"Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft." - Wilhelm von Humboldt
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Montag, 24. Februar 2020

Feilenhauer - ein alter Beruf

Im Familienregister von Stuttgart-Zuffenhausen habe ich zum ersten Mal den Beruf Feilenhauer gelesen. Diesen Beruf hatte der 1857 in Frauenzimmern geborene Gottlieb Friedrich Kühlmann. Er scheint ein unsteter Geselle gewesen zu sein, möglicherweise zog er mit seiner Familie übers Land, stellte vor Ort in den Dorfschmieden Feilen her und bereitete alte Feilen und Raspeln wieder auf.
Seine 12 Kinder sind in Ludwigsburg, Erdmannhausen, Heilbronn und in Dörfern um Heilbronn herum geboren: Biberach, Sontheim, Böckingen. Seine Tochter Pauline wurde 1915 in Mägerkingen im Kreis Reutlingen konfirmiert. Bei der Hochzeit von Karoline Maria 1916 in Feuerbach war der Vater "mit unbekanntem Aufenthaltsort abwesend". Im Jahr 1922 erklärte Gottlieb Friedrich seinen Kirchenaustritt, danach verliert sich seine Spur. Seine Ehefrau Jacobine Wilhelmine geborene Stierle aus Erdmannhausen, ist 1944 in Stuttgart-Feuerbach verstorben.


Der Beruf entstand im späten Mittelalter als ein Spezialzweig des Schmiedehandwerks, zum ersten Mal wird dieser Beruf 1387 in Frankfurt am Main erwähnt, in Nürnberg ab 1494 genannt. Im 19. und 20. Jahrhundert war Remscheid und das Bergische Land ein Zentrum der Feilenhauerei. - Die Herstellung von Feilen wurde immer mehr automatisiert und in Fabriken verlagert. Als handwerkliche Tätigkeit verschwand die Feilenhauerei allmählich. In Baden-Württemberg beispielsweise strich man den Beruf in den 1950er Jahren aus der Liste der Handwerksberufe, der letzte Betrieb schloss in den 1980ern.




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Samstag, 24. November 2018

Georg Friedrich Zundel - Clara Zetkin - Paula Bosch

Meist beginnt eine Recherche ganz 'harmlos' mit Geburtsort, Geburtsdatum, Heirat und Todestag. Hinzu kommt der Beruf und eventuell ein Amt innerhalb der Gemeinde und vielleicht gibt es noch Auswanderer innerhalb der Familie, das war es dann meist auch schon.
Man kann aber auch ganz unbeabsichtigt bei der Frauenrechtlerin Clara Zetkin und Paula Bosch, Tochter von Robert Bosch, und Lenin "landen".
Über die Auswanderung des Ehepaares Zundel-Arnold nach Nordamerika habe ich bereits berichtet. Vorfahre des Auswanderers Johann Friedrich Arnold ist der Murrer Ochsenwirt Hans Leonhard Pfuderer, mein 6-facher Urgroßvater

Die Familie Zundel, die Vorfahren seiner Ehefrau, hat ihre Wurzeln in der Schweiz. "Alt" Hans (Johannes) Zundel kam nach dem 30-jährigen Krieg und vor 1666 aus Sargans (Sankt Gallen, Schweiz) nach Wiernsheim im Heckengau. Er war Zimmermann und später Zunftmeister des Maulbronner Zimmerhandwerks. Nach der Herkunft dieser Einwandererfamilie wurde eine Wiernsheimer Straße in "Schweizer Straße" benannt. Der älteste namentlich bekannte Zundel ist Nicolaus, anno 1501 in Sargans geboren. 

Das Leben Georg Friedrich Zundels (*1875 Iptingen), Sohn des Wiernsheimer Löwenwirts und Bierbrauers, der mit 14 Jahren sein Elternhaus verließ und nie wieder betrat, ist sehr außergewöhnlich. Nach einer Malerlehre in Pforzheim war er Dekorationsmaler in Frankfurt, studierte Kunst in Frankfurt und Stuttgart. Zundel war in den Jahren des Studiums mit sozialistischen Ideen in Kontakt gekommen. Er lernte die in Stuttgart als Redakteurin der SPD-Frauenzeitung Die Gleichheit arbeitende sozialistische Politikerin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin kennen. Er heiratete 1899 die achtzehn Jahre ältere Clara und lebte mit ihr von 1903 bis zur Scheidung 1926 in einem Landhaus in Sillenbuch (Stuttgart), das zu einem beliebten Aufenthaltsort für internationale Führer sozialistischer Organisationen wurde. Auch Lenin machte dort 1907 Station.

Nach der Scheidung von Clara Zetkin heiratete er 1927 Paula Bosch, die er schon gemalt hatte, als sie noch ein Kind gewesen war. Mit ihr zog er auf den von Robert Bosch für seine Töchter gebauten Berghof bei Tübingen, wo er sich neben der künstlerischen Tätigkeit auch der bäuerlichen Arbeit zuwandte.
Aus der Ehe mit Paula Bosch ging als einziges Kind der Sohn Georg Zundel hervor. Friedrich Georg Zundel erhielt ein Ehrengrab auf dem Tübinger Stadtfriedhof.


Paula Zundel-Bosch in der Tübinger Kunsthalle - 1972

Paula Zundel-Bosch und ihre Schwester Margarete Fischer-Bosch stifteten 1971 die Kunsthalle Tübingen, um eine dauerhafte Bleibe für Zundels Werke zu schaffen. Für die Verdienste um die Stadt Tübingen wurde Paula Zundel, wie auch ihre Mutter Anna Bosch, zur Ehrenbürgerin der Stadt Tübingen ernannt.


---->  Georg Friedrich Zundel   <----


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Montag, 15. Januar 2018

Madonnen & The Limewood Sculptors of Renaissance Germany

Ganz unverhofft findet man Irgendwo immer mal wieder etwas über seine Vorfahren. Das "Irgendwo" ist dieses Mal das Buch "Die Lindenholzskulpturen der Deutschen Renaissance" aus der Druckerei der Yale University. In diesem Buch ist die Rede von meinen Vorfahren, dem Münsterbauer und Steinmetz Vinzenz Ensinger, seinem Schwiegersohn, dem Bildhauer Michel Erhart, dessen Schwiegersohn Adolf Daur (Daucher) und Enkel Hans Daur. Selbst bei Pinterest ist eine große Sammlung mit Kunstwerken von Michel Erhart.


