Todestag vom Uropa meiner Tochter. Wir wissen erst seit vier Jahren, dass er am 16.Juli 1940 von den Nationalsozialisten in Grafeneck ermordet wurde. 


Gedenktafel 
Haus der Stadtgeschichte in Heilbronn


"Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst".


Deshalb wurden die Sterbeurkunden in den Standesämtern der Tötungsanstalten gefälscht. Der Todestag, der Todesort und die Todesursache stimmen nicht mit der Wirklichkeit überein. Jahrzehntelang wurde innerhalb der Familie geschwiegen. Völlig unerwartet bekam ich die Sterbeurkunde in die Hand. Innerhalb weniger Stunden wurde mir von der Gedenkstätte Hartheim in Österreich mitgeteilt, dass der Uropa laut Sterbeurkunde nicht in Hartheim verstorben ist, die Sterbeurkunde wurde gefälscht, er wurde in Grafeneck ermordet. Einen Tag später teilte mir die Gedenkstätte Grafeneck mit, dass der Uropa zu den 10.654 Menschen gehört, die im Jahr 1940 in Grafeneck ermordet wurden.

Wie geht man damit um? Weiterhin schweigen und untätig sein? Die Gedenkstätte Grafeneck besuchen oder alles auf sich beruhen lassen? Nach weiteren Spuren suchen? - Wir schweigen nicht. Wir haben erfolgreich nach Spuren gesucht. Wir besuchen mindestens einmal im Jahr die Gedenkstätte Grafeneck, legen Rosen auf dem Altar nieder, blättern im Namensbuch der Opfer, schreiben ins Gästebuch und gehen in das Haus der Stadtgeschichte wenn wir in seiner Geburtsstadt Heilbronn sind.
Wir schweigen nicht, denn damit hätten seine Mörder ihr Ziel "das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung selbst", erreicht.





Dienstag, 11. Juli 2017

Pfleiderer vom Degenhof

Pfleiderer, ein uralter schwäbischer Familienname. Hat man im Schwabenland keinen Pfleiderer in der Familie und auch keinen Nachbarn der Pfleiderer heißt, so kennt man wenigstens das Komiker-Duo Häberle & Pfleiderer alias Willy Reichert und Oscar Heiler.
Willy Reichert war der Pfleiderer, ein knitzer (schlauer) Schwabe, der oft das letzte Wort hatte. Häberle wurde von Oscar Heiler gespielt, eine Figur, die sich vornehmer gibt und meist versucht, Pfleiderer zu belehren. Themen waren schwäbische Charaktere, Philosophie im Allgemeinen, menschliche Schwächen, Schicksale und Landestypisches. Schwaben der älteren Generation haben noch das "jaa jaa - soo soo - jaa jaa ..." der beiden Komiker in den Ohren.
Die Häuser der Schwaben sind mit Pfleiderer-Ziegel aus Winnenden gedeckt und in jedem Häusle wird mit Fischer-Dübeln gschafft, denn Firmengründer Artur Fischer ist ebenfalls einer der vielen Tausend Pfleiderer-Nachfahren.
Der Schriftsteller, Dichter, Maler und Nobelpreisträger Hermann Hesse ist, wie auch der Dichter Friedrich Schiller, ein Nachfahre der Pfleiderers von der Ostalb. - Der älteste namentlich bekannte Pfleiderer (Pfleuderer) ist mein 12-facher Urgroßvater Sixt, geboren 1519 in Rauental ("in der Reute") bei Aalen, 1561 wurde er "entleibt".

Um 1575 kam sein Sohn Georg als Schäfer und Meier auf den Hof "zum Tegen" bei Hertmannsweiler (Winnenden). Der Schafhof, heute Scheurenrain 3, war seit dem Mittelalter in württembergischem Besitz und ist vermutlich das erste Wohngebäude des Ortes. Das historische Stammhaus der Pfleiderer steht unter Denkmalschutz, der Bauzustand lässt leider zu wünschen übrig.


