"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." - Wilhelm von Humboldt
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Samstag, 25. November 2017

Ein friedlicher Ort - Volkstrauertag in Sibirien

Dieser Post erzählt vom diesjährigen Volkstrauertag in Sibirien. Geschrieben hat diese Zeilen meine Tochter. Sie lebt ein Jahr in Novosibirsk und arbeitet dort an einer Universität.


Vereinzelte Schneeflocken fallen vom Himmel. Wie aus weiter Ferne dringt Verkehrsrauschen durch die umliegenden Bäume. Ansonsten ist es still im Wald. Schwarze Metallkreuze heben sich in scharfem Kontrast vom weißen Schnee ringsum ab. Wir stehen auf einem Friedhof im Nowosibirsker Stadtteil Perwomaiski, auf dem über 600 Kriegsgefangene aus 12 Ländern ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Anlässlich des Volkstrauertags hat das Deutsche Generalkonsulat Novosibirsk Mitglieder der russischen und deutschen Gemeinde vor Ort auf eine Fahrt zu zwei Gedenkorten eingeladen.
Faszinierenderweise verläuft quer über den schneebedeckten Friedhof eine Skiloipe. Während der Generalkonsul, der Militärattaché aus Moskau und weitere Vertreter von Kirche, deutscher und russischer Gemeinde ihre Worte am Kreuz sprechen, huscht im Hintergrund immer mal wieder ein von der ganzen Zeremonie völlig unbeeindruckter Langläufer durchs Bild. Als der Kranz niedergelegt wurde, die Gedenkminute vorbei ist und sich die Gruppe auf den Rückweg durch den Wald macht, fahren sogar zwei Kinder in bunten Skianzügen zwischen den Gedenksteinen hindurch.
Weiter geht die Fahrt in den westlich der Stadt gelegenen Bezirk Kotschenjowo. Sobald wir die Überlandstraße verlassen haben, scheint der Weg mit jedem Abzweig kleiner zu werden. Das vor uns fahrende Auto wirbelt den Schnee wie Staub auf. Obwohl wir nur etwa eine Stunde von Nowosibirsk entfernt sind, fahren wir durch so kleine Dörfer, dass man sich fragt, womit die Menschen im Winter hier wohl ihre Zeit verbringen. Das Lied, das im Radio auf Retro FM läuft, ist eine Mischung aus romantischem Kitsch („es sorgt sich das Herz, das Herz ist aufgeregt“) und nostalgischem Patriotismus („meine Adresse ist kein Haus und keine Straße, meine Adresse ist die Sowjetunion“).
Als vor lauter Schnee schon gar keine Straße mehr zu erkennen ist, erreichen wir schließlich den Dorffriedhof von Mirny. An diesem Ort wurden ebenfalls Kriegsgefangene verschiedener Nationen beerdigt, die hier von 1944 bis 1948 in der Landwirtschaft eingesetzt wurden. Obwohl es mit genau null Grad ein vergleichsweise warmer Volkstrauertag ist, trägt bereits der Wind dazu bei, dass man sich die Kälte eines sibirischen Kriegsgefangenenlagers vorstellen kann. Im Kontrast dazu steht der Name des Ortes, der mit „friedlich“ übersetzt werden kann. Die Dörfer in der Umgebung haben mit Drushny (freundschaftlich) und Swetly (hell, leuchtend) ähnlich beruhigend klingende Namen.
Zum Abschluss des Tages gibt es im Gemeindehaus in Kotschenjowo ein gemeinsames Mittagessen, das liebevoll vorbereitet wurde. - Dabei unterhalte ich mich auf Deutsch mit einer Studentin und einem Studenten, die vergangenen Sommer an einem Workcamp des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Nowosibirsk teilgenommen haben. Russen und Deutsche sitzen zusammen an einem Tisch und stoßen miteinander an. Als wäre es nie anders gewesen.

Dienstag, 11. August 2015

Peterskirche Murr - barocke Grabmalplatten

An der Außenwand der Peterskirche in Murr sind alte barocke Grabmalplatten aus dem 17. Jahrhundert angebracht. Der Platz neben der Kirche war einst Friedhof, bevor man den "äußeren Kirchhof" anlegte, der in den Totenregistern genannt wird.

Grabmalplatte von 1682


Anno 1682 starb Anna Maria Hardtmannin .....


+ 1679 Johann Adam Spring

Eine Grabmalplatte ist bereits so verwittert, dass es unleserlich ist, bei der dritten
Grabmalplatte fehlt leider das Messingschild mit der "Übersetzung".