Gregor Erhart, Michel Erharts Sohn, Bildhauer in Augsburg, erhielt 1496 in Augsburg das Meisterrecht, 1509 wurde er Bildhauer des Kaisers und fertigte für Kaiser Maximilian I. ein Reiterstandbild an. Sein Werk Maria-Magdalena, ein Glanzstück deutscher Schnitzkunst, befindet sich im Louvre in Paris, die Franzosen nennen sie bewundernd "La Belle Allemande", die Schöne Deutsche.
Das Buch enthält auch einen kleinen Stammbaum über die verwandtschaftliche Beziehung der Erharts zu den berühmten Holbein Malern. 
Gregor Erhart heiratete 1496 die Augsburgerin Anna Mair. Annas Tante war mit dem Augsburger Gerber Michael Holbein verheiratet, sie sind die Eltern von Hans Holbein dem Älteren. Er arbeitete 1493 in Ulm mit meinem Vorfahren Michel Erhart zusammen und übte einen Einfluss auf die Ulmer Schule aus. Sein Sohn Hans (der Jüngere) zählt zu den bedeutendsten Renaissance-Malern. Der Jüngere schuf in Basel seine beiden berühmten Madonnenbilder:"Die Madonna des Bürgermeisters Jacob Meyer zum Hasen", auch Darmstädter Madonna genannt, ist Teil der Sammlung Würth in der Schwäbisch Haller Johanniterkirche, seine Solothurner Madonna ist im Kunstmuseum Solothurn in der Schweiz.





Freitag, 24. November 2017

Möckmühl - Lebküchner Johann Jacob Kayser & Johann Gottlieb Kayser

Zur Vorweihnachtszeit passend tauchten zum ersten Mal Vorfahren auf, die den Beruf Lebküchner ausübten. - Der Beruf des Lebkuchenbäckers wird auch Lebküchner oder Lebzelter genannt. 
Nachdem die Bäcker im Spätmittelalter die Kunst des Brotbackens beherrschten, verfeinerten einige von ihnen die Teige mit Honig, Trockenfrüchten und Gewürzen. Im Nürnberger Raum wurde 1634 eine Lebkuchenzunft gegründet. Die Lebkuchenhersteller betrieben gleichzeitig mit dem Wachs, dem Nebenprodukt des Honigs, ein weiteres Gewerbe: die Wachszieherei. Sie belieferten Kirchen und Haushalte mit kunstvollen Kerzen, Wachsfiguren und Wachsbildern. Sie schnitzen selbst hölzerne Model, in denen sie das Wachs für die prachtvollen Wachsbilder gossen.
Aus den Lebküchnern entwickelten sich später die Zuckerbäcker und dann die Konditoren.


Lebzelter Hans Buel - um 1520
Pinselmalerei und Feder auf Pergament

Johann Jacob Kayser (1691-1758), Bürger und Ratsverwandter aus  Möckmühl (Landkreis Heilbronn), erlernte das Lebküchnerhandwerk. Da er auch als Handelsmann erwähnt wird, kann man annehmen, dass er seine Produkte weit über seine fränkische Heimatstadt hinaus verkauft hat.
Sein Sohn Johann Gottlieb (1720-1786), ebenfalls Lebküchner und Handelsmann, kam auf seinen Geschäftsreisen in das Haus des Meisterbäckers Staig in dem 40 km südlich gelegenen Weinstädtchen Beilstein am Fuße der Burg Hohenbeilstein. Er heiratete 1741 Maria Magdalena, Tochter des Meisterbäckers Johann Michael Staig.
Meine 6-fachen Urgroßeltern Kayser-Staig lebten mit ihren Kindern in Beilstein. Johann Gottlieb engagierte sich an seinem neuen Wohnort als Gerichtsverwandter, Amtspfleger und Waisenrichter.


Dienstag, 11. Juli 2017

Pfleiderer vom Degenhof

Pfleiderer, ein uralter schwäbischer Familienname. Hat man im Schwabenland keinen Pfleiderer in der Familie und auch keinen Nachbarn der Pfleiderer heißt, so kennt man wenigstens das Komiker-Duo Häberle & Pfleiderer alias Willy Reichert und Oscar Heiler.
Willy Reichert war der Pfleiderer, ein knitzer (schlauer) Schwabe, der oft das letzte Wort hatte. Häberle wurde von Oscar Heiler gespielt, eine Figur, die sich vornehmer gibt und meist versucht, Pfleiderer zu belehren. Themen waren schwäbische Charaktere, Philosophie im Allgemeinen, menschliche Schwächen, Schicksale und Landestypisches. Schwaben der älteren Generation haben noch das "jaa jaa - soo soo - jaa jaa ..." der beiden Komiker in den Ohren.
Die Häuser der Schwaben sind mit Pfleiderer-Ziegel aus Winnenden gedeckt und in jedem Häusle wird mit Fischer-Dübeln gschafft, denn Firmengründer Artur Fischer ist ebenfalls einer der vielen Tausend Pfleiderer-Nachfahren.
Der Schriftsteller, Dichter, Maler und Nobelpreisträger Hermann Hesse ist, wie auch der Dichter Friedrich Schiller, ein Nachfahre der Pfleiderers von der Ostalb. - Der älteste namentlich bekannte Pfleiderer (Pfleuderer) ist mein 12-facher Urgroßvater Sixt, geboren 1519 in Rauental ("in der Reute") bei Aalen, 1561 wurde er "entleibt".

Um 1575 kam sein Sohn Georg als Schäfer und Meier auf den Hof "zum Tegen" bei Hertmannsweiler (Winnenden). Der Schafhof, heute Scheurenrain 3, war seit dem Mittelalter in württembergischem Besitz und ist vermutlich das erste Wohngebäude des Ortes. Das historische Stammhaus der Pfleiderer steht unter Denkmalschutz, der Bauzustand lässt leider zu wünschen übrig.


Degenhof anno 1686
Forstlagerbuch Andreas Kieser

Ein Schäfer mit 11.000 Nachkommen schrieb der Reutlinger Generalanzeiger zum Familientreffen des Pfleidererverbandes im vergangenen Jahr.
Am Sonntag, 1. Oktober 2017, findet das nächste Familientreffen in Münsingen statt. "Wir freuen uns auf ein Wiedersehen" und auch bisher noch unbekannte Verwandte sind eingeladen.




Montag, 1. Mai 2017

Schozach - Weingut Graf von Bentzel-Sturmfeder

Traumhaftes Cabrio-Frühlingswetter stellte sich zum Tag der offenen Weingüter ein. Mein Ziel war das Weingut Graf von Bentzel-Sturmfeder in Schozach.