Degenhof anno 1686
Forstlagerbuch Andreas Kieser

Ein Schäfer mit 11.000 Nachkommen schrieb der Reutlinger Generalanzeiger zum Familientreffen des Pfleidererverbandes im vergangenen Jahr.
Am Sonntag, 1. Oktober 2017, findet das nächste Familientreffen in Münsingen statt. "Wir freuen uns auf ein Wiedersehen" und auch bisher noch unbekannte Verwandte sind eingeladen.




Mittwoch, 28. Juni 2017

"Zum roten Ochsen" in Bad Herrenalb

Das Posthotel ist die älteste Beherbungsstätte in Bad Herrenalb außerhalb der Klostermauern und hieß einmal "Herberge vor dem Tor". Später nannte man die Herberge "Gasthaus zum roten Ochsen", später dann "Klosterschänke". Das Gebäude wurde 1898 um einen Hotelbau erweitert und "Mönch's Posthotel" genannt. Das imposante Wirtshausschild aus dem Jahr 1780 ist heute noch erhalten.

Johann Jacob Benckiser, geboren um 1640, war einst Gastgeber (Wirt) "Zum roten Ochsen" in Herrenalb. Johann Jacob ist mein 8-facher Urgroßvater. Seine Tochter Anna Rosina heiratete 1698 Johann Georg Hartmann (* um 1670), den Marbacher Metzgerzunftmeister, Hardtrichter und Gerichtsverwandten. Die gemeinsame Tochter Christina Catharina (1701 - 1754) heiratete im Alter von 18 Jahren den verwitweten und 14 Jahre älteren Ochsenwirt Hans Leonhard Pfuderer aus Murr.
Auch über größere Entfernungen hinweg funktionierte damals die Heiratspolitik der wohlhabenden Metzger und Gastwirte.


Posthotel vor etwa 100 Jahren

Das Hotel wurde 1939 beschlagnahmt, diente als Lazarett für deutsche Soldaten und später als Kaserne französischer Besatzungstruppen, zuletzt als Unterkunft für Verschleppte. Erst 1952 wurde das völlig heruntergekommene Haus freigegeben.
Werner Mönch wagte den Neuanfang und führte das Hotel samt Gasthaus zu ungeahnter Blüte. Von 1965 bis 1993 war die "Klosterschänke" mit einem Michelin-Stern dekoriert. 
Vor einigen Jahren erwarb eine sibirische Investorengruppe das Traditionshaus in Bad Herrenalb. Die Wiedereröffnung konnte bisher noch nicht erfolgen, es gibt wohl aufgrund der Sanktionen Schwierigkeiten mit dem Geldtransfer von Russland nach Deutschland. 



anno 1663 - Facebook 2017

Vor einigen Tagen wurde dieses alte Gedicht von Mönchs Posthotel auf Facebook gepostet. Ein Schild mit diesem Gedicht hing 1663 in der Gaststätte, also ungefähr zu der Zeit als mein Vorfahre Gastgeber im "Roten Ochsen" gewesen ist.

Zum schwarzen Walde vorzeiten
Da zogen der Mönche zwei
Gar müde des vielen Psalmierens
Und der ewigen "Ochserei".

Und mit den beiden Mönchen
Da zog die Freude ins Land,
Sie gründeten Kloster und Schänke,
Zum "Ochsen" ward sie genannt.

Und wo die frommen Seelen
Gar fröhlich einst gehaust
Da wird auch jetzt noch fröhlich
Gezechet und geschmaust.





Friedrich Schiller - unsere Vorfahren vom Röhrachhof

E oder O oder U ? An einem einzigen Buchstabe kann es scheitern, dass man seine Ahnenliste nicht vergrößern kann. - Anna Magdalena MENZ, eine meiner 5-fachen Urgroßmütter ist um 1734 auf dem Röhrachhof bei Kleinaspach geboren. Egal wo ich suchte, ihren Vater konnte ich nicht finden. Sie hieß auch einmal MONZ(in) und wiederum fand ich keinen Vater. Im Totenregister von Murr steht, dass sie im Alter von 67 Jahren 2 Monaten und 26 Tagen verstorben ist. Im Kirchenbuch der zuständigen Pfarrei Rietenau fand ich daraufhin ihren Geburtstag am 11. November 1734, ihre Eltern sind Johannes MUNZ und Ehefrau Agnes Traub. Mit viel Ausdauer führt die Puzzelei doch zum Erfolg. Bei Sixt Pfleiderer - geboren um 1519 in Rauental bei Aalen und 1561 "entleibt" - endete die Suche.