Sonntag, 9. August 2015

Kirchenbuch von Murr 1693 - 1751

Im Kirchenbuch von Murr aus der Zeit von 1693 - 1751 wurden Todesfälle in 2 oder 3 Zeilen notiert, beim "blättern" im Kirchenbuch fiel mir im Jahr 1704 ein größerer Eintrag auf:
"Den 19. Martij ist ein arms mensch, noch ledigen Standes, auff einem Karren von Steinheim tödtlich kranckst hierher geführet worden; starb noch selbigen Tags im Hirten-Häuslin allhier und wurdte deß andern Tags, nemlich am Grünen Donnerstag, uff dem äußeren Kirchhof begraben; sollt geheißen haben Anna Maria, den Zunahmen aber kundt man nicht wißen, war päpstlicher Religion und gebürtig aus dem Baier-land".

Ein paar Seiten weiter, im Jahr 1707, betrifft ein größerer Eintrag einen Sohn meines 7-fachen Urgroßvaters Michel Schmid (1656 - 1732):
"Freytag Den 3. Junij, ist Hans Georg Schmidt, Jung Michel seinen ehelich = Und noch ledigen Sohn, zu Sulzbach an Der Murr, Wohin er Wegen frantzösicher Invasion geflüchtet Worden, an Der Schwindsucht gestorben, Und folgenden Samstag darauft begraben Worden, seines Alters 22. Jahr".

Mein Steinheimer 8-facher Urgroßvater Hans Melchior Trautwein ist 10 Tage später, im Alter von 43 Jahren, ebenfalls auf der Flucht, in Murrhardt gestorben. - Während des seit 1701 andauernden Spanischen Erbfolgekrieges zog 1707 das französische Heer durch das Land und plünderte die Dörfer, die Bewohner flüchteten in das Murrtal.
Bereits 1693 flüchtete die Familie Trautwein in den Schwäbischen Wald, auf der Flucht wurde mein 7-facher Urgroßvater Sebastian Trautwein in Schwäbisch Hall geboren.



Donnerstag, 14. August 2014

Cimitero Tedesco - Costermano 2014

Die Vergangenheit holt uns ein bzw. sie ist schon da wenn wir ankommen.....
Der Schwiegeropa Adolph wurde im Alter von 77 Jahren am 16. Juli 1940 in Grafeneck ermordet. Ermordet von den Nazis, weil er als alter Mann nach dem Tod seiner beiden Söhne im ersten Weltkrieg und nach dem Tod seiner beiden Ehefrauen mit dem Leben nicht mehr zurecht kam und in eine psychiatrische Klinik gebracht wurde. Er war dort 12 Jahre.
In seiner Krankenakte, die im Bundesarchiv in Berlin lagert, wird von guten und von schlechten Tagen berichtet. Manisch-depressiv war die Diagnose. In guten Tagen arbeitete er draußen im Garten, war lustig, sang und tanzte auch mal durch den Garten. In schlechten Tagen konnte er nicht schlafen, war zänkisch und kaum zu beruhigen. Einmal ist er aus der Klinik entwichen, kam Wochen später wieder zurück. Seine drei Kinder aus der 2. Ehe wuchsen bei Verwandten auf, ob er sie jemals wieder gesehen hat, ist nicht überliefert. Adolph wäre irgendwann in der Klinik friedlich gestorben, wenn..... ja wenn nicht die Nazis mit der "Aktion T4" seinem Leben ein Ende gesetzt hätten. "T4" steht für die systematische Ermordung von Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Neben rassehygienischen Vorstellungen der Eugenik sind kriegswirtschaftliche Erwägungen während des Zweiten Weltkrieges zur Begründung herangezogen worden.

Christian Wirth, ein deutscher Polizeibeamter, war maßgeblich an der "Aktion T4" beteiligt. Er leitete die Büroabteilungen der Tötungsanstalten in Brandenburg, Grafeneck und Hartheim. In dieser Funktion war er für die Sicherheit der Anstalten, die Sonderstandesämter, in denen Sterbeurkunden amtlich gefälscht wurden, das Personal und die Überwachung des Mordvorganges selber zuständig.

Und jetzt, vor wenigen Tagen, "stolpere" ich in Costermano über diesen Namen. "Denn irgendwo da unten zwischen den akkurat gestutzten Heidehecken liegt in einem Doppelgrab auch Christian Wirth, einer der übelsten Massenmörder der deutschen Geschichte." schrieb Dirk Schümer in dem FAZ-Artikel Endlich Frieden in Costermano.