Eingang zum Weingut Graf von Bentzel-Sturmfeder

Am Tag der offenen Weingüter habe ich mich für dieses Weingut mit der interessanten und uralten Familiengeschichte der Sturmfeder entschieden, auf deren Untertanen man bei der Ahnenforschung immer wieder trifft. - Der aus Jagsthausen stammende Bildweber Simon Breuninger war laut Taufeintrag seiner Tochter Margarethe im Jahr 1762 "von sturmfederischer Schultheiß". Die Schultheißentochter Margarethe heiratete mit nicht ganz 18 Jahren Johann Wolfgang Friedrich Möbius, den Ochsenwirt aus Kaltenwesten (Neckarwestheim). Seine Mutter Maria Elisabetha ist die Tochter des Murrer Ochsenwirts Hans Leonhard Pfuderer, der mein 6-facher Urgroßvater ist.


Schozach im Heilbronner Land
im Spiegel die 1960 erbaute evangelische Leonhardskirche
zuvor gingen die Schozacher in die Bartholomäuskirche in Ilsfeld

Am Tor zum alten Felsenkeller traf ich den sympathischen Weingutbesitzer Kilian Graf von Bentzel-Sturmfeder. Seine Einladung zu einer Weinprobe nahm ich nicht an, für einen ungeübten Weintrinker ist eine Weinprobe um 11 Uhr doch noch zu früh. Der Sturmfedersche Keller verströmt den typischen Geruch alter Weinkeller, in dem seit Jahrhunderten die edlen Tropfen ausgebaut und gelagert werden. Die großen alten Weinfässer mussten zum Glück noch nicht den modernen weniger Behaglichkeit verströmenden glänzenden Stahltanks weichen.


anno 1396 erhielt der Ritter Friedrich Sturmfeder
von Graf Eberhard von Württemberg wegen seiner treuen Dienste
ein Stück Land im Schozacher Holz als Lehen

Ein Weinkeller wie ich ihn liebe und seit Kindertagen kenne: gewölbtes Mauerwerk an dessen Wänden sich feuchte Luft niederschlägt, vermischt mit dem Geruch nach Holz, dem Duft und den Aromen jahrhundertealter Weinlagerung gepaart mit der Faszination der mächtigen Eichenholzfässer.


der 2015-er Spätburgunder wird im Barriquefass ausgebaut

Schon wegen meiner Vorfahren hat es mir der Roséwein "Ritter Georg" und der Tresterbrand "Foltertrunk" beim Einkauf besonders angetan. Auch auf den edlen Flaschenetiketten ist das Familienwappen mit den beiden mittelalterlichen Streitäxten.
Die sturmfederschen Weine, Sekte und Destillate können auch online erworben werden.


in und um die Gebäude trifft man immer wieder
 auf die mittelalterliche Streitaxt


stolz trägt das Weingut das Wappen mit den Streitäxten, 
die im Mittelalter Sturmfedern  genannt wurden


Zeit, Geduld, Sorgfalt und Tradition
geprägt von Respekt gegenüber Natur und Umwelt.
- Philosophie des Hauses Sturmfeder -


Zum Familienbetrieb Bentzel-Sturmfeder-Horneck gehört auch das benachbarte Gästehaus und das Schloss Thurn mit Erlebnispark in Heroldsbach im bayrischen Oberfranken.



Donnerstag, 20. April 2017

Playmobil-Luther - Ausstellung im Kloster Maulbronn

Die Playmobil-Ausstellung in der Klosterkirche Maulbronn zeigt mit 166 Menschen- und Tierfiguren wichtige Stationen aus Luthers Lebensweg, der nicht nur aus dem berühmten Thesenanschlag bestand. Elf bedeutende Stationen seines Lebens wurden nachgestellt, beginnend bei einem Feld bei Stotternheim, dort gelobte er Mönch zu werden, wenn er das schwere Gewitter überleben sollte. Der Reformator wird auch als Familienvater gezeigt.


Die Wanderausstellung "Es begann mit Luther" ist vom 23. April bis 4. Mai 2017 in der Klosterkirche Maulbronn zu sehen.



Unter dem Deckengemälde des 8. Seitenschiffes der Klosterkirche ist das Epitaph meines 11-fachen Urgroßvaters,  Abt Melchior Volz (*1562 in Großbottwar +1625 in Maulbronn).



Abt Melchior Volz 

Abt im Kloster Maulbronn
Abt im Kloster Anhausen
Senior in St. Anna Augsburg
Landtagsabgeordneter
Berater des Herzogs



Dienstag, 11. April 2017

Die schöne Ulmerin - Michel Erhart


Nach über 50 Jahren geht es bald wieder nach Ulm. Als Kind habe ich mit meinem Vater den Turm des Ulmer Münsters erklommen. Das Ulmer Münster ist die größte evangelische Kirche in Deutschland, der 1890 vollendete 161,53 Meter hohe Turm ist der höchste Turm der Welt.
Damals wusste ich nicht, dass meine Vorfahren in der freien Reichsstadt bedeutende Spuren hinterlassen haben. In Ulm lebten und wirkten sie als Zuckerbäcker, Zunftbäcker, Münsterbauer und Holzbildhauer.
Eines der Kunstwerke meines 16-fachen Urgroßvaters Michel Erhart (*um 1445 Ulm) ist die "Schöne Ulmerin" im Ulmer Museum


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"Schöne Ulmerin"
Reliquienbüste der Heiligen Maria Magdalena

Außer dem Ulmer Museum stehen weitere interessante "Plätze" auf der Liste: das Brotmuseum in der Salzstadelgasse, die Zuckerbrotbäckerei Kaiser in der Herrenkellergasse, das Ulmer Münster und das Schneiderdenkmal an der Bastei.
Kaffeepause ist im Café Mohrenköpfle mit einem kalorienreichen Angebot wie Ulmer Münsterspitzen, Ulmer Gulden und Ulmer Spatzen aus Schokolade und Marzipan. Und vielleicht reicht es am Ende der "Ulm-Tour" noch für ein Fischgericht im Restaurant "Zur Forelle." Das "Zunfthaus der Schiffleute" wäre aber auch eine Einkehrmöglichkeit, denn mein Vorfahre Hans Held (*um 1600) war Schiffmann auf der Donau.

Ulmer Gulden
Schokoladen-Nachbildung des »Ulmer Gulden« (Silbergeld der freien Reichsstadt Ulm) von 1704 mit der Inschrift: »Moneta Argent Reip Ulmensis«
  




Montag, 10. April 2017

Martin Luther und die Hexenverbrennung

Noch druckfrisch habe ich das neueste Buch von Dr. Heiner Geißler gelesen, innerhalb weniger Tage wurde es zum SPIEGEL Bestseller.

