"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." - Wilhelm von Humboldt

Montag, 2. Juli 2018

Familie Bauer aus Steinheim - Auswanderung

Johann Jacob Bauer (1838-1917), Kind einer zwölfköpfigen Familie aus Steinheim, wanderte mit seiner Frau Katharina Barbara Albrecht (1841-1924) und vier Kindern im Alter von 14, 12, 9 und 3 Jahren nach Amerika aus. Sie erreichten ihr Zielland Kansas vermutlich nicht mehr mit einem der großen Trecks, sondern schon mit der Eisenbahn. Sie ließen sich in einem Landstrich nieder, der einstmals Indianervölkern den Kiowa, Cheyenne oder Ponca gehörte. Riesige Büffelherden zogen noch durch das Land und Dodge City wurde zur Cowboy-Stadt, die u. a. von den Revolverhelden Wyatt Earp und Doc Holliday besucht wurde. In Clay County konnte die Familie 320 acre Land erwerben (ca. 15 ha, 1 acre entspricht ca. 4047m2). Sein Sohn Wilhelm Jacob Bauer übernahm das Land nach dem Tod des Vaters und konnte weitere vier Farmflächen mit je 160 acres hinzukaufen. Unter äußerst schwierigen Bedingungen – sehr kalte Winter, heiße, trockene Sommer mit vielen Tornados – machten sie das Land urbar und wurden sesshaft. - Viele derer, die es ebenfalls versucht hatten, Schätzungen liegen bei 60%, mussten ihre hoffnungsvollen Pläne aufgeben.




Katharina Barbara und Johann Jacob Bauer 


Dienstag, 26. Juni 2018

Russland - gestern & heute

Gestern war der 74. Todestag meines Großvaters Rudolf. - Mein Großvater fiel in Russland zu Beginn der Operation Bagration bei Bobruisk. Drei der vier Divisionen des rund 40.000 Mann starken 53.Korps in Witebsk unter General Friedrich Gollwitzer durften auf Hitlers Erlaubnis hin am 25. Juni 1944 "ausbrechen" - doch die russischen Stoßkeile standen da schon 80 Kilometer weiter im Westen, die Ausbrecher fanden sich überall umzingelt, liefen in Sperren, wurden bombardiert, aufgerieben, getötet oder ergaben sich......



- Deutscher Soldatenfriedhof in Costermano sul Garda -
eine von 833 Kriegsgräberstätten in 46 Ländern die vom
Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge betreut werden

Meine Mutter hat, verständlicherweise, kein Faible für Russland und der Russe war und ist bei ihr der Feind. Trotzdem bestellte ich vor etwa 40 Jahren beim staatlich russischen Tourismusamt ein Prospekt über die Transsibirische Eisenbahn. Die Transsib hinter dem Eisernen Vorhang faszinierte mich wohl auch deshalb, weil sie ein völlig unbekanntes Land durchquerte und unerreichbar schien. Für mich blieb es bisher bei diesem Prospekt und einem Buch über diese Eisenbahn.

In den vergangenen Wochen fuhr meine Tochter mit der Transsibirischen Eisenbahn von Novosibirsk nach Irkutsk, weiter in die Mongolei nach Ulaanbaatar und über Ulan-Ude zurück nach Novosibirsk. Zuhause kamen immer wieder Fotos von Bahnstationen entlang der Strecke samt Kurzberichten an. Auch Fotos vom Baikalsee, von buddhistischen Tempeln und dem monumentalen Reiterstandbild des Dschingis Khan. 

Auch wenn ich es bis heute nicht geschafft habe mit der Transsib zu fahren so ruckelte doch mein Pullover in Stephanies Rucksack unendlich viele Eisenbahnkilometer durch Russland! 
Sie hat in Russland und der Mongolei viele Freundschaften geschlossen. Die jungen Menschen lassen sich von dem nicht akzeptablen Tun der Politiker in Europa nicht beeinflussen und das ist auch gut so. 



Sonntag, 3. Juni 2018

Jede Generation bewundert die Urgroßväter - Quo vadis, Europa?

