Ein offensichtlich kluger, geschäftstüchtiger und windiger Geselle scheint Trautwein Vaihinger von Schönthal gewesen zu sein. Sein Name taucht immer wieder auf im Landesarchiv, in den Oberamtbeschreibungen und jetzt auch in einem Trautwein-Stammbaum. Laut diesem Online-Stammbaum soll der Stadtschreiber zu Bottwar (Großbottwar) der Großvater meines Vorfahren Hans Trautwein (1560 - 1634) gewesen sein. Bekannt ist sein Geburtsdatum nicht und weitere bekannte Daten passen nicht ganz, eventuell ist noch eine Person dazwischen oder er ist halt nicht mein Vorfahre.
Bei der Suche nach dem heute nicht mehr existierenden Hetzelhof meiner Vorfahren Schuster, stieß ich bereits auf Trautwein Vaihinger, der 1524 den benachbarten Warthof erworben hatte. Am 8. Mai 1508 wurde der Fürstenhof (Großaspach) von Herzog Ulrich dem Kanzleischreiber Trautwein Vaihinger zum Lehen gegeben. Vom Stift Backnang erwarb der damalige Amtmann 1516 einen Hof in Unter-Schönthal (Backnang) um eine Jahresgült (Jahrespacht) von 3 Pfund 7 Schilling und 8 Heller.
Forstlagerbuch Andreas Kieser - Unter-Schönthal anno 1686
Besondere Dienste um die Floßbarmachung der Murr, der Lauter und andere Zuflüsse erwarb sich der Vogt zu Bottwar, Trautwein Vaihinger zu Schönthal, der auch am 6. April 1517 für sein Floßwesen den Freiheitsbrief von Herzog Ulrich erhielt.
Nach der Zerstörung des Warthofs im Jahr 1525 wohnte Trautwein Vaihinger in seinem Bottwarer Haus und klagte von dort aus noch 1533 vergebens auf Schadenersatz gegen die vermeintlichen Übeltäter, die den Warthof plünderten und in Brand steckten. Nach dem Vaihinger sich dann vor Herzog Ulrich "wegen Untreue und Überschuldung" verantworten sollte, setzte er sich ins Ausland ab.
Vogthaus in Großottwar, Vogtgasse 7
Im Gebäude Nr. 7 kann man gut den ehemaligen Bauernhof erkennen. Es wurde also nicht ein besonderer Verwaltungs- und Repräsentationsbau für den Vogt errichtet. Indes zeugen der Rundbogen-Kellereingang, die klassizistische Türrahmung und die ovalen "Spione" davon, dass der Amtssitz viele dekorative Umbauten erfuhr.
Bei mehr als 1.000 namentlich bekannten Vorfahren verliert man irgendwann den Überblick. Durch einen Umzug innerhalb des Hauses wurde eine breite und bis zum Dachgiebel gehende Wand frei. Diese Wand ist wie geschaffen für eine Ahnentafel. Zählen, rechnen und messen ergab eine benötigte Fläche von 3 Meter Höhe und 2 Meter Breite. - Es gibt viel zu tun, ein langes Wochenende steht vor der Tür.... also packen wir's an.
Das Holz ist bereits passend gesägt, ob die Fläche wohl reicht? Schon jetzt kommen mir Zweifel. Beim Brezelkauf in einer Steinheimer Bäckerei erfuhr ich heute ganz unerwartet, dass die Linie der Familie Trautwein bis "elfhundertnochwas" geht. Und ich bin bisher bei Caspar Trautwein, geboren um 1530.
Die 'never ending' Suche nach den Ahnen geht also weiter .... ich bin gespannt wo diese Vorfahren geboren sind und was sonst noch von ihnen bekannt ist.
Heute vor 98 Jahren um 10.30 Uhr wurde mein Urgroßvater Gottlob Albrecht in Brimont (nördlich von Reims) am rechten Unterschenkel von einem Granatsplitter getroffen. Bis auf einen kurzen Stumpf musste das Bein amputiert werden. Ab 2. Juni 1918 war mein Urgroßvater im Lazarett Aschersleben (Sachsen-Anhalt), am 12. Dezember 1918 wurde er nach Hause entlassen.
Das ihm verliehene Verwundetenabzeichen in schwarz war sicherlich kein Trost, so wenig wie das zuvor verliehene Eiserne Kreuz II. Klasse (EK II). Während ich hier schreibe, stelle ich mir die Frage, wie viel Verwundetenabzeichen im 1.Weltkrieg wohl verliehen wurden?!