 
Kann man noch Christ sein,
wenn man an Gott zweifeln muss?
 
 
Er hat lange gezweifelt, ob er dieses Buch schreiben soll. Danke Herr Geißler, dass Sie doch den Mut hatten, denn Sie treffen mit Ihrer Frage "Wenn es einen Gott gibt, warum ist die Welt dann voller Katastrophen, Krankheiten und Kriege?" genau das Thema, dass immer mehr Menschen beschäftigt. Die Veröffentlichung seines Buches passt perfekt ins Lutherjahr.
 
Deutschland feiert ein Jahr lang Martin Luther und gönnt sich noch den Luxus das Reformationfest einmalig als arbeitsfreien Tag zu begehen. Martin Luther an allen Ecken und Enden, in jedem Buchladen türmen sich Bücher und Sonderhefte über den Reformator.
 
Aber von Luther sind mehr als 30 Hexenpredigten überliefert. Er glaubte an die Existenz von Hexen und forderte entschieden deren Verfolgung und Hinrichtung.
Die weltliche Obrigkeit wurde von Luther ausdrücklich dazu aufgefordert, die angeblichen Hexen schärfer zu bestrafen. Regierende in lutherischen Fürstentümern und Städten, Juristen und Theologen sind ihm darin gefolgt. In der Folge führten viele Fürsten, Territorien und Städte umfangreiche Hexenverfolgungen durch.

Heiner Geißler fragt "Wer trägt nun die Verantwortung für dieses Leid, für die Hexenverbrennung im Namen Gottes? - Ein Gott müsste auf die Schicksale und Geschichten der Menschen einwirken können. Entweder es gibt ihn und er tut es nicht, weil er nicht kann und nicht will - dann ist dies nicht ein Gott des Evangeliums - oder es gibt ihn nicht."
 
Meine 11-fache Urgroßmutter Irmula Straub geb. Krauss wurde 1615 in Sindelfingen als Hexe hingerichtet. Gerade deshalb interessiert mich dieses Thema in Zusammenhang mit dem landauf und landab gefeierten Reformator Martin Luther.
 
In Hexenpredigten schürten auch andere Theologen die Hexenangst und riefen zur Verfolgung von Hexen auf.
Luther forderte nicht nur die Tötung der Hexen, sondern auch mehrfach deren Folter und Feuertod, und das nicht nur für Schadenszauber, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Teufel haben, ohne jeglichen Schaden anzurichten. Die enorme Vergrößerung des Kreises der potentiellen Angeklagten durch die Kriminalisierung des Aberglaubens war ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu den epidemischen Hexenverfolgungen der kommenden Jahrzehnte.

Und die Evangelische Kirche feiert ein ganzes Jahr lang ihren Luther und verdrängt auch diese Schandtaten, wie viele andere in den vergangenen Jahrhunderten. Aber wo bleibt dazu der Aufschrei unserer Profi-Feministinnen?

Zwischen 1450 und 1700 fand die große europäische Hexenjagd statt, ihren Höhepnkt erreichte sie zwischen 1550 und 1680. Von Schottland bis Siebenbürgen und von Spanien bis Finnland wurden Tausende Frauen systematisch gefoltert, hingerichtet, vorwiegend auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Der Missbrauch im Namen Gottes ist kein "Privileg" vergangener Jahrhunderte. Er ist hochmodern..... (Heiner Geißler)



Montag, 6. Februar 2017

Belrein von Eselsberg & Agnes von Bilversheim

Findet man auf unserem Planeten noch "Spuren" von seinen 24-fachen Urgroßeltern? Es sind nicht nur Spuren, es ist sogar das kleine Zisterzienserkloster Rechentshofen, das meine Vorfahren Belrein und Agnes um 1240 gegründet haben. Das abseits der Straße nach Häfnerhaslach gelegene ehemalige Nonnenkloster, seit gut 200 Jahren im Besitz des Hauses Württemberg, war in den vergangenen Monaten in den Schlagzeilen verschiedener Lokalzeitungen. Das Haus Württemberg bot das renovierungsbedürftige Kloster samt den dazugehörigen landwirtschaftlichen Nebengebäuden zum Verkauf an. Von etwa 30 Interessenten blieb am Ende nur ein Unternehmer aus Brackenheim übrig, der die Domäne Rechentshofen als Familiensitz nutzen wird.
Bevor Handwerker mit den Baumaschinen tätig werden habe ich das von der Hofkammer des Hauses Württemberg verkaufte Anwesen besichtigt. Leider nur außen, zu gern hätte ich einen Blick in die verschlossene Klosterkirche geworfen, in der meine Vorfahren bestattet wurden.

 
"Betreten und Befahren für Unbefugte verboten" - erlauben mir meine Vorfahren einen Blick auf die Klosteranlage zu werfen?
 
 
Eingang zum Klosterhof

 
Eingang zum Kloster

 
ein undefinierbares "Tier" an der großen Fassade
 
 
Brunnen mit Nebengebäude

 
das einzige Steinmetzkunstwerk das ich finden konnte,
leider sah ich keine Kopfsteine mit Initialen & Jahreszahlen

 
wann wurde diese alte Türe wohl zuletzt benützt ?

 
uralter dekorativer Eisenzaun um den Klostergarten herum
 
 
Belrein und Agnes lebten auf der benachbarten Eselsburg. Die Burganlage bestand ursprünglich aus einer ovalen Burg mit tiefem Ringgraben und vorgelegten Wällen, heute sind nur noch wenige Reste erhalten. Auf dem Fundament des Bergfrieds steht heute ein hölzerner Turm. Im Wald befindet sich noch der alte Burgbrunnen. (burgenarchiv.de) 

 

 
rekonstruierte Burg auf dem Eselsberg
 
 
 

Freitag, 3. Februar 2017

Musée du Louvre - La Belle Allemande

Als die Franzosen 1902 die lebensgroße Lindenholzfigur für den Pariser Louvre ankauften, nannten sie sie Eva und tauften den Künstler 'Meister der schönen Deutschen'. Inzwischen hat sich der Meister als Gregor Erhart (1470 Ulm - 1540 Augsburg) entpuppt und aus der schönen Eva ist eine - der Gebetsgestus verrät es - Heilige geworden, die Heilige Maria-Magdalena. Gregor Erhart, Mitglied der Ulmer Schule bewies mit ihr, dass er der erste Bildhauer nördlich der Alpen war, der die Kunstgriffe der Renaissance meisterte.
Gregor Erhart ist der Bruder meiner 15-fachen Urgroßmutter Afra Erhart. Vater Michel Erhart war im späten 15. Jahrhundert der bekannteste und meistbeschäftigte Ulmer Bildhauer, seine Wanderjahre führten ihn über Konstanz bis in die Niederlande. 