Zunächst fand ich heraus, dass Friedrich Schillers Großmutter mütterlicherseits auch Munz heißt und vom Röhrachhof stammt. Wie man auf der Zeichnung von Andreas Kieser sieht, bestand der Hof damals nur aus wenigen Häusern, also ist es naheliegend, dass wir irgendwie zusammengehören. Der berühmte Friedrich Schiller, mit dem ich bisher nur den Geburtsort Marbach gemeinsam hatte, samt seinen Vorfahren, ist bei den Familiendaten der Martinszeller Familienstiftung zu finden. Volltreffer, auch meine Vorfahren Johannes Munz und Ehefrau Agnes Traub gehören zu diesen Familiendaten. Die Eltern von Johannes Munz, Johannes Munz und Anna Katharina Pfleiderer(1672 - 1734)  sind die Urgroßeltern des Dichters Friedrich Schiller und meine 7-fachen Urgroßeltern.


Röhrachhof anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser


Anna Katharina Pfleiderer stammt aus Oberschöntal bei Backnang. Ihr Vater Veit Pfleiderer, anno 1631 auf dem Ungeheuerhof geboren, war Schultheiß in Oberschöntal. Das Haus des Schultheißen Veit Pfleiderer ist das älteste Haus in Oberschöntal, stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.


Oberschöntal anno 1686 - Forstlagerbuch Andreas Kieser



Friedrich Schiller
1759 Marbach - 1805 Weimar




Sonntag, 18. Juni 2017

Liberté - Égalité - Fraternité

Da die Geschichte Deutschlands über Jahrhunderte mit der Geschichte Frankreichs eng verbunden ist, unsere Vorfahren in den vielen Kriegen zwischen beiden Ländern unendlich viel Leid erfahren haben und Emmanuel Macron bei den Parlamentswahlen heute die absolute Mehrheit erhielt und ich zur Zeit sein Buch Revolution - Wir kämpfen für Frankreich lese, wird es heute mal politisch. 
Sein Buch ist sehr empfehlenswert und ein MUSS für jeden deutschen Politiker. Danach kommt man sicher nicht mehr in Versuchung sich Martin Schulz als Bundeskanzler vorzustellen. Macron der ENA-Absolvent - Schulz der Schulabbrecher. 


"Unser Land kann sich nicht aufrecht halten und nicht mutig vorwärts gehen, wenn wir nicht wissen, woher wir kommen. Die Weitergabe unserer Traditionen ist eine nationale Aufgabe. So kann jedermann wissen, woher er kommt und wo er hingeht, heute, wo alles immer mehr beschleunigt wird, und es weniger feste Anhaltspunkte gibt als früher. Zum Vorteil aber auch zum Nachteil.
Man ist nichts und kann sich auch nicht entwickeln, wenn man nicht bereit ist, Dinge anzunehmen. Solange man nicht bereit ist, zu lernen, was andere vor einem gelernt haben. Man kann Frankreich nicht gestalten und nicht in unserer Gesellschaft aufgehen, wenn man sich nicht mit ihrer Geschichte beschäftigt, ihrer Kultur, ihren Wurzeln, ihren Persönlichkeiten: Chlodwig, Jeanne d'Arc, Heinrich IV., Danton, Napoleon, Gambetta, de Gaulle, den Soldaten aus dem Jahr II (des Revolutionskalenders), den Senegalschützen, den Kämpfern der Résistance, allen, die die Geschichte unseres Landes geprägt haben." (aus: Revolution )

Ganz unerwartet bin ich Francois Hollande, seinem Amtsvorgänger, im Schlosshof Ludwigsburg und in Verdun begegnet. Small talk und Hände schütteln. Ob Emmanuel Macron in den kommenden fünf Jahren wohl das Glück haben wird mit mir ein paar Worte zu wechseln ...  :-)