Aus einem Zitat des englischen Schriftstellers William Somerset Maugham: "....jede Generation bewundert die Urgroßväter."
Zwei meiner Urgroßväter kämpften im 1. Weltkrieg in Frankreich, die beiden anderen Urgroßväter waren wohl zu alt um für das Kaiserreich in den Krieg zu ziehen. Heute vor 100 Jahren wurde mein Urgroßvater Gottlob Andreas Albrecht nach einer Verwundung bei Brimont (Reims) in das Lazarett nach Aschersleben, Sachsen-Anhalt, verlegt. Mitte Dezember wurde er nach Hause entlassen. An der sehr langen Aufenthaltsdauer sieht man, dass es eine schwere Verwundung gewesen sein muss.
Ein Granatsplitter zerfetzte sein rechtes Bein, nach der Amputation blieb nur ein Stumpf übrig, eine Holzprothese wurde angepasst und er lernte wieder gehen. Nach seiner Genesung hatte er für seine 5-köpfige Familie zu sorgen. Der 2. Weltkrieg machte fünf seiner Enkel zu Halbwaisen und zwei Enkel zu Vollwaisen, die Sorge um die nächste Generation ging weiter. 30 Jahre lang arbeitete er mit seiner schweren Kriegsverletzung auf seinen Feldern und Wiesen, im Weinberg und im Viehstall um die große Familie durchzubringen. Bewundernswert!


"Returning to the Trenches"

Morgen fahre ich in die Südvogesen auf den Hartmannsweilerkopf. Die Elsässer nennen den Hartmannswillerkopf "Menschenfresser" oder auch "Berg des Todes". Der Berg war Schauplatz blutiger Kämpfe im 1. Weltkrieg, schätzungsweise 25.000 bis 30.000 deutsche und französische Soldaten fielen in den Schützengräben auf dieser 956 Meter hoch gelegenen Bergkuppe.

Soldatenfriedhöfe und Gedenkstätten aus beiden Weltkriegen sollen zum Frieden mahnen. Und während ich diese Zeilen schreibe marschieren amerikanische Truppen mit schwerem Kriegsgerät Richtung Russland um in Osteuropa bis zum Beginn der Fußballweltmeisterschaft ein meiner Meinung nach provokatives Manöver abzuhalten. Europa ist nicht mehr was es einst war, es droht zu zerfallen. Anschläge, Angriffe auf unsere Polizei, Morde, Vergewaltigungen und Überfälle nehmen seit 2015 drastisch zu. Wir brauchen inzwischen auch in kleinen Kommunen private Sicherheitsdienste. - Quo vadis, Europa?




Samstag, 19. Mai 2018

"Gerechtigkeit und Friede liebe ich" - Fünf Jahre 'Back to the Roots'

Vor genau 5 Jahren begann ich diesen Blog, der erste Beitrag war über die Hankertsmühle im Rottal bei Mainhardt im Schwäbischen Wald. Heute schreibe ich wieder über die Hankertsmühle, es ist mein 374. Beitrag auf diesem Blog. In diesen 5 Jahren kamen weitere Informationen über die Mühle meiner Vorfahren Klenk hinzu.
Und fast auf den Tag genau fand ich in der Südwest Presse einen Zeitungsartikel über die Hankertsmühle mit dem Titel: "Ein Hort der Erholung und des Grauens".
Und auch hier stellt man wieder fest, dass früher nicht alles besser war, wie wir oftmals unüberlegt vor uns hinsagen. Im Gegenteil, es waren grausame Zeiten. Die Unterlagen in den Archiven erzählen von Mord und Totschlag, Hunger, Krankheit und Not in der Mühle. - Nach der Schlacht bei Nördlingen im September 1634 verwüsteten herumziehende Soldatentruppen das Land, auch die Hankertsmühle wurde geplündert, dem Müller Lienhardt Klenk der "Schwedische Trank" gewaltsam eingeflößt. In einem Brief ist die Rede von "ain Korn Simri Wasser", das sind 22,153 Liter Flüssigkeit, vermutlich Jauche.
Lienhardt hat diese grausame Tortur nicht lange überlebt. Ob er direkt an den Folgen oder danach an Hunger oder Pest starb, die ebenfalls grassierte, ist nicht überliefert. Gott habe ihn schließlich und "etliche" seiner Kinder von ihren Qualen erlöst, heißt es in einem Brief von Jacob Wieland, der die Mühle 1640 zusammen mit seinem Schwiegervater Jacob Dietrich gekauft hat. Lienhardts Frau und zwei Kinder haben offenbar überlebt.