Musée du Louvre - La Belle Allemande
 
Im vergangenen Jahr tauchte im Ulmer Museum eine Liste mit einem brisanten Vermerk auf: "Vorbereitung" zur Beschlagnahme Ulmer Kunst im Besitz von "besiegten Feindstaaten". Innen liegen elf Seiten mit einer Zusammenstellung "der wichtigsten im Besitze Frankreichs und Englands befindlichen Ulmischen und Oberschwäbischen Altertümer", bedeutender Kunstwerke, Medaillen und Bücher Ulmer Herkunft. Datiert ist das Ganze auf den 8.7.1940, unterzeichnet vom damaligen Direktor Carl Kraus. Adressat unbekannt. - Platz eins auf Carl Kraus’ Liste, Gregor Erharts "La Belle Allemande“. Doch passiert ist nichts.
"La Belle Allemande" ist Frankreich doch noch abhanden gekommen, Generalfeldmarschall Hermann Göring hat sie später durch einen Tausch erzwungen, 1945 wurde sie zurückgegeben und ist jetzt wieder da, wo sie hingehört - im Musée du Louvre in Paris.
 
 
 

Sonntag, 22. Januar 2017

Das Geheimnis der Heilerin - Historischer Roman

Meine 14-fache Urgroßmutter Susanna Daucher geb. Spitzmacher, auch als Adolfine von Augsburg bekannt, wurde 1528 aus der Stadt Augsburg gewiesen, weil sie den Wiedertäufern angehörte und gegen das Versammlungsverbot verstoßen hatte.
Fast 500 Jahre nach der Vertreibung aus der Stadt Augsburg "lebt" sie in dem historischen Roman Das Geheimnis der Heilerin weiter.


 
"Darum hat dieser Rat beschlossen, dass sie mit dem Brand auf ihren Backen bezeichnet werden sollte."
Schlagartig ging ein tiefes, zufriedenes Raunen durch die Menge. Susanna Daucher jedoch zuckte zusammen und senkte den Kopf.
"Da sie aber schwanger ist, wurde sie begnadigt, damit sie aus der Stadt geführt werde."
Es sah so aus, als wollte die Kraft Susanna Daucher verlassen; dieser elende Rest der ihr noch verblieben war. Man sah, wie sie sich wieder mühsam aufrichtete und noch einmal die Knie unter dem schweren Leib durchdrückte.
"Ihr Leben lang darf sie nicht mehr in dasselbe Gebiet kommen, auch nicht in einen Umkreis von sechs Meilen. Danach habe sich jedermann zu richten. Gegeben am 21. April anno 1528", endete der Stadtschreiber und rollte das Papier sorgsam wieder zusammen. Er ließ etwas Zeit verstreichen, dann gab er den Bütteln zu Füßen der Verurteilten ein Zeichen.
Susanna Daucher stand da wie erstarrt. Eisig war es in ihrem Inneren, eisig wie der Wind, der durch ihr löchriges Gewand und den Mantel blies, der auch nur noch ein Fetzen war. Die Stille über dem Rathausplatz hielt sich wie ein Netz, das alle verschlungen hatte. Die Stadtknechte stiegen zu der Verurteilten hinauf und lösten sie aus den Eisen. Erst schien es, als breche sie unter ihren Händen zusammen, aber dann raffte sie sich erneut auf und stieg zwischen ihnen mühsam und umständlich die grobe Leiter hinab, die wieder hingestellt worden war.
Im selben Moment hob das Verhöhnen wieder an. Schimpfworte wurden laut, Brüllen und ein bedrohliches Auffahren, als wollten die Leute in einer Welle über die Daucher kommen. Die Büttel beschleunigten ihre Schritte und rissen die Hochschwangere mit sich, während die vordersten Schergen den Weg mit ihren Hellebarden freistießen.
"Jetzt treiben sie die Daucher zur Stadt 'naus ... auf zum Gögginger Tor!", rief einer, und die Masse johlte ...
 
Aus der Huffington Post: "Dieser historische Roman lässt das Leben im Mittelalter vor dem Auge des Lesers auferstehen! Lebendige Bilder erscheinen vor seinem geistigen Auge - situationsangemessen mal farbenprächtig heiter, mal bedrückend düster, honorig sachlich oder grausam brutal".
 
 
 
Der Verruf (Urteil) ist Ausstellungsobjekt in der Lutherstiege.
 
 
 
 


Samstag, 17. Dezember 2016

Susanna Daucher - Augsburger Täuferbewegung

Eine Vorfahrin zu haben, die zu Beginn des 16. Jahrhunderts lebte, die sich gegen den Willen ihres Ehemannes taufen ließ und über die es eine Wikipedia-Seite gibt, ist nicht alltäglich.
Susanna Daucher geb. Spitzmacher, Ehefrau des Augsburger Bildhauers Hans Daucher, gehörte der Augsburger Täuferbewegung an.

 
Am Hinteren Lech 2 - Augsburg
Wohnhaus der Familie Daucher - Versammlungsort der Täufer
 
 
Am Ostersonntag 1528 traf sich die Täuferbewegung im Haus der Familie Daucher zum Gottesdienst, Hans Daucher war zu dieser Zeit berufsbedingt in Österreich unterwegs.
Die Verantwortlichen der Stadt Augsburg hatten schon längere Zeit zuvor per Ratsbeschluss die Aufnahme und Bewirtung von Täufern strengstens verboten. Susanna Daucher verhängte deshalb bei der Vorbereitung des Gottesdienstes vorsorglich die Fenster ihres Hauses mit Tüchern. Die rund 100 Personen, die sich im Daucher-Haus zum Gottesdienst eingefunden hatten, konnten aber in der Enge des Augsburger Lechquartiers nicht verborgen bleiben. Das Treffen wurde bei den städtischen Behörden denunziert. Der Stadtrat beorderte bewaffnete Polizeikräfte und ließ das Haus umstellen. Nach etwa einer Stunde erfolgte der Zugriff. 88 Personen wurden verhaftet, in Eisen gelegt und zum Rathaus verbracht. Unter ihnen befanden sich 39 nicht ortsansässige Täufer und Täuferinnen, die bereits am folgenden Tag mit der Peitsche, einige auch nach Kennzeichnung durch „den Brand auf den Backen“, der Stadt verwiesen wurden. Die Augsburger Bürger und Bürgerinnen unterzog man  peinlichen Verhören. Susanna Daucher verteidigte sich unter anderem mit dem Argument, dass auch in häuslicher Umgebung gemeinsames Bibellesen und Beten nicht verwerflich sein könne.
 