Christian Wirth - Block 15 Grab 716



Infotafel - lesbar durch anklicken


Gräberfeld in Costermano


Infotafel in der Kapelle




Samstag, 17. Mai 2014

Steinheim - Gottlob Carl Bauer - Morganville

Im Alter von 12 Jahren ist Carl Gottlob Bauer mit seinen Eltern und seinen drei Geschwistern Wilhelm Jakob, Friederike Catharina und Heinrich Friedrich im Jahre 1883 nach Nordamerika ausgewandert.
Familie Bauer-Albrecht kaufte Land in Peach Grove (Riley County, Kansas) und baute sich eine Farm auf. Gottlobs Enkel Kyle lebt heute in Clay Center (Kansas) und betrieb noch bis vor einigen Jahren die Bauer Farms. 

Die Muttersprache hatten die jungen Auswanderer bald vergessen, ihre Namen wurde "amerikanisiert". Aufgrund ihrer landwirtschaftlichen Techniken und ihres Fleißes wurden deutsche Einwanderer schnell akzeptiert und sie fügten sich in die junge amerikanische Gesellschaft ein. 
Trotz der schnellen Anpassung haben die Neu-Amerikaner ihre Abstammung nicht vergessen. Vielleicht gerade deshalb, weil sie ihre alte Heimat nie wieder sahen. 

Gottlob Carl Bauer ist 1949 in Morganville (Kansas) verstorben und wurde auf dem Greenwood Cemetery in Clay Center beerdigt. Die Inschrift auf seinem Grabstein erinnert an seinen Geburtsort Steinheim, Germany.



Quelle: Find a Grave

Dienstag, 18. März 2014

Auswanderer Oetinger & Zeller aus Steinheim

Sie ziehn dahin auf blauen Meereswogen, 
warum verlassen sie ihr Heimatland?
Man hat sie um ihr Leben schwer betrogen,
die Armut trieb sie aus dem Vaterland.
Schauet auf ihr Unterdrücker,
schauet auf ihr Volksbetrüger,
seht eure besten Arbeitskräfte fliehn,
seht, wie sie über's große Weltmeer ziehn.

Zu den Millionen von Auswanderern die ihre Heimat Württemberg Richtung Nordamerika verließen, gehörte auch das Ehepaar Oetinger-Zeller aus Steinheim mit ihren fünf Söhnen Karl Heinrich (*1860), Jakob Friedrich (*1861), Johann Ludwig (*1863), Wilhelm *(1868) und Christian Karl (1870). 
Louise Magdalena Zeller (*1836) ist die Nichte meiner 3-fach Urgroßtante Agnes Maria Müller (*1794), sie war mit dem Schwaikheimer Samuel Oetinger (*1831) verheiratet.

In der Datenbank "Auswanderung aus Süddeutschland" ist die Auswanderung dokumentiert: Familie Oetinger-Zeller ist am 2.Juli 1881 nach Nordamerika emigriert.
In der unendlichen Weite des nordamerikanischen Kontinents verlieren sich dann meist die Spuren der Auswandererfamilien. Die Nachfahren der Steinheimer Auswanderer haben nicht nur nach ihren Ahnen geforscht und ihren Stammbaum erstellt, sie haben auch Erzählungen überliefert. Die Überfahrt in die "neue Welt" erfolgte ab Le Havre mit dem Segelschiff SS "Lessing", erbaut 1874 in Glasgow.


SS (Sailing Ship) Lessing

Das Schiff legte im Hafen von Hoboken (New Jersey) an, von dort setzten sie auf kleinen Booten nach New York über. Das offizielle Einwanderungsdatum ist der 28. Juli 1881. Sie zogen weiter nach New Bedford (Ohio), kauften dort 40 acre (160.000 m2) Land und wurden eingebürgert. 
1886 zog die Familie ohne den Sohn Christian Karl weiter nach Clay County (Kansas), später dann nach Riley County (Kansas). Über den Verbleib von Christian Karl ist leider nichts bekannt.

Der Älteste, inzwischen "Henry" genannt,  erlernte das Schmiedehandwerk, er starb 1951 in Leonardville, Riley County und wurde  auf dem Friedhof in Riley beigesetzt.



Jakob Friedrich "Fred J." hatte eine Metzgerei, er ist 1938 in Clay County verstorben. Johann Ludwig "Louis J."betrieb ein Zimmergeschäft, er ist 1924 verstorben und wurde auf dem Friedhof im Grenzort Texhoma (Texas/Oklahoma) begraben.


Wilhelm "William" handelte einige Jahre in Riley mit Holz, zog weiter nach Alma (Kansas), betrieb dort eine große Holzhandlung samt Farben und Kohle, von dort ging es nach Nebraska, in Palmdale (Kalifornien) setzte er sich zur Ruhe und verstarb dort im Jahre 1955.