Laut seinen Enkeln hat er nie über den Krieg gesprochen, sie wissen auch nichts über die erfolgten Auszeichnungen. Sie wissen nur wie ihn der noch verbliebene Stumpf in der Beinprothese schmerzte, ganz besonders im Sommer nach einem langen Arbeitstag.
Zwei Verwandte, Karl (19 Jahre) und Heinrich (23 Jahre), werden seit November 1916 bei Sailly Saillisel und seit August 1918 bei Ville sur Ancre vermisst.
Die Republik Frankreich lädt in Zusammenarbeit mit dem Volksbund am 29.Mai 2016 nach Verdun zu einer gemeinsamen Gedenkstunde am Mémorial de Fleury und dem Gebeinhaus ein.
Neben mir liegt gerade seine Taschenuhr mit der Gravur 'G. Albrecht Steinheim a/M' im Innendeckel samt der Uhrkette aus den Haaren meiner Urgroßmutter Luise Friederike Müller. - Ob mein Großvater seine Taschenuhr in seiner Uniform hatte als er im Sommer 1917 in den "Grande Guerre" nach Frankreich zog?
Um 1500 breitete sich das Nachthemd von Italien über ganz Europa aus. Aus Leinen gefertigt, war das Nachthemd ein schmuckloses, knielanges, kragenloses und mit Halsschlitz und Knopfleiste ausgestattetes Unisex-Gewand. Die Nachthemden der Damen waren länger geschnitten als die der Männer.
Mit Beginn des 20. Jahrhunderts hatte das Nachthemd als reine Funktionskleidung für die Dame ausgedient. Mit dem Auftauchen der Chemiefaser und der avantgardistischen Mode entwickelte sich in den 20er Jahren das Damennachthemd aus Kunstseide zu einem erotischen Kleidungsstück mit dekorativen Spitzen, zarten Farben und einer weichen fließenden Schnittführung. Bis diese modernen Nachthemden den ländlichen Raum eroberten vergingen noch etliche Jahre.
Diese weißen Leinennachthemden wurden von den jungen Mädchen oft selbst angefertigt. Die Nähte wurden mit kleinen Stichen von Hand genäht. Knopflöcher wurden geschnitten und umnäht, die Knöpfe dazu sind aus Schildpatt. Besonders schöne Hemden sind mit Hohlsäumen versehen und mit gehäkelten Armelrändern verziert.
handgefertigte Nähte
der einzigste Farbtupfer sind die Kreuzstich-Initialen 'B P'
gehäkelte Ärmelränder
genähtes Knopfloch mit Schildpattknopf
Auf der Suche im Keller nach einem großen alten Leinenstoff kramte ich Omas Wäschekiste hervor. Rohleinen, Bettwäsche, Tischtücher, Servietten und diese weißen Nachthemden schlummern in der alten Wäschekiste. Diese Hemden sind knapp 100 Jahre alt und wurden von meiner Oma Berta P. genäht. - Ich fand den passenden Leinenstoff für ein Megaprojekt. Die "Wall" ist in Planung und Omas Leinen gehört dazu
Sie werden von Jahr zu Jahr weniger, die Zeitzeugen des 2.Weltkriegs. Meine Eltern waren zu jung, den Krieg aktiv erleben zu müssen, mein Großvater Rudolf wird seit dem 25. Juni 1944 in Russland vermisst und Karl, der andere Großvater, war beim Nachschub im Osten. Als ich 9 Jahre alt war ist er verstorben, erinnern kann ich mich nur, dass er von Pferdefuhrwerken in der Hohen Tatra erzählte. Kürzlich tauchten ein paar ausgebleichte Fotos auf, der Opa in Uniform, irgendwo in Russland.
Dass SS-Soldaten mit ihrer Blutgruppe tätowiert wurden wusste ich vom Hörensagen. Aber gesehen habe ich eine Blutgruppentätowierung noch nie, hat mich auch bisher nicht weiter interessiert.
Ich wusste nur, dass der fast Neunzigjährige, der mir heute seine Blutgruppentätowierung zeigte, den verheerenden Luftangriff der Briten am 4. Dezember 1944 auf die Stadt Heilbronn erlebt hat. In dieser Nacht war er zu Besuch bei Verwandten im Heilbronner Süden.