Am Ende der gerichtlichen Untersuchungen stand der so genannte „Verruf“, mit dem die schwangere Susanna Daucher aus der Stadt vertrieben wurde und der heute zu den Ausstellungsobjekten der Lutherstiege (theologisch-historisches Museum in der Augsburger Kirche St. Anna) gehört:
Susanna Daucher, genannt Adolfin von Augsburg, hat gegen die getreue Warnung, die der ehrbare Rat der Stadt Augsburg hat verkünden und anschlagen lassen die besagt, dass niemand die Wiedertaufe annehmen sollte, dass zusammenkommen und sich versammeln von Wiedertäufern verboten ist und mit Leibes- oder Lebensstrafen bestraft wird, die Wiedertaufe angenommen. Sie hat Wiedertäufern zu Essen gegeben, sie mit Speis und Trank versorgt, in ihrer Wohnung hat sie eine verbotene Versammlung zugelassen und Versammlungen an anderen Orten besucht. Darum hat dieser Rat beschlossen, dass sie mit dem Brand auf ihren Backen bezeichnet werden sollte. Da sie aber schwanger ist, wurde sie begnadigt, damit sie aus der Stadt geführt werde. Ihr Leben lang darf sie nicht mehr in dasselbe Gebiet kommen, auch nicht in einen Umkreis von sechs Meilen. Danach habe sich jedermann zu richten. - Gegeben am 21. April Anno 1528."

 
Gedenktafel am Haus der Familie Daucher
 

Am Tag der Urteilsverkündung wurde Susanna Daucher unterhalb des Rathauserkers an den Pranger gestellt. Anschließend wurde der Ausweisungsbeschluss umgehend vollzogen. Die beiden Kinder musste Susanna Daucher zurücklassen; sie wurden unter Pflegschaft gestellt. Als der Ehemann, der im Blick auf das Geschehene ahnungslos war, von Wien zurückkehrte, war seine Existenz durch den Verlust seiner Familie und den Einzug seines Vermögens ruiniert. Damit war auch seine künstlerische Tätigkeit beendet; nach dieser Zeit ist – soweit bekannt – kein Werk mehr von ihm entstanden. Ab 1530 führte man Hans Daucher in den städtischen Steuerlisten als „Habnit“ (= Habenichts). Er verzog nach Württemberg, wo er gegen geringen Lohn eine Anstellung bei Herzog Ulrich fand. Um 1537 starb Hans Daucher in einem Siechenhaus in der Nähe von Stuttgart.
Ob er seine Ehefrau wiedergesehen hat, muss eine offene Frage bleiben. Susanna Dauchers weiterer Lebensweg bleibt ebenfalls im Dunkeln. Vermutungen gehen dahin, dass sie – wie andere vertriebene Täufer auch – in Stuttgart eine neue Heimat fand. - (Quelle: Wikipdedia)
 
 

 

Dienstag, 13. Dezember 2016

Ulrich von Ensingen - Ulricus Fissingen de Ulme

Ulrich Ensinger, auch Ulrich von Ensingen und Ulrich Fissingen de Ulme ist um 1350 in Oberensingen bei Nürtingen geboren und am 10. Februar 1419 in Straßburg verstorben. Er war nicht nur ein berühmter Baumeister der süddeutschen Gotik, er ist auch mein 19-facher Urgroßvater.

 
Der Münchner Bildhauer Hermann Lang schuf 1912 eine überlebensgroße Statue des Baumeisters, die im Ulmer Münster errichtet wurde.


Ulrich von Ensingen war der Stammvater der Werkmeisterfamilie Ensinger. Eine enge Beziehung zur Stadt Esslingen brachte für Ulrich der Bau der Frauenkirche mit sich. Er trat in die dortige Bauhütte als Geselle ein. In den Esslinger Steuerlisten ist er als Murer und Stainmetz nachgewiesen.
Er baute von 1392 bis 1417 am Ulmer Münster, wo er das bereits begonnene Langhaus bis in die halbe Höhe weiterführte. Sein Entwurf für den Münsterturm ist im Ulmer Stadtmuseum erhalten und ist eine der bedeutendsten gotischen Architekturzeichnungen. Von 1394 bis 1395 baute Ensinger am Mailänder Dom. Anno 1399 berief man ihn nach Straßburg, wo er bis zu seinem Tod den oktogonalen Nordturm auf der Plattform des Straßburger Münsters bis zum Ansatz des Helmes erbaute. Er lieferte 1414 den Entwurf für den Georgsturm des Basler Münsters, 1415 auch für den Westturm des Frankfurter Domes. - Keines seiner Werke wurde zu seinen Lebzeiten vollendet.


Der Turm des Straßburger Münsters, der zu den genialsten Turmkonstruktionen der Gotik gezählt wird, gilt als sein Meisterwerk, auch wenn die Vollendung auch hier erst nach seinem Tod geschah.


Freitag, 9. Dezember 2016

Bozen 1500 - Lorenz Schmidlin - Kempten 1555

Lorenz Schmidlin ist um 1500 in Bozen geboren, heiratete in Kempten/Allgäu Catharine Weidinger. Nachfahren seiner Kinder Johannes Schmidlin (1544 Kempten - 1594 Urach), Dekan in Urach und Catharina Schmidlin (1537 Kempten +nach 1572) sind meine Eltern. Dreizehn bzw. vierzehn Generationen nach Lorenz Schmidlin sind sich meine Eltern weit ab von Kempten begegnet und hatten an Weihnachten 1950 ihr erstes Date, ganz romantisch, im Pferdeschlitten durch verschneite Wälder.

Johannes und seine Nachfahren lebten in Urach, Leonberg, Dornstetten, Güglingen, Oberstenfeld und Murr. Sie waren Präzeptor (Lehrer), Stiftsküfer, Sternwirt, Schultheiß, Gerichtsverwandte, Metzger und Bauern.
Catharina heiratete den Klosterpräzeptor und Pfarrer Wilhelm Elenheinz aus Böblingen, sein Vater ist Balthasar Elenheinz, der erste evangelische Abt im Kloster Alpirsbach. Die Tochter Barbara heiratete Melchior Volz, den in Kirchenkreisen bekannten Abt des Klosters Maulbronn. Die Nachfahren von Lorenz Schmidlin in dieser Linie lebten in Kempten, Böblingen, Blaubeuren, Dürrmenz, Sindelfingen und Steinheim. Sie waren Äbte, Pfarrer, Amtsschreiber, Vogt, Gerichtsverwandte, Ratsbürgermeister, Sattler, Glaser und Bauern.