Zu den wenigen Überresten der Mühle gehört eine Sandsteinsäule mit der von den Wielands stammenden Inschrift: "Gerechtigkeit und Friede liebe ich".

Nicht weit entfernt von der Hankertsmühle verlief der Limes, die Außengrenze des Römischen Reiches mit einem Kleinkastell. In den nächsten Wochen liegt mein Fokus auf der Römerzeit. Die Recherchen beginnen nächste Woche mit "Salben und Düfte der Antike" am Limestor Dalkingen. Dieses einzigartige römische Triumphalmonument am Obergermanisch-Rätischen Limes zählt zu den eindrucksvollsten Ruinen. "Salben und Düfte der Antike" gehören zum Kinderprogramm des Limesmuseum Aalen und ist für mich Vorbereitung auf meine Betreuertätigkeit beim nächsten Sommerferienprogramm in Marbach/Neckar mit dem Thema "Zeitreise". Im Schwäbischen Wald und auf der Ostalb gibt es vielerlei Spuren der Römer: Grenzzäune, Wachttürme, Kastelle und Museen mit freigelegten Grundmauern denen ich bisher keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt habe.


Wachtturm bei Geißelhardt


Doppelt lebt, wer auch Vergangenes genießt.

- Marcus Valerius Martial, römischer Dichter - 



Dienstag, 15. Mai 2018

Schwäbisch Hall - Kruzifix in St. Michael

Die Michaelskirche, die mit ihrer berühmten Treppe majestätisch über dem Marktplatz thront, wurde am 10. Februar 1156, im Jahr nach der Kaiserkrönung des Staufers Friedrich Barbarossa, vom Bischof von Würzburg  als romanische Basilika geweiht. 



St. Michael mit der berühmten Treppe
 auf der im Sommer Freilichtspiele stattfinden


Zu den herausragenden Werken der spätgotischen Kunst im Innern der Kirche gehört das überlebensgroße Kruzifix des Ulmer Bildhauers Michel Erhart. Es ist signiert und 1494 datiert.



Kruzifix von Michel Erhart - anno 1494

Michel Erhart, Bildhauer der Spätgotik, gehört zu meinen berühmten Vorfahren aus Ulm. Ich finde es immer wieder faszinierend, dass die Werke der Erharts nach über 500 Jahren noch sehr gut erhalten sind und in Kirchen und Museen besichtigt werden können. 


Dienstag, 8. Mai 2018

Steinheim - das Lämmle & die Lovestory

Das Lämmle vom Gasthaus Lamm in Steinheim stand einst auf einer "Nase" an der Fassade des Gasthauses und ist vor etwa 55 Jahren verschwunden. Nach einem Beitrag zur Heimatkunde über Gasthäuser in Steinheim aus dem Jahr 2011 soll es in einem Marbacher Garten sein.


das Lamm vom Gasthaus Lamm

Vor ein paar Wochen ist das alte Lämmle in Marbach "entlaufen" und hat bei mir eine neue Heimat gefunden. Aber wie kommt das Steinheimer Lämmle in einen Marbacher Garten?
Die kleine Traude, Jahrgang 1928, kam mit ihrem Vater, dem Marbacher Sattler Oscar Hammer, per Fahrrad oft durch Steinheim und sie erfreute sich immer wieder an dem Anblick des Lämmle am Gasthaus Lamm gegenüber dem Rathaus. Vater Oscar musste vor dem Gasthaus anhalten, damit seine Traude bei jeder Fahrradtour "ihr Lämmle" bewundern konnte.

Inzwischen erwachsen geworden und jung verheiratet, kam Traude nach Steinheim und ihr geliebtes Lämmle stand nicht mehr auf seinem Platz. Sie war enttäuscht, das Lämmle aus Kindertagen nicht mehr anzutreffen. Ihrem jungen Ehemann Walter tat seine junge Frau so leid, dass er am Gasthaus klingelte um sich nach dem Verbleib des Wirtshausschildes zu erkundigen.
Eine Frau kam ans Fenster und rief herunter "mir hend gschlossa." - "Wo ist das Lämmle", wollte Traude wissen. Die alte Dame ging mit Traude und Walter in den rückwärtigen Stall und dort stand das Lämmle in einem Futtertrog. Die Freude über das Wiedersehen war riesengroß. Da der Gasthausbetrieb eingestellt war, aber immer wieder hungrige und durstige Leute im Gasthaus einkehren wollten und an der Haustüre klingelten, wurde das Lämmle entfernt. Walter erwarb das Lämmle und es fand bei ihm und Traude ein neues Zuhause.