Er spricht nicht viel über seine Erlebnisse, ist auch sonst eher verschlossen. Ich sprach ihn auf seine Soldatenzeit an, vor Jahren schon, er sagte aber nichts über sich, nur, dass sein Bruder vermisst wäre. "Damals kam ein Brief, mehr haben wir nie erfahren...." - Ich fand etwas konkretere Angaben dazu, gab ihm die Infos, die ich bei der Onlinesuche auf der Webseite des Volksbundes fand. Das hat ihn berührt, er hatte Tränen in den Augen und dann wurde er redselig. Erzählte, dass er den Fliegerangriff und den folgenden grausamen Morgen in Heilbronn erlebt hat, als 17-Jähriger.
Er konnte trotz den Kriegswirren bei einem Onkel eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechaniker machen. Ende Januar 1945 wurde er 18 Jahre alt. Er wurde zum Kriegsdienst einberufen, kam zu einer SS-Einheit, hat dort die liegengebliebenen Fahrzeuge repariert. Wenige Wochen im Kriegsdienst hatten eine 13 Monate lange Kriegsgefangenschaft zur Folge.
"Kam man in Gefangenschaft, wurde zuerst der linke Arm inspiziert, die Blutgruppentätowierung verriet die Spezialeinheit", erzählte er mir vor wenigen Tagen, als er mir seine Tätowierung "0" auf der Unterseite des linken Oberarms ganz spontan zeigte. "Ich zeige das sonst niemanden, aber ich freue mich so sehr, dass sie mich im Pflegeheim besuchen", und es schimmerten wieder Tränen in seinen Augen. - Ich hatte offensichtlich sein Vertrauen erworben.
Es werden weitere Besuche folgen und hoffentlich auch weitere Gespräche über die Vergangenheit, denn er ist nur körperlich eingeschränkt. Und vermutlich ist es für mich die letzte Möglichkeit mit einem Zeitzeugen der SS zu reden.
Man erlebt das immer wieder, dass Menschen bestimmte Dinge in ihrem Leben verschweigen oder gar verdrängen. Gegen Ende ihres Lebens haben Sie dann doch das Bedürfnis, bisher Unausgesprochenes loszuwerden und es nicht mit ins Grab zu nehmen.
Von meinen 1.244 bisher bekannten Vorfahren sind 44% weiblich und 56% männlich. In Steinheim sind 19% der Vorfahren geboren, aus Sindelfingen stammen 11% und aus Murr sind es 8%. Laut Berufsstatistik waren 18% Bauern, 11% Weingärtner, 6% Metzger, 4% Weber und 2% Schuhmacher.
Bei den Vornamen führen Johann und Hans mit 14% (diese beiden Namensgruppen gehören zusammen, da ein getaufter Johann später oft nur Hans genannt wurde), gefolgt von der Anna mit 8% und der Maria mit 6%.
Von 10% der Vorfahren sind keine Nachnamen bekannt, meist sind das die weiblichen Vorfahren. Welchen Geburtsnamen die Frauen hatten war früher nicht so wichtig. Bei den Eltern steht z.B. "Anna, eheliche Tochter des Hans Trautwein und Uxor (Frau) Christina". Hat man keinen Heiratseintrag der Eltern bleibt die Mutter vorerst ohne Nachnamen. Die Trautweins sind mit 5% führend vor den Häussermanns, den Banzhafs und den Zieglers mit jeweils 2%. Wobei diese Zahlen nicht ganz richtig sind, denn durch Heirat innerhalb der Großfamilie stehen einige Vorfahren mehrmals im Stammbaum. Durch Ahnenschwund reduziert sich die tatsächliche Anzahl der Vorfahren.
Vor einhundert Jahren begann mit dem deutschen Großangriff die Schlacht um die französische Festung VERDUN. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Realität der „Urschlacht des Jahrhunderts“ in verschiedensten Formen verarbeitet – in der Geschichtsschreibung und dokumentarischer Berichterstattung ebenso, wie in Literatur, Film und bildender Kunst.
Abhängig von Wissen und Erfahrung, politischen Ansichten und Zielgruppen kam es zu sehr unterschiedlichen Darstellungen des historischen Geschehens. Einhundert Jahre später stellt sich erneut die Frage nach dem historischen Erbe der Schlacht um Verdun. Markiert das Ereignis einen entscheidenden Wendepunkt für Europa oder gar darüber hinaus?