Es ist nicht selten, dass man denselben Vorfahren mehrmals im Stammbaum hat, dann sind es aber Ehen, die in den zurückliegenden Jahrhunderten auf demselben oder den umliegenden Dörfern geschlossen wurden. Hans Trautwein (1560 – 1634) ist in sechs Linien mein Vorfahre. Auch Rudolf von Hüsern (1515 – 1602) steht sechs mal im Stammbaum der vielen Häussermannvorfahren.
Dass sich aber Nachfahren nach dreizehn und vierzehn Generationen begegnen, sich auf den ersten Blick verlieben und heiraten, ist bei meinen Vorfahren (bisher) einmalig.

Lorenz Schmidlin hat Rechtstwissenschaften studiert, hielt 1531 in Kempten das Bürgerrecht, er war dort Gerichtsschreiber, Stadtschreiber und Schulherr. Zum Empfang Kaiser Karl V. in Kempten hielt Lorenz am 15. Juli 1543 eine Rede. 1545 reiste er in Sachen des Schmalkaldischen Bundes nach Augsburg, Ulm und Memmingen. - Im Jahr 1543 wird er zum Grafen Montfort abgeordnet, um ein Lehen zu empfangen.
 
Kaiser Karl V. - Gemälde von Tizian
 
Mich begeistern immer wieder meine Vorfahren, die vor Jahrhunderten zu den wenigen Menschen gehörten die damals lesen und schreiben konnten. Die späteren Äbte und Pfarrer haben schon in sehr jungen Jahren das Elternhaus verlassen um Klosterschulen zu besuchen und anschließend das Abitur und Studium der Theologie – meist in Tübingen – zu absolvieren. Vermutlich ging es ihnen auch wie Friedrich Schiller, der ab seinem 14. Lebensjahr die Hohe Karlsschule in Stuttgart besuchte und während seinen Schuljahren nie nach Hause kam. – Ey, was sind wir heute doch verhätschelt …. 

 

Montag, 31. Oktober 2016

Ein feste Burg ist unser Gott - Lutherjahr

Heute beginnt das Lutherjahr, das am 31. Oktober 2017 mit einem "Sonderfeiertag" für uns Baden-Württemberger endet. - Zu Beginn des 500-jährigen Reformationsjubiläums haben die evangelische Kirche Großbottwar und die Bottwartaler Winzer jetzt einen Luther-Wein kreiert. Die angebotene Cuvée ist limitiert. Die Nachfrage ist groß, deshalb hielt ich heute bei der Fahrt durch's Bottwartal an der Kellerei und erwarb einen Karton mit 6 Flaschen Luther-Wein,
Die Cuvée enthält Spätburgunder, Schwarzriesling, Trollinger, Acolon und Cabernet Mitos. Aromen von Pflaume, Schwarzkirsche und Brombeere liegen in der Luft. Feine, gut integrierte Tannine halten die Erinnerung an dieses Genusserlebnis noch lange wach. Ein Allrounder ... er passt zu Pasta, Braten, Pizza sowie zu Party und Genuss.
 
 
Das Etikett ziert Martin Luthers Konterfei aus der Feder des Malers Lucas Cranach und die Wartburg.
 
 


Montag, 3. Oktober 2016

Familie Ziegler vom Grünenberg

Lammbraten mit Bratkartoffeln und Jägerschnitzel mit Spätzle gab es zu Mittag auf dem Grünenberg, einem Weiler oberhalb von Gingen an der Fils, dort wo einst meine Vorfahren Ziegler lebten und in der nahegelegenen Lehmgrube arbeiteten. Mehrere Generationen arbeiteten auf dem Grünenberg als Ziegler, vermutlich wurde deshalb mit der flächendeckenden Einführung der Nachnamen im 15. Jahrhundert der Beruf einfach zum Familiennamen.

 
Wandmalerei im Landgasthof Grünenberg

 
idyllischer Bauerngarten in Grünenberg
 
 
Wanderweg zur früheren Lehmgrube und heutigem Amphibienschutzgebiet 'Turm'
 
 
Früher wurde an dieser Stelle in der tiefen wasserundurchlässigen Lehmschicht der Rohstoff für die ehemalige Ziegelei Grünenberg abgebaut.
 
 
 
 
Heute leben im Amphibienschutzgebiet Heidelibellen, Schillerfalter, Schwanzmeisen, Wespenspinnen, Ringelnattern, Frösche, Bergmolche, Wasserspinnen .....
 
Maria Ziegler, meine 8-fache Urgroßmutter und Ehefrau von Georg Albrecht aus Kuchen, ist um 1590 auf dem Grünenberg geboren. Die Ahnenliste der auf dem Grünenberg geborenen Ziegler geht noch 5 weitere Generationen zurück. Über Michael, Johannes, Michael, Veltin zu meinem 13-fachen Urgroßvater Bartholomä Ziegler, der um 1450 geboren ist.
 
Grünenberg gehört zu der an der Fils liegenden Pfarrgemeinde Gingen. Getauft wurden die Zieglers in der dortigen spätgotischen Johanneskirche. Die Freie Reichsstadt Ulm leitete in ihrem Gebiet – und damit auch in Gingen – 1531 die Reformation ein.
 
 
Johanneskirche Gingen an der Fils

 
Fenster der Johanneskirche
 
 
DCCCCLXXXIIII
Die Weiheinschrift über der Nordpforte vom 1. Februar 984 ist die älteste datierte Kircheninschrift Deutschlands (nach dionysischer Zeitrechnung).

 
 
Grabstein an der Außenmauer der Kirche
'Hier ruhen Margarethe und Marie Hagenmaier'
 




Montag, 12. September 2016

LAITENBERGER - ein familiengeschichtliche Erzählung

Haben Sie die Namen Laiterberg, Leitersperger, Laitterberger und Laitenberger in Ihrem Stammbaum? Dann finden Sie in dieser umfangreichen familiengeschichtlichen Erzählung, einschließich Familienwappen, Informationen über Ihre Vorfahren: www.fa-am.de
Es geht in dieser Erzählung um die Herren von Laiterberg in Oberschwaben (13. Jahrhundert), das Patriziergeschlecht der Leitersperger in Straßburg (14. bis 16. Jahrhundert), die Laitterberger auf der Schwäbischen Alb (16. Jahrhundert), die Laitenberger in Kirchheim/Teck (16. bis 18. Jahrhundert), in Laichingen (17. Jahrhundert) und auf dem Schlossgut Liebenstein im Württembergischen Unterland (17. und 18. Jahrhundert).