Samuel Oetinger wurde 87 Jahre alt, seine Frau Louise Magdalena verstarb bereits 1902 im Alter von 66 Jahren. Das Ehepaar Oetinger-Zeller wurde auf dem Riley Cemetery bestattet.




Samstag, 15. Februar 2014

Frankreich - Fort de Malmaison


1917 - Erwin Pfuderer - 1940

Ganz unverhofft bekam ich ein großes altes Foto meines Urgroßonkels Wilhelm Pfuderer und seiner Familie. Erwin ist eines der fünf Kinder von Wilhelm. Gelesen haben wir seinen Namen schon oft, auf dem Kriegerdenkmal auf dem Friedhof in Murr. 

Am 5. Juni 1940 begann die Schlacht um Frankreich. In Nordfrankreich dringt die Deutsche Wehrmacht am 8.Juni in Richtung auf die untere Seine vor. Beiderseits der Stadt Soissons wird der Fluß Aisne überschritten, Erwin Pfuderer ist bei diesen Kämpfen in der Nähe der Stadt Serches gefallen. 

Erwin Pfuderer ruht auf der Deutschen Kriegsgräberstätte in Fort de Malmaison in der Picardie, 50 Kilometer nordwestlich von Reims, in Grab 883, Block 7, Reihe 23 (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge).


Fort de Malmaison


Erwin hat das Bäckerhandwerk erlernt, er war ein Vetter meiner Oma, beide konnten sich gut leiden. Von ihm bekam sie gute und hilfreiche Tipps aus der Backstube. Auch das hab ich erst im Zusammenhang mit dem alten Familienfoto erfahren. Bei den vielen guten Kuchen, Schneckennudeln, Mitschele und Gutsle die wir bei ihr verschlungen haben, haben wir also stets von seinem Können profitiert. 

In den bisher vergangenen 74 Jahren war noch nie ein Familienangehöriger an seinem Grab. Fort de Malmaison steht nun auf meiner "Reiseliste".


Montag, 18. November 2013

Volkstrauertag Steinheim



Anlässlich der Totengedenkfeier am Volkstrauertag liegt das Gedenkbuch in der Friedhofshalle aus.
Unter "Unsere Vermissten" findet man den Namen meines Großvaters Rudolf und den Namen seines Schwagers Paul. Paul wird seit der Schlacht von Stalingrad vermisst, mein Großvater wird seit dem 25. Juni 1944 im Raum Bobruisk/Korma vermisst. Beide Namen sind in Gedenkbüchern auf deutschen Soldatenfriedhöfen in Russland eingetragen. Pauls Name steht im Gedenkbuch des Friedhofes in Besedino. Im Gedenkbuch des neu angelegten Friedhofes Duchowschtschina wird an meinen Großvater erinnert.
Nach Öffnung der Grenzen stellte ich Suchanträge an das Deutsche Rote Kreuz und an den Volksbund. Antwort: vermisst im Mittelabschnitt Juni 1944. Auch nach Jahren gab es bei der Volksbund-Onlinesuche keine andere Auskunft.
Die Antwort auf meine Anfrage bei der Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen Deutschen Wehrmacht (WASt) war etwas informativer:
Mein Großvater wurde am 1. September 1943 vom Wehrbereichskommando Ludwigsburg zum Kriegsdienst eingezogen. Die Ausbildung absolvierte er in Straßburg beim Grenadier-Ersatz-und-Ausbildungsbataillon 109.
Der Einsatzraum war anschließend in Mittelrussland. Anfangs bei Witebsk und ab Febuar 1944 im Raum Bobruisk. Seit dem 25. Juni 1944 wird er im Raum Korma (östlich von Bobruisk) vermisst.
Durch den Beschluss des Amtsgerichtes wurde er 1961 für tot erklärt, Todeszeitpunkt: 31. Dezember 1945.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, auch heute werden in Russland noch sterbliche Überreste von deutschen Soldaten gefunden .....

Samstag, 13. Juli 2013

Murr - Alter Friedhof



Betritt man den Alten Friedhof in Murr von der Steinheimer Straße her, sind die auf der linken Seite stehenden uralten Grabsteine nicht zu übersehen. Gut 100 Jahre hat der Zahn der Zeit an den Steinen genagt, die Steine sind mit Flechten überzogen, teilweise wurden sie restauriert. Nur wenigen Friedhofsbesuchern dürften die in Stein gehauenen Namen bekannt sein.


Karoline Seidel geb. Pfuderer
11.10.1862  -  8.8.1917
Karl Seidel
Schultheiß
15.2.1858  -  12.4.1942



Carl Pfuderer
Anna Maria geb. Hirsch



Johannes Knorpp
Elisabeth Knorpp
Friederike Knorpp geb. Hürthle