Die Erinnerung an „Verdun“ hat nicht nur für Deutsche und Franzosen bis heute große Bedeutung; ihr kommt großes Gewicht für das Bewusstsein Europas und seiner Nationen zu. Der Band geht dem historischen Ereignis von 1916 und seiner Wirkungsgeschichte nach. Er vereint neue historische Erkenntnisse, bisher vernachlässigte Aspekte Schlacht und sticht hervor durch den Facettenreichtum der Themen. Die Beiträge enthalten zahlreiche Abbildungen aus privaten Archiven, häufig in Farbe. Viele dieser Bilder wurden noch nie zuvor veröffentlicht.
VERDUN ist ein Ort historischer Symbolik: 843 unterzeichneten die Enkel Karls des Großen den Vertrag, der das Frankenreich unter Ludwig dem Deutschen und Karl dem Kahlen teilte - für manche Historiker der Beginn der Jahrhunderte währenden deutsch-französischen Auseinandersetzungen. Vor allem aber steht Verdun für die industrialisierten Menschen- und Materialschlachten, für Schrecken, Sinnlosigkeit und Unmenschlichkeit des Ersten Weltkriegs. Von Februar bis Dezember 1916 lieferten sich Deutsche und Franzosen dort eine der unerbittlichsten Schlachten mit rund einer halben Million Toten. Am 21. Februar 1916 startete die 5. Deutsche Armee den Angriff auf die französischen Stellungen. Ende des Jahres war sie wieder auf ihre Anfangsposition zurückgeworfen. Der mörderische Stellungskrieg um das Fort Douaumont machte den Ort zu einer „Knochenmühle"; unzählbare Verluste wurden in Kauf genommen, ohne militärisch tragfähige Ergebnisse zu erzielen. Millionen Granaten zerpflügten die Landschaft. In dem ehemaligen Kampfgebiet liegen heute 40 französische und 30 deutsche Soldatenfriedhöfe. Insgesamt 170.000 Gefallene sind dort begraben.
VERDUN 1984 - Draußen stehen deutsche und französische Soldaten nebeneinander abwechselnd Spalier. Vor der Treppe des Beinhauses ist ein Katafalk aufgestellt, umwickelt mit einer deutschen und einer französischen Fahne, rechts ein Ehrenkranz mit schwarz-rot-goldenem Band, links ein Ehrenkranz mit blau-weiß-rotem Band. Ein eisiger Wind bläst über die Gräber. Der Himmel ist grau-schwarz verhangen, Regengüsse begleiten die Zeremonie, der etwa 4.000 Menschen beiwohnen. Das Lied vom guten Kameraden und das Totensalut französischer Hornisten, wechselweise gespielt von der Kapelle des Bonner Wachbataillons und dem Musikcorps eines Infanterieregiments von Metz, sind gerade verklungen. Das Deutschlandlied und die Marseillaise werden intoniert. Spontan ergreift der Franzose die Hand des Deutschen. Minutenlang verharren Mitterrand und Kohl bis zum Verklingen der Nationalhymnen.
Ulrich Wickert in der FAZ: Später fragte ich Francois Mitterrand, wer von beiden die symbolische Geste initiiert habe. Mitterrand antwortete, er habe plötzlich das Bedürfnis gespürt, aus seiner Vereinsamung herauszutreten und mit einer Geste Helmut Kohl zu erreichen. Da habe er seine Hand ausgestreckt, und Kohl habe sie ergriffen. Helmut Kohl hat mir dies später bestätigt. Der deutsche Kanzler war erleichtert über die Geste Mitterrands. Mitterrand, der seine Gefühle stets für sich bewahrte, blickte trotz seiner Gebärde weiter in sich hinein, während Helmut Kohl in diesem beklemmenden Augenblick erleichtert zu dem Franzosen hinüberschaut, dankbar für diesen scheinbar kleinen Ausdruck von Menschlichkeit.
Hannes Wader, deutscher Sänger und Liedermacher, in seinem Lied "Es ist an der Zeit":
Und du hast ihnen alles gegeben: Deine Kraft, Deine Jugend, Dein Leben.
Der kanadische Sänger John McDermott in "The green fields of France":
Oh how do you do, young Willy McBride, do you mind if I sit here down by your graveside, and rest for a while in the warm summer sun ...
Poppies gelten heute weltweit und vor allem in den englischsprachigen Ländern
als ein Symbol des Gedenkens an die zahl- und namenlosen Opfer von Krieg
und insbesondere an die in den beiden Weltkriegen gefallenen Soldaten.