Meine Vorfahren gehören zu den Laitterberger auf der Schwäbischen Alb, deren Namen bei der Musterung 1607 in Laichingen auf Laittenberger und später auf Laitenberger geändert wurde. Ende des 17. Jahrhunderts kamen die Laitenberger nach Großbottwar und Schloss Liebenstein (Neckarwestheim). Dieser Familienname hat sich in unserer Region bis heute gehalten.

Die Geschichte meiner Vorfahren beginnt mit Jerg Laitterberger, Bauer in Ennahofen auf der Schwäbischen Alb. 1582 wird er als "Inhaber" eines der Herrschaft gehörenden Gnaden- oder Fallguts genannt. Ennahofen gehörte zuvor zu einem Lehen der Herren von Freyberg. Als der letzte Freyberg starb fiel das Lehen 1581 an den Lehensherrn, den Herzog von Württemberg, zurück, der das Dorf Ennahofen sofort in lutherisch-evangelischem Sinne reformierte. Das Gut gehörte zu den größeren der 24 Anwesen des Dorfes. Das Wohnhaus mit Scheune, Hofraite (Hofraum) und Baumgarten stand direkt an der Dorfstraße, die Äcker und Wiesen lagen weit über die Markung verstreut.


Grenzsteinzeuge Ennahofen

Johann Georg (*1647 Laichingen), der Ur-Urenkel des Ennahofener Laitterberger verheiratete sich nach Suppingen, um 1683 siedelte die Familie auf die Domäne Krebsstein oberhalb von Gutenberg im Lenninger Tal, über.

 
Blick von Krebsstein nach Gutenberg im Lenninger Tal

 
Blick von Krebsstein zur Gutenberger Höhle
 
 
 

Montag, 18. Juli 2016

Matthäus Nusser, Süßbäcker aus Ulm

Matthäus Nusser, Schwiegervater von Pfarrer David Müller und mein 9-facher Urgroßvater ist 1596 in Ulm geboren, von Beruf war er Süßbäcker. Süßbäcker ...? ... noch nie gehört, möglicherweise ein Konditor? Aber was hat es nun wirklich auf sich mit dem Beruf Süßbäcker, den es nur im Raum Ulm zu geben scheint?

Die Südwest Presse Ulm schreibt dazu:
Das Bäckerhandwerk war in Ulm lange Zeit aufgeteilt in drei Sparten: die Süßbäcker, die Sauerbäcker und die Zuckerbäcker. - Die Sauerbäcker wirkten bis Ende des 16. Jahrhunderts als Lohnbäcker, die im Auftrag arbeiteten und nicht der Zunft angehörten. Sie stellten, wie schon der Name sagt, die Brote aus Sauerteig her.
Die Süßbäcker, welche die Bäckerzunft dominierten, produzierten die weißen Brotsorten, etwa das Herren- oder Semmelbrot, sowie die Brezeln.
Die Zuckerbäcker gehörten nicht zur Bäcker-, sondern zur Kramerzunft. Sie stellten unter anderem Lebkuchen, Met und Marzipan her und handelten mit Zucker, Honig und Gewürzen. Das Zuckerbrot buken allerdings die Süßbäcker.

 
Ulmer Zuckerbrot wird in der Bäckerei Zaiser bereits in der 6.Generation gebacken
 
 

Samstag, 2. Juli 2016

'Hexe' Irmula Krauss-Straub & Wikipedia

Von 1562 bis 1684 gerieten in den Hexenverfolgungen in Sindelfingen 34 Frauen in Hexereiverdacht. Im Gegensatz zu vielen Gebieten in Württemberg fanden über die Hälfte der Verdächtigen den Tod: 19 der angeklagten Frauen wurden in Hexenprozessen hingerichtet.
SO beginnt bei Wikipedia der Artikel Hexenverfolgungen in Sindelfingen.

Meine 11-fache Urgroßmutter Irmula Straub geborene Krauss wird dort unter Hexenprozesslawine 1615 bis 1616 genannt: In der Hexenprozesslawine von Mai 1615 bis September 1616 gerieten 19 Frauen in den Verdacht des Schadenzaubers und der Hexerei. Zwölf Frauen verloren ihr Leben. -
Judith Stick wurde im Mai gefoltert. Sie war angeblich schon 1589 in Vaihingen in einen Hexenprozess geraten. Sie konnte lesen, schreiben und war in der Bibel versiert. Sie bestand die theologische Befragung durch das Gericht mit Bravour. 15 Zeugen verdächtigten sie des Schadenzaubers. Ein Folterurteil wurde erlassen, doch während der Tortur der kleinen, zierlichen Person zerbrachen mehrere Folterinstrumente. Nach dem Scheitern der ersten Tortur wurde sie auf eine Wiederholung der Folter verklagt. Vergeblich versuchte sie, den Vogt mit 50 Gulden zu bestechen. In der zweiten Folter legte sie ein Geständnis ab und besagte vier weitere Frauen als Hexen: Barbara Ada, Irmula Straub, Katharina Rohr und Katharina Heubacher. Diese gehörte zur Oberschicht, ihr Bruder war mehrmals Bürgermeister und Ratsmitglied. Der Rat zögerte zunächst bei Ermittlungen gegen sie, aber fürchtete den Unmut der Bevölkerung. Alle vier besagten Frauen wurden angeklagt, der Folter unterworfen, zum Geständnis gezwungen und wie Judith Stick hingerichtet..... 1615 Irmula Straub hingerichtet....

Waldburga Pfau wurde am 1.Oktober 1616 hingerichtet. Es war die letzte bekannte Hexenverbrennung in Sindelfingen.
Im Stadtarchiv Sindelfingen befindet sich noch ein großer Teil der Original-Protokolle über die Hexenprozesse und Einzelschicksale.



Auf die Hexenverfolgungen 1615/1616 in den württembergischen Ämtern Dornstetten, Leonberg und Sindelfingen (Sündelfingen) machte eine Hexenzeitung aus Tübingen 1616 aufmerksam: Zwo Hexenzeitung (…) Die ander: Auß dem Hertzogthumb Würtenberg: Wie der Hertzog zu Würtenberg in unterschiedlichen Stätten das Hexenbrennen auch angefangen. DEr Hertzog zu Würtenberg hatt das Hexenbrennen auch angefangen, in den Stätten Dornstatt, Sündelfingen ... weiterlesen bei Wikisource ...