Im Jahre 1966 wurde das Gasthaus Lamm wieder eröffnet, das alte Wirtshausschild war aber unauffindbar, ein neues Lämmle wurde am Gasthaus angebracht. Als wir 1967 die Konfirmation meines Bruders im Lammsaal feierten wusste ich noch nichts vom verschwundenen Lämmle. Einige Jahre später sah ich das Lämmle im Garten bei Traude und Walter. Die Künstlerin hatte ihr Leben lang Freude an ihrem Steinheimer Lämmle das jahrzehntelang über den Gartenteich hinweg in ihr Wohnzimmer blickte. Wir waren immer wieder fasziniert wenn Traude ganz theatralisch über die Sonntagsausflüge mit ihrem Vater und von ihrer Enttäuschung über das fehlende Lämmle erzählte, wie sie mit der früheren Lammwirtin in den Stall ging und wie sie sich freute als sie das Lämmle im Futtertrog entdeckte. Noch größer war ihre Freude als sie das Lämmle mit nach Hause nehmen durfte. 

In Steinheim wusste man, dass das alte Lämmle vom Lamm in einem Marbacher Garten steht. Aber wo genau wusste zum Glück niemand. Ich behielt dieses Geheimnis samt der „Lovestory“ für mich um zu verhindern, dass man Traude das Lämmle abschwätzte.
Im Oktober letzten Jahres ist Traude im Alter von 89 Jahren verstorben, bis zu ihrem Todestag waren sie und das Lämmle unzertrennlich, ihr geliebtes Lämmle aus Steinheim war über 50 Jahre lang immer in ihrer Nähe.


die Restauration beginnt

Das Lämmle hat einige Blessuren, das alte Bodenbrett muss ersetzt werden, die Muttern an den rostigen Schrauben sind nicht mehr zu öffnen, ein Huf ist beschädigt und die Beulen müssen aus dem Blech gezogen werden.


die Hufe werden restauriert



Der goldfarbene Anstrich sollte entfernt und das Lämmle vergoldet werden. Unter der Goldfarbe kam jetzt ein roter Anstrich hervor. War das Lämmle nicht golden sondern rot? Können sich alte Steinheimer noch an das Lämmle erinnern? Ich machte mich auf die Suche während das Lämmle auf dem Weg in eine Dorfschmiede war um an den Hufen  repariert zu werden. Zwei Steinheimer, Mitte 70, können sich noch gut an das Lämmle erinnern. Rot? Nein, rot war es nicht, eher grünlich-grau. Grünlich-grau? Vermutlich durch die Oxydation des Kupferkörpers. Einer der Informanten wohnte als Bub über der Gaststätte, seine Großeltern waren damals die Wirtsleute im Lamm, der Opa starb 1960, die Oma im Jahr 1964. Es war wohl seine Oma von der Traude das Lämmle bekommen hat.
Er erinnerte sich auch, dass immer mal wieder Post mit der Anschrift "Zum goldenen Lamm in Steinheim" ins Haus kam. Also war das Lämmle doch vergoldet!

Das Gasthaus Lamm hat seit 1598 eine Herbergskonzession. Wie alt das Wirtshausschild ist, konnte ich noch nicht in Erfahrung bringen. Es gibt noch eine etwa 200 Jahre alte Chronik in Privatbesitz. Die Recherche und Restauration geht also weiter.



Dienstag, 3. April 2018

Württemberger Lederhose - Furchtlos und Treu

Rund um den Erdball herum kennt man sie: die Lederhos'n oder auch Krachlederne genannt. Man denkt dabei an Bayern und an Oktoberfeste. Und die Württemberger blickten mit etwas Neid auf die zünftigen Beinkleider der Bayern. 
Wir Württemberger haben jetzt unsere eigene Lederhos'n. Verziert mit dem alten Württemberger Wappen samt dem Wappenspruch der württembergischen Könige.







"Furchtlos und Treu"
Wappenspruch der württembergischen Könige